mini|Gert Steinbäcker (2016) mini|hochkant|Gert Steinbäcker bei einem Konzert in Fürth 2017
Gert Steinbäcker (* 27. November 1952 in Graz-St. PeterAUSTROPOPCAST #09 Gert Steinbäcker von STS über 50 Jahre Austropop (Teil 1) vom 22. Januar 2021 auf YouTube, abgerufen am 3. Februar 2021) ist ein österreichischer Liedermacher, Musiker und Sänger sowie Mitglied des Austropop-Trios S.T.S. (Steinbäcker, Timischl, Schiffkowitz). Neben seiner Bandkarriere produzierte er sieben Soloalben (davon zwei Sampler), für die er mit insgesamt dreimal Gold ausgezeichnet wurde.
Leben
Familie Gert Steinbäcker wurde am 27. November 1952 in Graz-St. Peter geboren und wuchs an der Seite seiner drei Jahre jüngeren Schwester, einer späteren Musiklehrerin, am ländlichen Stadtrand von Graz auf.Werner Schmidbauer trifft Gert Steinbäcker – Gipfeltreffen, abgerufen am 12. Juni 2019 Sein Vater Anton, ein Neurologe, starb im Alter von 37 Jahren plötzlich an einem Aneurysma, als Gert gerade sieben Jahre alt war.STS – Herzverbunden DVD Daraufhin musste die zu diesem Zeitpunkt etwa fünf Jahre jüngere Mutter, eine Lehrerin, die beiden Kinder alleine erziehen und mit der Witwenpension und dem eigenen geringen Einkommen durchbringen. Als Witwe blieb die Mutter, die während der Erziehung der Kinder vornehmlich als Hausfrau tätig war, daraufhin zeitlebens alleine. Eine gute Beziehung hatte Steinbäcker nach dem Tod seines Vaters vor allem zu seinem Großvater, einem Rechnungsdirektor der Grazer Finanz, bei dem er auch einige Zeit lebte, was er mitunter im 1985/86 von S.T.S. veröffentlichten Lied Großvater erkennen lässt. Von seinem Großvater erhielt er auch seine erste Gitarre, die er heute noch immer in seinem Studio stehen hat.
Schulbildung und Eintritt in die Musikszene Nach der Volksschule kam Steinbäcker in die Bundeserziehungsanstalt Liebenau im siebenten Grazer Stadtbezirk Liebenau. Die autoritäre Erziehung veranlasste ihn nach der dritten Klasse auf das Grazer Pestalozzi-Gymnasium zu wechseln. Insgesamt hatte er vier verschiedene Gymnasien in Graz besucht und hatte die sechste Klasse, nachdem er am Ende der fünften Klasse auf ein musisch-pädagogisches Gymnasium gewechselt war, gleich zweimal wiederholen müssen. Beim ersten Mal, als er diese Klasse besucht hatte, hatte er schlecht abgeschnitten, weshalb er die Klasse wiederholen musste. Bei den beiden Wiederholungen dieser Klasse nahm er jedoch nur selten am Schulbetrieb teil und verkehrte bevorzugt in Kaffeehäusern oder Probekellern irgendwelcher lokaler Bands. Nachdem er ausgerechnet in Musik und Gitarre durchgefallen war, verabschiedete sich Steinbäcker von der Schule und konzentrierte sich auf die Musik. Mit 16 Jahren zog er von zuhause aus und verdiente sich seinen eigenen Lebensunterhalt.
Zum Freundeskreis Gert Steinbäckers zählte Thomas Spitzer, späteres Gründungsmitglied der Band Erste Allgemeine Verunsicherung, kurz EAV. Dieser hatte als damals 14-Jähriger eine Band namens Mephisto gegründet, deren Sänger der wenige Monate ältere Steinbäcker wurde.
Steinbäcker, Fan der Rolling Stones, tingelte mit Mephisto durch diverse steirische Ortschaften und sammelte vier Jahre lang Banderfahrungen. 1971 spielte die Band unter anderem auf dem Musikfestival Popendorf 71. 1972 lösten sich gleichzeitig drei Bands, darunter auch Mephisto, auf, um letztlich die Rockgruppe Mashuun entstehen zu lassen.
Die Besetzung: Gert Steinbäcker (Sänger) Peter Szammer (Schlagzeug) Franz Posch (Gitarre) Petrus Wippel (Bass) Josef Jandrisits (Gitarre)
Die Gruppe wartete mit eigenen Kompositionen mit großer Bandbreite auf, die von (Hard-)Rock über elektronische Elemente bis hin zu Konzertgitarrestücken reichte. Nach einer gelungenen Premiere bei einem Kirchenfest in Fürstenfeld wurde die Band zu einer bekannten Größe in der Steiermark. Bei einem Bandwettbewerb der deutschen Zeitschrift Fono Forum und des Tonbandherstellers BASF erreichte Mashuun den ersten Platz unter 35 Teilnehmern. Für den Wettbewerb, der in Salzburg abgehalten wurde, hatte Petrus Wippel, der Bassist der Band, mit einer Revox-Tonbandanlage drei Stücke der Band aufgenommen und zum Wettbewerb eingereicht.
Deutschland Nach den Erfolgen in Österreich beschloss die Band Anfang der 1970er Jahre – Steinbäcker war gerade 18 Jahre alt – ihr Glück in Deutschland zu suchen. Mit einem Ford Transit und vier Verstärkern im Gepäck machte sich die Band auf den Weg nach Deutschland.
Ein kleines Haus – laut Steinbäcker war es eine alte Schule – im Ortsteil Idstein-Kröftel (Nähe Frankfurt am Main) sollte zur Bandzentrale werden. Doch Ablöse und Kaution, die Miete sowie ein neuer Kleinbusmotor überstiegen den Etat der Musiker und man musste aufgrund von Nebenjobs das Bandprojekt ruhen lassen. Ein halbes Jahr später löste sich Mashuun auf. Laut Steinbäcker hatte sich die Band beim Betonieren des Kellers zerstritten, weshalb man auseinanderging, noch ehe man je in Deutschland aufgetreten war. Parallel zu seiner Laufbahn als Musiker jobbte er am Frankfurter Flughafen. Während seiner Zeit am Frankfurter Flughafen arbeitete er für eines der ersten Zeitarbeitsunternehmen Deutschlands, wo er für damalige Verhältnis mit 3000 bis 4000 Mark sehr gut verdiente.
Gert Steinbäcker blieb in Deutschland, lebte einige Zeit in Marburg an der Lahn, arbeitete zeitweise im Lager eines Spielwarengroßhandels, einer Wäscherei und später als Verkäufer. Bei der Wäscherei war er mit der Zustellung und dem Aufhängen der gereinigten Vorhänge in verschiedenen Amtsgebäuden in München betraut. Kurzzeitig beauftragte man Steinbäcker auch damit neue Kunden zu akquirieren, was jedoch weitestgehend scheiterte, weshalb er wieder seine vorige Tätigkeit aufnahm. Weiters nahm er über eine Münchner Statistenagentur an zwei Folgen von Derrick teil; darin spielte er jeweils einen Polizisten. Demobänder, die er nebenbei immer wieder anfertigte, wurden von sechs verschiedenen Plattenfirmen abgelehnt. Bei einem Urlaub in seiner Heimatstadt Graz traf er den steirischen Sänger und Komponisten Schiffkowitz (eigentlich: Helmut Röhrling), der gerade mit einigen Soloauftritten unterwegs war. Man tat sich zusammen und absolvierte einige Auftritte. Da die Zusammenarbeit zu stimmen schien, holte man auch noch Günter Timischl hinzu, einen gerade bandlosen Fürstenfelder Musiker, dem der Stil von Anfang an gefiel.
Nur mit akustischen Gitarren trat das Trio ganz in der späteren S.T.S.-Manier einige Konzerte lang auf. Doch die lockere Formation trennte sich nach einer kurzen, regionalen Minitournee und die Musiker bestritten vorerst eigene Wege.
Gert Steinbäcker verschlug es erneut nach München, wo er sich drei Jahre mit Nebenjobs über Wasser hielt. Die Folge war ein musikalischer Stillstand, der ihn dazu bewog wieder in seine steirische Heimat zurückzukehren. Dort war er anfangs als Bühnentechniker am Schauspielhaus Graz tätig und traf in der dortigen Kantine auf einen Theaterregisseur, der ihn noch von seinen Auftritten mit Thomas Spitzer kannte. Dieser bat ihn die Musik für eines seiner Stücke zu machen, woraufhin Steinbäcker den Sprung zurück in die Musikszene geschafft hatte. In der Zeit danach stattete er einige Jugendtheaterstücke am Grazer Schauspielhaus und am Salzburger Landestheater mit Musik aus und konnte hiervon bereits leben und musste sich nicht mehr nebenbei etwas dazu verdienen.
Endgültig in Österreich Durch die Vermittlung eines Freundes kam Steinbäcker 1978 zu einer Plattenaufnahme bei Polydor, die er unter dem Pseudonym Stony Becker produzierte. Der Name Stony Becker war eine Erfindung des Franzosen Dominique Meunier-Dauphin, der kurzfristig Chef von Polydor war, der einen internationalen Namen für Steinbäcker wollte. Die von Boris Bukowski komponierte Single trug den Titel Matchless Woman; die B-Seite stammte aus der Feder des späteren Falco-Produzenten Robert Ponger und hieß Catherine. Die Single wurde in einer Auflage von 100 Stück produziert und kam über den Nullverkauf nie hinaus. 50 Stück davon gingen in die Schweiz; der Rest blieb bei der Amadeo Österreichische Schallplatten Ges.m.b.H., die seit Juni 1974 eine Polydor-Tochter war.
Die nächste Station hieß erneut Timischl und Schiffkowitz. Vorerst blieb es bei einigen wenigen Konzerten, sodass die drei Musiker gezwungen waren, sich andersartig zu verdingen.
1978 produzierte das Trio schließlich ihre erste Single Matter of Sex, die ein kompletter Misserfolg wurde. Dann kam ein Angebot seitens seines Freundes Thomas Spitzer, der für seine frisch gegründete Band, die Erste Allgemeine Verunsicherung, kurz EAV, gerade einen neuen Sänger suchte. Dieser wurde Gert Steinbäcker. Für eine Österreichtournee suchte man außerdem Mitarbeiter, weshalb kurzerhand auch noch Günter Timischl und Schiffkowitz engagiert wurden, Letzterer nur für die Dauer der Tournee.
Steinbäcker komponierte die Single Der geile Weihnachtsmann und steuerte 1980 zur zweiten Langspielplatte der EAV Café passé den Song Aberakadabera bei. Das Gastspiel dauerte insgesamt drei Jahre – Steinbäcker verließ die EAV im Jahr 1982 –, ehe eine Plattenfirma auf Demobänder von Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz, die bereits seit 1978 zusammen als Steinbäcker – Timischl – Schiffkowitz auftraten, aufmerksam wurde. Nach eigener Aussage wollte Gert Steinbäcker eigene, ernsthaftere Lieder schreiben.
S.T.S. 1980 produzierte das Trio die erste deutschsprachige Single Da kummt die Sunn, eine Schiffkowitz-Adaption des Beatles-Klassikers Here Comes the Sun. Das Lied wurde zwar zu einem Radiohit, was dem damaligen Geschäftsführer von Ariola, Stefan von Friedberg, der davor bereits Geschäftsführer bei Amadeo war, allerdings zu wenig war. Dessen Adlatus Erich Krapfenbacher (†) war es zu verdanken, dass die von von Friedberg bereits abgelehnte Band doch noch eine Chance erhielt. Nachdem dieser dem Geschäftsführer täglich die Zeitung mit den aktuellen Charts auf den Tisch gelegt hatte und dieser die Erfolge von S.T.S. sehen konnte, entschloss sich die Plattenfirma, eine Langspielplatte zu finanzieren.
Nunmehr verzichteten die drei auf englische Texte und verfassten ihre Lieder in der Steirischen Mundart, der sie eingängige Melodien zugrunde legten. Davor hatte die Band ihre Lieder teils auf Englisch und teils auf Mundart vorgetragen. Trotzdem gelang auch mit dieser Platte nur ein Achtungserfolg. Dessen ungeachtet verabschiedeten sich Gert Steinbäcker und Günter Timischl endgültig von der E.A.V., um den Rücken für eigene Projekte frei zu haben. Doch kamen vier Singles nie über die Minimalverkäufe hinaus. Nachdem die Band laut Aussage Steinbäckers von 1978 bis etwa 1983 von der Hand in den Mund gelebt hatte, entschied sie sich im Jahre 1983 in Eigenregie im von Joe Schneider betriebenen Sica Sound Studio in Oberschützen im Burgenland die Single Irgendwann bleib I dann dort zu produzieren. Diese wurde in weiterer Folge eine viel gespielte Nummer im Radio. Karl Scheibmaier, der spätere langjährige Manager von Steinbäcker und S.T.S., war damals mit seiner Ehefrau Heidi am Küchentisch gesessen, als sie zum ersten Mal das Lied im Radio hörten und den Interpreten für Wolfgang Ambros hielten. Als er erfuhr, dass es sich dabei um S.T.S handelte, machte sich Scheibmaier daraufhin auf die Suche nach der Band. 1984 wurde von S.T.S. nach ausbleibenden Erfolgen sogar das Aufhören erwogen.
Durchbruch mini|Steinbäcker (r.) mit S.T.S. (2013)