Der Architekt des Sultans (Originaltitel: The architect's apprentice) ist ein historischer Roman von Elif Shafak. Im Jahre 2013 zuerst in der türkischen Übersetzung von Shafak und Omca Korugan bei Doğan veröffentlicht (Titel: Ustam ve Ben),Neslihan Güler Uğur: Representations of sexual trauma and the potential for recovery. The case of Elif Şafak’s trauma fiction. (Dissertation.) Universiteit Leiden, Leiden 2020. S. 20. (pdf). erschien das englischsprachige Original im Jahre 2014 bei Viking Press. Im Jahre 2015 folgte im Verlag Kein & Aber die deutschsprachige Übersetzung von Michaela Grabinger.
Kurzbeschreibung Vor dem Hintergrund des auf dem Höhepunkt seiner Macht stehenden Osmanischen Reiches schildert der Roman den gesellschaftlichen Aufstieg eines einfachen anatolischen, sich als Inder ausgebenden jungen Mannes und „rekonstruiert das Leben, die Arbeit und die Zeit des berühmtesten Architekten des Osmanischen Reiches, Sinan.“„Shafak’s historical fiction reconstructs the life, work and times of the Ottoman Empire’s most famous architect, Sinan.“ – Jay Prosser: The invisible dome and the unbuilt bridge. Contemporary fiction and the mythologies of Ottoman architecture. In: Memory Studies. Jg. 12, Nr. 5, 2019, , S. 514–530. Hier S. 2. (pdf).
Inhalt Vorausblende „Istanbul, 22. Dezember 1574“ Der über vierzigjährige „Elefantenführer und Bauzeichner“Elif Shafak: Der Architekt des Sultans. Roman. 3. Auflage. Kein & Aber, Zürich 2015. ISBN 978-3-0369-5715-9. S. 13–14. Jahan arbeitet in der Menagerie des Topkapı-Palastes an Bauplänen, als seine Aufmerksamkeit erst durch die Unruhe der dortigen Menagerie-Tiere abgelenkt wird, ehe „der unmenschlich gellende Schrei einer Frau“ aus dem Palast-Innern kommt.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 19. Jahan dringt klammheimlich in das Palast-Innere vor, wird Zeuge, wie die im Auftrag des neuen Sultans Murad getöteten Sultans-Geschwister weggeschafft werden sollen, wird beinahe ertappt,Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 23. doch sein aus anderem Anlass in den Palast geholter Meister, der Architekt Sinan, gibt Jahan ein Alibi: Er hätte Jahan mitgenommen, da man mit dem Alter hilfsbedürftiger würde.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 36. Erster Teil „Vor dem Meister“ (1537/40) Der kaum zwölfjährigeShafak, Der Architekt des Sultans, S. 41. Jahan, der vor seinem brutalen Stiefvater auf See geflohen ist,Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 42. reist an Bord eines Schiffes des für den osmanischen Sultan auf Kaper fahrenden Captain Gareth, wo Jahan sich um den im Laderaum befindlichen weißen Indischen Elefanten Chota kümmert, ohne dessen Elefantenführer zu sein, und während der Fahrt „Skizzen vom Schiff und von den Matrosen“ fertigt.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 46. Gareth fordert unter Androhung von Gewalt von Jahan, nach der Ankunft als angeblicher Elefantenführer mit Chota in die Menagerie des Istanbuler Sultans-Palastes einzuziehen: „Der Palast steckt voller Gold und Juwelen. Ein Paradies für Diebe“, fordert Gareth den Jungen auf, für ihn zu stehlen.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 47. Im Palast beobachtet alsbald eine „geheimnisvolle Schnüfflerin“ aus einem Strauchwerk heraus Jahan bei dessen Arbeit mit Chota. Jahan „ließ sich so bereitwillig beobachten, und sie ging dabei so verstohlen vor, dass beide nie auch nur ein Wort gewechselt hätten, wäre ihr nicht eines Tages eine Wespe zu nahe gekommen“; bei der Flucht vor dem Stechinsekt entpuppt sich die „geheimnisvolle Schnüfflerin“ als die Sultans-Tochter Mihrimah,Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 70–71. die etwas älter als Jahan istShafak, Der Architekt des Sultans, S. 72. und anschließend immer wieder in Begleitung ihrer wegen einer Asthmaerkrankung notorisch nach Verbascumrauch riechenden Kinderfrau Hesna Khatun heimlich zu Chota und Jahan geht.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 75. Jahan erzählt Mihrimah seine teilweise wahre, teilweise erfundene Lebensgeschichte und heimst so anscheinend ihre Bewunderung ein.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 77–99. „Bezaubert und betört von ihrer Zuneigung, stand Jahan da.“Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 101. Allerdings taucht nicht nur Mihrimah bei Jahan und Chota auf, sondern eines Tages auch deren Mutter Hürrem, „die von allen gehasst und jeglicher Lästereien für würdig empfunden wurde“Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 65. und „eine große Schwäche für Kuriositäten“ hat.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 66. Hürrem erkundigt sich, was der weiße Elefant Besonderes könne. Jahan fürchtet, das Tier könne in Ungnade fallen, weil es keine Kunststücke beherrscht, und damit auch er selbst, getreu dem Schicksal aller Tierwärter: „Gediehen die Tiere, erging es auch ihnen gut; fielen die Tiere in Ungnade, galt dasselbe für sie.“Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 70. Der verzweifelte Jahan behauptet daher, Chota sei eigentlich ein Kriegselefant, woraufhin Hürrem meint, dann könne Chota in einem bald bevorstehenden Krieg kämpfen.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 115. In Windeseile bereitet Jahan den Elefanten für den Krieg vor und geht mit ihm auf den Feldzug gegen „Schwarz-Bogdanien“ (das Fürstentum Moldau),Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 117. der jedoch an der Überquerung des Pruth zu scheitern droht.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 125. Zweiter Teil „Der Meister“ (1538 bis 1557) Nachdem drei Brückenbauversuche am Pruth fehlschlugen, beauftragt Sultan Süleyman den Militäringenieur Sinan mit einem weiteren Versuch. Jahan kommt auf die Idee, wenn er für Sinan arbeitete, „käme er den Reichtümern des Sultans ganz nahe. Alle sprachen davon, dass der Herrscher Truhen voller Münzen und Edelsteine mitgenommen hatte, um diejenigen zu belohnen, die sich auf dem Schlachtfeld als besonders mutig erwiesen.“Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 131. Jahan dient Sinan den Elefanten Chota als Bauelefant anShafak, Der Architekt des Sultans, S. 132. und nimmt an Sinans Erfolg teil, aber auch an der anschließenden, traumatisierenden Schlacht.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 146. Nachdem Jahan und Chota mit dem siegreichen Heer nach Istanbul zurückgekehrt sind, hat Hürrem eine neue Idee, die Jahan erneut „unbehaglich zumute“ werden lässt: Chota soll anlässlich einer Prinzenbeschneidung auftreten.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 157. Die nach wie vor heimlich in die Menagerie kommende Mihrimah hilft Jahan dabei, Chota dafür Kunststücke beizubringen.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 159. Bei der Feierlichkeit spießt der durch die ungewohnten Anforderungen überforderte Elefant zur Erheiterung Süleymans den Turban des Großwesirs Lüfti Pascha auf, mit dem Sinan sich auf dem Bogdanien-Feldzug verkracht hatte, Lüfti lässt auf Chota schießen, doch Jahan fängt den Pfeil mit seinem Körper ab.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 176–177. Wegen des gemeinsamen Gegners Lüfti und wegen Jahans zeichnerischer Begabung nimmt Sinan Jahan als Lehrling auf.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 181. Das Lüfti-Problem erledigt sich, weil Lüfti seine Frau (eine Schwester des Sultans) schlägt, geschieden und entlassen wird.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 188. Als erstes hilft Jahan beim Bau der Şehzade-Moschee mit,Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 194. hat dabei aber keine Möglichkeit, Geld für Captain Gareth beiseite zu schaffen, sieht eines Januars eine weibliche Wasserleiche treiben. „Nach der Kleidung und dem Halsschmuck zu urteilen, kam sie aus einem wohlhabenden Haus, vielleicht sogar aus dem Palast.“Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 202. Um an den Schmuck zu gelangen, lenkt Jahan Chota ins Wasser, Chota bleibt im Schlamm stecken, doch beide werden von dem Roma-Trupp eines gewissen Balaban gerettet, der bärbeißig meint, sie hätten selbst eine Elefantenkuh und wären nur um des schönen Elefanten Chota willen eingeschritten;Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 202–203. die Elefantenkuh Balabans verschafft später auch dem erstmals brünstigen Chota Abhilfe.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 247. Mit dem nächsten Auftrag des Teams um Sinan, dem Bau der Süleymaniye-Moschee,Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 207. beginnt eine Unfall-Serie, der mehrfach Sinan zum Opfer zu fallen droht. Nachdem Jahans große Liebe Mihrimah mit Rüstem, dem Dritten Wesir des Reichs, verlobt wurde,Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 253. wird der bekümmerte Jahan zusammen mit dem Sinan-Schüler Davud auf Fortbildungsreise nach Rom geschickt wird, um den noch unfertigen Petersdom zu studieren.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 254. Auf der Rückreise steigen Jahan und Davud auf dem Landweg gen Edirne in einem Gasthof ab. „Als Jahan und Davud am nächsten Morgen erwachten, hatte man sie beraubt“, als einzige Reisende im Gasthof.Shafak, Der Architekt des Sultans, S. 272. Dritter Teil „Die Kuppel“ (1562 bis 1580)