Julius Ernst Rautenstein (* vor 1600 in Lauenburg; † 1659 oder 1660 in Stettin) war ein deutscher Organist und Komponist.

Leben Rautenstein entstammte einer illegitimen Seitenlinie der Herzöge von Sachsen-Lauenburg. Außereheliche Nachkommen dieses als sehr liederlich geltenden FürstenhausesWolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage. Band 2. 4. Auflage. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1843, S. 713; . trugen häufig die Namen „Rautenkrantz“ oder „Rautenstein“ (der Rautenkranz war Teil des Wappens der Herzöge). Julius Ernst war der jüngere Sohn von Moritz von Sachsen-Lauenburg mit dessen langjähriger Geliebter Gisela von Sachsen verh. Tschammer, die ihrerseits auch schon einer illegitimen Seitenlinie des Fürstenhauses entstammte.Christopher von Warnstedt: Die von Rautenkrantz, von Rautenstein und von Sachsen, außereheliche Seitenlinien der Herzöge von Sachsen-Lauenburg. In: Lauenburgische Heimat. 1979, , S. 1–15; regesta-imperii.de.Darstellung bei Ascania, s. unter Nr. 6 a

Rautenstein wirkte vor 1617 als Organist in Kroppenstedt, von 1617 bis 1626 an St. Martini in Halberstadt und von 1626 bis 1636 an den Kirchen St. Benedikti und St. Servatii in Quedlinburg.Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler. 3. Theil. Leipzig 1813, Sp. 803; . 1637 empfahl ihn sein Bruder Moritz als Marienorganist an der Liebfrauenkirche nach Bremen.Amalie Arnheim: Aus dem Bremer Musikleben im 17. Jahrhundert. In: Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft. 12, 1910–11, S. 369–416, hier: S. 389; . Er ist bis 1641 als Organist der Ratskirche nachweisbar.Uwe Pape, Winfried Topp: Orgeln und Orgelbauer in Bremen. Pape, 2003, ISBN 3-921140-64-1, S. 184; . Um 1645 wurde er Organist an der Marienkirche (Stettin). 1648 nannte er sich „Hoff-Organist“.

Rautenstein wird zur Stettiner Kantatenschule gezählt. Seine im Druck erschienenen Werke sind durchwegs Gelegenheitsmusiken, also Werke, die für einen bestimmten Anlass wie einer Hochzeit oder einem Begräbnis in Auftrag gegeben wurden, meist Kantaten oder Arien.

Werke Epithalamion, à 5, »Veni in hortum meum« (26. Oktober 1617) Hochzeitlicher Gesang, à 8, »Wie ein Jüngling« (1617) Canticum in honorem nuptiarum, à 5, »Tota pulchra es« (23. November 1618) Canticum in sacrum nuptiale, à 8, »Tota pulchra es« (1619) Christlicher und Fürstlicher Tauff-Seuftzer »Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen« (1633) Hans-Georg Hofmann: Höfische Musik am Zerbster Hof vor Johann Friedrich Fasch. In: Konstanze Musketa, Barbara M. Reul (Hrsg.): Johann Friedrich Fasch und sein Wirken für Zerbst. Internationale Fasch-Gesellschaft Zerbst, 1997, ISBN 3-910192-62-9, S. 46–58, hier S. 47; . »Ich sucht des Nachts«; »Herr, wie lang«; »Zion spricht« (stets à 2). In N. Duncker, Fasciculus secundus, Goslar 1637. , »Ich sucht des Nachts«, à 2, in LB Dresden (umfangreicher als das gleichtextierte Konzert v. 1637 und z. T. stark abweichend) Freuden Gesangk (Dialog »nach italienischer Concertenart«), à 3 (Hochzeit von Herzog Jakob Kettler von Kurland und Luise Charlotte von Brandenburg, 9. Oktober 1645). Sterbens Seufftzer (»Motet«), à 6 (4. Januar 1647) Musikalischer Neujahrswunsch: Christlicher Seelen Verlangen (»Concertz weise«), à 10/11 (1. Januar 1648). Hochzeit Motet, à 12 (5. Februar 1649) Erlangter Seelen-Wunsch (»in contrapuncto simplici …«), à 4, »Meiner Seelen letztes sehnen« (5. August 1650) Letzte Seuffzer (»Gesänglein«), à 4 (19. März 1652) Begierlicher Seelen-Wunsch (»Motet«), à 8, »Herr, wenn ich nur dich hab allein« (10. März 1653) Leichen-Arien (1653, zit. v. Johann Gottfried WaltherJohann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon oder Musicalische Bibliothec … Wolffgang Deer, Leipzig 1732, S. 514; .). Threnen und Traur-Lied (»Madrigal«), à 5, »Die mit Tränen säen« (6. März 1654) 117. Psalm à 6 Ratsmusik: Acclamation (»auff Madrigalen art«), »O höchster Gott«.

Literatur

Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1903, S. 139 f.; . Burkhardt Köhler: Pommersche Musikkultur in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mit einer Bibliographie pommerscher Musikalien (= Deutsche Musik im Osten. 11). Academia, St. Augustin 1997, ISBN 3-88345-725-6, Anhang II, S. 435–438. Joachim Kremer: Gelegenheitsmusik im interregionalen Vergleich. In: Peter Tenhaef (Hrsg.): Gelegenheitsmusik im Ostseeraum vom 16. bis 18. Jahrhundert. Frank & Timme, Berlin 2015, ISBN 978-3-7329-0126-5, S. 115–132, hier: S. 129; . Werner Schwarz, Franz Kessler, Helmut Scheunchen: Musikgeschichte Pommerns, Ostpreussens und der baltischen Lande. Laumann, Dülmen 1989, ISBN 3-87466-120-2, S. 22; . Peter Tenhaef: Die Stettiner Kantatenschule. In: Ekkehard Ochs (Hrsg.): Stettiner Komponisten (= Greifswalder Beiträge zur Musikwissenschaft, 11). P. Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-51108-6, S. 67–75, petertenhaef.de (Microsoft Word .doc-Datei; 52,5 KB).

Weblinks

Normdatensatz zu Julius Ernst Rautenstein im RISM Julius Ernst Rautenstein, Gelegenheitsmusik des Ostseeraums vom 16. bis 18. Jahrhundert

Einzelnachweise

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