mini|Badāʾūnī überbringt die Nachricht vom Sieg in Haldighat, Juni 1576. Chester-Beatty Akbar-nāma, Bild 158 ʿAbd al-Qādir b. Mulūkschāh Badā'ūnī (), geb. 1540; gest. 1597/98, war ein Geschichtsschreiber, Übersetzer und islamischer Gelehrter am Hof des Mogulherrschers Akbar. Er ist vor allem bekannt als Autor des historischen Werkes Muntaḫab at-tawārīḫ (arab. Erlesenes aus der Geschichte), in dem er unter anderem die Geschehnisse am Mogulhof aus der Warte eines strenggläubigen Muslim schildert und damit ein Gegengewicht zum panegyrischen Akbar-nāma seines Zeitgenossen und ehemaligen Mitschülers Abū 'l-Fazl bildet. Sein Buch wurde erst nach seinem Tod entdeckt und durfte unter Dschahāngīr nicht verkauft werden, weil er Akbar darin der Apostasie beschuldigte. Im Auftrag des Mogulherrschers hat Badāʾūnī mehrere Sanskrit-Werke ins Persische übertragen und war an der Abfassung der umfangreichen Chronik Tarīḫ-i alfī beteiligt.
Kindheit, Familie und Todesjahr Badāʾūnī kam am 21. August 1540 (17 Rabiʿ II 947)Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Ranking, Band 1, S. 473. in TodahHeute Todabhim, . zur Welt, einem Ort etwa in der Mitte zwischen Agra und Jaipur.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 243. Seine frühe Jugendzeit verbrachte er in Basawar.Heute Bhusawar. Der Ort liegt ca. 30 km nordwestlich von Todabhim, . Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 26. Sein Vater, Mulukschah b. Hamid,Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 259. stand, ebenso wie sein Großvater mütterlicherseits, Makhdum Ashraf,Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Ranking, Band 1, S. 497. im Dienst eines Provinzgouverneurs und beide hatten mit militärischen Angelegenheiten zu tun.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Ranking, Band 1, S. 545–546. Zu Badāʾūnīs Vater im Militärdienst vgl. Khan, The Life and Thought of ʿAbd al-Qādir Badā'ūnī, 1967, S. 143. Muluk Shah hatte in Sambhal und Bada'un studiert und war Schüler des Gelehrten und Sufis Miyan Hatim Sambhali (gest. 1561/1562), der der Tschischtiyya angehörte.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 4. Badāʾūnīs Vater war folglich ein gebildeter Mann. Alle seine Bücher wurden vernichtet, als 1554 die Truppen von Hemu und Ibrahim Chan Sur in der Umgebung von Baiana und Basawar miteinander kämpften.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Ranking, Band 1, S. 549. Muluk Shah starb im April 1562 (969) in Agra an einem Leberleiden. ʿAbd al-Qadir ließ den Leichnam des Vaters nach Basawar bringen und dort neben seinen Vorfahren begraben.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 51.
ʿAbd al-Qādir hatte, wahrscheinlich durch seinen Vater, Verbindungen nach Bada'un, denn er erwähnt, dass er 1567/68 dort zum zweiten Mal geheiratet hat.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 108. Über seine erste Ehe ist nichts bekannt. Er hatte insgesamt drei Söhne, von denen zwei im frühen Kindesalter, in den Jahren 1570 und 1578, verstorben sind.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 130 und Band 2, S. 259–260. Der dritte Sohn, dem er den Namen Muhi ud-Dīn gab, kam im April 1579 in Basawar zur Welt.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 276. Eine Tochter, die etwa 1574 in Bada'un starb, hat er sehr betrauert.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 64–65. Badāʾūnī besaß einen jüngeren Bruder namens Scheich Muhammad, dem er zutiefst zugetan war. Da der Vater bereits verstorben war, sorgte Badāʾūnī im Jahre 1569 für dessen Verheiratung. Der Bruder starb jedoch schon wenige Monate später.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 130 und S. 389. Als einziger Sohn seiner Mutter war er nun für ihre Unterstützung verantwortlich und durfte aus diesem Grund nur mit ihrer Erlaubnis an der von Akbar finanzierten Pilgerfahrt teilnehmen, die im September 1577 nach Mekka zog. Zu Badāʾūnīs großem Bedauern hat seine Mutter diese Erlaubnis nicht erteilt.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 258. Sie starb im Jahre 1591.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 389.
Das Todesjahr Badāʾūnīs wird unterschiedlich angegeben. Dadurch, dass im Muntaḫab at-tawārīḫ die Ermordung des Dichters ZuhuriBadā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 372. im Jahre 1615 erwähnt ist, liegt es nahe, seinen Tod nicht vor 1615 anzunehmen.C.A. Storey: Persian Literature. A Bio-Bibliographical Survey. Vol. 1: Qur'ānic Literature; History and Biography. Part 2: Biography, Additions and Corrections. Luzac & Co, London 1972. S. 1309. Die Informationen zu Zuhuri wurden aber wahrscheinlich von fremder Hand nachgetragen, denn Badāʾūnī schreibt selbst, dass er sein Werk im Oktober 1595 abgeschlossen hat; kein Text von ihm nach diesem Datum ist bekannt.Zu dieser Frage vgl. Khan, The Life and Thougt of ʿAbd al-Qādir Badā'ūnī, 1967, S. 149–150. Ein Schüler ʿAbd al-Qādirs nennt 1595/96 als Todesjahr seines Lehrers.Blochmann, "Badáoní and his Works" (1869) S. 143. Blochmann hat die Angabe der Sammlung persischer Dichter und ihrer Werke von Ghulam ʿAli Bilgrami (1704–1786) entnommen. Stephan Conermann schließlich hält die Angabe des Historikers Sahranpuri (gest. 1685),Conermann: Historiographie als Sinnstiftung. Indo-persische Geschichtsschreibung während der Mogulzeit, S. 414. dass ʿAbd al-Qādir 1597/98 verstorben ist, für die maßgebliche.Conermann: Historiographie als Sinnstiftung. Indo-persische Geschichtsschreibung während der Mogulzeit, S. 174. Storey weist ebenfalls auf Sahranpuri hin: C.A. Storey: Persian Literature. A Bio-bibliographical Survey. Section II, Fasc. 3. M – History of India. Luzac & Co, London 1939. S. 437.
Ausbildung mini|Blick auf die Moschee von Sambhal, Thomas and William Daniell 1789 ʿAbd al-Qādir erhielt seine erste Ausbildung in Basawar durch seinen Großvater mütterlicherseits, Machdum Aschraf. Dieser vermittelte ihm vor allem Kenntnisse in arabischer Grammatik.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 63. Im Jahre 1553 brachte Muluk Shah seinen zwölfjährigen Sohn von Basawar in das rund 250 km entfernte SambhalBadā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Ranking, Band 1, S. 545–546. Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 4. zu seinem spirituellen Führer Miyan Hatim. Dieser war ein Fachmann in verschiedenen Wissensbereichen,Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 109. hat Badāʾūnī aber vor allem in hanafitischem Recht (Fiqh) ausgebildet.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 4. und Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 294. Eine Zeitlang erhielt er auch Unterricht von Mir Sayyid Muhammad, einem Studienfreund seines Vaters, der später ein hoher Justizbeamter wurde.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 120–121. Akbar ernannte ihn zum mīr-i ʿadl, laut Richardson und Johnson der superintendant of the courts of justice, vgl. John Richardson und Francis Johnson: Dictionary, Persian, Arabic, and English. London 1929, S. 1541 (books.google.de). Von Mir Sayyid Muhammad Makki wurde ʿAbd al-Qādir in die verschiedenen Lesarten des Korans eingeführtBadā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 15. und bei Miyan Scheich ʿAbdullah von Bada'un in den Bereichen Kalām und Usūl al-fiqh unterwiesen.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 92–93.
mini|Atala-Moschee, Jaunpur Während sich ʿAbd al-Qādir in Sambhal aufhielt, herrschte eine Hungersnot vor allem in den Gebieten von Agra, Baiana und Delhi, bei der Tausende verhungerten. Badāʾūnī beschreibt, dass er selbst Fälle von Kannibalismus beobachtet hat. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage konnte er 1558 seine Ausbildung in Agra fortsetzen. Er nahm Unterricht bei Scheich Mubarak Nagori, den er als einen der größten Weisen seiner Zeit bezeichnet, distanzierte sich aber später von ihm, weil er Akbars Loslösung vom Islam unterstützte.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 26 und Band 3 Translated by Haig, S. 118–120. ʿAbd al-Qādir Mitschüler waren Mubaraks Söhne Abu 'l-Fazl und Faizi. Außerdem lernte er zusammen mit Mir Ghiyas ud-Din, der später den Beinamen Naqib Chan erhielt, bei dem Rechtsgelehrten Qazi Abu 'l-Maʿali.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 24 und 45 und Band 3 Translated by Haig, S. 150.
Im Jahr 1559 unternahm ʿAbd al-Qādir auch seine erste größere Reise, bei der er Mihr ʿAli Chan Sildoz,Zu Mihr ʿAli Khan Sildoz vgl. Samsam-ud-daula Shahnawaz Khan: The Maāthir-ul-umara. Band 2, S. 71–72. in dessen Haus in Agra er wohnte und mit dem er sich angefreundet hatte, nach Chunar begleitete.Chunar . Er ist beeindruckt von den „Wundern der Welt“, die sie in den Städten auf dem Weg – Kannauj, Lakhnau, Jaunpur und Benares – sehen, und von den berühmten Scheichen und Gelehrten, die sie treffen.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 26–27. Badāʾūnī überliefert in seinem Werk ein Empfehlungsschreiben, das Faizi im Februar 1592 für ihn verfasst hatte. Darin erfährt der Leser, dass ʿAbd al-Qādir „studiert hat, was Mullas in Indien gewöhnlich studieren“. Er habe Geschick in der Dichtkunst und einen guten Stil in der Abfassung arabischer und persischer Texte, besitze Kenntnisse in der Buchhaltung, der indischen Astrologie und sei ein versierter Schachspieler, sowohl in der zweihändigen als auch in der vierhändigen Version.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig, Band 3, S. 419–420.
Im Dienst von Husain Chan Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1562 ging ʿAbd al-Qādir zunächst nach Bada'un und trat 1565/66 in den Dienst von Muhammad Husain Chan Tukriya, der zu dieser Zeit der dschāgīr-dār von PatiyaliPatiyali . war.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 88. Er gehörte zu den wichtigen Anführern, die mit Humayun Indien zurückerobert hatten. Dadurch stand er bei Akbar in hohem Ansehen und erhielt einen relativ hohen Mansab von 3000.The Ā-īn-i Akbarī Vol. I. By Abu L-Fazl Allami. Translated into English by H. Blochmann, M.A. Calcutta, Madras. Ed. by Lieut.-Colonel D.C. Phillott. Low Price Publications. Delhi 1994. S. 402; Samsam-ud-daula Shahnawaz Khan: The Maāthir-ul-umara. Band 1, S. 644–645. Badāʾūnī fand viele lobende Worte für Husain Chan, der sich in allem bemühte, dem Vorbild des Propheten Muhammad zu folgen. Mehrfach suchte er bekannte Scheiche auf und nahm ʿAbd al-Qādir dabei mit.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Haig. Band 3, S. 42, 43, 103, 144. Seinen Beinamen „Tukriya“ hatte er erhalten, weil alle Hindus in seinem Einflussgebiet eine gelbe Kennzeichnung aus Stoff (Hindi „tukrā“) an der Schulter tragen sollten, um sie von Muslimen unterscheiden zu können. Diese Bestimmung hatte er aus Ärger erlassen, weil er irrtümlich einen Hindu freundlich begrüßt und sich für ihn von seinem Platz erhoben hatte.Badā'ūnī: Muntakhabu-t-Tawārīkh. Translated by Lowe, Band 2, S. 227.