Der Piesberg ist ein Berg in Niedersachsen, auf der Grenze der Stadt Osnabrück im Süden und der Gemeinde Wallenhorst im Norden. Der westliche Teil des Berges liegt im Osnabrücker Stadtteil Pye, der südöstliche Teil im Stadtteil Haste und der nordöstliche Teil im Wallenhorster Ortsteil Lechtingen. Der Zechenbahnhof gehört teilweise zum Osnabrücker Stadtteil Hafen.

Der Berg hat eine Höhe von ; er erhebt sich rund 90 m über seine Umgebung hinaus. Sein Name lässt sich vermutlich auf die an seinem Fuß liegende frühere Bauerschaft Pye zurückführen. Er ist einer der drei Oberkarbonaufbrüche des Ibbenbürener Steinkohlenreviers: Ibbenbürener Bergplatte, Piesberg und Hüggel.

Nachdem der Berg durch einen Untertageabbau von Steinkohle und den Abbau von Gestein in offenen Steinbrüchen seit der Frühen Neuzeit vor allem wirtschaftlich genutzt wurde, spielt seit Ende des 20. Jahrhunderts vermehrt die touristische Nutzung des Areals eine Rolle.

Geographie Lage Der Piesberg liegt im niedersächsischen Teil des Natur- und Geopark TERRA.vita. Er erhebt sich 5 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Osnabrück, im Grenzbereich zur Gemeinde Wallenhorst. Westlich des Berges verläuft der Fluss Hase und parallel zu ihm der Stichkanal Osnabrück, an welchem sich auch der Piesberger Hafen befindet.

Geologie mini|Flöz Zweibänke im Steinbruch. Die Oberkante des Flözes bildet die Grenze zwischen dem Westfal D zum darunter liegendem Westfal C Die im nördlichen Osnabrücker Stadtgebiet sowie im südlichen Wallenhorst befindliche Hochscholle des Piesbergs wurden vor über 300 Millionen Jahren während des Erdzeitalters des Karbon abgelagert. Durch Hebung und Senkung der Landmassen über lange Zeiträume bildete sich unter Einfluss des Meeres eine Wechsellage aus Sandstein, Tonsteinen und Kohleflözen aus, welche heute im Steinbruch gut zu erkennen ist. Die abgelagerten Pflanzenreste der Steinkohlenwälder, welche später durch Überlagerung von Sand- und Tonschichten luftdicht abgeschlossen waren, wurden durch Inkohlung zu Steinkohle umgewandelt. In den Schieferschichten des Piesbergs lassen sich zahlreiche Fossilien von Pflanzen und Tieren aus dem Oberkarbon finden. Sie zeichnen sich vor allem durch gute Erhaltung der feinen Strukturen und teilweise auch durch bunte Färbung aus.Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land I. Bd. 42, 1979, S. 12ff.

Die als Piesberg an die Erdoberfläche reichenden Schichten des Karbons werden den Oberen- und Unteren Ibbenbürener Schichten zugerechnet. Die Oberen Ibbenbürener Schichten gehören zum Westfal D, welches bis zum Hangenden von Flöz Zweibänke reicht. Unterhalb dieser Grenze befindet sich das Westfal C, welches aber unterhalb der Steinbruchsohle und dem Flöz Zweibänke nicht weiter aufgeschlossen wurde und nur durch Bohrungen bekannt ist.

Eine erste Beschreibung des Piesbergs wurde 1799 durch Carl Karsten verfasst. Weitere Betrachtungen des Piesbergs erfolgten durch Friedrich Hoffmann (1826, 1827 und 1830) und Heine (1860 und 1861). Eine erste Einstufung der Piesberger Schichten versuchte Runge 1895 vorzunehmen, welcher die Piesberger Schichten mit den Magerkohlenschichten des Ruhrkarbons gleichstellte. Erst der Bergassessor Leo Cremer konnte durch Bestimmung der Pflanzenfossilien feststellen, dass das zutagetretende Piesberger Karbon jünger als die Horster Schichten des Ruhrkarbons sein müsse. Er parallelisierte zudem die Piesberger Schichten mit den Schichten der nahen Ibbenbürener Bergplatte und des Hüggels.

Walther Gothan und Wilhelm Haack stuften es um 1924 sogar noch jünger als die oberen Ibbenbürener Flöze des Westfal D ein, was jedoch durch Marlies Teichmüller und Karl-Heinz Josten 1971 widerlegt wurde.

Unter welchen Umständen es zur starken Inkohlung der Kohlenflöze am Piesberg gekommen war, ist heute in der Wissenschaft umstritten. Während man in der Vergangenheit den hypothetischen Bramscher Pluton als Urheber der gegenüber dem Ruhrkarbon stärker inkohlten Kohle verantwortlich machte, gibt es heute eine weitere Theorie der starken Inkohlung durch tiefe Versenkung und Wiederanhebung der Schichten des Piesbergs.

Wirtschaftliche Nutzung Kohleabbau

Bis 1898 wurde am Piesberg Anthrazitkohle abgebaut. Der Abbau wurde aufgrund starker Wasserzuflüsse eingestellt.

Sandsteinabbau mini|Blick auf den Steinbruch am Piesberg Bis in das zwanzigste Jahrhundert wurden im Piesberg große Mengen Piesbergsandstein abgebaut, der die Bauweise der Steinhäuser im Osnabrücker Land prägte. Zeitweise war der Piesberg der größte Steinbruch Mitteleuropas. Bis 1958 gab es im Steinbruch Mosaikhütten genannte Unterstände, unter diesem Witterungsschutz schlugen Steinmetze per Hand Kopfsteinpflaster.

Am 20. Oktober 1957 brach der Damm eines Schlammteichs am Piesberg und verwüstete eine Siedlung in Pye. Dieser Dammbruch am Piesberg forderte ein Menschenleben und verursachte große Schäden. Im kleineren Rahmen wird an den Flanken des Piesbergs auch heute noch Gestein abgebaut, hauptsächlich quarzitischer Sandstein. Erster Betreiber des Steinbruchs mit dem Firmennamen Piesberger Steinindustrie war der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, der bereits den Untertagebau am Piesberg unterhielt. 1923 ging die Georgsmarienhütte und somit auch der Steinbruchbetrieb am Piesberg an die Klöckner-Werke. Diese verkauften den Betrieb 1991 an die Readymix AG, aus der nach Übernahme durch den mexikanischen CEMEX-Konzern 2005 die Firma CEMEX Deutschland hervorging. Von dieser wurde der Steinbruchbetrieb wiederum 2019 an das Unternehmen GP Günter Papenburg abgetreten.

Mülldeponie Der durch den Sandsteinabbau entstandene Steinbruch am südlichen Piesberg wurde seit dem 1. September 1976 mit Müll verfüllt. Der letzte Müllwagen wurde am 30. Mai 2005 entleert.In Neue Osnabrücker Zeitung vom 30. Mai 2005: "Die Zukunft gehört den Schafen"; abgerufen am 17. Mai 2019. Insgesamt wurden am Piesberg 8,9 Millionen Kubikmeter Müll abgelagert, was einer Menge von 500.000 Müllwagen entspricht. Im Rahmen neuer Entsorgungsgesetzgebung wurde die von der Stadt Osnabrück betriebene Zentraldeponie Piesberg im Jahr 2005 geschlossen. Die TA Siedlungsabfall verbot ab dem 1. Juni 2005 die Ablagerung von unbehandelten Siedlungsabfällen. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Hausmüll aus der Stadt und dem Landkreis am Fürstenauer Weg in einer Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) zum Ersatzbrennstoff Trockenstabilat aufgearbeitet. Seit Ende 2022 werden umliegende Müllverbrennungsanlagen genutzt. Die noch offenen Deponieflächen wurden abgedeckt und renaturiert. Der letzte 4,6 Hektar große Abschnitt der Deponie wurde ab 2012 für drei Millionen Euro mit einer Oberflächenabdichtung versehen und begrünt.In Neue Osnabrücker Zeitung vom 11. August 2012: "Am Osnabrücker Piesberg ist jetzt alles dicht"; abgerufen am 17. Mai 2019.

Das gesammelte Deponiegas aus der Mülldeponie wird seit 1990 zur elektrischen Energieerzeugung genutzt. Ab 1998 wurde auch die bei der Verstromung anfallende Abwärme durch Kraft-Wärme-Kopplung genutzt, heute wird über ein Blockheizkraftwerk ein Wohngebiet in Pye sowie Gebäude im Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausenkaserne mit Wärme versorgt.Wärmewende – ist das Energie oder kann das weg?, stadtwerke-osnabrueck.de, abgerufen am 7. August 2019.Infoflyer „Kultur- und Landschaftspark Piesberg“, Stadt Osnabrück 2014, S. 11. Insgesamt befinden sich auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie 80 vertikale Gasbrunnen und 40 horizontale Gasdrainagen, welche das Deponiegas aus dem Deponiekörper aufnehmen. Das Sickerwasser aus der Deponie wird in der Kläranlage Eversburg behandelt, um Schadstoffe aus dem Sickerwasser zurückzuhalten.

Kultur- und Landschaftspark mini|hochkant|Mammutbaum im Arboretum Piesberg Die Idee, den Piesberg zu einem zusammenhängenden Kultur- und Landschaftspark zu entwickeln, wurde erstmals 1997 in einem Entwurf eines Grünordnungsplanes der Stadt Osnabrück geäußert.Piesberg – Natur und Landschaft, osnabrueck.de, abgerufen am 5. April 2021. 2002/2003 gab es einen Versuch einen Weinberg am Piesberg zu pflanzen, dieser Versuch wurde aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes zur Pflege des Weinbergs aufgegeben.

Im Jahr 2003 erhielt die Stadt den Zuschlag, die Bundesgartenschau 2015 am Piesberg auszurichten. Zwar verzichtete die Stadt 2006 aus finanziellen Gründen auf die Ausrichtung, jedoch wirkte die Bewerbung um die BuGa als Initialzündung für die Entwicklung des Gebiets. Ein langfristiges Entwicklungskonzept wurde 2016 beschlossen. Ziel ist, sowohl die Geologie und Erdgeschichte des Bergs, wie auch die Industriekultur als Hinterlassenschaft des Bergbaus und nicht zuletzt die naturnahe Landschaft der Umgebung den Besuchern näher zu bringen.Ein Berg öffnet sich der Zukunft, osnabrueck.de, abgerufen am 22. August 2019.

Der Piesberg ist Teil des Natur- und Geoparks TERRA.vita und außerdem als eines der bedeutenden „Fenster in die Erdgeschichte“ seit 2019 Nationales Geotophttps://www.geoakademie.de/geotope. Die Landschaft kann über Wanderwege erkundet werden, die auch auf das Felsrippe genannte Gipfelplateau des Berges führen. Dort und an anderen Stellen der Umgebung bieten Aussichtsplattformen Ausblicke über das Gelände und die Region Osnabrück. Mit dem Museum Industriekultur, der 2009 neu eröffneten Feldbahn sowie den Osnabrücker Dampflokfreunden verfügt der Kultur- und Landschaftspark über eine Vielzahl an Angeboten zum Thema Industriekultur. Im Piesberger Gesellschaftshaus werden Veranstaltungen und kulturelle Projekte angeboten.Website des Piesberger Gesellschaftshauses Im Sommer 2017 wurde auf dem Gipfelplateau eine Unterstellmöglichkeit aufgestellt, dieser wurde aus einem alten Mobilfunk-Container hergestellt, welcher der Steinbrucherweiterung im Weg stand.

FFH-Schutzgebiet Durch den Bergbau entstanden Überwinterungsquartiere für Fledermäuse. Am Piesberg gibt es nach Angaben der Stadt Osnabrück 15 (Stand: Mai 2008) oder 16 verschiedene Arten. Zum Schutz der Bechsteinfledermaus, der Teichfledermaus sowie des Großen Mausohrs wurden zwei Stollen des Piesbergs als FFH-Gebiet unter Schutz gestellt.

Arboretum Westlich der Straße von Wallenhorst nach Osnabrück befindet sich ein Arboretum.Stadt Osnabrück: Entdeckung eines Baumparks Auf dem Grundstück des ehemaligen Bergwerksdirektors am Piesberg, Johann Rudolf Pagenstecher, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Park angelegt. Als Arboretum wurde der Park jedoch erst durch den Kaufmann Wieding gestaltet, der das Gelände um 1900 von Pagenstecher erwarb und dort auch eine Villa errichtete. Einige der exotischen Nadelbäume sind im Laufe der Jahrzehnte zu stattlichen Exemplaren herangewachsen. Das Gelände verwilderte jedoch, ehe es ab 2007 wieder hergerichtet wurde.Kleiner Park für den großen Baum, noz.de, 11. November 2007, abgerufen am 19. Mai 2020. Sehenswert ist vor allem der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) mit einer Höhe von 33,7 Meter und einem Stammumfang von 5,70 Metern, ein Naturdenkmal. Weitere Baumarten, die im Arboretum vertreten sind, sind Urweltmammutbaum, Ginkgo, Andentanne und Tulpenbaum.Arboretum am Piesberg (PDF, 600 kB), wfo.de, abgerufen am 19. Mai 2020.

Natur- und Kulturdenkmale Johannissteine mini|Die Felsen der Johannissteine Nördlich des Steinbruchs am Piesberg befinden sich die Felsen der Johannissteine. Die aus Karbonsandstein bestehenden Felsen sind als Naturdenkmal der Stadt Osnabrück eingetragen.

Knieanbetungsstein Östlich des Steinbruchs befindet sich am Rundwanderweg die Felsplatte des Knieanbetungssteins. Mit dem Knieanbetungsstein wird eine vorzeitliche Kultstätte in Verbindung gebracht.

Museum Industriekultur mini|Das Haseschachtgebäude, heute Teil des Museums Industriekultur