mini|Helmut von Hummel um 1939 Helmut von Hummel (* 29. Juli 1910 in Worms, mit vollem Namen Helmut Hummel Edler von HassenfelsPeter Hoffmann: Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. 4., neu überarbeitete und ergänzte Ausgabe, Piper, München 1985, ISBN 3-492-00718-X, S. 929.; † 22. November 2012 in Baldham) war ein deutscher Jurist, SS-Sturmbannführer und Manager. Er wurde im Oktober 1942 Privatsekretär Martin Bormanns und war auch dessen persönlicher Referent für Sonderprojekte. Er spielte eine Schlüsselrolle beim Sonderauftrag Linz, insbesondere bei der Beschlagnahmung und Überführung der Schloss-Sammlung. Ebenso war er einer der Hauptverantwortlichen für den Bergungsort Altaussee und war an der von Hitler angeordneten Verhaftung Görings 1945 beteiligt.

Leben bis 1933 – Herkunft, Jugend und Studium mini|Wappen der Hummel Edler von Hassenfels Helmut von Hummel war der Sohn des in Frankfurt am Main tätigen Bankdirektors Carl Friedrich von Hummel (1878–1914, eigentlich Karl Friedrich Hummel Edler von Hassenfels) und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Koehl (1889–1972), einer Tochter des Wormser Archäologen und Mediziners Karl Koehl.Lebenslauf in der Dissertation Die Treue im Arbeitsrecht. Gießen 1935, S. 63.Hummel Edler von Hassenfels, Karl * 15. Dezember 1878. Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 40/102,56. Väterlicherseits war er ein Enkel des am 10. September 1892 von Kaiser Franz Joseph I. geadelten und 1900 mit dem Charakter eines Generalmajors pensionierten österreich-ungarischen Berufsoffiziers Bartolomäus Rudolf Hummel Edler von Hassenfels (1841–1927).Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918. Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2007, S. 77.Hummel von Hassenfels. In: Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs. Erster Jahrgang. Wien 1905, S. 320. Der Vater starb bereits im November 1914 nach einer Verwundung als Oberleutnant des österreich-ungarischen Heeres im Ersten Weltkrieg und Helmut wuchs vaterlos auf.Fritz Reuter: Wormser Historiker, Kunsthistoriker und Heimatforscher aus dem 19./20. Jahrhundert und ihre Grabstätten. In: Der Wormsgau, Band 19 (2000), Heft 3, S. 63–102; zu Hummel: S. 84.Verlustlisten Österreich-Ungarn 1. Weltkrieg: Ausgabe 112 vom 24. Januar 1915, S. 5 (Hummel Edler von Hassenfels Karl, Oblt. i. d. Res., k. k. LIR. Nr. 6, 4. Komp., verw.). Seine Schullaufbahn beendete er 1928 mit dem Abitur am humanistischen Gymnasium in Worms. Anschließend absolvierte er ein Studium der Staats- und Rechtswissenschaften an den Universitäten Marburg, Wien, Frankfurt am Main und Gießen. Nach der juristischen Fakultätsprüfung im Dezember 1932 folgte sein Rechtsreferendariat. Von Hummel wurde 1935 an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit der Arbeit: "Die Treue im Arbeitsrecht" zum Dr. jur. promoviert. Im Sommer 1936 legte er sein Staatsexamen ab.

Zeit des Nationalsozialismus Allgemeine Aufgaben und Tätigkeitsbereiche Von Hummel trat zum 1. Dezember 1931 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 763.424) und bekleidete die Funktion eines Reichsstellenleiters.Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/17380680Eintrag SS-Dienstaltersliste Innerhalb der Schutzstaffel, nach eigenen Angaben Eintritt 1939, (Mitgliedsnummer 314.949) stieg er im April 1943 zum SS-Sturmbannführer auf.Michael Buddrus [Hrsg.]: Mecklenburg im Zweiten Weltkrieg. Die Tagungen des Gauleiters Friedrich Hildebrandt mit den NS-Führungsgremien des Gaues Mecklenburg 1939–1945. Eine Edition der Sitzungsprotokolle. Edition Temmen, Bremen 2009, ISBN 978-3-8378-4000-1, S. 558. Seit Oktober 1942 war er ebenfalls Mitglied in der Waffen-SS. Außerdem trat er der SA, der NSV, dem NS-Rechtswahrerbund und dem NS-Altherrenbund bei.

Am 9. Januar 1933 trat von Hummel in den Staatsdienst ein und wurde Gerichtsreferent. Von 1936 bis 1938 folgten verschiedene Aufgaben und Tätigkeiten in verschiedenen Ministerien und im Stab des Stellvertreters des Führers. Von Hummel wurde 1942 Privatsekretär von Martin Bormann. Er war sein persönlicher Vertreter bei der Beschlagnahmung von Kunst; dabei war er einer von drei Sachverständigen. Von Hummel spielte eine Schlüsselrolle im „Sonderauftrag Linz“, bei dem ein Museum in Linz aus geraubter Kunst zusammengestellt werden sollte. Von Hummel hatte sowohl ein Büro im Führerbau in München als auch eines in Berchtesgaden. Dort war er Teil der Verwaltung Obersalzberg und fungierte als eine Art Haushofmeister. Bormann organisierte über von Hummel Kontakt mit Hans Posse und Hermann Voss, den Beauftragten des Sonderauftrags Linz, was zu regem Schriftwechsel führte. Auch stand er in Kontakt mit Alfred Rosenberg, Leo Killy, Hans Heinrich Lammers, Robert Scholz, Gerhard Klopfer, Bruno Lohse und Friedrich Wolffhardt.

Gegen Ende des Krieges war er zuständig für die Bauvorhaben auf dem Obersalzberg, in Altaussee, München, Linz und bei der Güterverwaltung Nord, wobei darin das Ziel bestand, Gutshöfe in Mecklenburg für die SS und Hitler aufzukaufen. mini|1940. In der Mitte v. l. n. r.: Rudolf Heß, August Eigruber und Helmut von Hummel. Des Weiteren ist auf dem Foto ein Herr Gölz(?) zu erkennen.

Arbeit im Ministerium und Stab 1936 wurde von Hummel im Reichswirtschaftsministerium in Berlin als Wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt und war dort für das Referat Schweiz, also für die Einfuhr aus der Schweiz zuständig. Am 30. Mai 1938 wurde er zum Regierungsassessor befördert.Lisa Hauff (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. (Quellensammlung). Band 11: Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren April 1943–1945. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2020, ISBN 978-3-11-036499-6, S. 163, FN 3. Helmut von Hummel wurde im Oktober 1937 zum Stab des Stellvertreters des Führers (Stab des StdF) abgeordnet, weshalb er nach München zog und dort zunächst in den Büroräumen des Stabes des StdF in der Arcisstraße und anschließend im Führerbau arbeitete. Er war der sogenannten Staatsrechtlichen Abteilung III unterstellt, wo er das Referat „Wirtschaft“ erhielt und alle Gesetze, Fragen und Verordnungen bearbeitete, die mit dem Reichswirtschaftsministerium zu tun hatten oder von ihm ausgingen. In dieser Funktion lernte er seinen direkten Vorgesetzten Martin Bormann sowie Rudolf Heß persönlich kennen. Unter anderem wurde er, im ausübenden Amt eines Regierungsrats, vom RWM im Dezember 1938 darüber informiert, dass zur Vermeidung negativer Folgen auf dem Gebiet der Auslandsbeziehungen die Ausübung der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben bei den ausländischen Geschäftsinhabern vorläufig zu unterlassen sei. Im September 1940 wurde er, obwohl er noch nicht die entsprechende Besoldungsstufe erreicht hatte, auf besonderes Geheiß Heß` hin, zum Oberregierungsrat befördert. Mit der Zeit wurden ihm immer öfter „Beschaffungs-, Bewirtschaftungs- und Versorgungsaufgaben“ zugewiesen. Dies führte dazu, dass er 1941/42 seine Aufgaben aus Zeitgründen in der Abteilung III aufgeben musste. Dennoch blieb er wohl auch darüber hinaus noch zuständig für Aufgaben des Stabes, da er Mitverantwortlicher für die geheime Dienststelle "Übersee", Schloss Steinach, war.

Aufgaben auf dem Obersalzberg Schon in seiner Zeit im Stab des StdF betraute ihn Bormann mit verschiedensten Materialbeschaffungsaufgaben, die für verschiedene große Bauprojekte bestimmt waren, vor allem den Ausbau des Berghofs sowie des ganzen Obersalzbergs. Seit 1937 war Helmut von Hummel Wirtschaftsreferent für die Verwaltung Obersalzberg und dort Stellvertreter Martin Bormanns. Er war nun Hauptverantwortlicher für Baustoff- und Materialversorgung. Diese Tätigkeit spiegelte sich unter anderem darin wider, dass ab 1943 ein neues unterirdisches Führerhauptquartier und Oberkommando der Wehrmacht auf dem Obersalzberg entstehen sollte, wofür von Hummel ebenfalls mit zuständig war. Auch der Bau der ab 1943 in Auftrag gegebenen Stollen zu den unterirdischen Schutzkellern gehörten dazu, so wie die Versorgung der Arbeitskräfte. So sorgte er unter anderem mit Rolf Höhne dafür, dass 550 Liter Otto-Benzin aus SS-Kontingenten zur Verfügung gestellt wurden.

Kleinere Aufgaben erledigte er ebenfalls. Unter anderem musste er einen Botanikprofessor aus Wien kommen lassen, der als Berater für eine Champignonzucht Hitlers tätig sein sollte. Des Weiteren fanden am Berghof Besprechungen mit Hitler über den „Sonderauftrag Linz“ sowie über die Architekturvorhaben statt, an denen Helmut von Hummel auch teilnahm. Später bezeichnete sich von Hummel selbst als „Mädchen für alles“. So organisierte er unter anderem Ausstattungsgegenstände für den Platterhof und für die Parteikanzlei.

Rolle im Sonderauftrag Linz mini|Besprechung zum "Sonderauftrag Linz" auf dem Obersalzberg 1939. V. l. n. r.: Martin Bormann, NN, Adolf Hitler, August Eigruber und NN

Architektur Bereits 1938 bzw. 1939 wurde von Hummel in die Pläne in Linz eingeweiht. Auch in dieser Funktion ging es vor allem um Beschaffungsfragen, sowohl um Baumaterialien für die geplante Führerstadt Linz als auch um Kunstwerke. In der Vorkriegszeit beschränkte sich seine Arbeit auf die Bauvorhaben. Deshalb stand er in regem Kontakt mit Roderich Fick, Hermann Gießler, Albert Speer, Friedrich Kritzinger und Gauleiter August Eigruber. Auch für die Finanzierung des gesamten Projekts war von Hummel zum Teil zuständig. Er wurde damit beauftragt, eine Durchführungsstelle des Reichsbaurats für die Stadt Linz an der Donau zu gründen, die die Bewirtschaftungs-, Verkehrs- und Arbeitseinsatzfragen bearbeitete und zudem die Baustoffbeschaffung und -verteilung des Sonderauftrags regelte.

Auch in einer anderen GmbH war er leitendes Mitglied. Sie setzte sich mit dem Bau eines „Führer-Hotels“ bzw. Donau-Hotels auf dem Gelände des dafür abzureißenden Hotels Weinzinger auseinander. Hier übernahm er die organisatorischen, finanziellen und verwaltungstechnischen Aufgaben. Er sorgte dafür, dass Hitler den Lageplan genehmigte. Ein weiteres Beispiel für seine organisatorischen Aufgaben war die Errichtung vier verschiedener Silos, zu je 20 000 t, am neu zu gestaltenden Linzer Hafen. Am 31. März 1939 wurde Helmut von Hummel ein weiteres Mal Geschäftsführer einer Gesellschaft. Dabei handelte es sich um die im März durch einen Führererlass gegründete Privatstiftung Hitlers: Die Stiftung Wohnungsbau Linz a.d. Donau. Sie hatte den Auftrag, sich um den Aufbau der sogenannten Hitlerbauten zu kümmern. Die Reichskanzlei überwies der von Hummel geleiteten Stiftung im Frühjahr 1939 sechs Millionen Reichsmark, ein Jahr später waren bereits vier Millionen verbaut. Im selben Schreiben forderte er weitere 6 Millionen RM für das zukünftige Jahr an. Am 7. Februar 1940 holte von Hummel zudem bei Hitler die Bewilligung ein, die Stiftung bei Fritz Todt als kriegswichtig anerkennen zu lassen:

Todt stimmte am 20. Februar 1940 zu und erklärt das Bauvorhaben als kriegswichtig.

Im Winter 1939/1940 wohnte von Hummel, organisiert durch Bormann, mit seiner Frau im Haus Prinzregentenplatz 16, Hitlers Privathaus in München.

Streitigkeiten mit Roderich Fick