Christine Schirrmacher (* 2. Mai 1962 in LörrachKürschners Deutscher Gelehrten-Kalender Online. Abgerufen am 20. Mai 2016.) ist eine deutsche evangelikale Islamwissenschaftlerin, Autorin, Professorin und Beraterin in Islamfragen. Sie ist Sprecherin des Beraterkreis Islamismusprävention und IslamismusbekämpfungBeraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung Beraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung des Bundesministeriums des Innern.
Leben und Werk Christine Schirrmacher studierte von 1982 bis 1985 Islamwissenschaft, Geschichte und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft in Gießen und von 1985 bis 1988 Islamwissenschaft, Geschichte und Vergleichende Religionswissenschaft in Bonn. Sie schloss das Studium 1988 mit dem Grad eines Magister artium ab. Danach absolvierte sie in Bonn ein Promotionsstudium, wo sie 1991 zur christlich-islamischen Kontroverse im 19. und 20. Jahrhundert und zur Wirkungsgeschichte des Barnabasevangeliums zum Dr. phil. promoviert wurde.
2012 habilitierte sie sich im Fachbereich Islamwissenschaft der Universität Bonn zum Thema „‚Es ist kein Zwang in der Religion‘ (Sure 2,256). Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen. Diskurse zu Apostasie, Religionsfreiheit und Menschenrechten“, und ihr wurde die Venia Legendi für das Fach Islamwissenschaft verliehen.
Leitungsfunktion Sie ist seit 1999https://christineschirrmacher.info/bio/biographie/https://www.perlentaucher.de/autor/christine-schirrmacher.htmlhttps://www.bbkl.de/index.php/frontend/autor?id=4826 wissenschaftliche Leiterin des evangelikalen Instituts für Islamfragen der in der Weltweiten Evangelischen Allianz organisierten Evangelischen Allianz in Deutschland, Evangelischen Allianz Österreich und Schweizerischen Evangelischen Allianz und war bis 2022 Mitglied deren Hauptvorstands.Neue Struktur der Evangelischen Allianz in Deutschland, idea.de, Meldung vom 26. September 2022. Ihr Mann Thomas Schirrmacher, mit dem sie seit 1985 verheiratet ist, war von 2021 bis 2024 Generalsekretär (Secretary General) der Weltweiten Evangelischen Allianz.
Universitäts-Professorin Sie ist Professorin für Islamwissenschaft am Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn sowie seit 2005 Professorin für Islamische Studien an der Evangelisch-Theologischen Fakultät (ETF) in Leuven/Belgien. 2013/2014 hatte sie eine Professur am Institut für Humangeographie (Schwerpunkt Politische Geographie und Konfliktforschung) an der Tübinger Universität inne, 2013 und 2023/24 eine Vertretungsprofessur am Lehrstuhl Islamwissenschaft an der Universität Erfurt. Seit 2007 ist sie fortlaufend als Gastdozentin bei Landes- und Bundesbehörden der Sicherheitspolitik tätig sowie als Beraterin und Dozentin bei Bundesministerien und regierungsnahen Institutionen. Von 2003 bis 2015 war sie apl. Dozentin für Islamkunde an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen.
Sie ist Sprecherin des durch das Bundesministerium des Innern eingerichteten Beraterkreiseses Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung, der mit seiner Auftaktsitzung am 15. Dezember 2025 seine Arbeit aufnahm. Vorrangige Aufgabe des Beraterkreises wird es sein, den im Koalitionsvertrag vereinbarten Bund-Länder-Aktionsplan Islamismusbekämpfung zu erarbeiten.
Darüber hinaus ist sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Berlin, sowie stimmberechtigtes Mitglied des Zentrumsrats des „Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS)“,Christine Schirrmacher appointed to the CASSIS Council Forschungszentrum der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, außerdem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des „Zentrum für Analyse und Forschung (ZAF)“ des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Berlin. Sie war seit 2020 Mitglied des Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit (UEM), Berlin, berufen durch den Bundesminister des Innern. Der UEM sollte verschiedene Formen von Muslim- und Islamfeindlichkeit untersuchen und veröffentlichte nach einer knapp dreijährigen Tätigkeit Ende Juni 2023 einen Bericht mit Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Im März 2024 wurde dieser durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat unter Leitung von Nancy Faeser zurückgezogen, alle publizierten Kopien „entsorgt“ und das Gremium aufgelöst. Zu den Gründen äußerte sich keines der ehemaligen Mitglieder des UEM öffentlich.
Von 2016 bis 2024 war sie Mitglied des Kuratoriums des „Deutschen Instituts für Menschenrechte“ (DIMR), von 2015 bis 2023 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), von 2000 bis 2023 Gastdozentin an der Akademie Auswärtiger Dienst des Auswärtigen Amtes und von 2006 bis 2022 Mitglied des Kuratoriums der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Gastvorlesungen sowie Studien- und Vortragsreisen führten sie in zahlreiche islamisch geprägte Länder. Schirrmacher ist (Stand 2017) an führenden Dialoginitiativen beteiligtSiehe zum Beispiel: wie Antwortschreiben auf den „Offenen Brief von 138 muslimischen Theologen an die Führer christlicher Kirchen“ (2007) und auf Einladung des „Yale Center for Faith and Culture“ der Yale University auch an der Nachfolgekonferenz „Loving God and Neighbor in Word and Deed: Implications for Muslims and Christians“ oder dem „Berlin Forum for Progressive Muslims“ (2011; 2013), einer Fachtagung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Zudem war sie mehrfach als Gutachterin für den Ausschuss Menschenrechte und Humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages tätig.
Privates Schirrmacher ist seit 1985 mit dem Theologen Thomas Schirrmacher verheiratet. Ihr Sohn ist der Unternehmer David Schirrmacher.
Veröffentlichungen (Auswahl) Selbständige Publikationen mit Thomas Schirrmacher: „Prophet“ aus der Wüste: Mohammed. Schwengeler, Berneck 1984, ISBN 3-85666-283-9. Mit den Waffen des Gegners. Christlich-muslimische Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert. (Dissertation) Klaus-Schwarz-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-87997-247-8. Der Islam. Geschichte, Lehre, Unterschiede zum Christentum. Hänssler, Holzgerlingen 1994, Bd. 1 ISBN 3-7751-2132-3, Bd. 2 ISBN 3-7751-2133-1; 2003. Kleines Lexikon zur islamischen Familie. Hänssler, Holzgerlingen 2002. Herausforderung Islam. Der Islam zwischen Krieg und Frieden. Hänssler, Holzgerlingen 2002. mit Ursula Spuler-Stegemann: Frauen und die Scharia. Die Menschenrechte im Islam. Hugendubel, München 2004, ISBN 3-7205-2527-9. Der Islam. Eine Einführung. SJD, Lahr 2005, ISBN 3-501-05253-7. Islam und Christlicher Glaube. Ein Vergleich. Hänssler, Holzgerlingen 2006, ISBN 3-7751-3666-5. Islamische Menschenrechtserklärungen und ihre Kritiker. Einwände von Muslimen und Nichtmuslimen gegen die Allgültigkeit der Scharia. Institut für Rechtspolitik an der Universität, Trier 2007. Mord im „Namen der Ehre“ zwischen Migration und Tradition. Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier, Trier 2007. Die Scharia. Recht und Gesetz im Islam. Hänssler, Holzgerlingen 2007, ISBN 978-3-7751-4657-9. Islamismus – Wenn Religion zu Politik wird. Hänssler, Holzgerlingen 2010, ISBN 978-3-7751-5259-4. Die Frage der Freiwilligkeit der islamischen Eheschließung: Schariarechtliche Vorgaben und gesellschaftliche Praxis unter Berücksichtigung des Phänomens der Zwangsheirat. Rechtspolitisches Forum – Legal Policy Forum, 61. Trier: Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier, 2012 (PDF) Islam und Demokratie: Ein Gegensatz?. Hänssler, Holzgerlingen 2013, ISBN 978-3-7751-5451-2. Unterdrückte Frauen. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2014. ISBN 978-3-7751-5480-2. Friedensrichter, Streitschlichter, Schariagerichtshöfe: Ist die Rolle der Vermittler auf den säkularen Rechtsstaat übertragbar? (= Rechtspolitisches Forum – Legal Policy Forum. Bd. 62). Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier, Trier 2013 (PDF). Politischer Islam und Demokratie: Konfliktfelder. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2015, ISBN 978-3-7751-5655-4. Es ist kein Zwang in der Religion (Sure 2,256): Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen. Diskurse zu Apostasie, Religionsfreiheit und Menschenrechten (Zugl. bearb. Fassung der Habilitationsschrift, Universität, Bonn 2012). Ergon-Verlag, Würzburg 2015, ISBN 978-3-95650-084-8. Politischer Islam und Demokratie: Konfliktfelder. Hänssler: Holzgerlingen 2015. L’islam. Histoire – Doctrines – Islam et Christianisme (Der Islam. Geschichte – Lehre – Unterschiede zum Christentum. Hänssler: Neuhausen, 1994/2003), 2 Bände. Charols/FR 2016. „Let there be no Compulsion in Religion“ (Sura 2:256). Apostasy from Islam as Judged by Contemporary Islamic Theologians. Discourses on Apostasy, Religious Freedom, and Human Rights. Wipf & Stock, Eugene/Oregon / VKW, Bonn 2016 (PDF). Political Islam: When Faith Turns Out to Be Politics. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn 2016, ISBN 978-3-86269-113-5. Arabischer Frühling, „Islamischer Staat“ (IS), Christen in Nahost und die Suche nach einer politischen Zukunft. Sonderdruck Nr. 12: Institut für Islamfragen, Bonn, 2016 (40 S.). mit Haggag Ali und Stephan Conermann (Hg.): Can Freedom Be Unlimited? Examples of Censorship in Middle Eastern Societies in the 19th and 20th Centuries. EB-Verlag: Berlin 2017, ISBN 978-3-86269-113-5. mit Harald Meyer und Ulrich Vollmer (Hg.): Die Bonner Orient- und Asienwissenschaften im 20. Jahrhundert: Repräsentanten und Meilensteine. Ostasien-Verlag: Gossenberg 2018. Islam and Democracy: Can They Be Reconciled?. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 2020, ISBN 978-3-86269-193-7. mit Thomas Schirrmacher: The Oppression of Women: Violence – Exploitation – Poverty. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn 2020, ISBN 978-3-86269-192-0.
Aufsätze & Buchbeiträge The Influence of Higher Bible Criticism on Muslim Apologetics in the Nineteenth Century. In: Jacques Waardenburg: Muslim Perceptions of Other Religions. Oxford University Press, New York/Oxford 1999, S. 270–279. Islam und Säkularisierung: Dargestellt am Beispiel islamischer Menschenrechtserklärungen. In: Walter Schweidler (Hg.). Postsäkulare Gesellschaft: Perspektiven interdisziplinärer Forschung. Verlag Karl Alber, München 2007, S. 363–406. Rechtsvorstellungen im Islam. In: Horst Dreier, Eric Hilgendorf (Hg.). Kulturelle Identität als Grund und Grenze des Rechts: Akten der IVR-Tagung vom 28.–30. September 2006 in Würzburg. Nomos im Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2008, S. 339–364. Schlaglichter zum Karikaturenstreit und Bilderverbot in islamischen Gesellschaften der Moderne. In: Eckhard Leuschner; Mark R. Hesslinger (Hg.): Das Bild Gottes in Judentum, Christentum und Islam – Vom Alten Testament bis zum Karikaturenstreit. Michael-Imhof Verlag, Petersberg 2009, S. 273–286. Konvertiten zum Islam: Je gläubiger – je radikaler? In: Reinhard Hempelmann (Hg.). Religionsdifferenzen und Religionsdialoge: Festschrift – 50 Jahre EZW. Berlin: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, 2010, S. 133–149. Geistesgeschichtliche Ursprünge des Politischen Islam / Islamismus. In: Johannes Kandel: „Politischer Islam“ – „Islamismus“. Extremistische Islam-Varianten in der Diskussion 20.–22. Oktober 2011. Berlin Forum for Progressive Muslims. Friedrich Ebert Stiftung, Berlin 2012, S. 5–11 (www.fes.de/cgi-bin/gbv.cgi?id=09185&ty=pdf PDF). Die Rolle des Islamismus bei der Arabischen Revolution: Eine Momentaufnahme. In: Österreichisches Zentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.): Zeitenwende in der Arabischen Welt – welche Antworten findet Europa? (= Dialog. Bd. 61). Lit, Wien 2012, S. 79–94.