mini|hochkant=1|Hauptsitz in Stuttgart (Aufnahme von 2021) Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. ist das 1908 gegründete Mutterunternehmen der deutschlandweit tätigen Stuttgarter Versicherungsgruppe. Die Gruppe ist vor allem in den Bereichen der privaten Altersvorsorge, der Risikoabsicherung und der betrieblichen Altersversorgung tätig. Der Vertrieb von Lebens-, Unfall-, Krankenzusatz- und Sachversicherungen erfolgt hauptsächlich über Versicherungsmakler, Mehrfachagenten und unabhängige Finanzdienstleister. Die Kapitalanlagen beliefen sich Ende 2024 auf 9,0 Milliarden Euro, die Bilanzsumme lag bei 9,31 Mrd. Euro. Insgesamt verwalteten die Unternehmen der Stuttgarter Versicherungsgruppe zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 665.000 Lebens- und Rentenversicherungsverträge und mehr als 534.000 Verträge der Schaden- und Unfallversicherung.Stuttgarter Lebensversicherung a.G.: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, Publikation im Bundesanzeiger am 23. September 2025. Das Unternehmen ist in Stuttgart ansässig. Die Hauptverwaltung befindet sich dort seit 1991 im denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikgebäude des Textilwarenherstellers Bleyle.
Geschichte 1908 bis 1933 Das Unternehmen wurde am 28. Juni 1908 in Stuttgart als Württembergische Privat-Kranken- und Sterbe-Kasse mit der Rechtsform eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit gegründet. Jedes Mitglied sorgte gemäß der Genossenschaftsidee mit seinem Beitrag dafür, dass anderen Mitgliedern im Fall von Krankheits- oder Todesfällen eine finanzielle Absicherung zustand. Zur Zielgruppe dieser Versicherung zählten Selbstständige, nicht versicherungspflichtige Handwerker, Angestellte („Privatbeamte“) und Facharbeiter. Bereits vor Jahresende 1908 dehnte die Versicherung ihren Wirkungskreis auf das gesamte Reichsgebiet aus.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 24, S. 31 und S. 34. 1913 genehmigte das Kaiserliche Aufsichtsamt für Privatversicherung die Trennung von Krankenkasse und Sterbekasse, die anschließend eigenständig angeboten werden konnten.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 40.
1919 stieg das genossenschaftliche Unternehmen in das Geschäft mit Kleinlebensversicherungen ein. Zugleich firmierte die Privat-Kranken- und Sterbe-Kasse um, sie nannte sich nun Württembergischer Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (WVV). Das Geschäft mit privaten Krankenversicherungen nahm ab, aufgebaut wurde hingegen der Vertrieb von Lebensversicherungen mit einer Auszahlungssumme von bis zu 10.000 Mark.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 42. Anders als viele kleinere Kassen ging der WVV gestärkt aus den Nachkriegsjahren der Inflation und Hyperinflation hervor. Angesparte Mittel hatte er in Immobilien und Grundstücke investiert, das Vermögen blieb gewahrt und wuchs durch die Aufwertung während der Währungsreform 1923/1924. Nach Ende der Inflation schlossen sich zudem kleinere Kassen, die während der massiven Geldentwertung in Notlagen geraten waren, dem WVV an. Auf diese Weise stiegen die Mitgliederzahlen und die Einnahmen deutlich.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 50. 1925 unterzeichnete der WVV Verträge mit kirchlichen Institutionen: zum einen mit dem Caritasverband der Diözese Rottenburg – der neue Vertragspartner agierte nun in Württemberg als Generalagentur des WVV; zum anderen gründete der WVV gemeinsam mit der evangelischen Landeskirche in Württemberg die Evangelische Sterbegeldversicherung, die zunächst in Württemberg, ab 1927 auch in Baden evangelische Gläubige ansprach.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 54. Das Unternehmen entwickelte in den 1920er Jahren zudem eine Kinderlebensversicherung.Siehe dazu Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 59. 1931 führte der WVV die Großlebensversicherung ein; bei entsprechend höheren Beiträgen waren Auszahlungssummen bis zu 50.000 Reichsmark möglich. Viele dieser Versicherungen wurden nicht erst im Todesfall ausgezahlt, sondern bereits im Alter (Erlebensfall).Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 66.
1933 bis 1945 Nach 1933 gliederte sich auch der WVV in die nationalsozialistische Betriebspolitik ein. Am 1. September 1934 erließen die Unternehmensleiter Otto Necker und Heinz Hofmann, nun Betriebsführer genannt, eine regimekonforme Betriebsordnung. Sie sah unter anderem die bevorzugte Einstellung von Frontkämpfern sowie „verdienter Angehöriger“ der NSDAP, der SA und der SS vor, ferner die fristlose Kündigung jener Beschäftigten, denen „nationale Unzuverlässigkeit“ unterstellt wurde. Von 1934 bis 1938 stieg die Gesamtversicherungssumme kontinuierlich an.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 70 und S. 73. Mit Blick auf alliierte Bomberangriffe wurde die Inkassoabteilung der Versicherung im Herbst 1943 zusammen mit der technischen Bestandskartei nach Renningen verlegt. Im Februar und im Juli 1944 trafen Bomben die Stuttgarter Hauptverwaltung, im September 1944 wurde ein Behelfsbüro durch Bomben zerstört. Die Versicherung verlegte ihre Verwaltung daraufhin nach Tübingen. Von April bis September 1945 ruhte der Geschäftsbetrieb.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 82.
1945 bis 1990 Im Zuge der Entnazifizierung wurden ein Mitglied des Vorstands, ein Prokurist und drei Abteilungsleiter entlassen. Der Ausschuss für Versicherungswirtschaft der Amerikanischen Militärverwaltung setzte durch, dass Fritz Wölpert kommissarisch zweiter Vorstand des WVV wurde; Wölpert galt als Gegner der Nationalsozialisten und hatte deshalb Repressionen erdulden müssen. Die Währungsreform von Mitte 1948 und ein Forderungsschnitt insbesondere gegenüber dem Staat ermöglichten den bilanziellen Schlussstrich unter die Kriegsjahre und ebneten den Weg zum Wiederaufbau des Versicherungsgeschäfts.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 86 und S. 88. Die 1950er Jahre verliefen für die Versicherung erfolgreich: 1950 erhielt der WVV die Konzession für private Unfallversicherungen; der Umsatz aller Versicherungsarten, der 1950 bei 10 Mio. DM gelegen hatte, lag 1959 bei 80 Mio. DM. Der WVV sicherte sein Vermögen durch verstärkte Käufe von Immobilien. Zugleich förderte er durch Kredite an das Land Baden-Württemberg, an Kommunen, Kirchen und Privatleute den Wohnungsbau.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 102, S. 106 und S. 111.
1965 erreichte die Versicherung ihre erste Bestandsmilliarde (Versicherungssumme).Die Geschichte der Stuttgarter – ein Überblick (Presseinformation der Stuttgarter Lebensversicherung a.G.), April 2008, abgerufen am 5. Juni 2023. Vier Jahre später bot der WVV als erste Versicherung in Deutschland100 Jahre Stuttgarter. In: Versicherungswirtschaft, 63. Jahrgang, Nr. 9, 1. Mai 2008, S. 796. ein neuartiges Produkt an: die fondsgebundene Lebensversicherung, die die klassische Lebensversicherung mit Investitionen in Aktien verknüpfte; der Versicherung war erlaubt, das Geld der Versicherten in Aktienfonds anzulegen. Im selben Jahr, 1969, arbeiteten 361 Mitarbeiter im Innendienst und 503 Mitarbeiter hauptberuflich im Außendienst; hinzu kamen 2.791 nebenberufliche Außendienstmitarbeiter. Ein Jahr später überschritt der Versicherungsbestand (Versicherungssumme) die Zweimilliarden-Grenze.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 118–120.
Aufgrund gesetzlicher Vorgaben gliederte das Unternehmen 1977 seine Unfallversicherung durch Gründung der Tochtergesellschaft Stuttgarter Unfallversicherung aus. Ein Jahr später firmierte der WVV um und nannte sich fortan Stuttgarter Lebensversicherung a.G.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 132–134. 1987 folgte die Umbenennung der Stuttgarter Unfallversicherung AG in die Stuttgarter Allgemeine Versicherung AG, denn mittlerweile wurden auch Haftpflicht-, Hausrat- und Glasversicherungen angeboten.Das bisher beste Ergebnis. Stuttgarter Lebensversicherung mit hohem Neuzugang. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Februar 1988. 1989 belief sich die Gesamtversicherungssumme auf mehr als 16 Milliarden DM.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 152. Im September 1986 hatte die Versicherung das unter Denkmalschutz stehende Bleyle-Gebäude in der Stuttgarter Rotebühlstraße (Nr. 120), archiviert im Internet Archive (29. März 2016), abgerufen am 6. Juni 2023. erworben,Bleyle verkauft Grundstücke. Stuttgarter Versicherung kauft. Sanierung verläuft nach Plan. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. September 1986. es wurde nach einer Renovierung 1991 zum neuen Hauptsitz.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 150. Zum damaligen Zeitpunkt arbeitete die Stuttgarter Versicherungsgruppe bundesweit mit 11.000 Vertretern zusammen, sie beschäftigte rund 2.500 Arbeitnehmer.Stuttgarter Lebensversicherung. Neugeschäft stagniert. Stetiges Wachstum angestrebt. In: Handelsblatt, 21. November 1991.
Seit 1990 Nach dem Mauerfall schulte die Stuttgarter Lebensversicherung Mitarbeiter in der DDR. 1991 waren drei Filialdirektionen in den neuen Bundesländern errichtet.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 162. 1994 erwarb sie von der American International Group die Alico Deutschland Lebensversicherungs-AG, die sie zum Jahresanfang 1995 in Direkte Leben Versicherung AG umbenannte, um das Direktversicherungsgeschäft auszubauen.Stuttgarter baut Direktgeschäft aus. Leben und Allgemeine entwickelten sich gut – Stornoquote höher. In: Börsen-Zeitung, 24. Juni 1995.Peter Koch: Geschichte der Versicherungswirtschaft in Deutschland, Verlag Versicherungswirtschaft, Karlsruhe, Baden 2012, S. 409, ISBN 978-3-89952-371-3.Direkte Leben noch weit unter Mindestgröße. Höherer Verlust erwartet. Gruppe wächst überdurchschnittlich. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juli 1997. Im Dezember 1999 gründete die Versicherung die Stuttgarter Versicherung Holding AG, deren Kapital vollständig von der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. gehalten wurde. Diese Holding diente der Steuerung der Gruppe.Die Stuttgarter steigt ins Fondsgeschäft ein. In Kooperation mit Sal. Oppenheim. Eine neue, kundenorientierte Struktur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Dezember 1999.
Zum Jahresbeginn 2000 übernahm die Stuttgarter Versicherung vom Axa-Colonia-Konzern die Tellit Lebensversicherung AG sowie die Tellit Versicherung AG.Stuttgarter Versicherung neu aufgestellt. Zwei Gesellschaften gekauft – Schwaches Leben-Neugeschäft. In: Börsen-Zeitung, 26. Juni 2001. Im April 2001 folgte der Erwerb der Plus Lebensversicherung AG und der Plus Allgemeine Versicherung AG von der französischen Groupama International.Stuttgarter kauft PLUS-Versicherungen. In: versicherungsjournal.de, 12. Juni 2001. 2003 führte die Stuttgarter Versicherung einen sogenannten Garantiefonds ein. Trotz der Möglichkeit, am Kapitalmarkt Gewinne, aber auch Verluste zu erzielen, wurde zugesichert, dass die am Ende der Laufzeit ausgezahlte Versicherungssumme nicht niedriger als die in den Garantiefonds eingezahlten Beiträge ausfiel.Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (Hrsg.): 100 Jahre Stuttgarter Versicherung, S. 178.