Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit rund 9.300 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. In Deutschland gibt es rund 8,9 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus; jedes Jahr kommen knapp 500.000 Neuerkrankungen hinzu.Gesundheitsbericht 2024 Diabetes Die Bestandsaufnahme der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Diabetes Hilfe. Aufgerufen am 13. Mai 2024. Die DDG unterstützt Wissenschaft und Forschung in der Diabetologie, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes. Zu diesem Zweck unternimmt die DDG auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Ziele, Struktur und Hauptaufgaben Mitglieder sind Ärzte in Klinik und Praxis, Wissenschaftler, Psychologen, Apotheker, Angehörige von Gesundheitsfachberufen sowie andere diabetologische Experten.

Die Gründung erfolgte am 7. April 1964. Am 14. Oktober 1965 erfolgte die Registrierung beim Amtsgericht Düsseldorf als eingetragener Verein.

Der zehnköpfige Vorstand führt, zusammen mit der Geschäftsführung, die Geschäfte und bestimmt die Richtlinien der Gesellschaft. Sechs Ausschüsse und neun Kommissionen sind für bestimmte Themenbereiche zuständig; die Ausschüsse und die Kommissionen arbeiten dem Vorstand zu. 21 Arbeitsgemeinschaften befassen sich – teilweise fachübergreifend – mit weiteren Themen, die im Zusammenhang mit Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus stehen. 15 Regionalgesellschaften vertreten Wissenschaftler, Diabetologen und Experten in der Diabetologie auf Länderebene. Sie sorgen dafür, Erkenntnisse und Empfehlungen im diabetologischen Alltag umzusetzen.

Die DDG veranstaltet einmal jährlich eine große wissenschaftliche Tagung, den Diabetes-Kongress (Jahrestagung der DDG) mit über 6000 Teilnehmenden. Während dieses Kongresses findet die jährliche Mitgliederversammlung der Gesellschaft statt. In der zweiten Jahreshälfte folgt die Diabetes-Herbsttagung mit über 4000 Teilnehmern, die den Fokus auf praktische Themen und die Fortbildung legt.. Website der Diabetes Herbsttagung. Abgerufen am 19. August 2015.

Neben der Durchführung der Kongresse befasst sich der Verein mit der Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien und Praxisempfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus. Die Leitlinien werden regelmäßig aktualisiert.

Darüber hinaus bietet die DDG qualifizierte Fort- und Weiterbildungen durch ein breites Angebot an Kursen und Seminaren an. Ein weiterer Bestandteil der Arbeit der DDG ist die Zertifizierung von Behandlungseinrichtungen.

Auf Antrag fördert die DDG wissenschaftliche Forschungsprojekte ihrer Mitglieder. Besonders verdiente Persönlichkeiten ehrt die DDG mit der Ehrenmitgliedschaft.

Vorstand (Namen in Klammern: Stand im Mai 2024)

Präsidentin (Julia Szendrödi) Past Präsident (Andreas Fritsche) Vizepräsident (Tobias Wiesner) Vorstandsmitglied (Martin Heni) Vorstandsmitglied (Beate Karges) Vorstandsmitglied (Barbara Ludwig) Vorstandsmitglied (Karsten Müssig) Vorstandsmitglied (Jochen Seufert) Vorstandsmitglied (Antje Weichard) Vorstandsmitglied (Robert Wagner) Geschäftsführung (Barbara Bitzer)

Geschichte Im April 1964 lud Karl Oberdisse führende Diabetologen zur Gründungsversammlung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft nach Wiesbaden ein. In den 1950er Jahren waren noch weniger als eine Million deutsche Bundesbürger an Diabetes mellitus erkrankt. In den Zeiten des Wirtschaftswunders stieg diese Zahl jedoch rapide an. Es begann sich bereits eine Entwicklung abzuzeichnen, die man als Vorbote der heutigen weltweiten Epidemie bezeichnen könnte. Diese Entwicklung führte vor allem in den angelsächsischen Ländern dazu, dass sich medizinisch-wissenschaftliche Diabetes-Fachgesellschaften gründeten.

Zu den vordringlichsten Aufgaben in den Anfangsjahren gehörte es, die deutsche Diabetologie zu strukturieren und die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Diabetesforschung zu schaffen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Fachgesellschaft kontinuierlich. Einen besonderen Impuls brachte die deutsche Wiedervereinigung: Viele Diabetologen aus den neuen Bundesländern traten dem Verein bei. Die stark anwachsenden Mitgliederzahlen führten zu einem noch größeren Angebot strukturierter Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und zu stetig zunehmenden Zertifizierungen diabetesspezifischer Einrichtungen.

Weiterbildung Im Zusammenhang mit der steigenden Zahl der Diabeteserkrankungen in den letzten Jahrzehnten haben sich spezialisierte Berufsbilder in der Diabetologie etabliert, für die die DDG als Fachgesellschaft qualitativ hochwertige und umfassende Weiterbildungen anbietet. Unter dem übergeordneten Begriff der Diabetesedukation werden ab 2024 die Schulungs- und Beratungsberufe zusammengefasst. Die Tätigkeitsfelder der Diabetesedukation umfassen das Informieren, Anleiten, Schulen, Beraten und Coachen von Menschen in diabetischer Stoffwechsellage. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat ein neues Weiterbildungskonzept erarbeitet, dass durch Modularisierung zeitlich und räumlich flexibilisierte Lehrpläne für interessierte Fachkräfte ermöglicht. Fallgruppenorientierte und settingbezogene Inhalte sorgen für Praxisnähe und den Erwerb ausgewiesener Handlungskompetenzen. Mit der Integration eines Moduls zur Digitalisierung und Telemedizin sind auch die modernen Behandlungspfade Gegenstand der Qualifizierung.

Diabetologe DDG/Diabetologin DDG Der Diabetologe DDG ist eine offizielle Bezeichnung, die ein Spezialist führen darf, der sich durch eine umfangreiche zweijährige Weiterbildung in einer DDG anerkannten Einrichtung und die Teilnahme an Fortbildungskursen der DDG auszeichnet. Während der Weiterbildung wird sowohl Wissen über Diabetes mellitus Typ 2 als auch Typ 1 und Sonderformen vermittelt. Die Voraussetzung für die Weiterbildung Diabetologe DDG ist eine abgeschlossene Facharztausbildung.. Website der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Abgerufen am 19. August 2015. Im Jahr 2020 waren 4.260 entsprechend weitergebildete Fachärzte in Deutschland tätig, davon 1.265 im niedergelassenen Bereich und 2.690 in Kliniken.Siegel EG, Siegel EG: „Versorgungsstrukturen, Berufsbilder und professionelle Diabetesorganisation in Deutschland“ in Deutscher Gesundheitsbericht 2020 Diabetes Die Bestandsaufnahme, Deutsche Diabetes Gesellschaft (Hrsg.), Kirchheim Verlag 2020, , Seite 214–224.

Fachpsychologe DDG Um eine qualifizierte psychologische Betreuung und Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus zu fördern und die damit verbundenen psychischen Belastungen und Störungen optimal zu behandeln, wurde von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der DDG die spezifische Qualifizierung Fachpsychologe DDG initiiert.. Website der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Abgerufen am 19. August 2015.

Diabetesberater DDG Der Diabetesberatere übernimmt als qualifizierte Fachkraft die Betreuung und Beratung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 sowie von Schwangeren mit Gestationsdiabetes und allen Betroffen von Sonderformen des Diabetes. Hierbei haben Diabetesberater die Wahl zwischen angestellter oder selbständiger Tätigkeit, die aber auch dann immer der Delegation durch Arzt/Ärztin unterliegt. Jährlich werden etwa 300 Gesundheitsfachkräfte in dieser Qualifikation ausgebildet. Derzeit führen 5.919 Personen (Stand 2024) in Deutschland diesen Titel. Jährlich werden etwa 250 Nichtmediziner in dieser Qualifikation ausgebildet.

Diabetesassistent DDG Ziel dieser Weiterbildung ist es, das medizinische Personal zu befähigen, Schulung und Beratung von Patienten mit Typ-2-Diabetes durchzuführen. Mit Überleitung zum neuen Konzept 2024 wird dieses Tätigkeitsfeld um die Information und Anleitung auch für Menschen mit Typ-1 oder Gestationsdiabetes in stabiler Stoffwechsellage erweitert. Alle Tätigkeiten der Diabetesassistenten unterstehen immer der Leitung des für die Therapie verantwortlichen Arztes/Ärztin und sind eingebettet in die therapeutische Vorstellung des jeweiligen Behandlungsteams. Sie sind ein wichtiges Glied in der Versorgung von Menschen mit Diabetes, u. a. in der allgemeinmedizinischen und hausärztlichen Praxis. Es gibt derzeit (Stand 2022) insgesamt 9.200 Diabetesassistenten in Deutschland. Jährlich besuchen ca. 200 Interessierte die entsprechenden Fortbildungsangebote.

Im Bereich Diabetes und Pflege bietet die Fachgesellschaft folgende Weiterbildungsmöglichkeiten an:

Diabetespflegefachkraft DDG (Klinik) Die Diabetes-Pflegefachkräfte DDG (Klinik) fördern mit ihren speziellen medizinischen und pflegerischen Kompetenzen im stationären Bereich die Versorgungsqualität, die Wirtschaftlichkeit und die Patientensicherheit und unterstützen das diabetologische Team in Bezug auf die interdisziplinären Zusammenarbeit.

Diabetespflegefachkraft (Langzeit) Sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch in der ambulanten Versorgung leben viele Patienten mit Diabetes mellitus. Ältere diabetologische Patienten sind durch hohe Infektanfälligkeit und daraus resultierende eingeschränkte Wundheilung sehr verletzlich, daher müssen die Pflegekräfte die Pflegerisiken in besonderer Weise berücksichtigen. Die Fachgesellschaft hat deshalb eine Fortbildung zur Diabetes-Pflegefachkraft für die (ambulante und stationäre) Langzeitpflege geschaffen und unterstützt damit die spezialisierte Qualifizierung von Pflegefachpersonal und Patientensicherheit im ambulanten Pflegeprozess.

Konzept der Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG Eine Sonderform in den Weiterbildungsformaten nimmt die Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG ein. Sie wurde für die Sicherung der Basiskenntnisse zum Diabetes im Pflegeprozess entwickelt und dual aufgesetzt. Im ersten Schritt qualifiziert der Diabetologe DDG die Diabetesberater und Pflegefachkräfte zu Trainern mit der Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG. Mit dem Zertifikat der Schulungsberechtigung führen diese im zweiten Schritt in ihren Heimatregionen selbständig Fortbildungsseminare für examinierte Pflegende durch, die mit dem neu erworbenen Wissen Sicherheit in der pflegerischen Betreuung von Menschen in diabetischer Stoffwechsellage erreichen.

Zum Diabetischen Fußsyndrom können Fachkräfte sich ebenfalls qualifizieren:

Fuß- und Wundassistent DDG Ziel der Weiterbildung ist es, Angehörige von Fachberufen im Gesundheitswesen mit abgeschlossener Ausbildung und Berufserfahrung für eine Assistenztätigkeit auszubilden, in der sie unter Anleitung von Ärzten Menschen mit Diabetes mellitus und einem diabetischen Fußsyndrom professionell versorgen.

Zertifizierung von Behandlungseinrichtungen Als eine wichtige Aufgabe sieht die DDG ist die Zertifizierung von Behandlungseinrichtungen an. Die Zertifikate sollen Patienten und zuweisenden Ärzten als Orientierungshilfe dienen, um qualifizierte Einrichtungen zu finden, die nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und leitliniengerecht behandeln.

Die DDG vergibt folgende Zertifizierungen:

Diabetes Exzellenzzentrum DDG Das Zertifikat Diabetes Exzellenzzentrum DDG ist das Premiumzertifikat für höchste Ansprüche an die Versorgung von Menschen mit Diabetes. Mit der Anerkennung soll die Einrichtung zeigen, dass sie beste, auf Patienten mit Diabetes ausgerichtete Strukturen und Prozesse aufweist, Behandlungsergebnisse vorlegen kann sowie durch ein strukturiertes Qualitätsmanagement die kontinuierliche Sicherstellung von Behandlungsqualität und das Erreichen von Qualitätszielen durch rechtzeitiges Eingreifen in die Prozesse gewährleisten kann. Lediglich etwas mehr als 100 Einrichtungen in Deutschland tragen aktuell diese Anerkennung.Diabetes Exzellenzzentrum DDG. Website der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Abgerufen am 3. September 2023.

Das Zertifikat können Kliniken oder Praxen für drei unterschiedliche Schwerpunkte (jeweils ambulant oder stationär) beantragen. Behandlungseinrichtung für Typ 2-Diabetes mellitus