mini|hochkant=1.8|Oklahoma um 1890 mini|US-Präsident Calvin Coolidge mit vier Osage nach der Unterzeichnung des Indian Citizenship Act (1924)
Die Osage ([] oder []) sind ein nordamerikanischer Indianerstamm aus dem Dhegiha-Zweig der Sioux-Sprachfamilie. Der Stamm ist von den Vereinigten Staaten von Amerika als einer von 33 Indianerstämmen in Oklahoma anerkannt. Die Hauptstadt der Osage Nation befindet sich in Pawhuska, Oklahoma. Der Stamm besitzt juristische Hoheitsrechte im gesamten Osage County. Die Osage selbst nannten sich ursprünglich Ni-u-kon-ska (𐓁𐓣 𐓂𐓤𐓘𐓯𐓤𐓘͘) („Volk der mittleren Gewässer“), ab dem späten 17. Jahrhundert bezeichneten sie sich als Wah-zha-zhe oder Wa-sha-she (jeweils englische Transkription). Dies bedeutet „Volk des Wassers“ und war der Name ihres in ihrer Mythologie und Stammesgeschichte dominanten Originalstammes. Später schlossen sich weitere sprachlich und kulturell verwandte Stämme den Wah-zha-zhe an und entwickelten sich zu den Osage.
Die heute allgemein gebräuchliche Stammesbezeichnung als Osage entwickelte sich durch die Anpassung der Schreibweise und der Aussprache des Namens Wa-sha-she durch die französischen Siedler und die Briten. Die Franzosen schrieben die erste Silbe Oua und den ganzen Namen als Ouasage. Die Briten und Amerikaner wiederum schrieben Osage. Sie sprachen den Namen stark verändert aus: die erste Silbe ohne [] und die zweite Silbe mit dem Diphthong [], gefolgt von dem Konsonanten [].Vgl. The Osage: A Historical Sketch By The Editors American Native Press Archives and Sequoyah Research Center
Wohngebiet und Geschichte mini|Die Osage Maria Tallchief
Wie auch die anderen Mitglieder dieser Untergruppe (Omaha, Ponca, Kansa und Quapaw) wanderten die Osage von der Atlantikküste westwärts, nachdem sie zuvor auf dem Piedmont-Plateau zwischen James und Savannah River in Virginia, North und South Carolina gelebt hatten. Später zogen sie den Ohio River hinab, über den Mississippi bis auf das Ozark-Plateau und in die Prärien des heutigen westlichen Missouri. Zu diesem Zeitpunkt trennten sich die fünf Stämme; die Osage blieben in Dörfern am Osage River, wo sie Jacques Marquette zufolge 1673 wohnten. 1802 lebten sie laut Lewis und Clark am Osage River, am Little Osage River flussaufwärts und am Vermilion River, einem Nebenfluss des Arkansas River. Ihr Stammesgebiet war sehr weit ausgedehnt, es erstreckte sich über große Teile von vier heutigen Bundesstaaten: Missouri, Kansas, Oklahoma und Arkansas. Die Fläche betrug etwa 200.000 km², das ist mehr als die Hälfte der Fläche von Deutschland (etwa 350.000 km²). Die Osage nannten ihr Land wegen dessen zentraler Lage und Fruchtbarkeit ‘das Zentrum der Erde’ und verstanden sich als Bewahrer dieses Landes im Namen von Wa-kon-ta-ke (The Mysterious Being of the Universe). Der Stamm zählte zu dieser Zeit 5.500 Angehörige. Sie lebten dort bis ins frühe 19. Jahrhundert, als sie ihr Land in Missouri an die Vereinigten Staaten abtraten und nach Westen in das Neosho River Valley in Kansas zogen. Hier wurden die Osage für ihre Ablehnung der weißen Kultur bekannt; sie kleideten sich weiterhin in Tierhäute und lehnten angeblich den Genuss von Alkohol ab.
Nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) führte der zunehmende Druck auf die US-Regierung, alles Indianerland für die weiße Besiedlung zu öffnen, zum Verkauf des Kansas-Reservats. Den Erlös verwendete man 1870 zum Kauf von Land für die Osage im Indianerterritorium. Das Gebiet wurde den Cherokee abgekauft, welche dieses Gebiet nur zur Jagd verwendeten. Das Gebiet wurde Cherokee Outlet genannt. Das Gebiet der Reservation wurde 1907 durch den Osage Allotment Act auf einzelne Familien aufgeteilt. Jede Familie bekam 757 Acres. Das war bedeutend mehr Land als üblich (Zwischen 40 und 160 Acres). Üblicherweise wurde überschüssiges Land im Rahmen des Dawes Act an Nicht-Stammesmitglieder verlost oder verkauft. Im Falle der Osage wurde überschüssiges Land an die Stammesmitglieder verteilt. Das Recht auf die Nutzung von Bodenschätzen verblieb beim Stamm. Dafür wurde die Osage Mineral EstateOsage Nation Frequently Asked Questions Osage Mineral Estate geschaffen. Die Entdeckung von Erdöl in dem Osage-Reservat im späten 19. Jahrhundert und ein Abkommen mit der Regierung der Vereinigten Staaten, dass alle Schürfrechte in dem Reservat dem Stamm zukommen sollten (die Pachtgelder wurden pro Kopf verteilt), machten die Osage zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem sehr wohlhabenden Stamm.
Durch ihren Reichtum waren die Osage allerdings zum Ziel von Verbrecherbanden geworden, die versuchten, ihnen lukrative Landrechte abzunehmen. Die Verbrecher töteten zwischen 1921 und 1926 in einer Osage Indian murders genannten, anfangs mysteriösen Mordserie mindestens 60 Osage. Das Bureau of Investigation (FBI) übernahm die Ermittlungen, die zu einem der ersten großen Fälle der jungen Polizeibehörde wurden.PBS The forgotten murders of the Osage people for the oil beneath their land 1920 nahm der Stamm 400 Millionen Dollar an Schürfrechten ein und verteilte diese an seine Mitglieder. Die Osage galten als die reichsten Menschen der Welt. Der Stamm schüttete 1925 13.000 Dollar an jedes Mitglied aus. Eine vierköpfige Familie verdiente dadurch 52.000 Dollar im Jahr, was heute 600.000 Dollar entspricht. Der US-Kongress schritt ein und änderte die Bedingungen der Landrechtübergabe. Nur Nachkommen des Stammes konnten Landrechte übertragen werden. So wurde versucht, die Morde zu stoppen. 1999 verklagte der Stamm das Bureau of Indian Affairs wegen Veruntreuung von Geldern aus Schürfrechten. Am 14. Oktober 2011 wurde dem Stamm eine Entschädigung 380 Millionen Dollar vom United States Court of Federal Claims zugestanden.New York Times U.S. Will Pay a Settlement of $1 Billion to 41 Tribes Der Stamm hatte damals 16.000 Mitglieder.
Ob die Reservation mit der Gründung des Staates Oklahoma vom US-Kongress aufgelöst worden ist, ist umstritten. Zwar bestätigte Präsident George W. Bush einige alte Rechte des Stammes mit dem Osage Reaffirmation Actcongress.gov Public Law 108–431 REAFFIRMATION OF CERTAIN RIGHTS OF THE OSAGE TRIBE., anderseits verlor der Stamm 2010 einen Feststellungsprozess vor dem United States Court of Appeals for the Tenth Circuit. Der Prozess ging unter dem Namen Osage Nation v. Oklahoma in die Geschichtsbücher ein. Es ging bei dem Prozess um die Frage, ob die Reservation 1907 aufgelöst worden sei. Das Gericht bestätigte die Auflösung durch den Kongress. Konkret ging es um die Frage, ob eine Osage, welche beim Stamm beschäftigt war, Steuern des Staates Oklahoma entrichten muss. Wäre die Reservation nicht aufgelöst worden, müsste die Angestellte keine Steuern bezahlen, obwohl sich ihr Grundstück nicht im Trust befand. Das Gericht entschied, dass sie die Steuern bezahlen musste, da die Steuerfreiheit nur für Trust Land (Stammesgebiet) und nicht für Fee Land (Privatland) gilt. Die Reservation wurde also in ihren Grenzen aufgelöst durch das Allotment (Verteilung des Landes an die Familien des Stammes).findlaw.com OSAGE NATION v. Oklahoma Farm Bureau; Oklahoma Cattlemen's Association; Osage County Farm Bureau; Osage County Cattlemen's Association; Oklahoma Association of Electric Cooperatives; Oklahoma Independent Petroleum Association; Oklahoma Municipal League; Oklahoma Rural Water Association; Oklahoma Wildlife Management Association; Environmental Federation of Oklahoma; Public Service Company of Oklahoma; Oklahoma State Chamber of Commerce and Industry, Amici Curiae.narf.org Gerichtsurteil als PDF Anderseits anerkennt das Bureau of Indian Affairs Osage County weiterhin als Stammesgebiet an.BIA Osage Agency 2020 verfügte der Stamm über ein Stammesgebiet von 135.000 Acres (546 km²). Das County hat eine Fläche von 5967 km². Der Großteil der Bewohner sind Nicht-Stammesmitglieder. Es bleibt abzuwarten, was die Stammesregierung nach dem Erfolg der benachbarten Muskogee-Indianer vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten unternimmt (Siehe McGirt v. Oklahoma und Sharp v. Murphy).Osage News Standing Bear: ‘Osage Nation needs the right situation’ to challenge reservation status 2011 wurde eine Revision des Urteils von diesem Gericht nicht zugelassen.Osage News U.S. Supreme Court declines Osage Nation Reservation status case. The United States Supreme Court will not hear the Osage Nation’s appeal in the reservation status case, which ends the 11-year-old legal battle with the Oklahoma Tax Commission on whether the Nation’s reservation was disestablished.