Babeldaob oder Babelthuap,Beide Schreibweisen sind zu finden, erstere wird im offiziellen Sprachgebrauch und z. B. auf der Internet-Seite der Republik Palau verwendet und ist auch im angloamerikanischen Sprachraum gebräuchlich auf älteren Karten auch: Baobeltaob, Baubelthouap, Banbeltbonap, Baberudaobu To, ist die größte Insel des Inselstaats Palau im westlichen Pazifischen Ozean und eine der größten des Archipels der Karolinen.
Geographie mini|Strand in Melekeok mini|Lake Ngardok Mit einer Landfläche von 328 km² ist Babeldaob die größte Insel der Palauinseln, die nördlich des Äquators im Pazifischen Ozean mehr als 2000 km nördlich des Australischen Kontinentes liegen und geographisch zur Inselregion Mikronesien gehören. Die ungefähr nord-süd-orientierte Insel ist rund 45 km lang und bis zu 13 km breit. Entlang großer Teile der Westküste verläuft ein ausgedehntes Barriereriff.
Der überwiegende Teil von Babeldaob besteht aus Gestein vulkanischen Ursprunges, meist Andesit und basaltische Gesteine. Babeldaob hat einige nicht sehr ausgedehnte Küstenebenen, vor allem an den Mündungen der Flüsse. Ansonsten steigt die Landschaft von der Küste zur Inselmitte hin in sanften Wellen an. Das Inselinnere besteht überwiegend aus dicht bewachsenen Hügeln. Die höchste Erhebung mit 242 m ist der Mount Ngerchelchuus im Verwaltungsbezirk Ngardmau im Norden.
Die hohen Regenmengen werden über Flüsse – der längste ist der Ngerdorch River – und zahlreiche kleinere Fließgewässer ins Meer abgeleitet. An einigen Stellen haben sie spektakuläre Wasserfälle hervorgebracht. Auf der Insel gibt es zwei kleine Seen: der Ngardok-See unweit des Städtchens Melekeok im Osten mit 48.000 m² und der Ngerkall Pond im Verwaltungsbezirk Ngaraard mit 4000 m².
Einen schmalen Streifen Sandstrand gibt es bei Melekeok an der Ostküste.
Klima Die Palauinseln haben tropisch-feuchtes Meeresklima. Die Temperatur in den Küstenbereichen von Babeldaob fällt selten unter 23 °C, die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 27 °C. Die Regenfälle sind, wie in den Tropen üblich, kurz und heftig. Die durchschnittlichen Regenmengen liegen zwischen 272 und 531 mm pro Monat.Yimnang Golbuu u. a.: Effects of Land-Use Change on Characteristics and Dynamics of Watershed Discharges in Babeldaob, Palau, Micronesia. In: Journal of Marine Biology. Januar 2011, S. 5. Der meiste Regen fällt im April/Mai sowie in den Wintermonaten, die klimatisch von den nordöstlichen Passatwinden geprägt sind.
Flora und Fauna Auf Babeldaob gibt es ein Naturschutzgebiet – Ngardok Nature Reserve – das den Ngardok-See und dessen Wassereinzugsgebiet umschließt. Es wurde 1997 eingerichtet und umfasst etwa 4 km².
Flora Die ursprüngliche Flora von Babeldaob stammt überwiegend aus Asien. Wegen der größeren Nähe zum Kontinent, der hohen Niederschläge und der fruchtbaren Erde aus Verwitterungsprodukten vulkanischer Gesteine ist der Pflanzenwuchs üppiger und artenreicher als auf den übrigen Inseln Mikronesiens.
Die Küstenvegetation besteht in weiten Teilen der Insel aus Mangrovenwäldern. Neben mehreren Mangrovenarten findet man hier: Horsfieldia amklaal, einen Baum, der zu den Magnolienartigen gehört, Cynometra ramiflora, einen kleinwüchsigen tropischen Baum, und Barringtonia racemosa, einen mittelgroßen Baum aus der Familie der Topffruchtbaumgewächse. In gestörten Bereichen hat sich Hibiscus tiliaceus (Lindenblättriger Eibisch) angesiedelt.Joan E. Canfield: Palau: Diversity and Status of the Native Vegetation of a Unique Pacific Island System. In: Clifford W. Smith (Hrsg.): Cooperative National Park Ressources Studies. University of Hawaii, Department of Botany, Honolulu (HI) 1980, S. 41–51.
Die niedrigen, küstennahen Regionen wurden in den Jahrhunderten der menschlichen Besiedlung völlig umgestaltet, insbesondere im Osten der Insel. Neben Wohnbebauung findet man hier überwiegend Gartenland (Tapioka, Süßkartoffel), Baumkulturen (Brotfrucht, Papaya, Mango, Betelnuss), Kokoshaine und Taro-Felder.Dieter Mueller-Dombois & F. Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer Verlag, New York/Berlin 1998, ISBN 0-387-98285-X, S. 278–281.
Die Höhenlagen bedeckt ein dichter Wald, der jedoch immer wieder von größeren, savannenähnlichen Zonen unterbrochen wird. Dieses Busch- und Grasland ist das Ergebnis umfangreicher Eingriffe der indigenen Bevölkerung in die Umwelt. Die Ureinwohner rodeten und terrassierten die Hügel für den Intensivanbau von Feldfrüchten. Bereits in voreuropäischer Zeit wurden die Anbauflächen weitgehend aufgegeben und es entwickelte sich ein sekundärer, artenarmer Bewuchs mit Büschen und robusten Gräsern.Patrick Vinton Kirch: On the Road of the Winds – An Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact. University of California Press, Berkeley 2000, ISBN 0-520-23461-8.
Die Waldbereiche auf den Höhenlagen sind durch intensiven Holzeinschlag während der japanischen Besatzung beeinträchtigt. Als Sekundärwald haben sich der Baumfarn Cyathea lunulata, Casuarina equisetifolis (Kasuarinen) und Pandanus tectorius (Schraubenbäume) angesiedelt. Ungestörten oder wenig gestörten Bewuchs findet man am ehesten an der Westküste. Dort gibt es noch Restbestände von „typischem“ tropischem Regenwald mit hohen Bäumen, besetzt mit Lianen und Epiphyten, sowie dichtem Farn- und Moosbestand. Zu den verbliebenen indigenen Baumarten gehören: Campnosperma brevipetiolata, Myristica insularis, Alphitonia carolinensis, Atuna racemosa und mehrere Glochidion-Arten, allesamt recht stattliche, landschaftsprägende Bäume.
Fauna Auf Babeldaob gibt es Leistenkrokodile. Die Tiere brüten im Ngardok-See. Die Verbindung mit dem Meer stellt der Ngerdorch River her.
Zwei Arten von Fledermäusen kommen vor: Pteropus muriannus pelewensis, eine früchtefressende Spezies, und Embullonura semicaudata palauensis, die sich von Insekten ernährt. Beide Arten sind endemisch und mittlerweile bedroht, da sie von den Einheimischen gefangen und mit Kokosmilch zu einer Suppe verarbeitet oder zu den Marianen exportiert werden. Eine weitere Art, Pteropus pilosus (Weichhaar-Flughund), ist seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben.G. J. Wiles, J. Engbring und D. Otobed: Abundance, biology, and human exploitation of bats in the Palau Islands. In: Journal of Zoology, Volume 241 (2), Februar 1997, S. 203–227
Geschichte Vorgeschichte Trotz einiger archäologischer Grabungen mit mehreren Radiokarbondatierungen seit den 1990er Jahren ist die Besiedlungsgeschichte der Palauinseln immer noch nicht ausreichend gesichert. Vermutlich haben die Ureinwohner Babeldaob in mehreren Einwanderungswellen erreicht, von den Philippinen, von Indonesien und von anderen melanesischen Inseln. Wann das geschah, ist noch unklar.Atholl Anderson u. a.: Comparative Radiocarbon Dating of Lignite, Pottery, and Charcoal Samples from Babeldaob Island, Republic of Palau. In: Radiocarbon. Vol 47 (1), University of Arizona 2005, S. 1–9.
Bruce Masse, ein Umweltarchäologe am Los Alamos National Laboratory, New Mexico, datiert die Erstbesiedlung von Babeldaob auf die Zeit um die Zeitenwende.W. B. Masse: Radiocarbon dating, sea-level change and the peopling of Belau, Micronesica. In: Micronesica Supplement 2, Hrsg.: University of Guam, 1990, S. 213–230. Das Ergebnis der Datierung eines menschlichen Schädelfragments aus der archäologischen Fundstelle Chelechol ra Orrak auf der Orrak-Insel, einer kleinen Nebeninsel vor dem Dorf Airai im Südosten von Babeldaob, reicht bis 800–890 v. Chr. zurück.Scott M Fitzpatrick: AMS Dating of Human Bone from Palau: New Evidence for a Pre-2000 BP Settelement. In: Radiocarbon. Vol 44 (1), University of Arizona 2002, S. 217–221. Relikte, die bei einem Straßenbauprojekt zu Tage traten, konnten auf 1400 v. Chr. datiert werden.D. J. Welch: Early upland expansion of Palauan settlement. In: Stevenson, Lee & Morin (Hrsg.): Proceedings of the Fifth International Conference on Easter Island and the Pacific. Easter Island Foundation Los Osos, California 2000, S. 164–77. Die Analyse von Sedimentproben im Jahr 2000 aus einem Taro-Feld könnte sogar belegen, dass menschliche Aktivitäten auf Babeldaob bis in das frühe 2. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen.
Über die Frühzeit der Besiedlung ist wenig bekannt, wahrscheinlich wohnten die Ureinwohner zunächst in küstennahen Kleinstsiedlungen und unter Felsüberhängen. Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum im ersten Jahrtausend v. Chr. siedelten die Menschen in einigem Abstand von der Küste, aber immer noch in dem niedrigen Küstenland. Siedlungsreste aus dieser Zeit wurden 1,0–1,5 km vom Küstensaum entfernt gefunden.
Mit der Zeit entwickelte sich eine stratifizierte Stammesgesellschaft, mit Adels-(Groß-)Familien an der Spitze, die sich in starkem Maße auf Männerbünde stützte. Die Männer trafen sich in großen, kunstvoll gebauten Männerhäusern (bai) und waren wahrscheinlich die Organisatoren der arbeitsintensiven Erdbauten. Um das soziale Gleichgewicht zu wahren, gab es in den Dörfern auch Frauenbünde, die aber über keine derart aufwändig gestalteten Versammlungshäuser verfügten und auch deutlich weniger gesellschaftlichen Einfluss hatten.William N. Morgan: Prehistoric Architecture in Micronesia. University of Texas Press, Austin (TX) 1989, ISBN 0-292-76506-1
Der soziale Unterbau organisierte sich in Zentren, größeren Dörfern, die mit kleineren, umliegenden Ansiedlungen Allianzen bildeten, um über eine genügende Anzahl von Kriegern verfügen zu können. Solche Mittelzentren waren Koror, Melekeok, Imeyong, und Imeliik (Aimelik).
mini|Terrassierte Hügel in Zentral-Babeldaob Ab der Zeitenwende erschlossen die Bewohner zunehmend das Inselinnere mittels Brandrodung und wandelten die Hügel großflächig in Anbauterrassen um. In der Zeit zwischen 500 und 1400 n. Chr. wurde auf der gesamten Insel eine beträchtliche Anzahl solcher Terrassenanlagen errichtet, die heute noch landschaftsprägend sind. Die Hügel dienten aber nicht nur landwirtschaftlichen Zwecken, sondern waren auch befestigte Wohnanlagen. Einige der terrassierten Hügel sind an der Spitze abgeflacht und mit Umwallungen (Brustwehren?) befestigt. Es sind große, von einem Kreisgraben umgebene Verteidigungsbauwerke. Der V-förmige Ringgraben des 1996 archäologisch untersuchten Ngerulmud Hill bei Melekeok hatte 100 m Durchmesser, war ursprünglich 7,5 m tief und 4 m breit.Stephen Wickler: Terraces and Villages: Transformations of the Cultural Landscape in Palau. In: Thegn N. Ladefoget, Michael W. Graves (Hrsg.): Pacific Landscapes. Archaeologigal Approaches. Easter Island Foundation, Los Osos 2002, ISBN 1-880636-20-4, S. 65–96.
Die Monumentalität der weithin sichtbaren Terrassenanlagen machte sie zu landschaftsbeherrschenden Strukturen. Das legt nahe, dass sie nicht nur für einen intensivierten Nahrungsanbau errichtet wurden, sondern darüber hinaus Manifestationen des Machtkampfes um die soziopolitische Vormachtstellung zwischen rivalisierenden Gruppen waren. Die räumliche Anordnung lässt vermuten, dass sie auch als Grenzmarker der Stammesgebiete dienten. Ihre Lage mit uneingeschränkter Rundumsicht deutet auf eine Kontroll- und Überwachungsfunktion gegenüber den Dörfern in der Küstenzone hin.
Die Vielzahl und Größe der von Grund auf umgestalteten Erdhügel mit sechs bis acht Terrassen sowie die immense damit verbundene Arbeitsleistung weist auf eine effiziente, durchdachte Organisationsstruktur hin und lässt auf eine beträchtlich höhere Bevölkerungszahl schließen als heute. In älteren Veröffentlichungen wird von einst 40.000 bis 50.000 Bewohnern gesprochen.Meyers Konversationslexikon. 1897, Band 13, S. 429.