Der Künstlerfonds des Süddeutschen Rundfunks war eine von 1951 bis ca. 1983 aktive freiwillige Initiative der Stuttgarter Rundfunkanstalt zur Unterstützung von Künstlern, die in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) aus rassischen oder politischen Gründen verfolgt wurden und ins Ausland emigriert waren.

Geschichte Der Süddeutsche Rundfunk (SDR) war von 1949 bis 1998 die Landesrundfunkanstalt für den nördlichen Teil Baden-Württembergs. Hauptsitz war Stuttgart. Sein Nachfolger ist der Südwestrundfunk (SWR). Der Fonds wurde am 1. September 1951 gegründet. Ihm flossen Erlöse aus dem damals neuen „Werbefunk“ zu. Es war eine freiwillige Leistung der ARD-Anstalt. Zweck des Fonds war es, Not leidende deutsche Kulturschaffende im Ausland zu unterstützen. Dazu zählten Musiker, Komponisten, Tänzer, Maler, Bildhauer, Fotografen, Theater- und Filmleute, Schriftsteller, Journalisten, Forscher und Gelehrte. Ein hoher Prozentsatz der Stipendienempfänger waren jüdische Künstler, vor allem in den USA.

Für die Verteilung der Mittel wurden „Richtlinien für die Verteilung von Mitteln aus dem Künstlerfonds des Süddeutschen Rundfunks“ aufgestellt. In der Fassung vom 8. Oktober 1951 hieß es:

Sein Initiator und Gründer war der SDR-Verwaltungsdirektor Friedrich Müller. Die Vorschläge und Begründungen wurden über in der Künstlerszene gut vernetzte Vertrauensleute bereitgestellt, etwa Rudolf Pechel oder Karl Adler. Über die Verteilung entschied ein Ausschuss, der am 5. Februar 1952 erstmals tagte.

Jedes Jahr zahlte der Fonds „Ehrengaben“ in einer Gesamtsumme von 48.000 DM aus, jeweils in persönlichen Stipendien zu 300, 500 oder 600 Mark, in Ausnahmefällen auch höhere Summen. In den ersten zwölf Jahren zahlte der Künstlerfonds etwa 680 Stipendien aus.Matthias Pasdzierny: „Der Ozean, der mich seit jener Zeit von dem Geburtslande trennte, hat wieder zwei Ufer …“ Der Künstlerfonds des Süddeutschen Rundfunk und das deutsch-jüdische Musikerexil. In: Kulturelle Räume und ästhetische Universalität – Musik und Musiker im Exil. Hrsg.: Claus-Dieter Krohn, Dörte Schmidt. edition text + kritik, München 2008, S. 195–232, hier S. 202, 208. ARD/ZDF Sharebox. (PDF); doi:10.1515/9783112423004-012 Die damals bedeutende Summe und hohe Zahl der Empfänger „dürften die Aktion zu einem der größten nicht staatlich organisierten Wiedergutmachungsvorhaben in Deutschland gemacht haben“, konkludiert der Exilforscher Matthias Pasdzierny.Matthias Pasdzierny: „Der Ozean, der mich seit jener Zeit von dem Geburtslande trennte, hat wieder zwei Ufer …“ Der Künstlerfonds des Süddeutschen Rundfunk und das deutsch-jüdische Musikerexil. In: Kulturelle Räume und ästhetische Universalität – Musik und Musiker im Exil. Hrsg.: Claus-Dieter Krohn, Dörte Schmidt. edition text + kritik, München 2008, S. 195–232, hier S. 195. ARD/ZDF Sharebox. (PDF); doi:10.1515/9783112423004-012

Empfänger der Ehrengabe (Auswahl) Stefan Auber Max Barth Else Bassermann Walter A. Berendsohn Paul Celan (Annahme verweigert) Benedikt Fred Dolbin Alfred Döblin Erich Fried Rosy Geiger-Kullmann Oskar Maria Graf Kurt Hiller Ernst Kanitz Erich Katz Theodor Kramer Bruno Krauskopf Rudi Lesser Richard May Walter Mehring Ludwig Meidner Ludwig Misch Ernst Morgan Rudolf Nelson Jacob Picard Lili Réthi Paul Riesenfeld Nelly Sachs Hans Sahl Heinrich Schalit Rosa Schapire Vally Weigl Conrad Westphal Alfred Wiener Stephan Wolpe

Archiv Das Stuttgarter Unternehmensarchiv in der Hauptabteilung Information, Dokumentation und Archive des Südwestrundfunks und des Saarländischen Rundfunks bewahrt die Akten, Protokolle, Tätigkeitsberichte und Dankschreiben der Exilanten auf. Dort sind Recherchen zu den Preisträgern und dem Auswahlverfahren möglich.

Literatur Matthias Pasdzierny: „Der Ozean, der mich seit jener Zeit von dem Geburtslande trennte, hat wieder zwei Ufer …“ Der Künstlerfonds des Süddeutschen Rundfunk und das deutsch-jüdische Musikerexil. In: Kulturelle Räume und ästhetische Universalität – Musik und Musiker im Exil. Hrsg.: Claus-Dieter Krohn, Dörte Schmidt. edition text + kritik, München 2008, S. 195–232. ARD/ZDF Sharebox. (PDF); doi:10.1515/9783112423004-012 Hans-Ulrich Wagner: Zwischen Sündenfall und Wiedergutmachung. Oder: Wie der „Werbefunk“ mäzenatisch tätig wurde. In: Tiefenschärfe, Zentrum für Medien und Medienkultur / Medienzentrum FB 07 Universität Hamburg, 2003; SLM . (PDF) Universität Hamburg.

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