Der Sundbach ist ein gut fünf Kilometer langer Wildbach im Kanton Bern, der bei Sundlauenen in den Thunersee mündet. Er ist somit ein Zufluss der Aare im Flussgebiet des Rheins. Mit seinen zahlreichen Nebenbächen entwässert er einen grossen Teil der Gemeindefläche von Beatenberg. Er ist ein steiles, kleines Fliessgewässer der montanen, karbonatischen Alpennordflanke.Fliessgewässertypisierung der Schweiz: Gewässertyp Nr. 24. Bundesamt für Umwelt (BAFU; PDF; 592 kB).
Name Das am Unterlauf des Sundbachs tief in den Berghang eingeschnittene Erosionstal wird Sundgrabe genannt. Während der Abfluss im Gerinne bei Trockenheit fast ganz versiegen kann, bildet der steile Wildbach wegen der nach starken Niederschlägen plötzlich auftretenden Murgänge ein besonders grosses flussbauliches Problem in der Thunerseeregion. Weil sich im Sommer oft das Bild des ausgetrockneten Bachgrabens bietet, wird das Gewässer selbst manchmal statt «Sundbach»Landeskarte der Schweiz. als «Sundgrabe» bezeichnet.So im Geoportal des Kantons Bern.
Kleine, oft trockenliegende Bachläufe werden mundartlich in der Verkleinerungsform als «Gräbli» bezeichnet, so wie das auch bei einigen Nebengewässern des Sundbachs der Fall ist.
Am Rand des vom Sundbach am Thunersee geschaffenen Schwemmfächers liegt die kleine Ortschaft «Sundlauenen». Diese Bezeichnung ist eigentlich ein Flurname für das Flussdelta am See. Die vom See aus gut erreichbare Siedlung ist wegen der Nähe zur seit dem Mittelalter als Wallfahrtsort und später als Reiseziel berühmten Beatushöhle bedeutend. Der alte «Pilgerweg» überquert den Sundbach kurz vor der Mündung in den Thunersee.Via Jacobi auf SchweizMobil. Der Namensteil «Sund» wird als Bezeichnung für einen gegen Süden ausgerichteten Hang erklärt;Josef Leopold Brandstetter: Beiträge zur schweizerischen Ortsnamenkunde. Teil 4. In: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 55. Jg., 1900, S. 261–280. der im Berner Oberland verbreitete Ortsname «Lauenen» (vom romanischen Wort lavina) bezieht sich hier auf die im Tal des Sundbachs häufigen Erosionsereignisse wie Murgänge.
Das Ortsnamenbuch des Kantons Bern diskutiert allerdings die Möglichkeit, dass die Namen «Sundbach» und «Sundgrabe» erst in jüngerer Zeit aufgekommen und in einem namensgeschichtlichen Zusammenhang mit dem schon früher erwähnten Gewässernamen «Sulpach» stehen könnten.Thomas Franz Schneider (u. a.): Ortsnamenbuch des Kantons Bern. Teil 6 (Se–Di/Ti): Alter Kantonsteil. Tübingen 2020. Dieser Name steht für «Suldbach», wie der Oberlauf des Wildbachs auf frühen Landeskarten der Schweiz auch bezeichnet ist und wie man ihn gelegentlich noch heute nennt.Start zum Bau der neuen Sagigrabenbrücke. In: Jungfrau Zeitung. 1. August 2022.Das Gewässer heisst «Suldbach». In: Kulturlandschaftspreis Oberland-Ost auf kulturlandschaftspreis.ch, abgerufen am 27. Juni 2023. Der Beatenberger «Suldbach» ist nicht zu verwechseln mit dem Suldbach, auch einfach «Suld» genannt, der als Nebenbach der Kander das Suldtal südlich des Thunersees entwässert.
Geographie Verlauf Das Quellgebiet des Sundbachs liegt auf etwa im Gebiet der Alp Chüematte. Das in letzter Zeit stark verbuschte Alpgebiet gehört zur grösseren Gemmenalp, die südöstlich des Güggisgrats liegt.Alp Portrait Gemmenalp auf alporama.ch, abgerufen am 29. Juni 2023. Die Zufahrtsstrasse zu den Bergweiden führt vom Dorf Waldegg aus östlich des Sundbachtals auf die Höhe. Die Quellbäche des Sundbachs entspringen im Moorgebiet «Chüematte», das im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung aufgeführt ist.Objektblatt BE3553 «Chüematte» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung (PDF). Die an Moorflächen reiche Flysch-Landschaft im Gebirge über Beatenberg ist ein Teil der grösseren Region «Habkern/Sörenberg», die als Moorlandschaft von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung gilt.Objektblatt BE,LU13 im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung (PDF). Der «Richtplan Landschaft» der Gemeinde Beatenberg regelt den Unterhalt der Moorflächen.Vorschriften zum Richtplan Landschaft. Einwohnergemeinde Beatenberg, 14. Mai 2007.
Unterhalb der Chüematte verläuft der Sundbach durch das Tal «Rischere» in südsüdwestlicher Richtung. Das Bergtal ist dort durch die hohe Felsstufe der «Burgfeldflüe» von den darüber liegenden Alpen getrennt, während es sich gegen Süden mit einem weniger steilen Hang im Wychelmooswald gegen Waldegg hin öffnet. Der Bach bildete in früheren Jahrhunderten die Grenze zwischen den Bäuerten (Gütergemeinden) Beatenberg im Westen und Waldegg-Rufenen im Osten. Mehrere ältere und neue Brücken überqueren den Sundbach auf diesem Abschnitt, wo bei Waldegg das Schwellegräbli und das Ellbogegräbli in den Sundbach münden. Das gegen Süden ausgerichtete Weidegebiet «Bödeli» auf der rechten Seite des Sundbaches ist im Inventar der Trockenwiesen von nationaler Bedeutung registriert.Objektblatt BE5808 im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (PDF).
An der Spirenwaldstrasse, einer Kantonsstrasse (Hauptstrasse 221), die zwischen Waldegg und Beatenberg den Sundbach mit der Sagigrabenbrücke überquert, steht das historische Sägewerk von Waldegg.Eine Abbildung der alten Sägemühle und der alten Brücke über den Sundbach findet sich in: G. Dumermuth: St.-Beatenberg und seine Drahtseilbahn. Verlag von Albert Schüler, Bern/Biel 1889 (Digitalisat der ETH-Bibliothek Zürich). Seinetwegen wird der Sundbach an dieser Stelle auch «Sagigraben» genannt. Der Kanton Bern liess als Ersatz der alten, 1977 gebauten Brücke zwischen 2023 und 2025 eine neue, 148 Meter lange Strassenbrücke mit einem weiteren Kurvenradius über den Bachgraben errichten.Ersatz Sagigrabenbrücke Beatenberg auf be.ch.Neue Sagigrabenbrücke in Beatenberg BE eingeweiht. In: Baublatt. 6. Juni 2025.
Unter der Kantonsstrassenbrücke beginnt der stark in den Berghang eingeschnittene Bachabschnitt. Über dem Kalkfelsen der Helvetischen Decken, aus dem die Berner Voralpen in dieser geologischen Zone bestehen, liegen mächtige Schichten von Moränen und andern Ablagerungen des ehemaligen Aaregletschers, die stark erosionsgefährdet sind. Der Sundbach und seine Zuflüsse haben seit dem Eiszeitalter grossflächige Hangrutschungen und Rüfen verursacht, deren Sedimente das Flussdelta am Thunersee aufgebaut haben. Auf der kurzen Strecke von 2,5 Kilometern fällt die Bachsohle von bis auf am Seeufer. Dieser schwer zugängliche Einschnitt mit dem Namen «Sundgrabe» ist an zahlreichen Stellen gegen die weitere Erosion mit Sperrbauwerken gesichert worden. mini|links|Bachbett des Sundbachs auf dem Flussdelta am Thunersee Von Sundlauenen aus überwindet ein alter FusswegDer Weg ist schon erwähnt in: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. 1907, S. XIV. den steilen Berghang nach Beatenberg hinauf. Auf der Höhe von überquert der Pfad den Sundgrabe nahe beim Standort eines ehemaligen Stegs von 1918, der bei einem grossen Murgang 2012 zerstört wurde, auf der fünf Jahre nach diesem Ereignis gebauten, 80 Meter langen Panoramabrücke Beatenberg.Nora Devenish: 79 Meter Stahl hoch über dem Sundbach. In: Jungfrau Zeitung. 16. August 2017. Mit der «Hängebrücke Sundbach» überquert auch die Abwasserleitung von Beatenberg an dieser Stelle den Sundgrabe.Panoramabrücke Beatenberg auf haengebruecken.com. Die Brücke ist ein Bauwerk an einer Nebenroute des Panorama-Rundwegs um den Thunersee.Die Panoramabrücken auf brueckenweg.ch.
Unter dem Bergvorsprung «Ruchebüel» tritt der Sundbach aus dem Erosionstal in die Uferzone am Thunersee hinaus. Über den vom Bach geschaffenen Schwemmkegel mündet neben dem Sundbach auch der Fitzligrabebach in den See. Gemäss dem Naturgefahrenkataster der Gemeinde Beatenberg befinden sich das Gebiet und die Ortschaft Sundlauenen mit der Staatsstrasse, die von Thun nach Interlaken führt, in einem besonders stark durch Hochwasser gefährdeten Bereich. Grosse Schutzbauten befinden sich neben dem Bachgraben östlich der Häuser von Sundlauenen. Die Gemeinde, die Schwellenkorporation von Beatenberg und der Kanton Bern reparierten die nach dem Hochwasser und Murgang vom 2. Januar 2012 an den Kunstbauten im Bachgraben entstandenen SchädenAnne-Marie Günter: Notwendigkeit für Verbauungen aufgezeigt. Sundbach beschäftigt die zuständigen Stellen. In: Jungfrau Zeitung. 23. Januar 2012. und errichteten 2016 bis 2018 die neue Staatsstrassenbrücke und hohe Schutzdämme bei Sundlauenen.Grossbaustelle in Sundlauenen auf beatenberg.ch (PDF; 2,3 MB). Auch das Bachbett des Fitzligrabens in Sundlauenen wurde nach 2012 verbaut.Anne-Marie Günter: Start zum Wasserbauprojekt Fitzligraben. Schwellenkorporation Beatenberg erhöht Ansatz. In: Jungfrau Zeitung. 4. Juli 2011.
Der 5,2 km lange Lauf des Sundbachs endet ungefähr 1117 Höhenmeter unterhalb der Quelle seines Hauptoberlaufs Schwandgraben, er hat somit ein mittleres Sohlgefälle von etwa 21 %.
Einzugsgebiet Das 9,68 km² grosse Einzugsgebiet des Sundbachs liegt in den Berner Voralpen und wird durch ihn über den Thunersee, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Es grenzt im Nordosten und Osten an das Einzugsgebiet des Lombachs, der in den Thunersee mündet im Südosten an das des Thunersees direkt im Südwesten und Westen an das des Fitzligrabes, der ebenfalls in den Thunersee mündet und im Nordwesten an das des Thunersee-Zuflusses Grönbach
Das Einzugsgebiet besteht zu 59,0 % aus bestockter Fläche, zu 30,1 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 5,2 % aus Siedlungsfläche und zu 5,7 % aus unproduktiven Flächen.
Die mittlere Höhe des Einzugsgebiets beträgt Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Sundbach. Bundesamt für Umwelt (BAFU).
Zuflüsse Schwandgraben (linker Quellbach, Hauptstrang), 0,7 km Balmgräbli (rechter Quellbach, Nebenstrang), 0,4 km Eselgrabe (rechts), 1,1 km Märegrabe (rechts), 1,3 km Inner Abgschlächtgrabe (rechts), 1,3 km, 0,60 km² Maichplatzgrabe (links), 0,6 km Üsser Abgschlächtgrabe (rechts), 0,7 km Schwellegräbli (links), 1,3 km Ellbogegräbli (links), 0,6 km Biregraben (rechts), 2,0 km, 1,75 km² Schwarzbach (links), 1,2 km Hälteligrabe (rechts), 1,4 km Schwendigräbli (rechts), 1,5 km
Hydrologie An der Mündung des Sundbachs in den Thunersee beträgt seine modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 630 l/s. Sein Abflussregimetyp ist nival de transitionMartin Pfaundler, Rolf Weingartner, Robert Diezig: «Versteckt hinter den Mittelwerten» – die Variabilität des Abflussregimes. In: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung. 50. Jg., Nr. 3, Juni 2006, S. 116–123, hier S. 119 (PDF; 3,2 MB)., und seine AbflussvariabilitätDie Abflussvariabilität beschreibt das Ausmass der Schwankungen des mittleren Abflusses einzelner Jahre um den langjährigen mittleren Abflusswert. beträgt 19.
Weblinks
Verlauf und Einzugsgebiet des Sundbachs auf dem [ Verlauf des Sundbachs] auf dem Geoportal des Kantons Bern Sibylle Hunziker: Der Sundbach soll gezähmt werden. In: Berner Zeitung. 18. Januar 2011
Einzelnachweise
Kategorie:Beatenberg