mini|Darmstadt, mit Schloss, Stadtkirche und der Darmstädter Altstadt – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Ältester Stadtplan Darmstadts von ca. 1759 von (Kaspar Ludwig) Bettenhäuser. (Beachte: Hier ist Osten oben) mini|Fürstenhof, weißer Turm und Postamt um 1800 mini|Darmstadt im Jahr 1816.Ein Aquarell von Johann Heinrich Schilbach mini|Luisenplatz mit Ludwigsmonument und Alten Palais um 1840 mini|Darmstadt um 1866 mini|Darmstadt um 1900 mini|Ein Luftbild der Darmstädter Altstadt mit dem Darmstädter Schloss, 1936

Die Geschichte der Stadt Darmstadt umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der hessischen Großstadt Darmstadt von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Die Stadt Darmstadt entstand im Mittelalter aus einer fränkischen Siedlung. Bereits im 13. Jahrhundert wurde sie zu einer Nebenresidenz der Grafen von Katzenelnbogen und fiel nach deren Aussterben 1479 an Hessen. Mit dessen Teilung im Jahr 1567 wurde Darmstadt Residenzstadt und politisches Zentrum der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, ab 1806 Hauptstadt des Großherzogtums Hessen und nach Ende des Deutschen Kaiserreichs ab 1918 Hauptstadt des Volksstaates Hessen. Erst mit der Gründung des Bundeslandes Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 sank die politische und administrative Bedeutung der Stadt, da dem größeren und weit weniger zerstörten Wiesbaden der Vorzug als Landeshauptstadt gegeben wurde.

Frühgeschichte (bis ca. 800 n. Chr.) Ab der Jungsteinzeit bis ins erste Jahrtausend n. Chr. sind Siedlungsaktivitäten im Darmstädter Raum durch Bodenfunde, Gräber und Grabbeigaben dokumentiert. Diese frühe Besiedlungsgeschichte war im Gegensatz zu späteren Epochen stärker von geografischen Gegebenheiten bestimmt. Die naturräumlichen Grundlagen des Siedlungsraums sind durch dessen Lage im Bereich des oberrheinischen Gebirgssystems geprägt. Dessen nördlicher Ausläufer, der vor Darmstadt auslaufende Odenwald, geht nach Norden hin zur Ebene über, hat aber zum Westen hin einen ausgeprägten Rand. Zwischen diesem und dem im Westen fließenden Rhein bildete sich ein natürlicher Völkerweg, die Bergstraße. Neben der Lage des Gebietes am nördlichen Ende dieser Route und an weiteren günstigen, naturräumlich vorgegebenen Wegen waren die versandeten Mäander der alten Flussläufe von Rhein und Neckar, die sich ursprünglich in der Höhe von Trebur vereinigten, entscheidend. Sandablagerungen wurden bereits in der Eiszeit zu Dünen verweht, die noch heute an vielen Stellen den Übergang von der Rheinebene zum Odenwald bilden. Diese Dünen und Landzungen waren hochwassersicher und boten so die Möglichkeit einer dauerhaften Besiedlung. mini|Bandkeramische Gefäße Wenige Einzelfunde belegen eine menschliche Kultur ab dem fünften und vierten Jahrtausend v. Chr. Ackerbauern der Kultur der Bandkeramiker zogen aus der Wetterau herab und hinterließen einzelne Spuren. Auch die nachfolgende, die sogenannte Rössener Kultur, ist wahrscheinlich aus der Wetterau zugewandert. Die vom Süden her in geringer Dichte eingesickerte Michelsberger Kultur hinterließ die wenigsten Zeugnisse. Für alle drei neolithischen Ackerbaukulturen gilt, dass sich Bedeutung und Stellenwert wegen der geringen Funddichte schwer abschätzen lassen.

Ab etwa 2000 v. Chr. sind die wichtigsten Bevölkerungsgruppen des Übergangs zur Metallverarbeitung, die Schnurkeramiker und die Glockenbecherleute, nachweisbar. Erstere, auch Streitaxtleute genannt, dehnten sich von Thüringen kommend bis ins Maingebiet aus und verdrängten durch ihre wehrtechnische Überlegenheit die eingesessene Bevölkerung. Die von ihnen eingeführte Grabhügelbestattung ist nördlich von Arheilgen und in Kranichstein nachweisbar. Etwa gleichzeitig wanderten die Glockenbecherleute, für die erste Kupfergeräte typisch sind, aus Westeuropa ein. Die Interpretation zahlreicher Funde legt nahe, dass diese wiederum die Streitaxtleute aus dem Darmstädter Raum verdrängten. Ein bedeutendes Gräberfeld fand sich 1926. Der besterhaltene Tote, ein in der typischen Hockerstellung beigesetzter junger Mann, findet sich heute als „Ältester Darmstädter“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

Aus der frühen Bronzezeit, ungefähr von 1600 bis 1200 v. Chr., ist die Bevölkerungsgruppe der Hügelgräberbronzezeit durch ihre spezifische Bestattungsart – Beisetzung in gestreckter Form unter künstlichen Hügeln – in großer Zahl nachzuweisen. Reiche Keramik-, Schmuck- und Waffenfunde, unter anderem Bernsteinbeigaben von der Ostseeküste oder Armstulpen aus Schlesien, lassen eine erste Kulturblüte erkennen. Bei Wixhausen sind die ersten Hausspuren aus dieser Zeit gefunden worden.

Zu einem völligen Wandel des Kulturbildes kam es ab 1200 v. Chr. durch gesellschaftliche Umschichtungen. An die Stelle der vorherrschenden Weidewirtschaft trat der Ackerbau, Tote wurden fortan verbrannt, ihre Asche in Urnenfeldern beigesetzt. Die danach benannte Urnenfelderkultur hatte hohes technisches Können, was durch reichere Funde der Gebrauchskeramik und auch der Schmuck- und Waffenkunst belegt wird.

Vom Dorf zur Stadt und zur Nebenresidenz der Grafen von Katzenelnbogen (ca. 800 bis 1479) Hauptartikel: Grafschaft Katzenelnbogen Anfänge (ca. 800 n. Chr. bis 1330 n. Chr.) Der Ort Darmstadt wurde vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert von den Franken gegründet. Von diesem Zeitpunkt an war das Gebiet zweifelsfrei durchgängig besiedelt. In die Geschichtsschreibung jedoch trat Darmstadt erst Ende des 11. Jahrhunderts: Graf Sigebodo, ein Angehöriger des Adelsgeschlechts der Reginbodonen, hatte Zinsabgaben über Darmundestat verfügt.

Zunächst gehörte Darmstadt zum Wildbann Dreieich. Nachdem das Dorf als Teil der Grafschaft Bessungen im Jahr 1002 in den Besitz des Bistums Worms und 1009 in den Besitz des Bistums Bamberg gefallen war, wurde es am 21. Juni 1013 dann schließlich ein Lehen des Bistums Würzburg, was Darmstadt bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 blieb.

Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten die Grafen von Katzenelnbogen bei Darmstadt eine Wasserburg. Zur Verteidigung siedelten sich südlich der Burg nach und nach Ritter an. Da die ursprüngliche, bäuerliche Bevölkerung östlich der Burg lebte, bildeten sich zwei vom Darmbach getrennte Siedlungskerne, die vermutlich ursprünglich auch getrennt verwaltet wurden.

Verleihung der Stadtrechte und Mauerbau (1330 bis 1479) mini|Das Original der Stadtrechtsurkunde von Darmstadt liegt im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt

Am 23. Juli 1330 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen die Stadtrechte für Darmstadt. Diese Privilegierung galt dem Grafen ausschließlich persönlich, die Stadt selbst, weder ihre Bürger noch der ansässige ritterliche Adel, konnten daraus irgendeine Berechtigung ableiten. Mit dem damit verbundenen Marktrecht jedoch wuchs die Bedeutung der bis dahin eher unscheinbaren Siedlung rasant an und die gesamte Wirtschaft im Umkreis richtete sich auf den Darmstädter Markt aus, während Darmstadt selbst sich auf die älteren und größeren Städte Frankfurt am Main, Worms und Speyer ausrichtete.

Darmstadt liegt direkt am nördlichen Teil der Bergstraße, was der Stadt einen immensen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Städten in der Region wie z. B. Reinheim verschaffte, die Darmstadt bald nach der Stadtrechtsverleihung in der politischen Bedeutung überflügelte. Zudem war Darmstadt wohl schon zur fränkischen Zeit vermutlich zumindest teilweise befestigt. Spätestens aber mit Errichtung der Wasserburg zogen die Grafen von Katzenelnbogen Darmstadt dem bis dato wichtigeren, ebenfalls direkt an der Bergstraße liegenden Bessungen vor. Die Kombination dieser beiden Faktoren, günstige Lage direkt an der Bergstraße sowie Befestigung durch eine Wasserburg, waren der Grundstein für den wirtschaftlichen und politischen Aufschwung, den die Stadt in der Katzenelnbogener Zeit erlebte.

In der Folgezeit nach Verleihung des Stadtrechts wurde nach und nach, zunächst nur der innere Ring der Stadtmauer gebaut, welche die Fläche des Stadtgebiets strikt begrenzte und so aufgrund des bald entstehenden Raummangels in der stetig wachsenden Stadt dafür sorgte, dass die beiden Siedlungskerne sukzessive zusammenwuchsen. Bis zur Vollendung der Stadtmauer mit innerem und äußerem Ring vergingen rund hundert Jahre.

Die Selbstverwaltung der Stadt wurde durch ein vierzehnköpfiges Schöffengericht unter Vorsitz eines Schultheiß gewährleistet. Diese eher ungewöhnliche Zahl für eine Bürgervertretung (üblich waren Vertreterzahlen mit religiösen Bezügen wie sieben oder zwölf) deuten auf die große gesellschaftliche Distanz zwischen dem bäuerlichen Ober- und dem adligen Unterdorf. Anzunehmen ist, dass ursprünglich nur sieben Schöffen das Oberdorf verwalteten und diese Zahl bei Gründung des Unterdorfs als Wohnraum für die Burgmannen schlicht verdoppelt wurde.

Die Stadtverwaltung war fest in der Hand weniger Familien, die ihr Amt auf Lebzeit innehatten und meist von Familienmitgliedern beerbt wurden. Es gibt einige Anzeichen, dass diese Ordnung zu Spannungen im Dorf führte. Offenbar fühlte die Bürgerschaft ihre Interessen auf diese Weise nicht ausreichend vertreten. Um den Willen der Bürgerschaft Rechnung zu tragen, ordnete Graf Philipp der Ältere von Katzenelnbogen 1457 an, dass die Größe der Stadtverwaltung nochmals um vierzehn Personen, die allesamt aus der Gemeinde gewählt werden sollten, erweitert werde. Der Einfluss des bereits existierenden Schöffengerichts war aber offensichtlich so groß, dass diese Anordnung nur in abgeschwächter Form Realität wurde, indem das Amt des „Vierers“ eingeführt wurde. Dieses, wie der Name schon andeutet, aus vier Personen bestehende Gremium war fortan die Interessensvertretung der Bürgerschaft. Sie wurden direkt von den Bürgern gewählt.

Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts bauten die Grafen von Katzenelnbogen die Burg immer wieder aus und um, bis sie schließlich Mitte des 15. Jahrhunderts zu einem repräsentativen Schloss geworden war. Darmstadt wurde Katzenelnbogener Nebenresidenz und erlebte eine erste Hochphase seiner Entwicklung, während der Gräfin Else von Katzenelnbogen 1385 auf ihrem Witwensitz eine „fürstliche“ Hofhaltung begründete. Nach dem frühen Tod Graf Philipps des Jüngeren im Februar 1453 im Darmstädter Schloss führte seine Witwe, Gräfin Ottilie, den Hof mit zwei Köchen, zwei Bäckern, einem Hofmetzger, Falknern, Hundeführern, Vogelstellern, Otternfängern, einem Wappenmeister und vielen Hofmusikern.

1479 starb das Geschlecht der Grafen von Katzenelnbogen aus, Darmstadt fiel an Heinrich III. von Hessen und stagnierte für Jahrzehnte. Die gesellschaftliche Struktur entsprach trotz Schloss und Stadtmauer immer noch eher dem eines ackerbürgerlichen Dorfes. Davon zeugt auch die Geschichte der Fürstlichen Hofmeierei, des Hofgutes Oberfeld in Darmstadt.

Landgrafschaft Hessen (1479 bis 1806) Hauptartikel: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt

Die letzten Jahre eines einheitlichen Hessens (1479 bis 1567) Nach dem Tod des letzten Grafen von Katzenelnbogen fiel Darmstadt an Landgraf Heinrich III. von Hessen. Darmstadt sank dadurch im Ansehen von einer bedeutenden Nebenresidenz zu einem kleinen Vorposten fernab des hessischen Machtzentrums Kassel. Das bedeutendste Ereignis dieser frühen Phase in der Landgrafschaft dürfte die Bestätigung sämtlicher Stadtprivilegien durch Landgraf Wilhelm III. am 10. August 1489 sein. Entgegen der bisherigen Regelung war Stadt- und Marktrecht nun nicht mehr an den herrschenden Grafen gebunden, sondern stand unter der Verwaltung der Stadt selbst. Als Gegenleistung musste die Stadt den Landgrafen wirtschaftlich unterstützen, so zum Beispiel als Sicherheit bei Schuldnern. Die zeitweise schlechte Finanzlage der Landgrafschaft wurde so zum Teil auf Darmstadt abgewälzt, das durch diese Schulden wirtschaftlich niederging.

mini|links|Philipp der Großmütige