mini|Treppe im oberen Teil der Havlíček-Gärten mini|Die Villa Gröbe steht im Zentrum der Parkanlage Die Havlíček-Anlagen oder -Gärten (tschechisch Havlíčkovy sady, im Volksmund Gröbovka oder Grébovka genannt) sind eine Parkanlage mit Weingarten im Stadtteil Vinohrady der tschechischen Hauptstadt Prag. Die rund elf Hektar große Grünfläche liegt an einem Hang, der seit dem Spätmittelalter für den Weinbau kultiviert wird. Zwischen 1871 und 1888 errichtete der Industrielle Moritz Gröbe dort den – später nach dem Dichter Karel Havlíček Borovský benannten – Landschaftsgarten. Bedeutende Bauwerke im Stil des romantischen Historismus und der Neorenaissance sind die Villa Gröbe, der Weinbergpavillon und die Grotte mit Springbrunnen. Seit 1964 ist der Park ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Geschichte Historischer Weingarten Auf dem Areal der heutigen Havlíček-Anlagen befand sich bereits im 13. Jahrhundert ein erster Weingarten. Die fachlichen Grundlagen des Weinbaus wurden jedoch erst ein Jahrhundert später durch Karl IV. in Böhmen eingeführt. Zudem ließ der häufig in Frankreich weilende Regent edle Rebsorten aus dem Ausland importieren.Josef Hrubeš & Eva Hrubešová: Grébovka. Zelená perla Královských Vinohrad. 1. Auflage, Milpo media, Prag 2005, ISBN 978-80-903481-6-5 (tschechisch). Die erste schriftliche Erwähnung des Geländes findet sich in einem Kaufvertrag aus dem Jahr 1323. Der Prager Bürger Albert Štuk erwarb damit den Weinberg vom Abt des Klosters Vilémov. Ein weiterer Weingarten auf dem Gebiet der heutigen Obstplantage befand sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts im Besitz deutscher Kreuzfahrer der St.-Benedikt-Kirche auf dem Hradschin. 1409 kaufte der Prager Petr Meziříčský den über das Gelände fließenden Bach und benannte ihn nach sich in Meziříčská. Zwei weitere, kleinere Weingärten trugen die Namen Budějovická (Klínek) und Cášská.František Vacek: Dějiny vinic na území nynějších Král. Vinohradů od počátku XV století do r. 1526. Sborník příspěvků k dějinám hlavního města Prahy – VIII. Prag 1938 (tschechisch).

Im Lauf der Jahrhunderte blieb das Gebiet nicht von Kriegsgeschehnissen verschont. 1420 lagerte dort ein Heer im Zuge der Schlacht bei Vyšehrad. Auch 1448 sowie während des Dreißigjährigen Krieges und des Österreichischen Erbfolgekrieges diente das Areal als Lagerplatz für Soldaten.

Um 1700 wurden das Obere und Untere Landhaus (Horní und Dolní Landhauska), damals Halířovský grunt genannt, erbaut. Das Obere Landhaus befand sich ursprünglich nahe dem Standort der heutigen Villa Gröbe. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gehörten die Landhäuser den Jesuiten und dienten älteren und kranken Ordensmitgliedern als Sommerresidenz. Danach wechselten die Gebäude und Landgüter öfter den Besitzer. Josef Thaddeus Lumbe von Mallonitz, der am Prager Polytechnikum Landwirtschaft lehrte, ließ beide Landhäuser umbauen und Teile des Weinberges und der Gärten in eine Obstplantage umgestalten.

Errichtung des Landschaftsgarten

mini|Villa Gröbe mit Obstbäumen (1918) Im Jahr 1870 erwarb der Bauunternehmer und Industrielle Moritz Gröbe das Areal und beschloss, sich mit einer umfassenden Umgestaltung selbst ein Denkmal zu setzen. Zunächst ließ er im oberen Teil des Geländes eine kleine Villa nach Plänen des Architekten Alois Turek (1810–1893) errichten. Gleichzeitig erfolgte der Bau der Umfassungsmauern mit mehreren Toren. Nachdem Gröbe sich für ein endgültiges Konzept entschieden hatte, musste die erste Villa einem prachtvollen zweigeschossigem Neorenaissance-Bau weichen. Dafür waren aufwendige Erdarbeiten notwendig. So mussten etwa für die die Anlage von zwei Terrassen 60.000 Pferdewagenladungen Erde von der Baustelle des nahegelegenen Eisenbahntunnels der Prager Verbindungsbahn herangekarrt werden. Mit der Gestaltung der Parkanlage wurden mehrere Fachleute, darunter Rudolf Vácha aus dem südböhmischen Frauenberg sowie die Herren Menzer und Perold aus Dresden, betraut. Insgesamt investierte Gröbe 1,76 Millionen Kronen in die Baumaßnahmen.Informationstafel an der „Gröbe-Grotte“. Foto (tschechisch).

Öffentlicher Park und Vivarium Gröbes Erben verkauften die Villa und das Grundstück schließlich 1905 für 841.000 Kronen an die Gemeinde Vinohrady. Am 16. Mai des folgenden Jahres wurden die Havlíček-Anlagen, benannt zu Ehren des 1856 verstorbenen Dichters und Journalisten Karel Havlíček Borovský, für die Allgemeinheit geöffnet. Zu diesem Zeitpunkt standen in der Umgebung bereits einige neue Mietshäuser und die ursprünglich abgelegene Residenz befand sich inmitten eines Wohngebiets. Gegenüber dem Oberen Landhaus befanden sich Gewächshäuser für die Züchtung exotischer Pflanzen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das größte Gewächshaus in einen Salon für die Künstlerszene Vinohradys umgebaut, der den Bedürfnissen der Künstler jedoch nicht gerecht wurde. 1927 mietete die Aquariumsgesellschaft Leknín das Gebäude und ließ es zu einem Vivarium umbauen. In dem kleinen Zoo hielt man unter anderem ein Nilkrokodil, drei Alligatoren, Aquarienfische, mehrere Affenarten und eine Löwin. Die Fußballer der Bohemians Prag 1905 brachten von einer Reise nach Australien zwei Kängurus für das Vivarium mit und führen das Beuteltier bis heute in ihrem Vereinslogo. Bis zur Gründung des Prager Zoos im Stadtteil Troja 1931 beherbergte das Vivarium die größte Sammlung exotischer Tiere der Stadt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges führten die Luftangriffe der Alliierten zu starken Beschädigungen an Park und Gebäuden. Dach und Stockwerke der Villa sowie Teile des Weinberges wurden durch Brandbomben zerstört. Schwere Schäden erlitten außerdem die Weinkeller, das Haupteingangstor, die Gewächshäuser und das Vivarium. Die überlebenden Tiere mussten in den Prager Zoo übersiedelt werden. Nach Kriegsende wurde der Park etappenweise wieder aufgebaut, was sich jedoch aufgrund eines Mangels an Baumaterial als schwierig erwies. Die Ruinen der Gewächshäuser wurden entfernt und durch einen Spielplatz ersetzt. Das Haupteingangstor wurde restauriert und im Pförtnerhaus ein Zeitungs- und Tabakgeschäft untergebracht. Zwischen 1951 und 1953 wurde die Villa erstmals restauriert.

Nach 1945 übernahm die staatliche Behörde für Forst-, Obst- und Gartenbau die Instandhaltung des Geländes. Die Wege ließ man asphaltieren, der Gesamtzustand der Anlage blieb allerdings schlecht. In den Jahren von 1973 bis 1975 wurden die Grotte und der Figurenbrunnen aufwendig restauriert. 1989 gingen die Havlíček-Anlagen in den Besitz der Hauptstadt über, bis 1999 wurden die einzelnen Parkbestandteile schrittweise in die Verwaltung des zweiten Stadtbezirks überführt. Nach wiederholter öffentlicher Kritik am Zustand der Anlage, insbesondere der Grotte, wurde der Komplex bis 2013 weitgehend rekonstruiert.

Lage und heutige Nutzung { "type": "FeatureCollection", "features": [

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Die Havlíček-Anlagen erstrecken sich auf einer Seehöhe von 200 bis an einem Südosthang über dem Tal des Baches Botič. Während der Bach die natürliche Süd- bzw. Untergrenze des Parks bildet, wird er auf der Nord- bzw. Oberseite von den Straßen U Havlíčkových sadů und Rybalkova begrenzt. Im Osten verbindet die Straße U vršovického nádraží die Parkanlage mit dem Bahnhof von Vršovice, im Südwesten schließt ein weiterer öffentlicher Park an. Administrativ gehört das Gelände zum zweiten Stadtbezirk (Stadtteil Vinohrady), an drei Rändern der Parkanlage verläuft die Bezirksgrenze zu Prag 10 (Stadtteil Vršovice). mini|Oberer Spielplatz Von den nächstgelegenen Straßenbahnhaltestellen ist er in etwa fünf Minuten Gehzeit erreichbar. Der U-Bahnhof Náměstí Míru jenseits des Gründerzeitviertels von Vinohrady liegt rund zehn Gehminuten entfernt.

Der von einer Mauer eingefasste, elf Hektar große Park verfügt über sechs Eingänge, die über Nacht geschlossen werden. Er ist zwischen April und Oktober von 6 bis 24 Uhr und zwischen November und März von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

Auf dem Gelände befinden sich zwei öffentliche Spielplätze. Der größere wurde 2006 eröffnet und befindet sich nahe dem Oberen Landhaus, der kleinere (U Štiky) liegt im unteren Teil der Anlage in der Nähe des Unteren Landhauses. Jeweils in der Nähe befinden sich öffentliche Toiletten.

Flora und Fauna mini|hochkant|Von unterschiedlichen Baumarten gesäumter Teich Der Park gilt dank seines Artenreichtums als dendrologisch wertvoll. Insgesamt wachsen dort 120 unterschiedliche heimische und exotische Baumarten. Von der heimischen Baumflora gedeihen unter anderem Edelkastanie, Gemeine Esche und deren Kulturvarietät Traueresche, Rotbuche, Zerreiche und verschiedene Ahorne, Eichen, Fichten, Linden, Kiefern, Maulbeeren, Mehlbeeren, Pappeln und Rosskastanien. Als Exoten kommen etwa Blasenesche, Ginkgo, Amerikanische Gleditschie, Kanadische Hemlocktanne, Biegsame Kiefer, Tränen-Kiefer, Amur-Korkbaum, Tulpen-Magnolie, Amerikanischer Zürgelbaum sowie Scheinzypressen vor.Jiří Novotný: Havlíčkovy sady (Gröbovka) v Praze 2. Pražský ústav památkové péče, Prag 1973, S. 14 (tschechisch).Božena Pacáková-Hošťálková: Gröbovka (Havlíčkovy sady). Evidenční list nemovité kulturní památky.. Pražský ústav památkové péče, Prag 1985 (tschechisch).Božena Pacáková-Hošťálková: Pražské zahrady a parky. 1. Auflage, Společnost pro zahradní a krajinářskou tvorbu, Prag 2000, S. 254–255 (tschechisch).

Die Anlage ist außerdem von ornithologischer Bedeutung. Insgesamt wurden 25 Vogelarten nachgewiesen, von denen elf ganzjährig anzutreffen sind. Dazu gehören Eichelhäher, Elster und Rotkehlchen. Buntmeise, Grünspecht, Schleiereule, Sumpfmeise und gelegentlich der Sperber sowie verschiedene Rabenvögel nutzen den Park als Winterquartier. Im Frühling und Sommer kommen acht Arten vor, darunter Haussperling, Mönchsgrasmücke, Ringeltaube und Zilpzalp. Neben Elster, Eichelhäher und Mauersegler wurden neun weitere Arten als Nistvögel nachgewiesen. Für Höhlenbrüter bieten sich aufgrund der Erhaltung zahlreicher alter Baumhöhlen besonders günstige Nistbedingungen.

Auf dem Areal wurden 254 meist sehr kleine Schmetterlingsarten, darunter vier Edelfalter, drei Weißlinge und zahlreiche Mottenarten, festgestellt. Als Waldsteppenrelikt kommen zwei flügellose Rüsselkäferarten vor. Die zehn nachgewiesenen Weichtierarten sind vor allem solche, die Ruderalflächen bewohnen, und treten nur an einigen wenigen Stellen auf.

Weinbau mini|Aussicht von der Villa Gröbe auf Weinberg und Park Der von Moritz Gröbe revitalisierte Weinberg stellt den letzten Rest einer ganzen Reihe von Weingärten in dem Gebiet dar. Er wurde an einem steilen Hang angelegt, der teilweise mit Aushubmaterial von der Baustelle des Eisenbahntunnels aufgeschüttet worden war. Im östlichen Teil des Weinberges wurde auf dem Fundament des ursprünglichen Oberen Landhauses ein Weinkeller gebaut. Weil Gröbe offenbar plante, ein weiteres Stockwerk aufzusetzen, erfolgte nur eine provisorische Überdachung.