Dimethyltetrasulfid ist eine organische chemische Verbindung aus der Gruppe der organischen Polysulfide.

Vorkommen mini|links|Knoblauch enthält Dimethyltetrasulfid Dimethyltetrasulfid kommt in Schnittlauch, Brokkoli, Eidechsenwurz, Zwiebeln, Knoblauch, der chinesischen Zwiebel (Allium chinense), sowie in Ferula persica vor. In einer Studie am Öl von Allium stipitatum wurde ein Gehalt an Dimethyltetrasulfid von 6,47 % ermittelt.Zahra Lorigooini et al. Der Pharmacia Lettre, 2016, 8 (1):175-180 Neben den pflanzlichen Vorkommen ist es auch eine Geschmackskomponente in fermentierter Garnelenpaste. Ebenso ist es mitverantwortlich für den unangenehmen Geruch in manchen Fällen von Algenblüten.

Biosynthese Methionin ist ein Vorläufer organischer Schwefelverbindungen (inklusive Dimethyltetrasulfid) bei Algenblüten. Vermutlich ist der letzte Schritt in der Biosynthese von Dimethylpolysulfiden, inklusive Dimethyltetrasulfid, die Methylierung entsprechender anorganischer Polysulfidionen.

Eigenschaften Unter Erhitzung unterläuft Dimethyltetrasulfid eine homolytische Spaltung.Chubachi, Sumio, Pronoy K. Chatterjee, and Arthur V. Tobolsky. "Reaction of dimethyl tetrasulfide with unsaturated compounds." The Journal of Organic Chemistry 32.5 (1967): 1511–1517. Die Dissoziationsenergie der zentralen Bindung beträgt etwa 36 kcal/mol; die symmetrische Spaltung ist gegenüber einer unsymmetrischen deutlich bevorzugt. Die entstehenden Radikale reagieren weiter zu Dimethyloligosulfiden unterschiedlicher Kettenlänge, von Dimethyltrisulfid bis Dimethylhexasulfid. Dimethyldisulfid tritt dabei nur in Spuren auf.Pickering, Timothy L., K. J. Saunders, and Arthur V. Tobolsky. "Disproportionation of organic polysulfides." Journal of the American Chemical Society 89.10 (1967): 2364–2367.

Dimethyltetrasulfid hat antimikrobielle Eigenschaften, zum Beispiel gegen Staphylococcus aureus.Kim, Jay Wook et al. "Antimicrobial activity of alk(en)yl sulfides found in essential oils of garlic and onion." Food Science and Biotechnology 13.2 (2004): 235–239.

Verwendung Die bei der homolytischen Spaltung von Dimethyltetrasulfid entstehenden Radikale können beispielsweise als Starter für Polymerisationen von Acrylnitril verwendet werden und kann in sehr kleiner Konzentration die Polymerisation von Methylmethacrylat beschleunigen. Daneben können diese Radikale auch Doppelbindungen hydrieren oder isomerisieren.

Nachweis Im 1H-NMR kann Dimethyltetrasulfiden von anderen entsprechenden Oligosulfiden anhand der chemischen Verschiebung unterschieden werden, da eine höhere Zahl an Schwefelatomen in diesen Verbindungen zu einer Tieffeldverschiebung führt. Ein Nachweis mit Gaschromatographie-Massenspektrometrie ist ebenfalls möglich.

Einzelnachweise

Kategorie:Organisches Polysulfid