mini|Wappen der Familie Sibirjakow (Beschreibung des Wappens) Sibirjakow ( ) ist eine russische Kaufmanns- und Adelsfamilie aus der sibirischen Stadt Irkutsk, die wegen ihres Mäzenatentums bekannt geworden ist. Angehörige der Familie Sibirjakow engagieren sich seit Gründung von Irkutsk, das 1686 das Stadtrecht bekam, maßgeblich dafür, eine solide kommunale Infrastruktur in und um die Stadt aufzubauen sowie Kommunikationswege zu anderen Orten Sibiriens zu erschließen. Die Gesamtzahl der von ihnen initiierten und unterstützten Bau-, Sanierungs, Förder- und Hilfsprojekte wird auf über 4.500 geschätzt.

Geschichte Als Begründer der Familie gilt Afanasij Sibirjakow (1676–1754), der ursprünglich aus Archangelsk am Weißen Meer stammt. In seinem Besitz befanden sich mehrere Segelschiffe, die auf dem Baikalsee fischten.Афанасий СибиряковКупеческая семья Сибиряковых Kapitalpress, 2020

18. Jahrhundert Michail Afanasjewitsch (1726–1799) erweiterte die Aktivitäten seines Vaters und wurde ein bedeutender transbaikalischer Unternehmer.Михаил Афанасьевич Сибиряков Geni.com 1759 wurde er in den Dienst als Kaufmann der Ersten Zunft () aufgenommen und stieg am 7. Februar 1784 zum Kollegienassessor auf. In den 1760er Jahren begann er mit dem Pelzhandel an der Pazifikküste und mit dem Handel in Kjachta. Im Dienstgrad siebten Ranges wurde am 25. August 1790 auf seinen Antrag dank seiner Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung Sibiriens die sog. erbliche Würde Russischen Adelsreiches anerkannt und der Familie Sibirjakow am 2. März 1791 der Adelstitel mit einem Diplom verliehen, von dem eine Kopie im Heroldsamt der Stadt Irkutsk aufbewahrt wird. Das Familienwappen wurde am 9. Dezember 1791 fertiggestellt.Деятельность представителей династии Сибиряковых в середине xviii в. Euroasia Science

Sein Bruder Aleksei Afanasjewitsch (1733–1772) war ebenso ein Kaufmann der Ersten Zunft, besaß Fluss- und Seeschiffe und betrieb Fischfang im südwestlichen Teil des Baikalsees und entlang der Angara.

Wasilij Afanasjewitsch (1715–1772) gilt als einer der ersten Historiker von Irkutsk. Es wird angenommen, dass seine Söhne Michail Wassiljewitsch (1744–1814) und Nikolaj Wassiljewitsch (1756–1831) unabhängig voneinander seine Arbeit fortsetzten. Sie gelten als Autoren der Chronik von Irkutsk 1652–1763, die erstmals 1896 veröffentlicht wurde.

1787 beteiligte sich Michail Afanasjewitsch an der Gründung der US-amerikanischen Handels- und Fischereigesellschaft Schelichow, die 1799 mit seinem Tod in die staatliche Russisch-Amerikanische Gesellschaft () umgewandelt wurde. Seine Erben erhielten Aktien im Wert von 20 Tsd. Rubel besaß. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Familie eine Flotte auf dem Baikalsee, die 6 großen Schiffen, einem Dutzend Fischkuttern (Karbas) und weiteren Booten bestand sowie mehrere Minen, die Tuchfabrik Telma im Rajon Ussolje in der Oblast Irkutsk sowie eine 1798 gegründete Fabrik in Irkutsk zur Herstellung von Teakholz, Segeltuch und anderen Stoffen.

Michail Wassiljewitsch, Enkel von Afanasij Sibirjakow, war ebenfalls Kaufmann der Ersten Zunft und wurde im Januar 1787 mit Gründung der Stadtduma erster Bürgermeister von Irkutsk.

19. Jahrhundert Xenofon Michailowitsch Nach dem Tod von Michail Afanesjewitsch übernahm Xenofon Michailowitsch (1772–1825), Vater von Alexandra Xenofontowna (1814–1899), die Aufgaben seines Vaters. Er war Irkutsker Kaufmann der Ersten Zunft und Bürgermeister (1817–1825). Zu den Erbgeschäften der Familie Sibirjakow gehörte auch die Verschiffung von Blei und Kupfer aus den Fabriken in Nertschinsk nach Barnaul, Altai und Jekaterinburg sowie der Bergbau insbesondere mit Gold. So wurde die Bleiverschiffung in den Jahren 1802 und 1803 fast ausschließlich von ihm durchgeführt. Die Abgabe pro Pfund betrug 1 Rubel und 96 Kopeken. Dies war mit ursächlich für einen Anstieg der Gewinne, sodass die Gewinnrate zwischen 44 Prozent (1818) und 60 % (1819) bzw. im Jahr 1817 sogar bei 133 Prozent lag. Die Familie tätigte auch große Lieferungen von gekauftem Brot für die Nertschinsk-Brennerei, einen der größten Weinhändler Ostsibiriens, sowie Mehllieferungen nach Jakutsk und Salzlieferungen nach Werchne-Udinsk (heute Ulan-Ude).

Sibirjakow-Palast mini|Sibirjakow-Palast

Am Angara-Damm bauten Michail Wassiljewitsch und Ksenofon Michailowitsch in den Jahren 1800 bis 1804 den sogenannten Sibirjakow-Palast als Herrenhaus der Familie im Stil des russischen Klassizismus. Es ist heute als Weißes Haus von Irkutsk () als eines der städtischen Wahrzeichen bekannt und befindet sich auf dem Bulwar Gagarina 24. Es beherbergt seit 1918 die Staatliche Universität Irkutsk und ist seit 1974 ein Objekt des kulturellen Erbes Russlands. Im Jahr 1832 wurde das Haus von der Stadtduma mit 262 Tsd. Rubel bewertet. 1837 verpachtete die Tochter von Xenofon Michailowitsch, Alexandra Xenofontowna, den Herrensitz an die Stadt. Im Frühjahr desselben Jahres zog der Generalgouvaneur von Irkutsk in das Weiße Haus, das fortan als Residenz der Generalgouverneure Ostsibiriens diente und Ort von Staatsbesuchen war. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde das Weiße Haus zum Symbol des revolutionären Kampfes und der Errichtung der Sowjetmacht in Irkutsk. Mit der Unterbringung der 1918 gegründeten Staatlichen Universität Irkutsk durch einen Pachtvertrag kehrte das Gebäude in die ursprüngliche Spiritualität zurück, die heute durch die Unterbringung der wissenschaftlichen Bibliothek der Universität mit einer einzigartigen Sammlung seltener Bücher, Manuskripte und verschiedener Veröffentlichungen verstärkt wird.Дом Сибиряковых («Белый дом»)

Alexandra Xenofontowna mini|Alexandra Xenofontowna Alexandra Xenofontowna (1834–1899) war Mäzenin, Ehefrau des Bürgermeisters von Irkutsk Iwan L. Medwednikow und Tochter von Xenofon Michailowitsch. Medwednikowa zog in den 1850er Jahren nach Moskau, wo sie Wohltätigkeitsarbeit leistete. Für ihre guten Taten wurde sie zweimal der Kaiserin Maria Alexandrowna vorgestellt und auch zweimal vom Heiligen Synod gesegnet. 1898 wurde sie durch Beschluss der Stadtduma von Irkutsk als erste Frau zur Ehrenbürgerin gekürt.

1898 spendete sie 100 Tsd. Rubel an die Armen des christlichen Glaubens, die in Irkutsk lebten und baute für 500 Tsd. Rubel ein nach ihrem Mann benanntes Krankenhaus in Irkutsk für Arme und chronisch Erkrankte, was später als Staatshof für die Handwerkerschule sowie Sanatorium der Russischen Akademie der Wissenschaften genutzt wurde.

Mit ihrem Tod hinterließ sie 1899 testamentarisch 5 Mio. Rubel für wohltätige Zwecke. Daraus wurden unter anderem ein Gymnasium mit Turnhalle in Moskau (heute: Botschaft von Kamerun), ein Armenhaus und Krankenhaus für unheilbare Patienten (heute: Zentrales Klinisches Krankenhaus) sowie eine Unterkunft für psychisch kranke Kinder und Epileptiker (heute: Zentrum für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen) gebaut.

Anna Michailowna Anna Michailowna (1863–1912) war die Tochter von Michail Alexandrowitsch sowie Schwester von Michail, Konstantin und Innokenti. Sie besaß eine Reihe von Goldminen, die sie von ihrem Vater geerbt hatte und spendete rund 1,43 Mio. Rubel während einer Typhus- und Hungerepidemie in der Tomsker Provinz in den Jahren 1890–1891. Auf ihre Kosten wurden 45 Bäckereien, 3 nationale Kantinen und 10 Teehäuser eröffnet, wodurch rund 6.500 Menschen mit Brot satt wurden. Zur Bekämpfung des Typhus wurden medizinische und sanitäre Abteilungen gebildet, die auf ihre Kosten gehalten wurden und es wurde erhebliche materielle Unterstützung für die Gesellschaft, für bedürftige Migranten und für sibirische Studenten zur Verfügung gestellt.Gavrilova N. Igorevna: Благотворительная деятельность А.М. Сибиряковой как проявление гражданской активности женщин купеческого сословия в имперской россии конца xix в Irkutsk National Research Technical University (Hrsg.), PDF

Michail Alexandrowitsch mini|Bodaibo, 2016 Michail Alexandrowitsch (1815–1874), Enkel von Michail Afanesjewitsch, war Ehrenbürger der Stadt Irkutsk, Goldgräber und Gründer der Stadt Bodaibo. In den frühen 1840er Jahren verbesserte er die Familienunternehmen und wurde 1849 als Kaufmann der Ersten Zunft gelistet. Er investierte erfolgreich in den Goldbergbau und entdeckte 1848 Anzeichen von Gold im Tal des Khomolkho-Flusses und später im Lena-Becken. In den frühen 1860er Jahren gründete er mit einigen Partnern den Goldindustrieverband Zheltuhinskoe, dem ursprünglich vier Minen gehörten (später 25 Minen). 1864 wurde die Partnerschaft aufgelöst, und sie gründeten 1865 eine neue Aktiengesellschaft namens Pribrezhno-Witimskaya. Michail Alexandrowitsch besaß drei der dreizehn Aktien.Meschalkin: Меценатство и благотворительность сибирских купцов-предпринимателей, S. 78

1864 gründete er die heutige Stadt Bodaibo als Minen-Bodaibo-Residenz. Bis Juli 1865 waren bereits bis zu dreißig Bergwerke eröffnet worden, und das Unternehmen erzielte hohe Gewinne. Nach dem Tod von Trapeznikow wurde beschlossen, ein neues Goldbergbauunternehmen zu gründen, das durchschnittlich 4,5 Tonnen Gold pro Jahr produzierte und von 1865 bis 1899 große Gewinne erzielte. Michail war auch Miteigentümer der Bodaibinskaya-Eisenbahn und gründete 1864 mit Bazanow die Lensko-Witim-Reederei, die später fünf Schiffe besaß. Er investierte auch in die Destillation und war seit den 1860er Jahren Aktionär der Newski-Brennereien. In den frühen 1870er Jahren war er am Bau der Irkutsker Kaserne beteiligt. Sein Vermögen wurde auf etwa 4,4 Mio. Rubel geschätzt, wovon etwa 2,27 Mio. Rubel in Wertpapieren angelegt waren.

Michail Alexandrowitsch bekleidete verschiedene öffentliche und staatliche Ämter. Er war Direktor der Gefängnisvormundschaft des Gouverneurs, Kirchenvorsteher der Himmelfahrtskirche (1863–1865) und Mitglied der Stadtduma von Irkutsk (1860). Er beteiligte sich an karitativen Aktivitäten, spendete für Waisenhäuser, den Vormundschaftsausschuss für verwundete und kranke Soldaten, Kindergärten, das Himmelfahrt-Kloster von Irkutsk und den Bau einer Kapelle zu Ehren des Heiligen Innokenti I. Er unterstützte auch den Bau eines Armenhauses, ein neues Theatergebäude und half den Opfern von Überschwemmungen.

Alexander Michailowitsch mini|Alexander Michailowitsch, 1880 Alexander Michailowitsch Sibirjakow (1849–1933) war ein Geschäftsmann, Goldindustrieller, Forscher und gilt als bekanntestes Mitglied der Familie Sibirjakow. Er übernahm die Leitung der familieneigenen Goldminen und Reedereien, erwarb die Alexander-Newski-Glasfabrik sowie eine Papierfabrik. Neben den bereits bestehenden Unternehmen gründete Alexander Michailowitsch 1885 die Angarsk-Reederei (heute: Ostsibirien-Reederei) für die Organisation des Schleppverkehrs entlang der Angara zur Festung Bratsk sowie 1894 die Amur-Gesellschaft für Schifffahrt und Handel.Его имя достояние потомства – Александр Сибиряков, Go Arctic, 2019Восточно-Сибирское речное пароходство 135 лет – курс на успех Ostsibirien-Reederei, 1. Juni 2021, abgerufen am 5. Juli 2023.

Als Geschäftsmann nährte er Pläne für die Entwicklung Sibiriens, indem er Straßen und Kanäle sowie maritime Beziehungen zu Nachbarländern anlegte, um die Städte besser miteinander zu verknüpfen und begann mit der Förderung der Entwicklung der Nordseeroute. In den Jahren 1885 bis 1895 war er Mitglied der Stadtduma von Irkutsk. 1890 erteilte ihm der Hauptleiter der Uraler Bergbaubetriebe eine Bescheinigung über die Erkundung und Erschließung von Goldseifen und Erzvorkommen an im Bezirk Beresowskaja der Provinz Tobolsk.Б.А. Соловьева: Александр Михайлович Сибиряков, 2000