Kybisteteres (, Singular , von „sich auf den Kopf stellen, einen Purzelbaum machen“, gelegentlich auch Sprungtänzer genannt) waren in der griechischen Antike Akrobaten oder auch akrobatische Tänzer. Zu deren Darbietungen gehörten Kopf- und Handstände sowie in der Luft ausgeführte Überschläge (Saltos).
Diese akrobatischen Tänzer erscheinen schon bei Homer, der in der Odyssee deren Auftritt bei einem Hochzeitsmahl beschreibt:
Anton Weiher übersetzt die Stelle etwas anders:
Eine ganz ähnliche Stelle findet sich in der Ilias, wobei es nun um das Bildprogramm des von Hephaistos auf Bitte von Thetis hin für Achilleus gefertigten Schildes geht, wozu eine Szene von Jünglingen und Mädchen beim Tanz gehört:
Es gibt einige Unklarheiten in Zusammenhang mit diesen frühen Zeugnissen. Zum einen ist unklar, wie weit zurück die Tradition reicht. So hat man spekulativ die Wurzeln bis ins minoische Kreta mit den bekannten Stierspringern zurückzuverlegen versucht.Charles Picard: Kybistétères anciens et médiévaux. In: Revue Archéologique Sixième Série, Bd. 13 (Januar–Juni 1939), , S. 262f. Zum anderen ist der Kontext der Darbietungen nicht klar, nämlich ob der Auftritt der Kybisteteres Teil von öffentlichen Veranstaltungen oder eher privat war. Ein Hinweis für öffentliche Auftritte als Teil des Agons, also der sportlich-kultischen Wettkämpfe der Griechen, gibt eine pseudo-panathenäische Amphore in Paris (um 540 v. Chr.), die einen Akrobaten zeigt, der auf die Kruppe eines Pferdes springt bzw. darauf balanciert.Amphore pseudo-panathénaïque (De Ridder 243). Vgl. Corpus Vasorum Antiquorum – France 10, Paris, Bibliothèque Nationale (Cabinet des Médailles) 2. Champion, Paris 1931, Taf. 88, 1–4. In späterer Zeit jedenfalls scheinen die Auftritte der Kybisteteres eher privat als Teil von Symposien und Banketten stattgefunden zu haben.
In Xenophons Gastmahl werden Sokrates und die anderen Gäste durch von einer Tänzerin vorgeführte waghalsige Kunststücke mit schwertbesetzten Reifen unterhalten:
Ein Saltoüberschlag gehörte auch zu den von indischen Gauklern der Kaiserzeit vorgeführten Attraktionen ähnlich heutigen Zirkusnummern. In seinem Leben des Apollonios von Tyana beschreibt Flavius Philostratos die Darbietungen bei einem königlichen Bankett:
Literatur Paolo Maria Paciaudi: De athletarum κυβιστήσει in palaestra Graecorum commentarius. Rom 1756.
Einzelnachweise
Kategorie:Akrobatik Kategorie:Geschichte des Tanzes Kategorie:Essen und Trinken (griechische Antike)