mini|Friedrich Schütter Friedrich „Fiete“ Schütter (* 4. Januar 1921 in Düsseldorf; † 17. September 1995 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher, Synchronsprecher und Mitbegründer des Ernst-Deutsch-Theaters.
Leben Friedrich Schütter wurde als Sohn von Emilie und Friedrich Schütter geboren. Die Familie wanderte 1924Auswanderung 1922 laut Langen Müller's Schauspielerlexikon der Gegenwart, laut dtv-Theaterlexikon erfolgte die Auswanderung 1925 auf dem Dampfschiff Curvello nach Brasilien aus.Hamburger Passagierlisten 1850–1934, in: www.ancestry,com Als Beruf des Vaters ist in der Hamburger Passagierliste „landwirtschaftlicher Arbeiter“ eingetragen, in São Paulo arbeitete sein Vater als Hotelier. Sohn Friedrich besuchte in Goyaz und São Paulo brasilianische Schulen, bis seine Eltern sich trennten und er 1932 mit seiner Mutter nach Hamburg zurückkehrte und in die Volksschule Berliner Tor absolvierte.Staatsarchiv Hamburg, 221-11 LA 5952. Entnazifizierungsfragebogen (Military Government of German). Zitiert in Friedrich Schütter | Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene 1934 trat er der Hitlerjugend bei. Eine 1937 begonnene Ausbildung als Drogerielehrling brach er ab und wurde 1938 Steward-Assistent bei der Reederei John T. Essberger.Abweichend davon nennt das Munzinger Archiv 1937 bis 1939 eine Lehre im Hotelfach im Unternehmen seines Vaters. Als Stewart der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft bereiste er u. a. Japan, Südafrika, die USA und Brasilien. Wegen des Kriegsausbruchs 1939 kehrte er nach Deutschland zurück.
1940 wurde Friedrich Schütter zur Wehrmacht eingezogen. Er war in Holland und an der Ostfront im Einsatz, bis er nach einer Schussverletzung und Lazarettaufenthalten 1942 als Unteroffizier aus dem Heer entlassen wurde.Ein nicht mehr abrufbares PDF Geschichte des Ernst-Deutsch-Theaters auf dessen Homepage enthielt 2012 die abweichende Information, Schütter habe 1941 bis 1945 als Soldat an der Ostfront gedient und sei mit den Truppen bis in den Kaukasus gekommen. Nach der Entlassung aus dem Wehrdienst erhielt er eine Anstellung bei der Hitlerjugend, hielt zahlreiche Propagandareden und durchlief verschiedene Führungspositionen bis zum Rang des Bannführers in Bergedorf.so in: Randbemerkungen, abgerufen am 11. September 2012. Am 1. September 1943 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1944 aufgenommen (Mitgliedsnummer 9.663.594).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/39971166 Friedrich Schütter lebte zu der Zeit in Kirchwerder bei den Eltern seiner ersten Ehefrau Mally Schnell, der Mutter seiner ältesten Tochter Heike.Mitteilung von Christian Römmer, KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Zitiert in: Friedrich Schütter | Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene Nach Kriegsende war er 15 Monate lang im Internierungslager der britischen Militärregierung Gadeland in Haft. Sein Entnazifizierungsverfahren endete im Oktober 1947 mit der Einstufung als entlastet (Stufe V).Ob er, wie öfter erwähnt, 1946 an der Niedersachsenbühne in Goslar sein Debüt als Schauspieler gab, scheint nicht belegt. (In seinem späteren Leben bezog Friedrich Schütter öffentlich klar Position gegen den Nationalsozialismus wie auch gegen neue rechtsradikale Strömungen, allerdings ohne seine eigene Vergangenheit in der Führungsriege der HJ zu thematisieren.)So z. B. in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost vom 9. Mai 1985. Zitiert in Friedrich Schütter | Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene
Von 1947 bis 1949 nahm er Schauspielunterricht bei Walter Falk und Helmuth Gmelin in Hamburg. 1947 trat er in Hamburg an der Bühne „Die Rampe“ auf, dann am Theater im Zimmer. Ab 1949 gehörte er zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses.
mini|Das private Ernst Deutsch Theater in Hamburg-Mundsburg mit roter Säule auf dem Friedrich-Schütter-Platz. 1951 gründete Schütter zusammen mit dem Schauspieler Wolfgang Borchert (nicht identisch mit dem 1947 verstorbenen Schriftsteller) das Junge Theater in Hamburg. Ziel der beiden Gründer war es vor allem, ein Forum für zeitgenössische Dramatik wie auch eine Bühne für die Nachwuchsförderung zu schaffen. Erste Spielstätte war die historische Brücke in den Großen Bleichen. Von dort ging es 1952 in die Neue Rabenstraße, 1956 in die Marschnerstraße (heute: Theater an der Marschnerstraße) und schließlich 1964 an die Mundsburg. In den 1960er Jahren war Schütter mit der Kostümbildnerin Elisabeth Müller verheiratet, mit der er einen Sohn Friedrich und eine Tochter Friederike hatte.Schütter, Friedrich - Faktenblatt - GND Explorer
Am 22. März 1973, dem vierten Todestag von Ernst Deutsch, wurde das Junge Theater als Reminiszenz an dessen vorangegangene, herausragende Darstellung von Lessings Nathan der Weise in Ernst-Deutsch-Theater umbenannt. Bis zu seinem Tod 1995 war Friedrich Schütter Direktor des Theaters; seine Nachfolge trat seine vierte Ehefrau Isabella Vértes-Schütter, die er 1990 geheiratet hatte, an.Bericht über Isabella Vértes-Schütter auf Abendblatt.de; abgerufen am 11. April 2013 2025 übernahm ihr gemeinsamer Sohn Daniel Schütter gemeinsam mit Ayla Yeginer die Intendanz.
mini|Grab von Friedrich Schütter Bergedorfer Friedhof Abt. 46 GrabNr 81a+81b. Ab den späten 1950er Jahren machte sich Schütter einen Namen als Schauspieler. Er trat in Kinofilmen und unzähligen Fernsehserien auf, so in Stahlnetz, Cliff Dexter, Percy Stuart, Hafenpolizei, Tatort, Schwarz Rot Gold oder Der Landarzt. 1967 sah man ihn als Grigori Jewsejewitsch Sinowjew als einer der Hauptdarsteller in dem fünfteiligen dokumentarischen Fernsehfilm Bürgerkrieg in Rußland mit Nikolaj Rytjkov, Friedrich G. Beckhaus, Hubert Suschka und Albert Venohr in weiteren Hauptrollen – Wolfgang Schleif führte Regie in dieser ZDF-Produktion. 1986 stand er unter der Regie von Edwin Marian in dem Politthriller „Cortuga“ gemeinsam mit Angélique Duvier, Heiner Lauterbach und Sissi Höfferer vor der Kamera.
Eine seiner bekanntesten Rollen war die des Chauffeurs Kröger in Das Erbe der Guldenburgs. Kurz vor seinem Tod spielte er mit der Titelrolle in dem Fernsehfilm Molls Reisen eine seiner wenigen Hauptrollen. Ab 1979 war Schütter in dritter Ehe mit der Schauspielerin Angélique Duvier verheiratet, mit der er auf der Bühne in vielen großen Rollen zu sehen war, so in Antigone, Der kaukasische Kreidekreis, Eurydice oder Mutter Courage. 1987 trennte sich das Paar nach elf gemeinsamen Jahren.
Als Synchronsprecher war Schütter untrennbar mit dem kanadischen Schauspieler Lorne Greene verbunden, den er als Ben Cartwright in Bonanza und auch in Kampfstern Galactica sprach. In der Fernsehserie Magnum sprach er in der Synchronisation der ARD (Originalstimme: Orson Welles) die Figur des Robin Masters. Unvergesslich ist seine sonore Stimme auch durch die Sprechgesangfassung der Desiderata (Segenswünsche) auf seiner Langspielplatte Ein MenschEAN: 0706301587225, Hersteller-Nr.: 0630158722 (1971).
Auch als Hörspielsprecher war er viele Jahre tätig, zunächst beim NWDR Hamburg, dann meist beim NDR und bei Radio Bremen. Darüber hinaus führte er auch Regie bei fünf Mundart-Hörspielen. 1995 erlag Friedrich Schütter einem Krebsleiden. Er wurde auf dem Friedhof in Hamburg-Bergedorf (Abt. 46 GrabNr 81a+81b) beigesetzt.knerger.de: Das Grab von Friedrich Schütter
Schauspieler David Schütter ist sein Enkel.
Ehrungen 1971 erhielt Friedrich Schütter den Ehrenpreis Silberne Maske der Hamburger Volksbühne. 1984 bekam er die Auszeichnung als Ehren-Schleusenwärter. Der Senat der Stadt Hamburg ehrte ihn 1991 mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft.
Der Platz vor dem Ernst-Deutsch-Theater wurde 2002 nach dem Mitbegründer in Friedrich-Schütter-Platz benannt.
Filmografie (Auswahl)
Hörspiele Als Sprecher 1949: Horst-Günther Patzke: Sternschnuppen – Regie: Gustav Burmester (NWDR) 1949: Hans Wolfgang Hillers: Frauen ohne Hafen (Jakob) – Regie: Gustav Burmester (NWDR) 1950: Ernst Schnabel: Ein Tag wie morgen (3. Paar) – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1950: Lucille Fletcher: Der Mann an der Brücke – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1950: Werner Jörg Lüddecke: Unter der grünen Erde – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1950: Kai Andersen, Harro-Heinz Jacobsen: Fünftausend Dollar Belohnung – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1950: R. C. Sherriff: Das Hopkins-Manuskript – Regie: Gustav Burmester (NWDR) 1950: Guntram Prüfer: Fridtjof Nansen – Eine aktuelle europäische Sage – Regie: Curt Becker (NWDR) 1950: Rudolf Kunze: Duval fällt die Treppe rauf – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1950: Axel Eggebrecht: Einer zahlt seine Schuld (Plakatstimme) – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1951: Friedrich Feld: Der Kirschblütenzweig (1. Soldat) – Regie: Detlof Krüger (NWDR) 1951: Gert-Erik Brockhausen: Der Ruf ins Leere – Regie: Hans Lietzau (NWDR) 1951: Heinz Gartmann: Der Weg zum Weltraumschiff – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1951: Axel Eggebrecht: Europa – Traum oder Wirklichkeit – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1951: Johann Wolfgang von Goethe: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand – Regie: Hans Lietzau (NWDR) 1952: Otto Heinrich Kühner: Kasan liegt an der Strecke nach Sibirien (Alessandre) – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1952: Albert Mähl: Der Quickborn (Koopman, Diakon) – Regie: Hans Freundt (NWDR) 1953: Horst Mönnich: Gobsch (Giese, Arbeiter) – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1953: Herrmann Mostar: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: Der Verkehrsunfall (Hartmann) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1953: Marc Connelly: Sonntagsschule für Negerkinder (Die grünen Weiden) (Shem) – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR) 1954: Josef Martin Bauer: Die Sache mit Fadenherr (Angestellter) – Regie: Kurt Reiss (NWDR) 1954: Alexander Sternberg: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: Die verhängnisvollen Strahlen (Freund) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1954: Erich Brautlacht: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: 1,9 pro mille (Sprecher) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1954: Heinrich von Tiedemann: Die Grenze – Protokoll einer halben Stunde (Rolf) – Regie: Gerlach Fiedler (NWDR) 1954: Walter Meckauer: Die Feigenblattgondel – Hörspiel aus dem China unserer Zeit – Regie: Ludwig Cremer (NWDR) 1954: Albert Mähl: Nimm mich mit, Kapitän – Ein niederdeutsches Spiel von Fischen, Film und Fernweh (Most) – Regie: Günter Jansen (NWDR) 1955: Hans Werner Richter: Der Kommandant – Regie: Gerlach Fiedler (NWDR) 1955: Willy Kleemann: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: Recht oder Rache (Sprecher) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1955: Erwin Wickert: Kress wird geheilt (Bill) – Regie: Gustav Burmester (NWDR) 1955: Horst Mönnich: Prozeßakte Vampir (Teil 1, 2) (Männliche Telefonstimme; Stimme) – Regie: Hans Gertberg (NWDR) 1955: Alexander Sternberg: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: Brandserie im Kreis Rechlitz (Sprecher) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1955: Peter Alten: Ungelöste Rätsel der Geschichte; Folge: Die Goldmine des verlorenen Holländers (Apachen-Jim) – Regie: Gerlach Fiedler (NWDR) 1955: Alexander Sternberg: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: Das Bild auf dem Schreibtisch (Referendar) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1956: Alexander Sternberg: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück; Folge: Die Lokomotive in der Tasche (Polizist) – Regie: Gerd Fricke (NWDR) 1957: Gerd Lüpke: Pythagoras ward'n Kerl – Een dummerhaftig Spill (Dr. Stenton) – Regie: Günter Jansen (NDR) 1957: Karl Hermann Cordt: Dat Wunnerkind (Dr. Wagenfeld) – Regie: Günter Jansen (NDR) 1957: Harald Vock: Die Jagd nach dem Täter; Folge 4: Der Tod reist mit dem Zirkus (Polizist) – Regie: S. O. Wagner (NDR) 1957: Walter Teich: Moselfahrt - Eine heitere Reise auf dem Weinfluß (Moselaner) – Regie: Gerda von Uslar (NDR) 1957: Walter Jens: Der Telefonist (Berlin Sommer 1944) – Regie: Hans Rosenhauer (NDR) 1957: Ruth Herrmann: Das Märchen meines Lebens – Zum Andenken an Hans Christian Andersen (Vater) – Regie: Edward Rothe (NDR)