miniatur|300px|Alter Dorfkern von Küsten (Hauptort) Küsten (Aussprache mit langem ü) (von dravänopolabisch tjüste für "Knochen")Wolfgang Jürries: Wendland Lexikon, Band 1 A-K, Köhring Verlag, Lüchow 2000, S. 411. ist eine Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.
Geografie Geografische Lage Küsten liegt im Wendland innerhalb der Biosphärenregion Elbtalaue-WendlandWebseite der Biosphärenregion Elbtalaue-Wendland auf der Grundmoräne des Niederen Drawehn. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Lüchow (Wendland) an, die ihren Verwaltungssitz sieben Kilometer östlich von Küsten in der Stadt Lüchow hat.
Entfernungen
Gemeindegliederung Die Gemeinde Küsten besteht aus folgenden Ortsteilen:
Belitz, Göttien mit Nienhof und Olde-Mühle, Gühlitz, Karmitz, Klein Witzeetze, Krummasel, Küsten, Lübeln, Meuchefitz, Naulitz, Reitze, Saggrian, Sallahn, Schwiepke, Seerau im Drawehn, Süthen, Tolstefanz, Tüschau. Eintrag für Gemeinde Küsten.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2005.Statistisches Landesamt, Bodenfläche 2005 nach tatsächlicher Nutzung in Hektar für Küsten, S. 58 ff.
Geschichte
Frühgeschichte und Mittelalter Die erste Siedlung in Küsten ist für das erste Jahrhundert vor oder nach Christus nachgewiesen. Sie lag südlich von Küsten an der Straße nach Naulitz. Bei einer Ausgrabung wurden ein Getreidesilo, ein Hüttengrundriss, Abfallgruben und Wohngrubenreste entdeckt.Alfred Knöllner: Ein 2000 Jahre alter Getreidesilo, Am Webstuhl der Zeit, Heimatkundliche Beilage der EJZ, 18. November 1959. Aus ähnlicher Zeitstellung stammen Reste und Grundmauern mehrerer Schmelzöfen der frühen Eisenzeit sowie Schlacken und Raseneisenerz, die östlich des Dorfes auf dem Prellerberg gefunden wurden.Friedrich Lange: Alt ist das Schmiedehandwerk im Hannoverschen Wendland, Lüchow 2003, S. 9. Ein Körpergrab in der Gemarkung ist für das 3. bis 4. Jahrhundert datiert worden. Der Bestattete scheint aufgrund der Grabbeigaben ein langobardischer Freier gewesen zu sein.Gerhard Voelkel: Römische Importfunde in unserem Kreise, Am Webstuhl der Zeit, Heimatkundliche Beilage der EJZ, 7. Januar 1958. Insgesamt sind in und um Küsten bisher zwölf frühgeschichtliche Fundstellen entdeckt worden.
Küsten war bereits im Mittelalter ein Kirchort. Der erste Rektor der Kirche ist für 1377 nachgewiesen.Wendland-Lexikon, Heimatkundlicher Arbeitskreis Lüchow-Dannenberg, Seite 413 Die Kirche in Meuchefitz gehörte schon damals zur Pfarre in Küsten.
Neuzeit mini|Dorfplatz von Küsten mit verbliebener Rundlingsbebauung am Südrand und markanter Alteiche Im Winsener Schatzregister von 1450 findet sich das älteste Namensverzeichnis von Küsten. Zehn Hakenhufen bestanden damals und ein Kossater, der in der Zählung als arm bezeichnet wird. Der Kossater lebte außerhalb des Rundlings und die Pfarrstelle war im Rundling. 1548 wurde ein neues Pfarrhaus an der Stelle gebaut, wo bis dahin der Kossater seinen Hof hatte. Dort ist bis heute das Gemeindehaus. 17 Höfner sind im Höferegister von 1564 angegeben.
Während des Dreißigjährigen Krieges litt das Dorf, wie die ganze Region, sowohl unter schwedischen als auch kaiserlichen Truppen. Im Untertanen- und Höferegister des Amtes Lüchow und Warpke wurden 1639 7 Vollhufner, 6 Halbhufner und ein Kossater gezählt. Zu dieser Zeit waren nur auf sechs Höfen Familien, die anderen Höfe waren wüst und abgebrannt. Die Pfarrstelle war abgebrannt und nicht besetzt. Für das ganze Dorf sind keine Pferde und Kühe angegeben worden. Die Pfarrchronik von Küsten berichtet, dass 1643 auf dem Plater Damm 200 Bauern aus der Umgebung, die sich ihnen entgegenstellten, von einem schwedischen Reiterregiment unter dem Obristen Behr getötet worden sind. Eine andere Quelle berichtet, dass 400 Bauern erschlagen wurden. Zitiert in Axel Kahrs: Luchovia-Lüchow-Lutschou, Lüchow 2008, S. 10.
Nach der Dannenberger Schulordnung des Generalsuperintendenten Joachim Hildebrand von 1687 bestand der Schulbezirk Küsten aus den Dörfern Küsten, Süthen, Naulitz und Göttien. Ein eigener Lehrer ist für die Schule ab 1750 nachzuweisen, bis dahin wurde der Unterricht vom Küster der Kirchengemeinde durchgeführt. Das Schulhaus ist 1875 abgebaut und ein neues Gebäude errichtet worden. Meuchefitz hatte in Seerau für die Dörfer seiner Kirchgemeinde lange eine eigene Schule. Nach dem Krieg sind 1684 sind wieder zehn Höfe und ein Kossater im Dorf. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts beschränkte sich das Dorf auf den Rundling südlich der Landstraße.Wendland Lexikon Seite 411f Im Dorf gibt es zu dieser Zeit 13 Höfe, das Pfarrhaus und eine Schule. Die Pfarrstelle ist mit einer Vollhufe, zur Versorgung des Pastors, ausgestattet. In der Franzosenzeit gehörten die vormals kurhannoverschen Dörfer von 1810 bis 1813 im Königreich Westphalen teilweise zum Departement der Elbe und dem Departement der Aller. In dieser Zeit kämpften Küstener in der King’s German Legion weiterhin gegen Napoleons Besetzung bis zur Schlacht bei Waterloo.Otto Puffahrt (Hrsg.): In der Schlacht bei Waterloo gefallene, verwundete und vermisste Soldaten aus der hannoverschen Armee, Lüneburg 2004, S. 7ff.Stephan Freiherr von Welck: Franzosenzeit im Hannoverschen Wendland (1803-1813), 2008 Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover, S. 268f.
Bis ins 19. Jahrhundert wirtschafteten die Bauern des Dorfes auf gemeinsamen Flächen. 1834 wurde in Küsten die Verkoppelung durchgeführt und alle Flächen den Bauern zugeteilt.Alfred Knöllner: Ortsgeschichte von Küsten, Küsten 1955, Seite 27 (nicht veröffentlicht) Als 1878 die Straße von Lüchow nach Uelzen ausgebaut wurde, bemühten sich die Küstener, dass die Straße durch Küsten bzw. ganz nahe am Rundling vorbeiführt (heutige B 493). Bis dahin führte die Landstraße in Küsten von Lüchow nach Granstedt. Die Straße nach Uelzen führte weiter nördlich am Dorf vorbei.Alfred Knöllner: Ortsgeschichte von Küsten, Küsten 1955, Seite 47 Das Dorf entwickelte sich von nun an entlang der Landstraße und darüber hinaus. Nördlich des Weges „Alte Heerstraße“, der frühere Weg nach Uelzen, wird Ende des Jahrhunderts eine Schmiede gegründet, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestand. Die Schmiede ist der Ursprung des Ortsteiles Grünewald, der ursprünglich in der Gemarkung Göttien lag und heute zu Küsten gehört. Eine Schmiedefamilie übernahm 1929 die seit 1815 bis heute bestehende Schmiede in Schwiepke.Friedrich Lange: Alt ist das Schmiedehandwerk im Hannoverschen Wendland, Lüchow 2003, S. 85f. 1885 gründeten Küstener einen Kriegerverein, der bis in die 1930er Jahre bestand.
20. Jahrhundert 1902 wurde in Küsten eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Im Jahre 1900 war bereits eine Handdruckspritze angeschafft worden. Am 19. September 1904 brach abends ein Feuer aus, das 19 Gebäude zerstörte, wobei es sich um die Hälfte des Rundlings handelte. Gegen den Brand waren 27 Spritzen im Einsatz.Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 18. September 1954 Das Dorf wurde danach nicht vollständig beziehungsweise in der traditionellen Bauweise mit Vierständerhäusern wieder aufgebaut. Ein wieder aufgebauter Hof richtet sich seither nicht mehr zum Rundling, sondern zur Chaussee aus und wird in einer prunkvollen Backsteinbauweise der Gründerzeit gebaut. In dem gleichen Jahr wurde in Küsten eine Molkerei an der Straße nach Göttien gegründet, die bis in die 1960er Jahre bestand.Wendland-Lexikon, Band 2, Seite 120f. Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg waren in den umliegenden Dörfern und insbesondere im Dorf Küsten von einer allgemeinen Prosperität gekennzeichnet.Webseite des Rundlingsvereins: Rundlinge - Runde Dörfer im Wendland.
In Küsten und den umliegenden Dörfern war traditionell die Deutsch-Hannoversche Partei stark. Die Herzogin Viktoria Luise wurde noch 1952 mit „allen Ehren“ im Dorf empfangen.eine Fotoserie von dem Besuch Viktoria Luises 1952 in Küsten findet sich im Wendland Archiv. Frühzeitig wählte man hier schon bei freien Wahlen zum Ende der Weimarer Republik mehrheitlich die NSDAP. Küsten war Anfang der 1930er Jahre wie fast der ganze Landkreis eine Hochburg der NSDAP.Axel Kahrs: Machtergreifung und Wahlen in Lüchow-Dannenberg 1928-1933, GEW Kreisverband Lüchow-Dannenberg, Lüchow 1983, Seite 6.
Anzahl der Stimmen im Wahlort Küsten für die letzten drei Reichstagswahlen der Weimarer Republik:
Datum NSDAP SPD DNVP* KPD DVP DHP sonstige 14.09.1930 30 7 4 5 4 28 7 06.11.1932 56 2 12 1 2 11 0 05.03.1933 72 2 12 0 0 8 0
Anzahl der Stimmen in den Wahlorten Tüschau, Sallahn, Karmitz, Krummasel, Tolstefanz, Küsten, Göttien, Naulitz, Gühlitz, Reitze und Lübeln, die das Gebiet der heutigen Gemeinde Küsten abdecken:
Datum NSDAP SPD DNVP* Zentrum KPD DVP DDP Landvolk DHP 06.11.1932 497 44 55 1 12 11 6 14 120 05.03.1933 735 16 62 0 3 3 0 0 105 1933 trat die DNVP als Kampffront Schwarz-Weiß-Rot an.
Im Dorf wurden während des Zweiten Weltkrieges weder durch Luftangriffe noch durch Kampfhandlungen Häuser beschädigt. Soldaten der Wehrmacht wollten vor dem Anrücken der alliierten Soldaten noch eine Panzersperre am Dorfausgang in Richtung Uelzen aufbauen, rückten dann wieder ab, bevor amerikanische Soldaten das Dorf erreichten.Alfred Knöllner: Ortsgeschichte von Küsten, Küsten 1955, Seite 52. Am 23. April 1945 zogen Soldaten des 116. Infanterieregiments der 29. US-Infanteriedivision von Süden kommend durch die Gemeinde zur Elbe und besetzten die Dörfer.Karl-Heinz Schwerdtfeger: Kriegsende im Wendland, Vorstoß der 5. US-Panzerdivision, Band III, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-5605-6, S. 96. Im Dorf waren für einige Wochen nach dem Krieg polnische und ukrainische frühere Zwangsarbeiter als Displaced Persons untergebracht. Mitte Juni 1945 übernahmen britische Soldaten die Besatzungsmacht. Unter den Flüchtlingen, die im Dorf lebten, befand sich auch die Familie des Künstlers Jürgen Goertz.
Ab 1920 bestand in Küsten ein Reitverein. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründet sich 1946 der Sportverein Küsten mit Abteilungen für Handball, Fußball, Leichtathletik, Reiten und Tischtennis. Heute (2014) bietet der Sportverein Fußball, Gymnastik und Kinderturnen sowie Ju-Jutsu an. Erst 1964 erhielt die Feuerwehr in Küsten ein gebrauchtes Löschfahrzeug. Die Freiwillige Feuerwehr Küsten ist inzwischen eine Stützpunktfeuerwehr. Die größten Einsätze der Feuerwehr waren 1975 der Waldbrand im Gartower Forst während des Brandes in der Lüneburger HeideFestschrift zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Küsten, Küsten 2002, S. 23. und die Hochwassereinsätze 2002 sowie 2006 und 2013.
Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Belitz, Göttien, Gühlitz, Karmitz, Krummasel, Küsten, Lübeln, Meuchefitz, Naulitz, Reitze, Sallahn, Schwiepke, Tolstefanz und Tüschau zur Gemeinde Küsten zusammengefasst. Küsten ist heute eine Wohngemeinde. Menschen von Außerhalb des Wendlandes ziehen oft als Selbstständige in die Gemeinde. Eintrag für Gemeinde Küsten.
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Küsten von 1821 bis 2020 nach nebenstehender Tabelle
Jahr OrtKüstenWendland Lexikon Seite 411f GemeindeKüsten 1821 64 1848 133 1885 161 1925 163 1939 132 1950 258 1972 276 1382 1980 399 1301 1990 369 1316 2000 379 1440 2010 367 1391 2020 1340
Politik Die Gemeinde Küsten gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (; 87 KB)Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (; 200 KB)
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Küsten besteht aus 11 Ratsmitgliedern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Die vergangenen Kommunalwahlen ergaben folgende Ergebnisse und Sitzverteilungen: