Gengenbach ist eine Stadt im Ortenaukreis in Baden-Württemberg und eine ehemalige Reichsstadt. Sie liegt im vorderen Kinzigtal im Schwarzwald, etwa 10 Kilometer südöstlich von Offenburg. Mit den Nachbargemeinden Ohlsbach und Berghaupten hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Geographie mini|Blick vom Niggelturm auf Gengenbach mini|Gengenbach bei Nacht
Geographische Lage Gengenbach liegt an der Kinzig im vorderen Kinzigtal auf 175 Meter über NHN im Naturraum Mittlerer Schwarzwald. Ein kleiner Teil im Norden der Gemarkung liegt im Naturraum Nördlicher Talschwarzwald. Der höchste Punkt der Gemarkung ist der Siedigkopf mit 877 Meter Höhe. Durch den Ort fließt die Haigerach, die hier in die Kinzig mündet. Mit allen Ortsteilen zusammen ist Gengenbach 61,9 km² groß; die Gemarkung Gengenbach ist mit 653,25 ha jedoch deutlich kleiner als die Gemarkungen der Ortsteile Reichenbach (2763,97 ha), Bermersbach (1428,78 ha) und Schwaibach (1338,85 ha).
Nachbargemeinden An Gengenbach grenzen im Norden die Gemeinden Durbach und Oberkirch, im Osten die Gemeinde Nordrach und im Südosten die Stadt Zell am Harmersbach; im Süden grenzt die Gemeinde Biberach, im Südwesten die Gemeinde Friesenheim und im Westen die Gemeinden Hohberg, Berghaupten und Ohlsbach. Die Gemarkung von Gengenbach grenzt hingegen nur an die Gemarkungen der Ortsteile Reichenbach, Bermersbach und Schwaibach und an die Nachbargemeinde Berghaupten.
Stadtgliederung Gengenbach Die Kernstadt Gengenbach liegt im Kinzigtal zwischen Offenburg und Biberach an der B 33. Auf der 653,25 Hektar großen Gemarkung leben 6820 Einwohner (Stand: 2022). Das Wappen von Gengenbach zeigt auf silbernem Untergrund einen rotbezungten, schwarzen Adler, belegt mit einem roten Herzschild und darin einen gekrümmten silbernen Gangfisch. Zur Stadt Gengenbach gehört der Wohnplatz Einach, und in die Stadt aufgegangen sind die Ortschaften Brückenhäuser und Castelberg.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 320–325
Reichenbach Reichenbach, mit 1925 Einwohnern (Stand: 2021) der größte Ortsteil, zieht sich am gleichnamigen Tal entlang und ist stark durch Schwarzwaldhöfe geprägt. Die Gemarkungsfläche von 2763,97 Hektar – fast die Hälfte der Gesamtgemeinde Gengenbachs – besteht zu über 60 Prozent aus Wald. Das Wappen von Reichenbach zeigt in Blau aus dem Unterrand wachsend der silbern gekleidete, golden nimbierte heilige Petrus, in der Linken vor seiner Brust einen schrägen roten Schlüssel haltend. Am 1. Januar 1975 wurde Reichenbach eingemeindet. Zur ehemaligen Gemeinde Reichenbach gehören das Dorf Reichenbach, die Höfe Binzmatte, Haigerach, Höllhof, Hohgrund, Mittelbach, Mooshof, Pfaffenbach, Schlehwald, Schwärzenbach und Sondersbach und die Wohnplätze Gaishut und Sägmühle. In Reichenbach aufgegangen sind die Ortschaften Grube und Schnaiberg.
Schwaibach Schwaibach liegt südlich von Gengenbach. Der Ortsteil hat keinen baulichen Mittelpunkt, da sich die Ortschaft aus Weilern und Einzelhöfen zusammensetzt. Mit 932 Einwohnern (Stand: 2021) auf einer Gemarkungsfläche von 1338,85 Hektar ist Schwaibach stark durch alleinstehende Schwarzwald-Bauernhöfe geprägt. Das sprechende Wappen zeigt in gespaltenem Schild vorne in Silber ein halber, golden bewehrter, rot bezungter schwarzer Adler am Spalt, hinten in Blau ein aus dem Unterrand emporkommender goldener Abtsstab mit silbernem Sudarium. Am 1. November 1971 wurde Schwaibach eingemeindet. Zur ehemaligen Gemeinde Schwaibach gehören die Höfe Schwaibach, Dantersbach und Hüttersbach und die Weiler Bergach und Schönberg, zudem die abgegangene Ortschaft Hetzental.
Bermersbach Bermersbach liegt südöstlich von Gengenbach. Der Ortsteil ist eine Viertälerortschaft und besteht aus den Tälern Wingerbach, Bermersbach, Strohbach und Fußbach. Die vier Täler sind stark von Schwarzwaldhöfen geprägt. 2021 zählte Bermersbach 1617 Einwohner. Die Gemarkungsfläche beträgt 1428,78 Hektar und ist somit nach Gengenbach die kleinste Gemarkung. Das Wappen zeigt in Silber ein blauer Wellenschrägbalken, beiderseits begleitet von je einem liegenden grünen Rebzweig mit einer blauen Traube und einem grünen Blatt. Am 1. Januar 1975 wurde Bermersbach eingemeindet. Zur ehemaligen Gemeinde Bermersbach gehören die Höfe Bermersbach, das Dorf Fußbach mit dem Brandenhof, den Gehrenhöfen, das Dorf Strohbach mit dem Strohhof und der Weiler Wingerbach. In Bermersbach aufgegangen sind die Ortschaften Beigern und Bransbach.
Geschichte Ursprung der Ansiedlung und Entwicklung zur Stadt Eine römerzeitliche Siedlung im Stadtgebiet ist durch einen 1974 entdeckten und im 2. Jahrhundert n. Chr. betriebenen Ziegelbrennofen belegt,Rekonstruktion von Carl Helmut Steckner, vgl. Die Ortenau, Bd. 60, 1980, S. 24f. mit Abb. der wahrscheinlich zu einem römischen Gutshof gehörte.Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61) Zudem wird die römische Straßenstation Gengenbach vermutet.
Im Umfeld des Benediktinerklosters Gengenbach bildete sich aus einer bäuerlichen Ansiedlung mit grundherrschaftlichem Markt im Verlauf des hohen Mittelalters die Stadt Gengenbach aus. Zu 1231 ist das oppidum Gengenbach erstmals belegt.Badische Heimat, 30. Jg., 1950, Heft 2, S. 16ff.: „Gengenbach: Zähringergründung – Reichsstadt – Benediktinerabtei“
mini|Karte der Reichsstadt Gengenbach im 18. Jahrhundert
Reichsstadt 1366 wurde Gengenbach Reichsstadt. Das reichsstädtische Territorium umfasste die Dörfer Reichenbach, Schwaibach, Ohlsbach und Bermersbach als „Landstäbe“. Seit 1500 gehörte der Ort zum Schwäbischen Reichskreis. Pfarrkirche war bis 1803 die Martinskirche außerhalb des Mauerrings, von dem Schwedenturm, Obertor, Kinzigtor und Niggelturm (14. bis 16. Jahrhundert) erhalten geblieben sind.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt bei zwei Belagerungen 1634 und 1643 verwüstet.Geschichte der Stadt Gengenbach auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Gengenbach, abgerufen am 20. Mai 2026. Am 1. März 1643 wurde in der Nähe der Stadt eine reitende Abteilung der in französischen Diensten stehenden Weimarer Armee gesichtet. Selbiger Reitertrupp wurde von einer von Offenburg kommenden 100 Mann starken Kavallerie-Einheit (unter Oberstleutnant Beysinger) das Kinzigtal hinauf bis kurz vor Haslach gejagt. In Haslach lagerte allerdings eine andere Abteilung der Weimarischen Armee. Diese nahm die 100 Mann Beysingers gefangen, während Letzterer entkommen konnte. Am 2. März 1643 begann eine ca. 1000 Mann starke Kavallerieeinheit (unter Obrist Roßwurm) mit der Belagerung Gengenbachs. Am 3. März folgte der Rest der Armee unter dem Oberkommando des Generals Graf von Guébriant, welcher die Wehranlagen mit Artillerie beschießen ließ. Der General zwang den Kommandanten der Wehranlagen, Michael Schöffen, zum Abzug, der diesen – aufgrund einer Geiselnahme des Generals – auch sofort anordnete. Als die 70 Soldaten Schöffels abgezogen waren, ließ Guébriant seine schottischen Söldner die Stadt plündern. Mehrere Türme und Abschnitte der Wehrmauer wurden gesprengt.
Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde die Stadt 1689 durch französische Truppen fast völlig zerstört. Im folgenden Jahrhundert blieb die Stadt von kriegerischen Verheerungen verschont und erlangte eine neue Blüte. In dieser Zeit entstanden große Teile des heutigen Stadtbilds, auch wenn 1789 ein Feuer in der Fastnachtszeit 50 Häuser zerstörte.
mini|hochkant|Stadtkirche von Gengenbach mini|Blick in die Stadtkirche
Mediatisierung bis heute 1803 wurde die Stadt dem Kurfürstentum Baden eingegliedert. Sie wurde zunächst Sitz des Amtes Gengenbach, das 1872 dem Bezirksamt Offenburg (ab 1939: Landkreis Offenburg) zugeschlagen wurde.
Am 17. Juni 1933 fand auf dem Marktplatz eine Bücherverbrennung statt. Durchgeführt wurde sie durch die Hitlerjugend, und verbrannt wurden Bücher und „Fahnen der marxistischen Partei“.Der Kinzigbote, Gengenbacher Wochenblatt vom 20. Juni 1933.
Seit 1973 gehört die Stadt zum Ortenaukreis.
Demographie Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Jahr Einwohnerzahl 1814 1.842 1864 2.375 1913 3.226 1939 3.608 1961 5.874 1970 6.8381979 11.299199910.635 2011 10.544 2022 11.056
Politik Schultheiße und Bürgermeister Schultheiße
(Quelle: Gengenbach. Vergangenheit und Gegenwart. Hg. von Paul Schaaf. Konstanz 1960, Seite 111f.)
Bürgermeister
Gemeinderat Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2024 führten in Gengenbach bei einer Wahlbeteiligung von 61,7 % (2019: 59,3 %) zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen voriger Wahlen):
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Ergebnis 2014 CDU 32,65 % 732,13 %, 7 Sitze 41,0 %, 9 Sitze Freie Wähler Gengenbach 26,77 % 620,52 %, 5 Sitze 15,5 %, 3 Sitze Grüne Liste Gengenbach 24,29 % 532,80 %, 7 Sitze 26,7 %, 6 Sitze SPD 16,30 % 414,54 %, 3 Sitze 16,8 %, 4 Sitze
Jugendgemeinderat Der Gengenbacher Jugendgemeinderat besteht seit 1990 und soll bei Angelegenheiten der Stadt Gengenbach, die Jugendliche betreffen, mitwirken und mitgestalten. 1988 kam die Idee zur Bildung eines Jugendgemeinderates aus einer 7. Klasse der Realschule. Im Jahr 1889 fand die erste Wahl statt, und im Januar 1990 fand die erste konstituierende Sitzung im Ratssaal statt. Bis zur Satzungsänderung am 20. November 2023 bestand der Jugendgemeinderat aus 16 Jugendlichen aus Gengenbach. Seit der Wahl am 25. Januar 2024 besteht der Jugendgemeinderat nur noch aus 10 Mitgliedern; diese sind für je zwei Jahre gewählt. Der JGR Gengenbach wirkte bereits mehrfach bei der Stadtentwicklung mit, unter anderem bei Themen wie MuFu-Parks am Schulzentrum, Beleuchtung des Radweges zwischen Berghaupten und Ohlsbach, Renovierung des Jugendzentrums, Earth-Hour, Mitwirkung am Sommerferienprogramm, Gestaltung der Bahnunterführung mit Graffiti sowie der Veranstaltung von Jugendpartys, Konzerten und Sportveranstaltungen.
Wappen Beschreibung: „In Silber ein rotbezungter, schwarzer Adler, belegt mit einem roten Herzschild, darin ein gekrümmter silberner Gangfisch.“
Da Gengenbach eine freie Reichsstadt war, war sie berechtigt, den Reichsadler auf ihren Siegeln und Wappen zu tragen. Der Fisch erscheint zum ersten Mal auf einem Siegel im 13. Jahrhundert.
1505 genehmigte König Maximilian das beschriebene Wappen, welches den Adler mit dem Fisch vereinigte. Es hat sich seitdem grundsätzlich nicht geändert, außer dass die Hintergrundfarbe oft als Gold anstatt als Silber beschrieben wurde. Gold war die Farbe, die in Reichswappen benutzt wurde.
Städtepartnerschaft Die seit 1958 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Gengenbach und Obernai im Elsass gilt als die älteste Städtepartnerschaft zwischen einer badischen und einer elsässischen Stadt. Die Partnerschaft kam durch Vermittlung des Pfarrers Fridolin Bigott sowie des damaligen Bürgermeisters von Obernai Marcel Gillmann und des damaligen Gengenbacher Bürgermeisters Erhard Schrempp zu Stande. Bürgermeister, Gemeinderat, Feuerwehrverein, Kirchengemeinden und -chöre, Schwarzwaldverein und Club Vosgien, musikalische Vereinigungen, Schulen und Kindergärten arbeiten eng zusammen. Seit 2010 gibt es den Freundeskreis der Partnerschaft zwischen Gengenbach und Obernai.Felix Ockenfuß: 60 ans de Jumelage – 60 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Gengenbach und Obernai. In: Badische Heimat, Dezember 2018, S. 606–614.
Ein Fahrzeug der Ortenau-S-Bahn trägt den Namen Gengenbach.
mini|hochkant|Flößermuseum im früheren Schrankenwärterhäuschen an der Schwarzwaldbahn mini|hochkant|Gengenbacher Hexen im Narrenmuseum
Kultur und Sehenswürdigkeiten Gengenbach ist Ausgangspunkt des Schwarzwald-Querwegs Gengenbach–Alpirsbach und liegt am Kinzigtäler Jakobusweg und am Kandelhöhenweg, die jeweils an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen. Außerdem liegt Gengenbach an der Deutschen Fachwerkstraße.
Museen