mini|Mark Essex Mark James Robert Essex (* 12. August 1949 in Emporia, Kansas; † 7. Januar 1973 in New Orleans, Louisiana) war ein US-amerikanischer Serienmörder, der zwischen Dezember 1972 und Januar 1973 neun Menschen tötete und 13 weitere Menschen zum Teil schwer verletzte.
Leben Frühes Leben Mark Essex wurde im August 1949 als zweites von fünf Kindern des Mark Henry Essex und dessen Ehefrau Nellie geboren; sein Vater war Vorarbeiter in einer fleischverarbeitenden Fabrik; seine Mutter unterrichtete sozial benachteiligte Volksschulkinder. Essex genoss eine Kindheit und Jugend wie Gleichaltrige. Er wuchs in einer Gegend auf, in der Rassismus kaum den Alltag dominierte und in welcher Anstrengungen unternommen wurden, Gleichheit zwischen Schwarzen und Weißen anzustreben. So hatte er auch viele weiße Freunde. Essex spielte in seiner Jugend in einer Schulband Saxophon und schloss sich den Pfadfindern an. Zu seinem ersten Berufswunsch zählte der Beruf des Pfarrers.
Bei seinen Mitschülern galt er als beliebt und hatte in seinen Teenager-Jahren auch weiße Freundinnen. Der Polizei oder Konflikten mit dem Gesetz ging er aus dem Weg. Sein einziger Zwischenfall in jener Zeit war eine Straßenkontrolle, in die er im Jahr 1965 geriet, als Polizisten annahmen, der Führerscheinneuling wäre zu jung fürs Autofahren. Essex hatte selbst als Erwachsener eine geringe Körpergröße von 160 Zentimetern.
Nach seinem Abschluss an der Emporia High School im Jahr 1967 begann er zunächst an der Emporia State University zu studieren. Das Studium brach er jedoch nach nur einem Semester ab und arbeitete kurzzeitig in der Fabrik seines Vaters mit. 1968, kurz vor seinem 19. Geburtstag, hatte er einen Plan, was seine berufliche Zukunft betraf. Er wollte der United States Army beitreten. Doch auf Anraten seines Vaters, eines Veteranen des Zweiten Weltkriegs, änderte er seine Wahl und entschied sich für das United States Marine Corps.
Militärkarriere Mark Essex trat am 13. Januar 1969 seinen Dienst bei den Marines an und verpflichtete sich zunächst für vier Jahre. Die ersten Monate in der Grundausbildung sammelte Essex durchweg positive Erfahrungen. Nach drei Monaten, im April 1969, wurde er nach Kalifornien ins dortige Naval Training Center in San Diego versetzt. Auf Anraten seines Vorgesetzten, Lt. Robert Hatcher, begann er eine Ausbildung zum Zahntechniker mit den Schwerpunkten Endodontie und Parodontologie.
Dennoch erfuhr er schon sehr bald, dass der versteckte Alltagsrassismus auch vor der Umgebung der Marines nicht Halt machte. So nahm er einen Job als Barkeeper in einer Bar namens Jolly Rotor an und musste feststellen, dass gewisse öffentliche Räumlichkeiten für Schwarze verboten waren. Zunächst ertrug er die Schikanen stillschweigend; andere schwarze Soldaten meinten, sobald er einen höheren Dienstgrad erreicht habe, würde sich das schon legen. Binnen eines Jahres war er zum Matrosen befördert worden, doch seine persönlichen Erfahrungen änderten sich dadurch nicht. Essex begann, leichte Depressionen zu entwickeln, und war bald auf leichte Medikamente angewiesen.
Im Laufe des Jahres 1970 schloss Essex Freundschaft mit einem anderen afroamerikanischen Marine, Rodney Frank, der für die Reparatur von Flugzeugen verantwortlich war. Frank war ein so genannter Militant und Anhänger des so genannten Schwarzen Nationalismus. Über Frank lernte Essex radikale Auffassungen kennen; auch las er Werke von Huey P. Newton und Bobby Seale, den Mitbegründern der Black Panther Party.
Im August 1970 hörte er, wie ein weißer Unteroffizier zu einem anderen meinte, wie schön doch die vergangenen Jahrzehnte waren, als „Nigger noch in der Kombüse“ zur See fuhren. Essex konnte nicht länger zuschauen, griff den Unteroffizier tätlich an und verletzte ihn leicht. Da sowohl die rassistische Äußerung bereits nach damaligem Standard, aber auch die Körperverletzung, Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen hätte können, verzichteten sowohl Essex als auch sein Kontrahent auf eine Anzeige. In weiterer Folge wurde Essex nur noch mehr von seinen weißen Kollegen schikaniert.
Am 19. Oktober 1970 war es Essex zu viel. Ohne um Erlaubnis zu bitten, verließ er den Marinestützpunkt und ging zu einer Bushaltestelle, um nach Hause nach Emporia zu fahren. Mit einem Greyhound-Bus kehrte Essex nach Hause in Kansas zurück, wo er sich bis zum 16. November 1970 unerlaubt aufhielt. Er versuchte, seinen Eltern seinen Standpunkt klarzumachen, und erzählte ihnen auch von seinen negativen Erfahrungen. Dennoch konnten diese ihn schließlich davon überzeugen, nach Imperial Beach zurückzukehren. Obwohl Lt. Hatcher, sein vorgesetzter Offizier, ihn verstand, musste sich Essex dennoch einem Militärgericht wegen Fahnenflucht stellen. Das Gericht verurteilte ihn zu 90 Tagen auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 90 Dollar, die von seinem Sold abgezogen werden sollten.
Für Essex muss es ein Schock gewesen sein, als er am 11. Februar 1971 aus seinem Militärdienst entlassen wurde und man ihm Untauglichkeit attestierte. Er kehrte Ende April 1971 zu seinen Eltern nach Emporia zurück, wo er begann, sich weiter mit der Black-Panther-Ideologie zu beschäftigen. Er gab sich bald den Kampfnamen Mata und erwarb zwei Monate später, im Juni 1971, ein halbautomatisches Gewehr der Marke Ruger. Danach ging er in die Wälder, um Zielübungen mit seinem Gewehr durchzuführen. Im August 1971 verließ er Emporia und zog nach New Orleans, wo sein ehemaliger Kollege, Rodney Frank, lebte.
Zeit in New Orleans Zwischen 1971 und 1972 zog Essex innerhalb von New Orleans viermal um, bis er zuletzt Anfang November 1972 eine Zweizimmerwohnung in der Dryades Street 2619 in Central City bezog.
Bereits am 22. August 1972 beantragte er Aufnahme in das vom Bund finanzierte Programm Total Community Action, in dem Menschen eine Berufsausbildung erwerben können. Essex begann eine Lehre zum Mechaniker für Verkaufsautomaten. Auch begann er Afrikanistik zu studieren und lernte so Grundkenntnisse von Swahili und isiZulu. Hassparolen und Phrasen jener Sprache schrieb er an die Wände seiner Wohnung. Er hatte kaum Freunde, lebte allein und abgeschieden und litt zeitweise unter schweren Depressionen.
Im September 1972 kündigte das New Orleans Police Department (NOPD) die Gründung des Felony Action Squad an, mit dem Ziel, die Zahl der Gewaltverbrechen in der Stadt zu reduzieren. In einer Presseerklärung erklärte Superintendent Clarence Giarrusso, dass die Mitglieder dieses Einsatztrupps befugt seien zu schießen, um zu töten, wenn sie in irgendeiner Weise bedroht würden. Am 16. November 1972 wurden bei Bürgerrechtsdemonstrationen an der Southern University zwei afroamerikanische Studenten von weißen Polizisten des East Baton Rouge Parish erschossen. Als Essex davon hörte, wurde er von Zorn und Wut erfüllt. Er wollte künftig gegen die Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen kämpfen, mit Gewalt, wenn nötig.
Im Dezember 1972 schrieb er einen letzten Brief an seine Eltern, der durchaus als Abschiedsbrief gewertet werden kann.
Afrika, das ist es, Mama. Es ist noch größer als du und ich, noch größer als Gott. Ich habe jetzt entschieden, dass der weiße Mann mein Feind ist. Ich werde kämpfen, um meine Männlichkeit zu erlangen, oder bei dem Versuch sterben. Liebe Grüße, Jimmy.
Dennoch ließ er sich nicht anmerken, dass er plante, einen Rachefeldzug gegen die Weißen zu starten. So feierte er mit einem Arbeitskollegen Weihnachten und verschenkte nahezu all seine Habseligkeiten, da er, so seine Begründung, wieder nach Emporia zurückziehen wolle. Auch schrieb er kurz vor dem Jahreswechsel einen mit Mata unterschriebenen Brief an die lokale Fernsehstation WWL-TV, in dem er ankündigte, einen Angriff aufs NOPD durchzuführen. Aus nicht näher bekannten Gründen nahmen die Verantwortlichen beim Fernsehen das Schreiben nicht ernst.
Beginn der Sniper-Attacken Am 31. Dezember 1972, kurz vor 22:55 Uhr, parkte Essex sein Auto in der Perdido Street und machte sich mit seiner halbautomatischen Ruger und einem 38-kalibrigen Revolver auf den Weg in Richtung NOPD. In einem Seesack führte er nicht nur einen Riesenvorrat an Munition mit sich, sondern auch eine Gasmaske, einen Drahtschneider und einige Feuerwerkskörper. Er ging auf einen schlecht beleuchteten Parkplatz gegenüber dem Haupteingang des NOPD und legte sich hinter parkenden Autos auf die Lauer.
Der 19-jährige Polizeischüler Bruce Weatherford näherte sich der Pförtnerloge, um seinen Dienst anzutreten. Plötzlich eröffnete Essex das Feuer auf den jungen Polizisten. Weatherford konnte sich instinktiv hinter einem Auto in Sicherheit bringen, musste jedoch mit ansehen, wie sein Kollege, der 19-jährige Alfred Harrell, der Weatherford zu Hilfe eilte, einen Schuss in die Brust abbekam. Das erste Opfer der Mordserie war ausgerechnet ein Schwarzer, obwohl es sich Essex zum Ziel gesetzt hatte, ausnahmslos Weiße zu töten. Der 38-jährige Polizeileutnant Horace Pérez wurde von einer Kugel am Knöchel verletzt.
Essex hatte sechs Schüsse abgefeuert. Danach kletterte er über einen Maschendrahtzaun, überquerte die Interstate 10 und tauchte danach im Stadtteil Gert Town unter, einem Industriegebiet, das aufgrund seiner hohen Kriminalität bekannt war. Hier verschaffte er sich mit vier Pistolenschüssen Zutritt zu einer Waren- und Produktionshalle in der Euphrosine Street 4100, nicht ahnend, dass er dadurch einen Einbruchsalarm auslöste. Zwei Polizisten, Edwin Hosli und Harold Blappert, wurden zum Einbruchsort beordert, um nach dem Rechten zu sehen. Zunächst fuhren Hosli und Blappert um das Gebäude herum, um nach Einbruchsspuren zu suchen. Als Hosli um 23:13 Uhr aus dem Wagen ausstieg und danach seinen Schäferhund vom Rücksitz seines Wagens aussteigen lassen wollte, traf ihn eine Kugel in den Rücken. Essex schoss noch weitere Male in Richtung des Wagens und traf dabei die Windschutzscheibe, die zu Bruch ging. Blappert gelang es, über das Funkgerät Verstärkung anzufordern. Auch zerrte er den schwer verletzten Hosli auf den Vordersitz des Wagens. Danach zielte er in die Richtung, aus der die Schüsse kamen, und feuerte ebenfalls mehrmals Kugeln ab.
Minuten nach der Schießerei waren über 30 Polizisten als Verstärkung vor Ort. Diese drangen mit ihren Hunden ins Lagerhaus ein. Hier konnten sie nicht nur mehrere Schuss abgefeuerte Munition und einen Revolver sicherstellen, sondern auch einen blutigen Handabdruck und Blutflecken finden. In dem Feuergefecht mit Blappert, so die Vermutung der Polizei, habe sich der Täter auch selbst verwundet.
Edwin Hosli rang über zwei Monate im Krankenhaus mit dem Tod. Am 5. März 1973 starb er im Alter von 30 Jahren.
Die Polizei führte eine Razzia im Viertel durch, auf der Suche nach dem Täter. Doch als sich Anwohner, vor allem Schwarze beschwerten, wie von Seiten der weißen Polizisten vorgegangen wurde, musste die Suche am kommenden Morgen, dem 1. Januar 1973, eingestellt werden.
Am Abend des 1. Januar, gegen 21 Uhr abends, betrat der Pastor der 1st New St. Mark Baptist Church die Kirche und traf darin auf einen bewaffneten jungen Mann. Der Pfarrer verständigte sofort die Polizei, allerdings war der Mann verschwunden, als die Polizei die Kirche betrat. Essex kehrte in der Nacht zur Kirche zurück und konnte dort rund eineinhalb Tage im Gotteshaus Zuflucht finden. Als am 3. Januar Joseph Perniciaro, ein Lebensmittelhändler, einen Mann in seinem Geschäft sah, der verwundet war und dem er aber dennoch Nahrungsmittel und ein Rasiermesser verkaufte, befahl er seinem Lehrjungen, dem Mann zu folgen. Als der Lehrjunge Perniciaro meldete, der Mann sei in die Kirche gegangen, meldete Perniciaro dies der Polizei. Er sollte nicht ahnen, dass er den Verrat beinahe mit seinem Leben bezahlen sollte. Als die Polizei erneut die Kirche betrat, war der Mann wieder auf der Flucht. Er hatte Lebensmittelverpackungen und einen Beutel mit Patronen vom Kaliber 38 in einem WC zurückgelassen. In einem Brief an den Pastor entschuldigte sich Essex für den Einbruch.