mini|Jean Gabin, Louis de Funès, Jeanne Moreau, Alain Delon, Brigitte Bardot, Jean-Paul Belmondo, Isabelle Huppert, Jean Dujardin, Gérard Depardieu.

Der französische Film spielte die wohl bedeutendste Rolle bei der Entwicklung und Etablierung des Mediums Film. Mehrere neue Stilrichtungen des Films wie der Poetische Realismus und besonders die Nouvelle Vague gingen von Frankreich aus. Die einflussreichsten Regisseure in der Geschichte des französischen Films sind in den 1930er Jahren Jean Renoir und Marcel Carné und ab 1959 François Truffaut und sein Nouvelle-Vague-Mitbegründer Jean-Luc Godard. Weitere wichtige Filmregisseure sind René Clair, Jean Cocteau, René Clément, Robert Bresson, Alain Resnais, Jacques Demy, Claude Chabrol, Louis Malle, Jean-Pierre Melville, Bertrand Tavernier, Claude Sautet, Eric Rohmer, Agnès Varda, Maurice Pialat, Bertrand Blier, André Téchiné, François Ozon und Christophe Honoré. Bereits der frühen Stummfilmzeit errichteten französische Unternehmer in ganz Europa Kinos und Tochtergesellschaften zur Verbreitung ihrer Filme, die als richtungsweisend galten.

Das französische Kino hat eine große Bedeutung nicht zuletzt wegen seiner Schauspieler, die Filmgeschichte geschrieben haben: ab den 1930er Jahren: Jean Gabin, Raimu und Michel Simon, Louis Jouvet, Pierre Fresnay; nach dem Krieg und bis in die 1960er Jahre hinein: Danielle Darrieux, Michèle Morgan, Simone Signoret, Marina Vlady; Jean Marais, Gérard Philipe, Bernard Blier, Fernandel, Bourvil, ab den 1960er und 1970er Jahren die großen Stars Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Brigitte Bardot, Jeanne Moreau, Catherine Deneuve, Romy Schneider und Annie Girardot; die Schauspielerinnen Stéphane Audran, Anna Karina, Claude Jade, Françoise Dorléac, Marlène Jobert, Miou-Miou, Isabelle Huppert, Nathalie Baye, Isabelle Adjani, die Schauspieler Michel Piccoli, Jean Rochefort, Philippe Noiret, Jean-Pierre Cassel, Yves Montand, Jean-Pierre Léaud, Gérard Depardieu und Patrick Dewaere, Neben diesen Schauspielern auch Komiker wie Louis de Funès und Pierre Richard. In den 80er und 90er Jahren Bernard Giraudeau, Juliette Binoche, Lambert Wilson, Sandrine Bonnaire und Charlotte Gainsbourg seit den 2000er Jahren Marion Cotillard, Vincent Cassel, Louis Garrel und Jean Dujardin.

Pioniere Der lange Weg von der Camera obscura und der Laterna magica gipfelte in der Erfindung des Cinématographen durch die Brüder Louis und Auguste Lumière. Die Überlegenheit vor vergangenen und zeitgleichen Experimenten war die Möglichkeit der Projektion von bewegten Bildern auf eine Leinwand. Die erste geschlossene Filmvorführung Arbeiter verlassen die Lumière-Werke (La Sortie des usines Lumière) fand am 22. März 1895 statt, die erste öffentliche am 28. Dezember 1895 in Paris. Erbrachte diese Einnahmen in Höhe von 33 Francs, waren die immer zahlreicher werdenden Kameraleute des Unternehmens bald in aller Welt unterwegs und ihre Filme wurden sowohl in New York als auch in St. Petersburg gezeigt. Für die Brüder Lumière war der Film als „lebende Fotografie“ Mittel zur Vervollkommnung der Fotografie. Wie letztere dokumentieren die Kurzfilme mit einer Länge von acht bis zwölf Metern (ca. 1 min) die Privatsphäre, Babys Frühstück (Repas de bébé), Aktualitäten der Politik (Le couronnement du tsar Nicolas II), und Alltägliches, Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat, (L’Arrivée d’un train en gare de La Ciotat). Mit Ausnahme von Der begossene Gärtner (L’Arroseur arrosé), der ersten Komödie, scheint es in den Filmen kein fiktives Element, keine Schauspieler, keine Dekoration und kein Szenarium gegeben zu haben. Wie Henri Langlois und Jean Renoir im Film Lumiére von Eric Rohmer aber anmerken, kann es kein Zufall sein, wenn bei der bekannten Länge des Filmmaterials zu Beginn und zum Ende eine Straßenbahn aus dem Bild fährt. Auch wäre es Verdienst der Brüder, nahezu alle heute üblichen Kameraeinstellungen erprobt zu haben. Dem Film den Entwicklungsweg der Inszenierung zu erschließen, blieb aber Georges Méliès vorbehalten. Als Theatermann mit Bühnenmaschinerie vertraut, fragte er sich, ob der Film sich darauf beschränke soll, nur das zu zeigen, was man auch in Wirklichkeit sieht. Reichte den Kameraleuten von Lumière ein Aufnahmeapparat, brauchte der Illusionist Méliès eine Werkstatt. So entstand 1897 das erste Filmatelier in Montreuil bei Paris. Hier wurden bis 1913 ca. 500 gedreht, darunter 1902 der erste Science-Fiction-Film: Die Reise zum Mond. Méliès bezeichnete sich als „Geistes- und Handarbeiter“: Er war Szenarist, Dekorateur, Regisseur und Schauspieler seiner Filme. War seine Tricktechnik auch revolutionär (z. B. Überblendungen und Handkolorierung), behandelte er aber den Film nur als ein Theater mit anderen Mitteln. Die unbewegliche Kameraeinstellung in Richtung der Bühne trug nicht zur Entwicklung einer eigenständigen Filmsprache bei und wurde letztlich Ursache für seinen Niedergang. (Vgl. Toeplitz 1983, S. 16–26)

DVD-Empfehlungen: Early Cinema: Primitives and Pioneers, BFI / Georges Méliès: Der erste Magier des Kinos, Lobster film / Rohmer, Eric: Lumière. In: Eric Rohmer: Im Zeichen des Löwen. Arthaus.

Industrialisierung

Als die Gruppe Neyret, Teilhaber von Kohlengrube und Stahlhütte, in enger Verbindung mit der Großbank Crédit Lyonnais eine Million Francs in den Aufstieg der Frères Pathé investierte, entwickelte sich der Film zur Unterhaltungsindustrie. War Méliès noch ein Selfmademan, ist der Werdegang von Ferdinand Zecca beispielhaft, der als „Mann für alles“ begann und gewissermaßen als „Stabschef“ endete. Die Filme von Zecca schildern Sensationen wie die Geschichte eines Verbrechens, die Opfer des Alkoholismus oder das Leben eines Spielers. Auch die ersten Erotikfilme entstammen dem Unternehmen. Das Pathé-Journal war eine der ersten Wochenschauen der Welt. Täglich wurden Komödien, Tragödien, Naturaufnahmen und Actualités fabriziert und ausgeliefert. Künstlerisch in Erinnerung bleibt dabei Max Linder als Vorbild von Charles Chaplin. Fünf Filmkopien der Produktion waren für das Inland, bis zu hundertfünfzig für den amerikanischen Markt bestimmt. Mit ihren Programmen, Fabrikation von Rohfilm und Kinobedarf wurde Pathé zu einer Weltmacht. In der Frühzeit des Kinos kamen schätzungsweise 80 Prozent aller Filme aus Frankreich. Zentralisierte kommerzielle Produktions- und Verleihsysteme mit Kinoketten kamen ebenfalls erstmals in Frankreich auf. Die Gewinnmöglichkeiten des Filmgeschäfts lockten bald Konkurrenten an, vor allem den Konzern von Léon Gaumont. Gaumont rühmte sich einer schönen Fotografie und auch heute sind die Namen von Regisseuren wie Louis Feuillade, Léonce Perret, Alice Guy im Gegensatz zu der meist anonymen Produktion von Pathé bekannt. Zudem beschäftigte das Unternehmen den ersten Animationsfilmer, Émile Cohl. Die Industrialisierung führte auch zur Ablösung der Wanderkinos durch feste Filmvorführstätten. Um dem Film den Ruch des Jahrmarkts auszutreiben und Respektabilität zu verschaffen, wurde um 1908 der anspruchsvolle Film d’Art lanciert, oft Verfilmung anspruchsvoller Literatur, begleitet von der Musik namhafter Komponisten und mit berühmten Schauspielerinnen wie Sarah Bernhardt besetzt. Diese Stilrichtung krankte daran, dass sie weniger an den spezifisch filmischen Mitteln interessiert war, sondern zu oft nur „verfilmtes Theater“ bot. (Vgl. Toeplitz 1983, S. 32, 33, 47 – 60)

DVD-Empfehlungen: Early Cinema: Primitives and Pioneers, BFI / Laugh with Max Linder!, Image Entertainment / Gaumont le cinéma premier vol. 1 & 2, Gaumont / Les Vampires by Louis Feuillade, Image Entertainment / Les Vampires, Artifical Eye / Fantomas, Artifical Eye

Nach 1918 Nach Kriegsausbruch im Sommer 1914 wurde das Drehen eingeschränkt, denn der Film verbrauchte kriegswichtige Rohstoffe - Kriegspropagandafilme und Wochenschauen wurden aber weiterhin produziert. Seit 1916 existierte eine zentralisierte Filmzensur. Nach dem Krieg überschwemmten amerikanische und deutsche Kinoproduktionen Frankreich, sie hatten zeitweise einen Marktanteil von 80 Prozent. Die Spielregeln der Filmkunst hatten sich inzwischen grundlegend verändert, abendfüllende Langfilme nach dem Vorbild des amerikanischen Regisseurs David Wark Griffith erforderten neue Strukturen von Filmherstellung und -vertrieb, die etablierten französischen Studios blieben zu lange ihren einst so erfolgreichen Strategien verhaftet. Gaumont und Pathé gerieten in eine Krise, amerikanische Konzerne eröffneten eigene Studios in Frankreich.

Zum Schutz vor zu hohen Filmimporten führte auch Frankreich nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten 1928 Filmkontingente ein. Anfangs wollte der französische Regierungschef Édouard Herriot eine Importquote von 1:4 bestimmen – also für jeden hergestellten französischen Film dürften vier Filme importiert werden. Dies erschien den amerikanischen Filmmagnaten angesichts der schwächelnden französischen Filmindustrie zu hoch – hätten sie doch ansonsten selbst in Frankreich Filme produzieren müssen, um ihre eigenen Filme zeigen zu können. So reiste der Präsident des amerikanischen Filmverbandes, Will Hays persönlich nach Frankreich und handelte schließlich eine Quote von 1:7 aus.L'Estrange Fawcett: Die Welt des Films. Amalthea-Verlag, Zürich, Leipzig, Wien 1928, S. 149 (übersetzt von C. Zell, ergänzt von S. Walter Fischer)

Avantgarde

Diese Garantie, dass eine gewisse Anzahl französischer Filme in den französischen Kinos gezeigt werden muss, ermöglichte es den kreativen und produktiven einheimischen Avantgarde-Filmern wie Jacques Feyder, Marcel L’Herbier, Jean Epstein, Louis Delluc u. a. dem französischen Kino trotz kommerzieller US-Filmflut das Überleben zu sichern. Eine Anti-Kriegs-Haltung war bei diesen Produktionen verbreitet. Ein Filmemacher der Bewegung war z. B. Abel Gance, der sich später von der reinen Lehre der Avantgarde trennte, um Großprojekte wie seinen gigantomanischen Film Napoleon (1927) zu verfolgen. Weitere wichtige und innovative Regisseure dieser Zeit (und der frühen Tonfilmjahre) waren beispielsweise Jean Vigo und René Clair.

Tonfilm

Eine neuerliche Umwälzung brachte der Tonfilm: 20 französische Tonfilmkinos wurden noch 1929 eingerichtet, bis 1931 sollten es 1000 sein, nach dem Wachstumseinbruch von 1935 wurden es bis 1937 gar 4250. 1929 war ein Krisenjahr für den französischen Film: nur 52 einheimische Produktionen entstanden, man war abhängig von den lizenzierten ausländischen Tonfilmsystemen geworden, die sich 1930 im Pariser Tonfilmabkommen den Weltmarkt rücksichtslos aufteilten.

1932 wurden jedoch bereits wieder 157 französische Filme gedreht, die Weltwirtschaftskrise sollte das Land erst später erreichen. Eine neue, fähige Generation von Filmregisseuren und viele weitere Talente, oft mit wertvoller Theatererfahrung versehen, ermöglichten die Herstellung zahlreicher klassischer Werke der Filmkunst. Auch die Emigranten aus Deutschland (in den 1930er Jahren) und aus Russland (in den 1920er Jahren) bereicherten die Kinokultur. Anspruchsvolle Filme dieser Jahre waren durch den Stil des sogenannten poetischen Realismus gekennzeichnet.

Im Unterhaltungskino feierte der Musical-Film Erfolge, z. B. mit Mistinguett, Maurice Chevalier und Josephine Baker.

Frankreich war, abgesehen von Paris und den anderen Metropolen, in diesen Jahren durchaus noch ein stark agrarisch geprägtes Land, aber selbst die Provinz ließ sich nun vom Kino mitreißen. Man zählte 150 Millionen Zuschauer im Jahre 1929, 234 Millionen im Jahre 1931, 1938 dann 453 Millionen. In der Besatzungszeit nach 1940 fielen die Besucherzahlen allerdings wieder. Die französische Filmindustrie blieb zersplittert: zwischen 1935 und 1939 zählte man 102 unabhängige Filmproduktionsfirmen.

Poetischer Realismus