Christopher Henry Scholz (* 25. Februar 1943 in Pasadena) ist ein US-amerikanischer Geologe und Physiker, der durch seine Arbeiten über Erdbeben internationale Bekanntheit erlangte. Von ihm stammt das bedeutende Lehrbuch The Mechanics of Earthquakes and Faulting.
Persönliches Christopher Scholz wuchs in Kalifornien auf und ist jetzt mit Yoshiko Scholz verheiratet. Bereits mit 9 Jahren war er von Erdbeben fasziniert und wollte ihrem Entstehen auf den Grund gehen, da er von Erwachsenen keine befriedigende Antwort erhielt.
Akademischer Werdegang Christopher Scholz machte seinen Bachelor (B. Sc.) im Jahr 1964 auf dem Gebiet der Ingenieurgeologie an der University of Nevada, Reno. In Reno hatte er bereits auch Tektonik und Seismologie belegt. Er erwarb seinen Doktortitel (Ph. D.) im Jahr 1967 am Massachusetts Institute of Technology mit einer Arbeit über Haarrisse (Englisch microfractures) in unter Spannung stehenden Gesteinen.
In den Jahren 1967 und 1968 arbeitete Christopher Scholz als Postdoc im Seismic Laboratory (Seismiklabor) am Caltech in Pasadena. Im Jahr 1968 schloss er sich dem Forscherteam am Lamont-Doherty Earth Observatory (LDEO) der Columbia University in Palisades an. Am LDEO wurde er im Jahr 1973 Associate Professor und dann 1977 Professor.
Scholz war einer der ersten, der die Disziplinen Ingenieurgeologie und Physik miteinander kombinierte, um zu einem besseren Verständnis von tektonischen Platten zu gelangen und dem Entstehungsprozess von Erdbeben auf die Spur zu kommen.
Lehrtätigkeit Christopher Scholz hielt im Jahr 1995 Vorlesungen am Collège de France in Paris und war 2015 Gastvorlesender am Forschungsinstitut für Erdbeben an der Universität Tokio.
Forschung Die Forschungen von Christopher Scholz konzentrieren sich auf die spröde Deformation der oberen Erdkruste – kurzzeitig mittels geophysikalischer Untersuchungen von Erdbeben und langzeitig mittels bruchmechanischer Experimente. Hierzu gehören auch Felsmechanik, Geländeaufnahmen von Verwerfungen und generell theoretische Studien. In seinem Forschungsgebiet hat Christopher Scholz zusammen mit Fachkollegen und Studenten bisher über 300 wissenschaftliche Arbeiten verfasst.
Bereits in seinen frühen Forschungsarbeiten konnte Christopher Scholz zeigen, dass felsmechanische Verformungsexperimente im Labor zu den tatsächlichen Deformationen in der Erdkruste in direktem Bezug standen. Es dauerte nicht lange, bis er seine im Felslabor gewonnenen Erkenntnisse benutzte, um die Verteilungen von Spannungsakkumulationen bei großen Subduktionsbeben nachzuvollziehen. In den siebziger Jahren entwickelte er für die Erdbebenvorhersage sein Dilatanz-Diffusions-Modell. Mit ihm waren Seismologen in der Lage, die im Gestein auftretenden Auswirkungen vor und während eines Bebens zu untersuchen. Aus ihm gingen sodann regionale seismische Risikokarten hervor, die von Erdbebenforschungseinrichtungen wie dem Southern California Earthquake Center und anderen entwickelt wurden. Die Karten beruhen auf geologischen Beobachtungen an Verwerfungen (und berücksichtigen beispielsweise ihre Länge und ihre Versatzgeschwindigkeit), woraus sich wiederum die räumliche Verteilung von Erdbeben und ihre Größenordnung ableiten lässt.
Praktische Erfahrungen Christopher Scholz hat an mehreren seismisch aktiven Feldstationen gearbeitet, so in Äthiopien, Botswana, im Iran, in Island, Japan, Kalifornien, Malawi und Neuseeland.
Science-Fiction Christopher Scholz schrieb 2014 sogar einen Science-Fiction-Roman mit dem Titel Stick-Slip über ein hypothetisches und katastrophales Erdbeben unterhalb der Kaskadenkette.
Mitgliedschaften und Auszeichnungen Christopher Scholz gehört der American Geophysical Union an. In den Jahren 1975 bis 1977 war er Sloan Research Fellow. Scholz ist Preisträger der Murchison-Medaille, verliehen im Jahr 2005 von der Geological Society of London, sowie seit 2016 Preisträger der Harry-Fielding-Reid-Medaille, vergeben von der Seismological Society of America. Im Jahr 2023 wurde Scholz wegen seiner Pionierarbeiten – experimentelle als auch theoretische Studien an Verwerfungen und auf dem Gebiet der Erdbebenmechanik – in die National Academy of Engineering gewählt.
Veröffentlichungen 60er Jahre
Mit William Francis Brace und B. W. Paulding:
Mit T. J. Fitch:
Mit M. Wyss und S. W. Smith:
70er Jahre
80er Jahre
90er Jahre
2000er Jahre
Mit C. Spyropoulos und B. E. Shaw:
2010er Jahre
Mit Y. J. Tan und F. Albino:
Siehe auch William Francis Brace James Douglas Byerlee Erdbeben Erdkruste Felsmechanik San-Andreas-Verwerfung Scherzone Verwerfung (Geologie)
Einzelnachweise
Kategorie:Geologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Geologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Mann Kategorie:Erdbeben Kategorie:Geophysik Kategorie:Tektonik