Mechlenreuth ist ein Gemeindeteil der Stadt Münchberg im Landkreis Hof (Oberfranken, Bayern).

Geographie Geographische Lage mini|Ortskern Mechlenreuth Die Ortschaft liegt am Rande des Naturparks Fichtelgebirge. Die Nachbarortschaften sind (im Uhrzeigersinn) Münchberg, Weißdorf, Stockenroth-Germersreuth, Großlosnitz, Kleinlosnitz und Mussen. Das Dorf liegt auf einer Höhe von zwei Kilometer südlich der Stadt Münchberg. Im Süden und Osten ist Mechlenreuth von Wäldern umgeben. Im Nordwesten erhebt sich der Kapellenberg, die höchste Erhebung des Dorfgebiets. Er bildet die Grenze zu dem inzwischen mit Münchberg zusammengewachsenen ehemaligen Gemeindeteil Mechlenreuth Nord. Das Zentrum des Dorfs gruppiert sich um einen baumbestandenen Anger mit Dorfteich. Zum Dorf Mechlenreuth gehören auch die Weiler und Einzelhöfe Obere Eiben, Untere Eiben, Umspannwerk Mechlenreuth, Rußhütte, Lohziegelei und Dietelsmühle. mini|Durchschnittlicher Niederschlag von 1961–1990

Klima Durch die Lage des Dorfes in einem Mittelgebirgsraum ist das Klima vergleichsweise kühl und feucht. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa 5 bis 6 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei etwa 926 Millimeter. An der bewaldeten Südseite kommt es durch den Mussenbach in den Herbstmonaten häufig zu Nebelbildung und Überschwemmungen. Da sich Mechlenreuth in HanglageBayerisches Vermessungsamt: , abgerufen am 19. Januar 2009 befindet, bleibt das Dorf, mit Ausnahme der Dietelsmühle, meist verschont.

Geologie Geologisch liegt Mechlenreuth auf der Münchberger Gneismasse, einer Hochebene inmitten des so genannten Alten Gebirges Nordostbayerns. Die Böden dieser Region bestehen in erster Linie aus den Gesteinen Amphibolit, Gneis und PhyllitBayerisches Landesamt für Umwelt: (PDF-Dokument), abgerufen am 19. Januar 2009. Sie unterscheiden sich damit von denen des nahen Fichtelgebirges, welche zu etwa 40 %Universität Erlangen: , abgerufen am 19. Januar 2009 aus Granit bestehen.

Geschichte Namensentwicklung Es ist nicht eindeutig geklärt, wie der Name entstand. In den Urkunden variieren Schreibweise und Aussprache. 1140 soll der Ort „Metilesreut“ genannt worden sein. Eine Namensanalyse der Universität Regensburg vom 6. März 2009E-Mail durch Dr. Wolfgang Janka; Bohemicum der Universität Regensburg; 6. März 2009. ergab, dass sich aufgrund des fehlenden Dentals d oder t nach l und insbesondere durch die Genitivendung es auf den Namen eines Mannes schließen lässt. Mechlenreuth hat in späteren Erwähnungen allerdings den weiblichen Grundnamen Mechthild.vgl.: Auszug aus der Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 22 Autor Matthias Simon 1953 S. 162–164. Die Endung -reuth bzw. -rut deutet auf eine Rodung hin. Aus verschiedenen Beurkundungen gehen folgende Ortsnamens-Varianten hervor: 1185 „Methildereute“ 1220 „Methildruth“ 1323 „Mahilttrütt“ 1323 „Mechtildereuth“ 1373 „Mechthildenreuth“ 1408 „Mechthildenreuth“ 1517 „Mechlareuth“ 1523 „Mechelereuth“ 1720 „Meglareuth“

Geschichte Man nimmt an, dass es sich bei Mechlenreuth ursprünglich um eine Raststelle von Mönchen oder ostwärtsstrebenden Kolonisatoren handelte.

Eine erste urkundliche Erwähnung des Dorfes wurde ursprünglich in dem Bericht über die frommen Werke des Bischofs Otto von Bamberg um das Jahr 1140 vermutet.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt. S. 31–32.Relatio de piis operibus Ottonis episcopi Babenbergensis (Bericht über die frommen Werke des Bischofs Otto von Bamberg). Diese Quelle liegt als Edition in der Reihe Monumenta Germaniae Historica, Scriptores Bd. XV, S 1165 Zeile 1 (ed. Oswald Holder-Egger) in der Staatsbibliothek Bamberg vor. Die dort genannten Erwerbungen fanden von 1102 bis zum Tod Ottos 1139 statt. Durch neue Erkenntnisse des Historischen Forums Gefrees im März 2009 wurde die bis dahin geltende Ersterwähnung des Dorfes als „Metilesreuth“ durch eine Namensanalyse widerlegt. Offiziell galt bis dahin das Jahr 1102 als früheste urkundliche Erwähnung.Stadt Münchberg führt die 2002 erfolgte 900-Jahrfeier Mechlenreuths in der offiziellen StadtchronikStadt Münchberg: , abgerufen am 19. Januar 2009 Man ging ursprünglich bei der Wahl dieses Jahres davon aus, dass Mechlenreuth bereits vor 1140 seit langem bestanden haben muss.

Am 9. März 1185 bestätigte der damalige Papst Lucius III. den Zisterziensermönchen des Klosters Waldsassen ihre Besitztümer, wobei auch Mechlenreuth genannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings unklar, über welchen Besitz die Mönche im Dorf verfügten. Erst im Jahr 1220 wurde ein Gut bestätigt.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt. S. 79. Dieses von Waldsassen sehr abgelegene Gut wurde vermutlich den Mönchen von damaligen Ministerialen geschenkt und als Raststätte benutzt. Das Mutterkloster von Waldsassen, Kloster Volkenroda, war etwa sieben, das Kloster Waldsassen zwei Tagesmärsche von Mechlenreuth entfernt. Die weiteren Besitzverhältnisse im Dorf sind unbekannt. Der Heimatforscher Karl Dietel ging davon aus, dass das Gebiet um Münchberg zwischen 1220 und 1240 von den Herren von Sparneck übernommen wurde.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt. S. 99–101. Die vermutlichen Vorbesitzer, die Walpoten, sollen das Gebiet noch vor 1240 verlassen haben.

In einer Urkunde von König Ludwig IV. vom 7. März 1323 wurden erstmals Rechte der Sparnecker am Dorf bestätigt. Mechlenreuth tritt darin als Reichslehen auf. Eigentümer des Dorfes war König Ludwig, der es den Herren von Sparneck zu Lehen gab. Mit der Urkunde wurde auf Wunsch von Johannes von Sparneck Mechlenreuth an die Brüder Eberhardt und Ulrich von Bindlach übergeben. Ab dem Jahr 1400 ist das Gut des Klosters Waldsassen in Mechlenreuth nicht mehr in deren Salbuch vermerkt. Ein burggräfliches Register über Gericht und Stadt Münchberg zählte im Jahr 1408 zehn Höfe in Mechlenreuth auf,Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt. S. 133–136. wovon neun die Sparnecker besaßen. Die Bindlacher Rechte an Mechlenreuth bestanden nicht mehr. Das verbliebene Gut gehörte dem Kloster Himmelkron, wahrscheinlich als Schenkung der Ordensbrüder aus Waldsassen, sofern sie es nicht in Zahlung gegeben hatten. Der Sparnecker Besitz im Dorf war nach wie vor Reichslehen. Durch die Krönung Ludwigs zum Kaiser gingen die Rechte am Dorf später auf Kaiser Sigmund über. Am 16. April 1418 übergab dieser den Herren von Sparneck seine Güter als Lehen.

Bedingt durch den ab 1523 sinkenden Einfluss des Sparnecker Adelsgeschlechtes und den Verlust ihrer meisten Burgen und Ländereien waren sie zu Verkäufen gezwungen. So beschlossen die Brüder Wolf und Georg von Sparneck Güter, darunter auch Mechlenreuth, an die Markgrafen Georg und Albrecht von Brandenburg-Kulmbach (Fürstentum Bayreuth) zu veräußern, die sie ihrem Amt Münchberg einverleibten. In der Verkaufsurkunde, datiert auf den 13. November 1537, wurden insgesamt zwölf Höfe, eine Herberge, verschiedene Teiche sowie eine ehemals eingefriedete Edelmannsbehausung erwähnt.Karl Dietel: Münchberg. Geschichte einer Amts- und Industriestadt. S. 176–177. Für das Reichslehen bestätigte Kaiser Karl V. den Verkauf einige Jahre später am 24. März 1541. Die Lehensherrschaft ging an die Markgrafen über.

Als Teil des Amtes Münchberg gehörte Mechlenreuth zum Fürstentum Bayreuth. Im Dreißigjährigen Krieg gab es anfänglich aufgrund der Neutralitätserklärung des Markgrafen Christian keine direkten Kriegshandlungen. Schon bald aber wurden Musterungen abgehalten, um ein Gegengewicht zu den bevorstehenden Truppendurchmärschen zu schaffen. Hierbei waren vermutlich auch die Bürger aus Mechlenreuth in der Pflicht. Die Lage änderte sich erst grundlegend, als im Jahre 1631 die Neutralität aufgegeben wurde. Verschiedene Konfliktparteien zogen in der Folge durch das Gebiet. Sowohl die Verbündeten als auch der Feind gingen mit der örtlichen Bevölkerung gleichermaßen grausam um. Immer wieder war von Einquartierungen, Raub und Mord die Rede. Aus den Kirchenbüchern dieser Zeit geht hervor, dass mehrere Todesopfer aus Mechlenreuth zu beklagen waren. Ein Beispiel war der am 11. Februar 1633 vom Feind „beschädigte“ Hans Fischer. Ein Verzeichnis vom September 1635, der Spezialextrakt der Hauptmannschaft Hof, zählt im Amt Münchberg „40 Witwen und angehörig 13 Kinder, 76 Vollwaisen, 46 abgebrannte Häuser sowie 113 ödliegende Höfe, Häuser und Güter“ auf. Die Zahlen geben auch ungefähr die Situation im Dorf Mechlenreuth wieder. Mit dem Westfälischen Frieden endete dieses dunkle Kapitel der Dorfgeschichte.

mini|Territorium des Fürstentums Bayreuth (1791) Im Jahr 1791 wurde das Gebiet mit einem Geheimvertrag an den preußischen Staat verkauft. Während des Vierten Koalitionskrieges drangen am 8. Oktober 1806 Napoléons Truppen auf ihrem Vormarsch nach Nordosten ins Münchberger Gebiet ein, nachdem die Preußen unter General Bogislav von Tauentzien abgezogen waren. Nach vernichtenden Niederlagen Preußens musste 1807 im Frieden von Tilsit das Fürstentum Bayreuth an das französische Kaiserreich abgetreten werden. Unter Beibehaltung der preußischen Verwaltungsstrukturen wurde es zunächst einer französischen Militärverwaltung unterstellt und im anschließenden Fünften Koalitionskrieg kurzfristig von Österreich besetzt. In dieser Zeit hatte man erneut unter Truppendurchzügen zu leiden. Nach der Niederlage Österreichs und dem Frieden von Schönbrunn hatten die Franzosen das Gebiet wieder unter Kontrolle. Am 30. Juni 1810 endete die Existenz des Fürstentums Bayreuth und Mechlenreuth gehörte von da an zum Königreich Bayern. Vom Jahr 1818 bis 1837 war Mechlenreuth Teil der Ruralgemeinde Kleinlosnitz.

1837 entstand die Ruralgemeinde Mechlenreuth. Zu dieser gehörten die Orte Dietelmühle, Käshütte, Mussen, Schweinsbach, Obere Eiben, Rußhütte und Untere Eiben. In den beiden Weltkriegen starben 57 Menschen aus der Gemeinde, 23 davon im Ersten und 34 im Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1945 marschierten amerikanische Streitkräfte in Mechlenreuth ein. Kurz darauf löste Karl Gräf Karl Wolfrum als Bürgermeister ab. Zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene wurden der Gemeinde, die zur amerikanischen Besatzungszone gehörte, zugewiesen. Durch die Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 gehörte die Gemeinde Mechlenreuth politisch zum Freistaat Bayern. In dieser Zeit entstand als Neubaugebiet der Gemeindeteil Mechlenreuth-Nord an der ehemaligen Kreisstraße MÜB 2 (heute HO 18) von Münchberg nach Sparneck. Er hat derzeit etwa 330 Einwohner. Umfangreiche Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen fanden in der Gemeinde in den 1960er-Jahren statt.

Im Rahmen der bayerischen Gebietsreform gab es Bestrebungen, die Gemeinde Mechlenreuth nach Münchberg einzugliedern. Der Gemeinderat gab dazu am 22. Februar 1972 sein prinzipielles Einverständnis. Wegen der guten finanziellen Lage wurde aber beschlossen, mit diesem Schritt noch einige Jahre zu warten, um bereits begonnene oder geplante Aufgaben abzuschließen. Am 1. Mai 1978 erfolgte dann die Eingemeindung nach Münchberg. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde eine Fläche von 982 Hektar. Vom 27. bis 28. Juli 2002 feierte Mechlenreuth das 900-jährige Bestehen des Dorfes.

mini|Beispielhafter Rekonstruktionsversuch eines Turmhügels

Kapelle und Turmhügel Im Mittelalter stand auf dem Nordosthang des Kapellenbergs vermutlich eine Kapelle. Der Überlieferung nach wurde sie auf einer ehemaligen Wasserquelle erbaut. Über ihren Schutzpatron ist nichts bekannt. Die Kapelle soll nach Zell gehört haben und von dort bei Prozessionen aufgesucht worden sein. Eine Bodenmulde in der Nähe des heutigen Kriegerdenkmals kennzeichnet noch den ehemaligen Standort.Karl Dietel: Aus der Geschichte des Dorfes Mechlenreuth: Das Dorf und seine Bewohner