Die Herzogin von Langeais (Originaltitel: La duchesse de Langeais, ) ist die zweite Erzählung aus der Trilogie Die Geschichte der Dreizehn innerhalb der Menschlichen Komödie von Honoré de Balzac. Das erste Kapitel und der Beginn des zweiten Kapitels wurden im April und Mai 1833 erstmals in der neugegründeten ultraroyalistischen Zeitschrift L’Echo de la jeune France veröffentlicht, der Balzac dann jedoch wegen verlagsseitiger Eigenmächtigkeiten den weiteren Abdruck verweigerte. Kurzbeschreibung Eine junge, verheiratete Herzogin kokettiert mit einem ledigen, in Liebesdingen unerfahrenen Offizier, der durch seine Vergangenheit als Sklave in Afrika exotisch wirkt. Monatelang führt die Herzogin diesen bärbeißigen Offizier an der Nase herum, lehnt seine sexuellen Avancen jedoch letztlich ab, so dass er sie entführt und als Geisel nimmt, sie aber nach einem Zwiegespräch unbehelligt wieder frei lässt. Die Herzogin begreift, dass sie den Offizier liebt, der nun aber seinerseits jeglichen persönlichen Kontakt zu der Herzogin abbricht, so dass die vom Liebeskummer vergrämte Herzogin sich unter falschem Namen in einem spanischen Kloster niederlässt. Unterstützt vom Geheimbund der Dreizehn entführt der Offizier zumindest noch den Leichnam der Herzogin aus dem Kloster. Inhalt Der Marquis Armand de Montriveau, ein zeitweise in Afrika versklavter Offizier, wird im Jahre 1818 im Faubourg Saint-Germain Mittelpunkt der vornehmen aristokratischen Gesellschaft, weil er als exotischer Gast aus seinem Leben und von seinen Taten berichtet. Bei einem dieser gesellschaftlichen Anlässe trifft Montriveau auf die attraktive Herzogin Antoinette de Langeais, die getrennt von ihrem Gatten lebt und von einer Bekannten erfährt, Montriveau sei „Mode.“Honoré de Balzac: Die Herzogin von Langeais. In: Geschichte der Dreizehn. Aufbau-Verlag, Berlin 1976. S. 167–351. Hier S. 216. Antoinette versteht es sich zu vergnügen, ohne jedoch ihren Ruf als ehrbare Ehefrau zu zerstören, „wußte, welchen flüchtigen Wert die Eroberung dieses Mannes barg, beschloß […], Montriveau zu einem ihrer Liebhaber zu machen“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 225. und so ihren Ruf als unwiderstehliche Verführerin zu unterstreichen. Schon nach kurzer Unterhaltung erlaubt Antoinette sich, Montriveau „zu einem Besuch bei mir einzuladen“.Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 227. Montriveau, „ein Mann jungfräulichen Herzens“,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 231. weiß „von der Liebe nichts“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 230. und reagiert übertrieben: Er „floh schleunig aus dem Salon und eilte unter den ersten Anstürmen seines ersten Liebesfiebers nach Hause.“ Bei Montriveaus Besuch schützt Antoinette eine Migräne vor, empfängt ihn aber dennoch „schmachtend auf den Diwan eines dunklen Boudoirs hingegossen“,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 232. was Montriveaus unerfüllte Begierde noch steigert. Antoinette „sah in der Leidenschaft dieses wahrhaft großen Mannes eine vergnügliche Unterhaltung, einen Belang in ihrem belanglosen Leben.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 235. Bei einem der Folgebesuche nimmt Antoinette ihren neuen Verehrer mit auf einen Ball, obwohl er dazu unpassend gekleidet ist; die Bereitschaft, das daraus unweigerlich folgende Getuschel hinzunehmen, interpretiert Montriveau nicht als den Willen, Aufmerksamkeit zu erregen, sondern wie folgt: „Sie liebt mich zweifellos, und gewiß verachtet sie die Welt nicht minder als ich“,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 239. eine Fehlinterpretation, die Antoinette de Langeais mit ihren Worten unterstützt: „Sie lehren mich, die Welt und den Ball zu hassen.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 241. Montriveau verfällt der Herzogin immer mehr: „Überall, wo Frau von Langeais hinging, sah man unvermeidlich Herrn von Montriveau, den manche witzelnd die Ordonnanz der Herzogin nannten.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 242. Der Genuss, den die Herzogin dabei empfindet, dass Montriveau von ihr ermutigt ihr unablässig den Hof macht, wird „nach zwei Monaten emsiger Belagerung“ zu „eine[r] unbestimmte[n] Angst, als sie sah, daß Herr von Montriveau […] den Pariser Schmus ernst nahm“ und ihr Großonkel, der Vitzdom von Pamiers, sie warnt, vor Armand de Montriveau auf der Hut zu sein. „Am Abend nach diesem […] Wort des klugen alten Herrn war sie schroff, ungerecht, nervös, einfach abscheulich gegen Armand, der sie mit engelhafter Sanftmut entwaffnete. […] Sie suchte Streit und fand Beweise der Zuneigung.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 243. Sie mahnt Montriveau zur Vorsicht, macht klar, dass sie die Beziehung als eine nur freundschaftliche ansieht, doch er wirft ihr vor, „grundlos und mutwillig die stillen Hoffnungen zu zerstören, die mein Leben sind.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 244. Antoinette weist darauf hin, dass sie eine verheiratete Frau sei, Montriveau deutet an, dass er einer Gruppe angehöre, die solche Hindernisse leichterhand aus dem Weg schaffen kann: „ich verfüge über eine unbedingtere Macht als der Zar aller Reußen. Ich kann dem Verhängnis befehlen“, womit Montriveau auf seine Verbindungen zum Geheimbund der Dreizehn hindeutet. Antoinette jedoch schließt eine Beseitigung ihres Gatten aus,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 248. gibt Montriveau aber vage Hoffnungen. „Kindlicher nun, als er es je gewesen, ließ er sich zu allen Kindereien hinreißen, die die erste Liebe zur Blüte des Lebens machen.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 251. Die launische Antoinette ändert daraufhin ihr Verhalten: „Jeden Sonntag hörte sie die Messe, fehlte bei keiner Andacht; abends dann tauchte sie ein in die berauschende Wollust, die fortwährend unterdrückte Begierden ihr verursachten. Armand und Frau von Langeais glichen indischen Fakiren, die für ihre Keuschheit durch die Versuchungen belohnt werden, die diese in ihnen weckt“, kultivieren den Genuss, der darin liegt, Genuss zu verzögern und zu beherrschen. „Gegenüber einem Manne, dessen glühende Leidenschaft ungewohnte Empfindungen in ihr wachrief“,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 253. beschwört Antoinette dann christlich-moralische Gründe und „die Schrecken der Religion“ herauf: „Kein noch so beredsamer Kirchenvater vertrat die Sache Gottes jemals besser; nie wurden die Strafen des Allerhöchsten trefflicher gerechtfertigt als von der Stimme der Herzogin.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 252. Die „religiöse Epoche“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 254. des Widerstands Antoinettes gegen Montriveaus Avancen endet nach drei Monaten,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 261. einige Zeit, nachdem Montriveau Antoinette im Beisein ihres Beichtvaters antrifft und Antoinette Montriveau anschließend gesteht, dass der Beichtvater amtsgemäß alles von ihnen wisse, und nicht nur der Beichtvater, sondern auch Gott, woraufhin Montriveau ausruft: „Gott! Gott! ich will allein sein in Ihrem Herzen. Lassen Sie Gott doch nur, wo er ist“.Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 256.

Obwohl Antoinette weiterhin nur mit ihm spielt, bleibt Montriveau geduldig und hartnäckig. „Er hatte die Skrupel der verheirateten Frau und die religiösen Skrupel vollkommen begriffen“ und liebt es, „wenn sie Hindernisse erfand; würde er diese nicht schrittweise beseitigen?“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 262. Antoinette ihrerseits verspürt immer wieder ein Gefühl, das in ihren Augen „erregend genug war, sie zu verderben“, sublimiert dieses Gefühl dadurch, dass sie sich allein oder in Montriveaus Beisein ans Piano setzt: Sie „sang die köstlichsten Weisen der modernen Musik“, beispielsweise Fleuve du Tage, „und täuschte so die Sinnenliebe“. Das mindestens siebenmonatige Liebes-GeplänkelBalzac, Die Herzogin von Langeais, S. 264. endet an einem „köstlichen Abend, dem süßesten Vorspiel, das eine Pariserin je für das, was die Welt einen Fehltritt nennt, betrieb […]; er ging, überglücklich, sie endlich dahin gebracht zu haben, ihm so viele Liebespfänder zu geben, daß es ihm unmöglich schien, hinfort nicht ihr heimlicher Gatte zu werden“.Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 271. Bevor es jedoch zu solch einem potenziell glücklichen Ende kommt, stößt Montriveau auf den Marquis de Ronquerolles, einen Bekannten, „für den er, traf er ihn in den Salons, eine Art Abneigung zu hegen schien“.Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 272. Ronquerolles verlacht Montriveau wegen dessen Gefühlsduselei für „diese hochadelige Kurtisane“, deren Hinhaltetaktik ein Beweis dafür sei, „daß die Frauen unseres Faubourg sich nur zu gern in Liebe baden wie alle anderen; nur wollen sie besitzen, ohne Besitz zu werden“,Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 273. was Montriveau dann feststellen würde, wenn er von Antoinette sexuelle Hingabe einfordere. Während das anderen Paaren vielleicht gelänge, würden Antoinette und Montriveau nach Ronquerolles‘ Einschätzung „beim Abc der Liebe steckenbleiben.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 275. Aufgrund von Ronquerolles‘ sowohl für ihn als auch für Antoinette ehrabschneidenden Behauptungen stürmt Montriveau zu Antoinette und fragt sie, was geschähe, wenn er die Verheißungen der vergangenen Nacht nun einfordere. Antoinette erwidert: „Sie würden mir beweisen, daß ich größtes Unrecht hatte, Ihnen das mindeste zu versprechen, ich wäre nicht so dumm, es einzuhalten, und ich würde sie bitten, mich in Frieden zu lassen,“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 278. woraufhin die Verliebten miteinander brechen und Montriveau droht: „Wenn ich ernsthaft will, wovon wir eben sprachen, werde ich es erhalten.“Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 279. Montriveau wird anschließend zum Gespött der feinen Gesellschaft, sendet allmorgendlich „seine Karte ins Palais Langeais“, taucht aber selbst nicht auf.Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 280–281. „Sein Schweigen steigerte ihre Befürchtungen“.Balzac, Die Herzogin von Langeais, S. 282.