Nius ist ein 2022 gegründetes deutschsprachiges Onlinemedium, das als rechtspopulistisches und rechtskonservatives Portal im Stil von Fox News eingeordnet wird. Chefredakteur ist Julian Reichelt, der in gleicher Funktion bis 2021 für die Boulevardzeitung Bild tätig war. Zudem ist er zusammen mit Vera Regensburger Geschäftsführender Direktor der Vius Management SE, welche die Betreibergesellschaft Vius SE & Co. KGaA vertritt. Die Betreibergesellschaft hält auch 77 Prozent des österreichischen Exxpress. Wissenschaftlich wurde Nius unter anderem als Propagandamedium und weit rechts stehendes, Journalismus simulierendes Agitationsformat beurteilt.

Unternehmensstruktur Der Sitz der Redaktion und des Herausgebers ist Berlin.

Kontrolliert wird Nius vom Medienunternehmer und Milliardär Frank Gotthardt, der als Förderer von Julian Reichelt nach dessen Karriereende beim Springer-Verlag bekannt wurde. Gotthardt erklärte 2024 seine Motivation für die Zusammenarbeit mit Julian Reichelt damit, dass es in Deutschland eine „Übermacht der Medien“ gebe, die „links zu verorten“ seien. Die Gründung von Nius sei daher „staatsbürgerliche Verantwortung“. Das Portal werde nur als rechts der Mitte wahrgenommen, weil die Mitte „nach links gedriftet“ sei. Nius wird von Frank Gotthardt finanziert.

Als Herausgeber fungiert Gotthardts Firma Vius SE & Co. KGaA. Dahinter steht die persönlich haftende Gesellschafterin VIUS Management SE, die Reichelt zusammen mit Vera Regensburger leitet. Regensburger war seit 2022 Geschäftsführerin von Sebastian Kurz‘ Firma AS2K und bis April 2022 Vizekabinettschefin im Bundeskanzleramt von Karl Nehammer (ÖVP). Im März 2026 wurde die Tochtergesellschaft VIUS Media Services GmbH gegründet.

Finanzierung Finanziert wird Nius vor allem durch Frank Gotthardt. Weitere Einnahmen generiert das Portal durch einige wenige Anzeigen und durch Abonnements, durch die Kunden Zugang zum Archiv erhalten. Die aktuellen Beiträge sind frei im Internet zugänglich. Nach einem 2025 geleakten Datensatz hatten 46 Nutzer ein Jahresabo über 199,99 Euro, 351 über 99,99 Euro, 235 zahlten 100 Euro Jahresbeitrag. Dazu kamen Nutzer, von denen mehrfache monatliche Zahlungen von 9,99 Euro oder 10 Euro eingehen.

Konventionelle Werbung, auch Radiowerbung auf Nius Radio, wird anfangs nur spärlich geschaltet. Im Jahr 2023 gab Vius SE 183.700 Euro für Google-Ads aus, im Jahr 2024 (Stand Dezember 2024) betrugen die Ausgaben schon 614.550 €. Insgesamt sollen für politische Werbung bei Google und Meta zwischen 2023 und 2025 1,4 Mio. Euro ausgegeben worden sein.

2022 wies die Betreibergesellschaft von Nius einen Bilanzverlust von 3 Millionen Euro aus. 2023 wurde bei einer Bilanzsumme von rund 6,4 Millionen ein Fehlbetrag von 13,8 Millionen Euro angegeben, der durch Gelder von Gotthardt beglichen wurde. Insgesamt sei das Portal mit Stand Mitte Juli 2025 „nach allen Informationen bislang ein Zuschussgeschäft“, in das Gotthardt Geld „in zweistelliger Millionenhöhe gepumpt“ habe. 2024 waren es bei gut sieben Millionen Euro Bilanzsumme rund 16,2 Millionen Euro Jahresfehlbetrag, wobei weiter kaum Erlöse generiert wurden. Insgesamt erzielte die Betreiber-Gesellschaft Vius damit in den ersten drei Jahren 33 Millionen Euro Verlust, die von Gotthardt begleichen werden. Bis Ende 2024 hatte er 37,4 Millionen Euro in Vius investiert; bis Ende 2025 soll die Summe nach Angaben aus seinem Umfeld auf über 50 Millionen angewachsen sein.Lars Wienand: Verluste bei Reichelts "Nius" weiten sich aus. In: T-Online.de, 18. Mai 2026. Abgerufen am 19. Mai 2026.

Redaktion Chefredakteur und Verantwortlicher gemäß Presserecht sowie Medienstaatsvertrag ist Julian Reichelt; stellvertretende Chefredakteurin ist seit August 2025 Pauline Voss. Die Chefredaktion bestand Stand Mai 2026 aus Ute Oelker, Pauline Voss, Philippe Fischer und Helena Gebhard.

Zur 30-köpfigen Redaktion gehören die ehemaligen Bild-Redakteure Ralf Schuler („Nius-Politikchef“) Julius Böhm und Alexander Möhnle (Redaktionsleiter für Talkformate), die zuvor bereits mit Reichelt gearbeitet hatten, sowie Louis Hagen, Christian Kemper, Amir Makatov, Anabel Schunke, Giovanna Winterfeldt, Rob Szymoniak und Alexander Kissler.

Ehemalige Redakteure und freie Mitarbeiter +NamePosition/RolleZeitspanneDetailsQuelleJan David SutthoffChefredakteurJuni bis Oktober 2023Sebastian VorbachBewegtbildformatebis 2023Vorbach moderierte das Talk-Format "Stimmt"Sebastian Vorbach Mitglied der Chefredaktionbis Mitte 2024Ehemaliger Bild-JournalistWilli HaentjesMitglied der Chefredaktionbis Mitte 2024Ehemaliger Bild-JournalistTim ThorerMitglied der Chefredaktionbis 2025Zara RifflerRedakteurinbis 2025Judith Sevinç BasadRedakteurinbis 2025Birgit KelleExpertin, freibis Anfang 2026Benedikt BrechtkenKolumnistbis Mai 2026Libertäre Kolumnen, wechselte zu Apollo NewsJan Aleksander KaronRedakteurbis Mai 2026Reportagen u. a.Björn HarmsRedakteurbis Mai 2026Umfangreiche Reportagen über den sogenannten NGO-Komplex

Unternehmensgeschichte Nach seiner Entlassung bei Axel Springer wollte Julian Reichelt ein eigenes Medienunternehmen gründen. Als sich dieses Vorhaben im April 2022 konkretisierte, bezog das Projekt Räumlichkeiten der Berliner Niederlassung von Frank Gotthardts Unternehmen als Untermieter. Im Juli 2023 ging dann Nius online. Zunächst wurden einzelne Formate eingeführt, zu denen es neben den Webseiten, jeweils unter dem gleichen Namen, Accounts in den Sozialen Medien wie YouTube, X, Facebook und Instagram gab.

Die Formate werden unter der Marke Nius gebündelt und die Inhalte auf dem Portal sowohl als Text, Video als auch als Webradio verbreitet. Die unterschiedlichen Formate werden als „Shows“ bezeichnet. Im April 2024 startete die einstündige Morgensendung NIUS live. Die Journalistin Hannah Knuth schrieb in der Zeit, Nius sei kein Nachrichtenportal, sondern verbreite hauptsächlich Meinungsbeiträge, auch wenn diese nicht als solche gekennzeichnet würden.Hannah Knuth: Er sagt: Wir sind eine Bewegung. In: Die Zeit vom 19. September 2024, S. 5.

Im Mai 2024 stieg die Vius SE beim österreichischen Exxpress ein und übernahm 25 Prozent. Im November 2024 stockte die Vius SE ihren Anteil bei Exxpress auf 50 Prozent auf, im Mai 2026 lag dieser bei 77,3 %. Zudem hält die VIUS SE & Co. KGaA 75,1 % an der in Wien ansässigen VIUS Radio Flexco.

AutorName der ShowJulian ReicheltAchtung, Reichelt!Ralf SchulerSchuler! Fragen, was istSebastian VorbachStimmt! Der Nachrichten-TalkGiovanna WinterfeldtGio unzensiertWaldemar HartmannWaldis dritte HalbzeitJulius BöhmRealTalkAlexander KisslerKissler KompaktAlex PurruckerNiUS Live

Empfang von Nius TV und Nius Radio Im September 2024 wurde bekannt, dass die Betreibergesellschaft von Nius die Zulassung für ein bundesweites Fernsehspartenprogramm von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg beantragt und auch erhalten hat. Übertragen werden stundenweise Fernsehsendungen auf der Website des Senders bzw. auf YouTube.

mini|Logo von Nius Radio In einem gesonderten Antragsverfahren wurde von derselben Medienanstalt ein Radioprogramm mit dem Namen „Nius. Das Radio“ genehmigt. Das Radioprogramm startete zunächst als Internetradio.t-online.de: „Reichelt darf bundesweit auf Sendung gehen“, vom 9. September 2024, abgerufen am 20. November 2024 Anfang Juni 2025 genehmigte die MABB dem Anbieter einen Sendeplatz im lokalen Berliner DAB-Mux Kanal 7B, der Sendestart erfolgte im Oktober 2025.

Seit 17. Juli 2025 sendet Nius Radio im saarländischen DAB+-Multiplex für private Programme. Später wurde das Programm in den regionalen DAB+-Multiplexen in Niedersachsen und in einem DAB+-Multiplex in Thüringen aufgeschaltet. Im Oktober 2025 startete man auch in Hamburg und Schleswig-Holstein sowie im Januar 2026 landesweit in Nordrhein-Westfalen. Am 5. März 2026 erfolgte eine Aufschaltung im nördlichen Teil von Hessen sowie am 9. März 2026 im Rhein-Main-Gebiet.

Eine Besonderheit fand am 15. August 2025 in Sachsen statt: Nius Radio übernahm den Sendeplatz von Radio Holiday in den DAB-Multiplexen Kanal 8C Dresden sowie Kanal 10A Leipzig und war dort für mehrere Stunden auf Sendung. Kurz darauf wurde das Programm wieder ab- und Radio Holiday aufgeschaltet. Die Sächsische Landesmedienanstalt SLM reagierte auf Anfragen mit folgender Information: „Für die Veranstaltung des Hörfunkprogramms NIUS Radio verfügt die VIUS SE & Co. KGaA über eine bundesweite Rundfunkzulassung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb). Allein diese Zulassung berechtigt jedoch nicht zu einer Verbreitung des Programms über sächsische DAB+-Multiplexe. Hierfür ist eine Zuweisung nach § 5a SächsPRG notwendig, über die die VIUS SE & Co. KGaA aktuell nicht verfügt. Vor diesem Hintergrund hat die SLM dafür Sorge getragen, dass die Programmverbreitung über die sächsischen DAB+-Multiplexe umgehend wieder eingestellt wird, was inzwischen auch umgesetzt wurde.“ Am 16. April 2026 erfolgte dann die erneute Aufschaltung in Sachsen, diesmal aber landesweit im Kanal 12A.

Kontroversen Nius unterwirft sich nicht den Bestimmungen des Pressekodex. Für kommerzielle Angebote mit journalistischem Inhalt wie Nius ist nach dem Medienstaatsvertrag die Medienanstalt Berlin-Brandenburg zuständig. Diese kann die Inhalte auf die Einhaltung journalistischer Mindeststandards überprüfen und hat Nius wegen Beschwerden im Blick. Nius macht sich nach Ansicht von Felix W. Zimmermann von der Legal Tribune Online die Rechtsprechung gezielt zunutze, die davon ausgeht, dass der durchschnittliche Leser nicht nur Überschriften, sondern den gesamten Artikel lese, was heute nicht mehr unbedingt lebensnah sei. Mit irreführenden und skandalisierenden Überschriften wolle Nius Aufmerksamkeit um jeden Preis erzielen. Erst im Text würden irreführende Eindrücke aus Überschrift und Teaser wieder zurechtgerückt.

Klimawandel Nius sät Zweifel an Schwere und Folgen der Erderwärmung und verbreitet Positionen, die dem wissenschaftlichen Forschungsstand zum Klimawandel widersprechen. Im Juli 2023 wurde auf Nius den im Mittel global steigenden Temperaturen das in Deutschland von Niederschlägen geprägte Wetter gegenübergestellt und daraus eine „Diskrepanz“ abgeleitet. Allerdings lassen sich aus temporären lokalen Wetterphänomenen keine Aussagen über langfristige Klimatrends ableiten, wie Kevin Sieck, Forscher am Climate Service Center Germany, erläuterte. Als „Klimaexperten“ präsentierte Nius Fritz Vahrenholt, der die Meinung vertrat, die Berichterstattung zum Klimawandel diene dazu, Angst und Panik zu verbreiten. Die Folgen der globalen Erwärmung würden übertrieben. René Orth, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, und Johann Jungclaus, Forscher am Max-Planck-Institut für Meteorologie, sagten dazu, eine Zunahme von Hitzewellen oder Starkregenereignissen sei in vielen Gegenden der Welt klar belegt und auch im Weltklimabericht abgebildet. Dieser stütze „in keinster Weise“ Vahrenholts Behauptungen.

Im Juli 2023 berichtete Nius von der „heißeste[n] Klimalüge des Jahres“. „Nahezu alle Medien im Land und die Bundesregierung“ hätten hinsichtlich der Tageswerte für Italien bzw. Südeuropa falsch berichtet. Anders als bei Nius behauptet, wurde in der Berichterstattung jedoch über die vorhergesagten Temperaturen und nicht die tatsächlich gemessenen Werte vor Ort gesprochen. Nius behauptete ferner, in der Berichterstattung sei die Bodentemperatur mit der Lufttemperatur verwechselt worden, irrte aber auch in diesem Punkt: In einem zugrunde liegendem Bericht der ESA entstand zunächst der Eindruck, dass die Bodentemperatur gemeint sei. Der Bericht bezog sich jedoch auf die Lufttemperaturen.

In einem Artikel auf Nius wurde der ZDF-Meteorologe Özden Terli angegriffen und ihm ein „Absolutheitsanspruch“ vorgeworfen. Es werde „keinerlei Raum“ für eine „demokratische Debatte“ gelassen. Terli sagte in einem Tweet als Reaktion unter anderem: „Ich hätte nie gedacht, dass der Zug in eine derart wissenschaftsfeindliche Richtung fahren würde.“

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