Eine Brigade ist in modernen Streitkräften der kleinste Großverband des Heeres. Aufgrund seiner Organisation, Personalstärke und Ausrüstung ist er in der Lage, operative Aufgaben (ohne substantielle Verstärkungen) selbständig zu lösen.
Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein bestanden Brigaden meist aus zwei Regimentern derselben Waffengattung ohne Kampfunterstützungstruppen oder Ähnlichem.
Herkunft des Begriffs Der Begriff ist seit Anfang des 17. Jahrhunderts in der deutschen Militärsprache belegt. Er stammt vom italienischen Wort brigata („Trupp, Abteilung“), was wiederum von briga („Zank, Streit“) hergeleitet wird; Brigade bezeichnet daher ursprünglich einen Streithaufen.
Im zivilen Bereich bürgerte sich der Begriff nach 1945 in der DDR als Bezeichnung für eine Abteilung eines Betriebes ein (Planungs-Brigade, Reinigungs-Brigade und so weiter, siehe sozialistische Brigade). Dies ist dem Russischen entlehnt, wo das Wort als in dieser Bedeutung seit den 1920er Jahren nachweisbar ist. Seit der Wiedervereinigung ist diese Bedeutung aus dem deutschen Wortschatz wieder verschwunden.
Geschichte Als „Erfinder“ der Brigade mag der Schwedenkönig Gustav Adolf II. gelten, der 2–3 Regimenter zu einer Brigade zusammenstellte, ohne anfangs eine permanente Einteilung seiner Truppen damit zu bezwecken. Als er in der Schlacht von Demmin (1630) seine neue Brigade-Aufstellung erprobt hatte, hielt er es in administrativer und disziplinarischer Hinsicht für zweckmäßig, auch neben dem Gefecht eine ähnliche Zusammenstellung beizubehalten.
Dieses Beispiel machte bald Schule, ab dem 18. Jahrhundert nannte man „Brigade“ eine Anzahl (meist zwei bis drei) von taktischen Einheiten derselben Waffengattung. So bestand eine Infanterie-Brigade aus zwei bis drei Infanterie-Regimentern, die Kavallerie-Brigade aus zwei bis drei Kavallerie-Regimentern und die Artillerie-Brigade aus mehreren Batterien. In Friedenszeiten existierten diese Brigaden (und andere höhere Formationen wie Divisionen oder Korps) jedoch nicht, die größte Formation in Friedenszeiten blieb das Regiment; erst in Kriegszeiten wurden gegebenenfalls Brigadestäbe aufgestellt.
Ab Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich dies: Brigadestäbe bestanden jetzt schon im Frieden, die Brigade umfasste üblicherweise zwei, selten drei Regimenter derselben Waffengattung. Lediglich in Großbritannien gliederte man die Kriegsformationen in vielen Fällen nicht in Regimenter: So bestand im Ersten Weltkrieg die britische Infanterie-Brigade aus vier Infanterie-Bataillonen (meist verschiedener Regimenter), die Feldartillerie-Brigade aus zwei oder drei Batterien.
Nur sehr selten (und meist nur vorübergehend) gab es sogenannte „gemischte Brigaden“, bei denen üblicherweise zwei Infanterie-Regimentern ein bis zwei Schwadronen Kavallerie vorübergehend zugeteilt wurden. Grundsätzlich vermied man indessen derartige die Kampfkraft des Armeekorps zersplitternden Gliederungen.
Deutschland Preußische Armee
Reichswehr In den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges hatte die deutsche Infanterie-Division nur noch drei Regimenter, die in einer Infanterie-Brigade zusammengefasst waren, weitere Brigaden gab es auf Divisionsebene nicht mehr. Die Stärke des Brigadestabes (Kommandeur, üblicherweise Generalmajor), Adjutant (Hauptmann oder Leutnant), Ordonnanzoffizier (Leutnant), Schreiber (Unteroffizier) sowie 9 Mannschaftsdienstgrade (meist Offiziersburschen und Fahrer) zeigte bereits, dass diese Kommandostelle allmählich bedeutungslos wurde. Umso mehr scheint es zu überraschen, dass es in der Reichswehr wieder entsprechende Kommandostellen gab: Sie hießen allerdings nicht „Brigade“, sondern „Infanterieführer“ und „Artillerieführer“ und hatten neben einem Generalmajor oder Oberst drei Stabsoffiziere, davon mindestens einen GeneralstabsoffizierRanglisten des Reichsheeres 1923 bis 1932: Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Mittler-Verlag, Berlin 1925. Rangliste des Deutschen Reichsheeres 1926. Mittler & Sohn, Berlin 1926.. Dies war durch die Siegermächte ausdrücklich gestattet.Bei den Ententemächten waren die Stäbe viel größer und personalreicher als in Deutschland, wo man sich bemühte, Stäbe klein zu halten, um so Befehlsketten zu minimieren. Auf Seiten der Siegermächte konnte man sich nicht vorstellen, wie ein Stab ohne mindestens drei weitere Stabsoffiziere zum Führen einer Brigade überhaupt in der Lage sein könne, vergleiche hierzu Tatsächlich verbargen sich hinter den Bezeichnungen Infanterie- und Artillerieführer jedoch verkappte Divisionsstäbe, mit deren Hilfe man im Falle eines gegnerischen Angriffs weitere Divisionen aufstellen wollte, wobei man für das übrige Personal zumindest für die nächsten 10 bis 20 Jahre noch auf zahlreiche im Ersten Weltkrieg gediente Soldaten zurückgreifen konnte.
Wehrmacht Mit Schöpfung der Wehrmacht 1935 wurden zunächst die 7 Infanterie- und 7 Artillerieführer – wie geplant – aufgelöst und zur Aufstellung von Divisionsstäben verwendet. Jede dieser 14 neu gebildeten Infanterie-Divisionen hatte drei Infanterie-Regimenter und ein Feldartillerie-Regiment, dazu sollte bei weiterer Aufrüstung ein schweres Artillerie-Regiment und eine Beobachtungsabteilung stoßen. Um innerhalb der Divisionen für Infanterie und Artillerie die erforderlichen Waffenvorgesetzten zu schaffen, waren erneut je Division dem Brigadestab vergleichbare Stellen zu schaffen, welche die Bezeichnung Infanteriekommandeur und Artilleriekommandeur erhielten. Sie waren bis 1939 noch nicht vollständig für jede Division aufgestelltVergleiche und wurden bei Mobilmachung 1939 anderer Verwendung zugeführt.
Daneben gliederte sich eine Panzerdivision in eine Panzerbrigade (zu zwei Panzerregimentern) und eine Schützenbrigade (zu zwei Schützenregimentern), auch die 1. leichte Division hatte eine Schützenbrigade. Ferner gab es ab 1938 eine selbständige Kavalleriebrigade (zu zwei Reiterregimentern und einer Radfahr-Abteilung). Nach Ende des Frankreichsfeldzuges wurden die Panzerbrigaden aufgelöst, die Panzerdivision hatte ab jetzt nur noch ein Panzerregiment (allerdings zu drei statt bisher zwei Panzerabteilungen).
Auch in der Folgezeit sind in der Wehrmacht immer wieder – üblicherweise nur vorübergehend für kurze Zeit – Brigaden (meist aus zwei Regimentern einer und derselben Waffengattung) errichtet worden, die dann entweder zu Divisionen ausgebaut oder sehr schnell wieder aufgelöst wurden. Nur wenige dieser Aufstellungen waren gemischte Brigaden, die bekannteste hiervon dürfte die Schnelle Brigade West gewesen sein, aus der dann die 21. Panzer-Division wieder errichtet wurde.
Bundeswehr Sieht man von einigen wenigen konzeptionell ähnlich aufgestellten Regimentern und Kommandos ab, ist die Brigade in der Bundeswehr der kleinste aus mehreren Truppengattungen organisch zusammengesetzte Großverband. Vor allem die Mischung aus verschiedenen Truppenteilen der Kampftruppe und der Kampfunterstützungstruppe ist charakteristisch für die meisten Brigaden. Dadurch sind klassische Brigaden zum selbstständig geführten Gefecht der verbundenen Waffen mit eigenen Truppenteilen befähigt.
Die übergeordnete Führungsebene einer Brigade ist häufig die Division. Brigaden können aber auch anderen Großverbänden nachgeordnet sein. Die nachgeordnete Ebene ist das Regiment oder das Bataillon. Daneben unterstehen vielen Brigaden zur Führungsunterstützung selbstständige Kompanien, die als Brigadeeinheiten bezeichnet werden. Über die gesamte Geschichte der Bundeswehr betrachtet, bestand eine Brigade je nach Typus aus rund 1500 bis 5000 Soldaten. Im deutschen Heer sind einer Panzergrenadier-, Panzer- oder Gebirgsjägerbrigade in der Regel drei bis fünf Bataillone und selbständige Kompanien unterstellt;Die Brigaden der Stabilisierungskräfte und Kräfte zur Lageaufklärung ähnlich gliedert sich die Deutsch-Französische Brigade. Die Luftlandebrigade gliedert sich ähnlich in Fallschirmjägerregimenter und Brigadeeinheiten.
Führung und Unterstellung Kommandeur einer Brigade ist meist ein Brigadegeneral. Nicht unüblich ist jedoch, dass ein Brigadekommandeur seinen Dienstposten zunächst als Oberst antritt und erst danach zum Brigadegeneral befördert wird. Vor allem kleinere Brigaden, nicht aktive Brigaden oder Brigaden, die einer Division nachgeordnet waren, konnten teils dauerhaft durch einen Oberst kommandiert werden. Der Brigadekommandeur wird neben seinem Stab meist durch einen Offizier im Dienstgrad Oberst oder Oberstleutnant als Stellvertreter unterstützt, der gleichzeitig in der Regel Kommandeur der Brigadeeinheiten ist.
Unterstellt sind der Brigade dabei in der Regel Bataillone der Kampftruppe, der Kampfunterstützungstruppen, der Heeresaufklärungstruppe und der Heereslogistiktruppen sowie eine Stabs- und Versorgungskompanie und gegebenenfalls weitere Brigadeeinheiten der Kampfunterstützung, Einsatzunterstützung oder Führungsunterstützung. Mehrere Brigaden sind einer Division unterstellt.
Kampfunterstützungstruppen wie Pioniere und Heeresflieger, aber auch Logistikverbände können zur übergeordneten Führung von speziellen Aufgaben dauerhaft ebenfalls zu Brigaden zusammengefasst werden, um je nach Lage stärkere oder geringere Anteile der unterstellten Truppen an die Kampftruppenbrigaden oder Divisionen zu unterstellen.
Geschichte Heeresstruktur 2 Sieht man von zwei in der Heeresstruktur 1 nur kurzzeitig zur Aufstellung späterer Divisionen aufgestellten Brigaden ab (eine Luftlandebrigade, eine Gebirgsbrigade), entstanden die ersten Brigaden der Bundeswehr im Wesentlichen durch Umgliederung und Umbenennung aus den in der Heeresstruktur 1 zunächst aufgestellten Kampfgruppen. Die Neugliederung in Brigaden entsprach dem NATO-weiten Gliederungskonzept. Jede der geplanten zwölf Divisionen sollte drei Kampftruppenbrigaden führen, so dass insgesamt 36 Kampftruppenbrigaden aufgestellt wurden. Die tatsächliche Aufstellung zog sich aber bis 1975 (Heeresstruktur 3) hin.
Heeresstruktur 3 Auffälligste Neuerung in Bezug auf die Brigaden war die Umgliederung einiger Brigaden in Jägerbrigaden und die Umgliederung der Fallschirmjägerbrigaden in Luftlandebrigaden. Während die Luftlandebrigaden Bestand haben sollten, wurden die Jägerbrigaden nach dieser Heeresstruktur zunächst aufgegeben. Erst in den 1990ern wurde die Jägerbrigade 37 neu aufgestellt, die aber auch nicht lange Bestand haben sollte.
Heeresstruktur 4 Im Territorialheer wurden Anfang der 1980er Jahre ähnlich gegliederte Heimatschutzbrigaden aufgestellt, die den Kern der ansonsten vor allem infanteristisch geprägten Heimatschutztruppe bilden sollten.