Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 1970 war das 30. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und fand am 1. Jänner 1970 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins statt. Dirigiert wurde es zum 16. Mal von Willi Boskovsky, der diese Institution 1941 schon als Konzertmeister der Wiener Philharmoniker mit ins Leben gerufen hatte.

Zusammenfassung Streng genommen war es das 31. Konzert zum Jahreswechsel – denn zur Jahreswende 1939/40 gab es bereits ein Außerordentliches Konzert der Wiener Philharmoniker, welches allerdings am Silvesterabend 1939 stattfand –, aber erst seit 1946 – seit dem erstmaligen Dirigat von Josef Krips – trägt das Konzert den Titel Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker: Unter diesem Namen war es das nunmehr 25. mit diesem Titel. Willi Boskovsky stand, wie bereits seit 1955 auf Grund seiner einstimmigen Wahl durch die Orchestermitglieder als ständiger Dirigent des Neujahrskonzertes am Pult. Willi Boskovsky bleibt in Erinnerung, dass er das Konzert im Wesentlichen mit seinem Geigenbogen leitete und seine Violine, vornehmlich in die Hüfte gestützt (ansonsten lag sie griffbereit auf einem kleinen Tischchen neben dem Dirigierpult), immer wieder ans Kinn nahm, um seinen eigenen Schwung in das Orchester zu übertragen, er nutzte nur selten einen Dirigentenstab.Kurt Dieman-Dichtl: Wiens goldener Klang. Geschichten um die Wiener Philharmoniker und ihr Neujahrskonzert. Amalthea, Wien 1996. ISBN 3-85002-391-5, S. 87–88. Insoweit übernahm er die Dirigierpraxis der Strauss-Familie, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschte.

Einzelne Musikstücke wurden wieder mit Ballettaufnahmen unterlegt: Es tanzten Mitglieder des Balletts der Volksoper Wien, die Choreographie übernahm erneut die Ballettmeisterin Dia Luca.Kurt Dieman: Seid umschlungen, Millionen: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, S. 174.

Das Konzert wurde mit seinem zweiten Teil im Fernsehen übertragen, die Produktion übernahmen erstmals der Österreichische Rundfunk (ORF) und das Zweite Deutsches Fernsehen (ZDF) gemeinsam, die Regie führte erneut Hermann Lanske. Es war das fünfte Neujahrskonzert, dessen zweiter Teil in Kooperation von Eurovision (für diesen Verbund war es die elfte Übertragung) und Intervision, dem Fernsehverbund der damaligen sozialistischen Staaten, im Fernsehen übertragen wurde. Ausgestrahlt wurde das Neujahrskonzert 1970 über Eurovision neben Österreich in Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, in Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Jugoslawien, der Niederlande, Norwegen, in Portugal, Schweden, Spanien und der Schweiz:Über Intervision waren 1969 dabei: ČSSR, DDR, Polen, Rumänien und Ungarn.Die Fernsehübertragung erfolgte erstmals nach Australien, das war gleichzeitig die erste Übertragung in einen Staat (bzw. Kontinent) außerhalb Europas.Kurt Dieman: Seid umschlungen, Millionen: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, S. 203. Es wurde demzufolge in 22 Staaten original ausgestrahlt.

Programm 1. Teil Johann Strauss (Sohn): Ouvertüre zur Operette Indigo und die vierzig Räuber Josef Strauss: Aquarellen, Walzer, op. 258 Josef Strauss: Extempore, Polka française, op. 241 Johann Strauss (Sohn): Stadt und Land, Polka mazur, op. 322 Josef Strauss: Plappermäulchen (Musikalischer Scherz), Polka schnell, op. 245 Joseph Lanner: Die Romantiker, Walzer, op. 167 Johann Strauss (Sohn): Klänge der Heimat, Csárdás aus Die Fledermaus, o. op.*

2. Teil Johann Strauss (Sohn): Ouvertüre zur Operette Prinz Methusalem Johann Strauss (Sohn): Tausend und eine Nacht, Walzer, op. 346 Josef Strauss: Heiterer Muth, Polka française, op. 281 Josef Strauss: Ohne Sorgen, Polka schnell, op. 133 Johann Strauss (Sohn) und Josef Strauss: Pizzicato-Polka Johann Strauss (Sohn), Josef Strauss und Eduard Strauß: Schützen-Quadrille* Eduard Strauß: Mit Extrapost, Polka schnell, op. 259* Johann Strauss (Sohn): Seid umschlungen, Millionen, Walzer, op. 443 Johann Strauss (Sohn): Demolirer-Polka, op. 269 Johann Strauss (Sohn): Leichtes Blut, Polka schnell, op. 319

Zugaben Johann Strauss (Sohn): Vergnügungszug, Polka schnell, op. 281 Johann Strauss (Sohn): An der schönen blauen Donau, Walzer, op. 314 Johann Strauss (Vater): Radetzky-Marsch, op. 228

Werkliste und Reihenfolge sind der Website der Wiener Philharmoniker entnommen.Wiener Philharmoniker: Neujahrskonzert 1970, abgerufen am 14. Mai 2023. Mit * gekennzeichnete Werke standen erstmals in einem Programm eines Neujahrskonzertes.Kurt Dieman-Dichtl: Wiens goldener Klang. Geschichten um die Wiener Philharmoniker und ihr Neujahrskonzert. Amalthea, Wien 1996. ISBN 3-85002-391-5, S. 145–149.

Besetzung (Auswahl) Willi Boskovsky, Dirigent Wiener Philharmoniker

Literatur Kurt Dieman: Seid umschlungen, Millionen: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, ISBN 978-3-215-05116-6. Kurt Dieman-Dichtl: Wiens goldener Klang. Geschichten um die Wiener Philharmoniker und ihr Neujahrskonzert. Amalthea, Wien 1996. ISBN 3-85002-391-5.

Weblinks Das Programm des Neujahrskonzerts 1970 auf wienerphilharmoniker.at

Einzelnachweise

#1970 Kategorie:Musikalische Veranstaltung 1970