mini|David Bowie (2002) David Bowie (* 8. Januar 1947 als David Robert Jones in London; † 10. Januar 2016 in New York City) war ein britischer Musiker, Sänger, Produzent und Schauspieler. In seiner annähernd 50 Jahre dauernden Karriere war er mit 26 Studioalben und rund 140 Millionen verkauften Tonträgern einer der kommerziell erfolgreichsten und einflussreichsten Musiker der Rock- und Popmusik.Jody Thompson: Sixty things about David Bowie. In: BBC News. 8. Januar 2007
Biografie Kindheit und Jugend David Jones wurde 1947 als Sohn von Haywood Stenton „John“ Jones (1912–1969) und Margaret Mary „Peggy“ Burns (1913–2001) im Londoner Stadtteil Brixton geboren und wuchs in einfachen, aber gesicherten Verhältnissen auf. Sein Vater war Marketingleiter für das Kinderhilfswerk Barnardo’s, seine Mutter arbeitete als Kellnerin.Peter Gillman, Leni Gillman: Alias David Bowie: A Biography. 1987, S. 44: At the end of the war, Peggy Burns was working as a waitress at the Ritz cinema in Tunbridge Wells. Das Familienklima war von Schweigsamkeit geprägt, was David Bowie 1993 in einem Interview folgendermaßen charakterisierte: „Meine Kindheit war nicht glücklich. Nicht, dass es brutal zugegangen wäre, aber ich hatte eine ganz bestimmte Art britischer Eltern: Sie waren ziemlich unterkühlt, und man nahm sich nicht oft in den Arm.“ David galt als schüchternes, höfliches Kind.
Anfang der 1950er Jahre begann der soziale Aufstieg der Familie. Im Winter 1953 zog sie in den Londoner Mittelklasse-Vorort Bromley, und David wurde zum Vorzeigeobjekt für das Statusstreben der Eltern, die sehr viel Wert auf ordentliche Kleidung und ein gepflegtes Äußeres legten. Eine besonders enge Bindung entwickelte David zu seinem Halbbruder Terry, der als Sohn der Mutter ebenfalls im Haus lebte. Dieser liebte seinen kleinen Bruder und David bewunderte den älteren, emotionalen und rebellischen Terry. Sie wurden von den Eltern sehr unterschiedlich behandelt; während sie David verwöhnten, begegneten sie Terry meist mit kühler Korrektheit, ignorierten ihn zum Teil aber auch.
Erste musikalische Schritte Im Alter von neun Jahren kam David Bowie über seinen Vater, der ihm die ersten Singles schenkte, mit Rock ’n’ Roll in Berührung. Über die erste Platte, Little Richards Tutti Frutti, sagte er später: „Ich hatte Gott gehört.“ Neben seinen Eltern förderte auch sein Bruder Terry das in David erweckte Musikinteresse, indem er ihn mit US-Beat-Poeten und Jazz bekanntmachte und den damals 13-Jährigen beispielsweise zu Konzerten im Londoner Unterhaltungsviertel Soho mitnahm.
Ab 1962 sang Bowie im Alter von 15 Jahren unter dem Künstlernamen Dave Jay in der Gruppe The Kon-Rads, in der er auch Saxophon spielte. Als der Erfolg ausblieb, verließ Bowie die Gruppe wieder. Die Band hatte im August 1963 einen von Bowie mitkomponierten Song mit dem Titel I Never Dreamed aufgenommen. 2018 wurde das für Decca aufgenommene Demo-Tape von David Hadfield, dem ehemaligen Schlagzeuger der Band, in einem alten Brotkorb gefunden. Die Aufnahme wurde 2018 im Auktionshaus Omega im Nordwesten Englands für knapp 40.000 Pfund versteigert.
1964 nahm er mit der Band Davie Jones and the King Bees seine erste Single Liza Jane auf, die ebenfalls floppte. In den 1960er Jahren sammelte er Erfahrungen als Sänger und Musiker in weiteren Bands wie den Manish Boys und den Lower Third, die alle nicht bekannt wurden. 1967 arbeitete er mit dem britischen Pantomimen Lindsay Kemp zusammen, dessen Einfluss sich in den folgenden Jahren in Bowies Bühnenshows zeigte. Durch diese Erfahrungen begann der schüchterne junge Bowie allmählich, sehr vielseitige künstlerische Ausdrucksweisen zu entwickeln. Als aufstrebender Rockstar befürchtete er jedoch, dass sein Name dem von Davy Jones, einem Mitglied der bekannten Band The Monkees zu ähnlich sei. Er entschied sich dann kurzfristig für den Namen Tom Jones, bis der gleichnamige Sänger einige Wochen später mit seinem Titel It’s Not Unusual bekannt wurde. Schließlich gab er sich in Anlehnung an Jim Bowie den Künstlernamen David Bowie.
Sein 1967 erschienenes Debütalbum David Bowie enthielt einige Songs, die von Musicals inspiriert waren, daneben Folksongs und Balladen, unter anderem den Titel Please Mr. Gravedigger. Das Album war zugleich im Gegensatz zu späteren Alben deutlich von den Beatles beeinflusst. Der ausbleibende Erfolg veranlasste ihn dazu, sein Konzept zu ändern. Starthilfe bekam er von seinem späteren Produzenten Tony Visconti, den er Ende 1967 kennenlernte und der auch für seinen Freund Marc Bolan arbeitete. Anfang 1969 wurde ein halbstündiger Promotion-Film mit dem Titel Love You Till Tuesday gedreht. Dabei wurden einige Lieder des ersten Albums und einige neue Kompositionen in Szene gesetzt. Eine davon war die zuletzt ins Set aufgenommene Weltraumballade Space Oddity. Bowie, der dazu von dem Stanley-Kubrick-Film 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert worden war, beschrieb darin den Raketenstart des fiktiven Astronauten Major Tom und dessen Gefühlslage allein im Weltall sowie die Kommunikation mit der Bodenstation, die am Ende des Stücks plötzlich abbricht. Zehn Jahre später löste Bowie im Song Ashes to Ashes den Weltraumausflug als Drogentrip eines Junkies auf.
Im November 1969 erschien das zweite Album, in den Vereinigten Staaten unter dem Titel Man of Words, Man of Music, in Großbritannien wie bereits das erste Album erneut unter dem Titel David Bowie. 1972 wurde es von RCA Records mit neuem Cover unter dem Titel Space Oddity wiederveröffentlicht. Das Album enthält eine Neuaufnahme des Titelstücks, die auch als Single erschien und Bowies erster kommerzieller Erfolg wurde. Bowie wurde für diese Komposition 1969 mit dem Ivor Novello Award geehrt, sie zählt zu seinen bekanntesten Werken. Die Single erreichte in Großbritannien Platz sechs der Verkaufscharts und hielt sich vier Wochen in den Top Ten, bei einer erneuten Veröffentlichung erreichte der Titel 1975 Platz eins. Das von Gus Dudgeon produzierte Lied stach mit seinem Novelty-Song-Charakter aus dem Gesamtalbum heraus. Das restliche Album war eine Mischung aus Folk-Musik, Bowies Stimme und seiner zwölfsaitigen Gitarre und wurde kein kommerzieller Erfolg.
Anfang 1970 nahm Bowie zusammen mit Marc Bolan zwei neue Songs auf: The Prettiest Star, der auch als Single erschien, und London Bye Ta Ta. Im Mai erschien eine Neuaufnahme von Memory of a Free Festival als Single. Obwohl diese ebenfalls erfolglos blieb, ist sie historisch interessant, da auf einer Studioaufnahme zum ersten Mal der Gitarrist Mick Ronson zu hören ist; bis 1973 blieb er Bowies musikalischer Begleiter. Bowie, Ronson, Visconti am Bass und John Cambridge am Schlagzeug traten ab Anfang 1970 kurzzeitig unter dem Bandnamen The Hype auf. Mit dieser Band versuchte sich Bowie an einem neuen Bühnenkonzept, indem alle vier in Kostümen auftraten und Stilmittel des Theaters nutzten. So verkleidete sich Bowie als „Rainbow Man“, Visconti als „Hype Man“, Ronson als „Gangsterman“ und Cambridge als „Pirate Man“.
1971 erschien eine weitere erfolglose Single (Holy Holy) und Bowies drittes Album mit dem Titel The Man Who Sold the World, das wiederum von Visconti produziert wurde. Stilistisch lehnte es sich an Hard Rock an, und instrumental dominierte Ronsons Gitarrenspiel. In den Texten bezog sich Bowie auf Science-Fiction, Buddhismus und Mystik. Auf dem Cover zeigte er sich in einem Kleid, wodurch er sich bewusst ein androgynes Image gab, das seine Auftritte in den frühen 1970er Jahren prägte. 1972 wurde das Album von RCA mit einem neuen und weniger kontroversen Cover wiederveröffentlicht. Auch diesem Album war wenig Erfolg beschieden.
Durchbruch mini|David Bowie bei der Diamond-Dogs-Tour 1974
1971 folgte das Album Hunky Dory. Als Keyboarder ist darauf Rick Wakeman zu hören, der später mit der Band Yes bekannt wurde. Zudem spielten darauf mit Mick Ronson (Gitarre), Mick (Woody) Woodmansey (Schlagzeug) und Trevor Bolder (Bass) alle Mitglieder der späteren Begleitband seines Alter Egos Ziggy Stardust, The Spiders from Mars. Es war Bowies erstes Album für die Plattenfirma RCA Records, an die ihn sein neuer Manager Tony DeFries vermittelt hatte.
Unter anderem enthält es mit Changes, dessen „cha-cha-cha-cha“ inspiriert ist von dem „cha-cha-cha-chance“Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 42–43. im Beatles-Song Birthday, einen der bekanntesten Bowie-Songs. Nach der ebenfalls auf dem Album enthaltenen Ballade Life on Mars? wurde 2006 eine Fernsehserie benannt.
Bowies Beschäftigung mit der damaligen Musik- und Kunstszene der USA zeigte sich auf diesem Album in Reverenzen an Bob Dylan, The Velvet Underground und Andy Warhol. Bowie sagte, er habe für dieses Album zum ersten Mal breite künstlerische Anerkennung erfahren, ehe er mit den nächsten Alben zu einer der Ikonen des Glam Rock wurde.
1972 gelang ihm der kommerzielle Durchbruch. Mit dem Album The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars und der anschließenden, bis 1973 dauernden Welttournee wurde er endgültig bekannt. Die Bühnenkostüme für Bowie und die Band erstellten die Designer Freddie Burretti und Kansai Yamamoto. Die Tournee wurde nur einmal kurz unterbrochen, als er am 10. Juni 1972 spontan ein Flugzeug von England nach New York bestieg, um sich ein Konzert von Elvis Presley im Madison Square Garden anzuhören und danach sofort nach England zurückzufliegen und seine Tournee fortzuführen.
Ein Grund dafür war die „Erfindung“ seines aufsehenerregenden Alter Egos Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt erzählt wird. Ein weiterer war seine theatralische Bühnenshow mit ihren provozierend homoerotischen Zügen. Dieses damals skandalöse Spiel mit der Homosexualität befeuerte er zusätzlich, indem er sich in einem Interview als schwul ausgab. Er war zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren mit Angela Barnett verheiratet und hatte mit ihr den 1971 geborenen Sohn Duncan Jones bekommen, den er später alleine erzog.
Ende 1972 hatte Bowie mit The Jean Genie einen Top-Ten-Hit in seinem Heimatland. Bei den Arbeiten zu seinem Album Aladdin Sane war erstmals der Pianist Mike Garson dabei, der sein langjähriger Begleiter wurde. Für das Album trafen in England über 100.000 Vorbestellungen ein, eine Zahl, die bis dahin nur die Beatles erreicht hatten. Am 3. Juli 1973 ließ Bowie Ziggy Stardust beim letzten Konzert seiner Welttournee im Londoner Hammersmith Odeon „sterben“ (My Death – Jacques Brel), bevor er zum letzten Mal mit seiner Band Rock ’n’ Roll Suicide intonierte.
mini|David Bowie (Video Rebel-Rebel, 1974) In dieser Zeit wirkte Bowie auch als Produzent und Förderer anderer Musiker. Er produzierte zusammen mit Ronson unter anderem Lou Reeds 1972 erschienenes zweites Soloalbum Transformer mit dem Hit Walk on the Wild Side, schrieb für die Band Mott the Hoople den erfolgreichen Song All the Young Dudes (1972) und produzierte deren gleichnamiges Album. Beim Stooges-Album Raw Power (1973) war er für die Abmischung verantwortlich. 1973 nahm Bowie zudem das Album Pin Ups auf, das Coverversionen aus den 1960ern enthält. Das Konzeptalbum Diamond Dogs (1974), das in weiten Teilen auf George Orwells Dystopie 1984 basiert, nahm Bowie ohne seine bisherige Begleitband The Spiders from Mars und seinen langjährigen Wegbegleiter, den Lead-Gitarristen Mick Ronson, auf. Bowie zerstritt sich während der US-Tournee mit seinem Manager DeFries und blieb auf einem Schuldenberg sitzen.