mini|Reproduktion einer Glasmalerei-Darstellung Karls III. in der Kathedrale von Évreux Karl III. genannt der Edelmütige (frz. Charles III le Noble) (* 22. Juli 1361 in Mantes-la-Jolie, Frankreich; † 8. September 1425 in Olite) war König von Navarra, Herzog von Nemours und Graf von Évreux. Er bestieg den navarresischen Thron 1387 nach dem Tod seines Vaters Karl II. Seine Regierung war im Wesentlichen eine Friedenszeit.

Während seiner Zeit als Thronfolger fungierte Karl III. öfters als königlicher Stellvertreter (Gobernador), heiratete 1375 Eleonore, eine Tochter des kastilischen Königs Heinrich II., und lebte von 1377 bis 1381 als Geisel am französischen Hof. In seiner Regierungszeit als König pflegte er gute Beziehungen zu den Nachbarreichen Kastilien und Aragón und tauschte 1404 die ererbten Besitzungen in der Normandie gegen das Herzogtum Nemours. Wiederholt hielt er sich länger in Frankreich auf. Im Abendländischen Schisma rückte er unter französischem Einfluss vom avignonesischen Gegenpapst Benedikt XIII. ab. Er förderte Literatur und Kunst, ließ den Königspalast von Olite erbauen und vereinte 1423 drei bisher getrennte und miteinander verfeindete Gemeinden zur Hauptstadt Pamplona. Da seine zwei Söhne von Eleonore im Kleinkindalter verstarben, wurde seine Tochter Blanka 1425 seine Nachfolgerin als Königin Navarras.

Leben Abstammung und frühes Leben Karl III. war ein Mitglied des Hauses Évreux, einer Nebenlinie der französischen Königsdynastie der Kapetinger. Er war der älteste Sohn König Karls II. des Bösen von Navarra und der Johanna von Frankreich, einer Tochter des Königs Johann II. Er kam im Juli 1361 in Mantes, dem Zentrum der Besitzungen seines Vaters in Nordfrankreich, zur Welt.Eloísa Ramírez Vaquero: Carlos III, rey de Navarra: príncipe de sangre Valois (1387-1425), 2007, S. 11. Seine Eltern lebten dort während einer ihrer langen Aufenthalte in Frankreich und verwalteten die Grafschaft Évreux und andere Lehen. Im Mai 1360 hatten die einander im Rahmen des Hundertjährigen Kriegs bekämpfenden Königreiche England und Frankreich den Vertrag von Brétigny geschlossen. In der folgenden Friedensphase hatte Karl II. von Navarra im Herbst 1360 seine Besitztümer in der Normandie zurückerhalten und sich mit dem Dauphin Karl versöhnt. Dies ermöglichte ihm, sich im Oktober 1361 nach zehnjähriger Abwesenheit in sein Königreich Navarra zurückzubegeben. Seinen kleinen Sohn Karl (III.) und seine Gattin ließ er in Frankreich zurück.José Ramón Castro Alava: Carlos III el Noble: rey de Navarra, 1967, S. 24–29.Vicente Ángel Álvarez Palenzuela: Carlos III, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version.

mini|Karte Frankreichs für das Jahr 1350; die Gebiete des Königs von Navarra sind gelb gefärbt Im Januar 1363 reiste auch Königin Johanna nach Navarra und vertraute ihren kleinen Sohn Karl (III.) in Évreux der Obhut seiner Tante Blanka, der Witwe des französischen Königs Philipp VI., an. Erst im Dezember 1365 sah Karl seine Mutter bei ihrer Rückkehr nach Frankreich wieder und wurde von ihr im August 1366 zusammen mit seinem etwa viermonatigen Bruder Peter (dem späteren Graf von Mortain) nach Pamplona gebracht. Damals betrat er erstmals navarresischen Boden. 1370 begleitete er zusammen mit seinem Bruder seinen Vater Karl II. wieder nach Frankreich. Im November 1373 starb seine Mutter Johanna unerwartet auf einer diplomatischen Reise zu ihrem Bruder, dem französischen König Karl V.

Heirat mit Eleonore von Kastilien Der Erfolg des Hauses Trastámara im kastilischen Bürgerkrieg zwang Karl II. von Navarra zu einer Einigung mit dem kastilischen König Heinrich II., die im August 1373 durch den Schiedsspruch des Kardinals Guy de Boulogne besiegelt wurde. Zur Festigung des Friedens zwischen den beiden Königreichen verlobte sich der Infant Karl (III.), der navarresischer Thronfolger war, im September 1373 in Burgos mit Eleonore von Kastilien (um 1363–1415/16), einer Tochter König Heinrichs II. Die Hochzeit des Paars fand am 27. Mai 1375 in Soria statt. Die Ehevereinbarung umfasste auch die Anerkennung der Thronfolge Karls (III.) und Eleonores im Kastilien, falls Heinrich II. ohne männliche Erben starb, und der Thronansprüche der Kinder aus dieser Ehe auf den Thron Navarras, selbst dann, wenn der Infant Karl (III.) vor seiner Thronbesteigung sterben sollte.

Gefangenschaft in Frankreich Als 1377 der englisch-französische Waffenstillstand von Brügge (Juni 1375) ohne Verlängerung auslief und die kastilische Seemacht daraufhin die Südküste Englands verheerte, griff John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster seine Ansprüche auf den kastilischen Thron wieder auf. Aufgrund lockender englischer Versprechungen und zahlreicher offener Fragen bezüglich seiner Herrschaftsgebiete in Frankreich beschloss Karl II. von Navarra, Geheimverhandlungen mit England zu führen. Zur Realisierung dieses Vorhabens begab sich der Infant Karl (III.) im Auftrag seines Vaters an der Spitze einer Gesandtschaft nach Paris, wo er offiziell mit König Karl V. über die endgültige Lösung der Frage der navarresischen Besitzungen in Frankreich verhandeln sollte. In seiner Begleitung befanden sich seine Geschwister Bona und Peter, der Kammerherr Jacques de Rue und der Sekretär Pierre du Tertre. Insgeheim war Karl (III.) beauftragt, Gespräche mit den Engländern bezüglich der Nutzung normannischer Häfen aufzunehmen. Die Folge dieser Umtriebe war aber die Festnahme der Gesandtschaft auf Befehl Karls V. Durch Verhöre ihrer Mitglieder kam auch der Plan des navarresischen Königs heraus, die früher zu seinem Reich gehörige, dann aber an Kastilien gefallene Stadt Logroño durch eine Verschwörung wieder in seinen Besitz zu bringen.

Als Konsequenz dieser Enthüllungen musste Karl (III.) mehr als drei Jahre als Geisel am französischen Hof leben; Jacques de Rue wurde hingerichtet. Truppen König Karls V. besetzten alle navarresischen Besitzungen in Frankreich mit Ausnahme von Cherbourg, das der navarresische König an die Engländer verpachtet hatte. Anlässlich seiner Hochzeit hatte Karl (III.) die Grafenwürde von Beaumont-le-Roger erhalten, doch auch diese Grafschaft wurde durch das militärische Eingreifen Bertrands du Guesclin okkupiert.Vgl. Außerdem fielen kastilische Truppen erfolgreich in Navarra ein, woraufhin König Karl II. am 31. März 1379 zum Abschluss des für ihr unvorteilhaften Vertrags von Briones gezwungen war. Erst nach dem Tod König Karls V. von Frankreich im September 1380 erlangte der Infant Karl (III.) infolge der Fürbitte seines Schwagers, des kastilischen Königs Johann I., bei den Brüdern des verstorbenen französischen Königs und Vormündern des jungen Königs Karl VI. seine Freiheit wieder. In der Folge kam es zu einer stärker auf Kooperation ausgerichteten Beziehung zwischen Navarra und Kastilien. Auf seine schriftliche Eingabe im Februar 1381 wurde Karl (III.) die Verwaltung der von seinem Vater konfiszierten Territorien in Frankreich übertragen, für die er der französischen Krone den Lehenseid leistete. Zu seinem guten Einvernehmen mit Frankreich trug auch die positive Haltung des Infanten gegenüber dem Gegenpapst Clemens VII. bei. Im Oktober 1381 verließ er Paris und begab sich nach Kastilien, wo er von König Johann I. glänzend empfangen wurde.

Dienst für Johann I. von Kastilien In den folgenden Jahren lebte Karl (III.) oft in Kastilien und half seinem Schwager, König Johann I., in dessen Dienst er stand. Seine Gattin gebar ihm in der Zeit bis zu seiner Thronbesteigung (1387) vier Töchter. Nachdem England und Portugal 1380 ein Bündnis geschlossen hatten, das auch der Unterstützung der Ansprüche des Herzogs von Lancaster auf den kastilischen Thron diente, hatte Johann I. inzwischen den siegreichen Dritten Ferdinandinischen Krieg gegen den portugiesischen König Ferdinand I. geführt. Dieser musste im August 1382 den Vertrag von Elvas unterzeichnen, der ihn zum Bruch mit England um zum Beitritt zur französisch-kastilischen Allianz im Hundertjährigen Krieg zwang.H. V. Livermore: History of Portugal, Cambridge 1947, S. 173.

Im Juli 1383 unterstützte Karl (III.) den kastilischen König bei Militäroperationen gegen Gijón, dem letzten Zufluchtsort des rebellischen Alfonso Enríquez, Graf von Gijón und Noreña. Im Oktober 1383 wurde bei der Versammlung der Cortes in Segovia eine vorläufige Vereinbarung getroffen, die de facto eine Aufhebung des Vertrags von Briones bedeutete und die in diesem Vertrag an Kastilien abgetretenen navarresischen Städte unter die Oberhoheit des Infanten Karl (III.) stellte. Innerhalb eines Monats nach Übergabe dieser Städte sollte König Karl II. von Navarra im Gegenzug die Legitimität des Gegenpapstes Clemens VII. anerkennen. Indessen verweigerte Karl II. die Ratifizierung der Vereinbarung und damit die Anerkennung des Gegenpapstes.

Nachdem es nach dem Tod König Ferdinands I. im Dezember 1383 in Lissabon zu einem Aufstand gegen die Thronfolge Johanns I. von Kastilien in Portugal gekommen war, beteiligte sich Karl (III.) am folgenden Einfall seines Schwagers in Portugal, um diesen im Kampf für dessen Erbansprüche zu helfen. Er brachte eine Schar ausgesuchter Truppen mit und nahm von Februar bis März 1384 am erfolglosen Angriff auf Coimbra teil. Von Mai bis September 1384 stand Karl (III.) seinem Schwager auch bei dessen Belagerung von Lissabon bei. Eine verheerende Pest-Epidemie, die im kastilischen Lager ausbrach, nötigte Johann I. aber zum Rückzug. In der Folge sammelte Karl (III.) in Navarra neue Krieger für einen weiteren Feldzug gegen Portugal und versuchte auch französische Ritter und Söldner dafür zu gewinnen. Im Sommer 1385 überschritt er mit beträchtlichen Streitkräften die portugiesische Grenze; da erhielt er die Nachricht, dass sein Schwager trotz deutlicher Übermacht am 14. August 1385 in der Schlacht von Aljubarrota eine vollständige Niederlage erlitten hatte. Hierauf kehrte Karl (III.) unter Verwüstung des feindlichen Gebiets nach Kastilien zurück und tröstete seinen betrübten Schwager. Nach dieser schweren militärischen Schlappe strebte König Johann I. engere Beziehungen zu Navarra an. Dessen Herrscher Karl II. erleichterte den Abschluss eines entsprechenden Abkommens, indem er seinem Thronerben nun umfassende Machtbefugnisse übertrug.Martin Philippson: Karl III., König von Navarra. In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, 33. Teil (1883), S. 259.

Damals wurde der Vertrag von Estella (11. Januar 1386) geschlossen, der die Rückgabe aller noch in kastilischem Besitz befindlichen festen navarresischen Plätze mit Ausnahme von Estella, Tudela und San Vicente vorsah. Als sich der kastilische König 1386 gegen den mit Portugal verbündeten Herzog von Lancaster zu verteidigen hatte, unterstützte Karl (III.) seinen Schwager erneut. Er weilte mit seiner ganzen Familie bei ihm in Peñafiel, als er die Nachricht vom Tod seines am 1. Januar 1387 verstorbenen Vaters Karl II. erhielt. Daraufhin begab er sich nach Navarra und wurde am 28. Januar 1387 in Pamplona als König ausgerufen.

König von Navarra mini|Statue Karls III. Als Zeichen der nach der Thronbesteigung Karls III. erwartbaren guten Beziehungen zwischen Navarra und Kastilien gab König Johann I. im August 1387 die noch in kastilischem Besitz befindlichen Städte Estella, Tudela und San Vicente an Navarra zurück. Karl III. wiederum beauftragte den Bischof von Dax, als Vermittler in den Verhandlungen zwischen Kastilien und England bezüglich der Frage der endgültigen Beilegung des kastilischen Thronfolgekriegs aufzutreten. Die Regierungszeit Karls III. verlief überhaupt sehr friedlich; denn nicht nur zu Kastilien, sondern auch zu Aragón unterhielt er gute Beziehungen und intensivierte die diplomatischen Kontakte.

Eheprobleme