mini|hochkant|Altes Rathaus

Völklingen ist eine an der Saar gelegene Mittelstadt mit ca. 40.000 Einwohnern. Sie ist nach Saarbrücken die zweitgrößte Stadt im Regionalverband Saarbrücken und gemessen an der Einwohnerzahl die viertgrößte Stadt des Saarlandes.

Die Stadt war und ist stark durch die Montanindustrie geprägt. Sie ist Sitz der Saarstahl AG. Weithin bekannt ist Völklingen durch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Die Völklinger Hütte ist weltweit das einzige Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung, das vollständig erhalten ist. Seit 1994 zählt es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Geografie Geografische Lage Völklingen liegt am Ufer der Saar, wenige Kilometer westlich der Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Stadtteile links der Saar gehören zur Warndt-Region und grenzen an Frankreich. Im Stadtteil Wehrden mündet die Rossel, in Völklingen der Köllerbach in die Saar.

Die Nachbarstädte/-orte sind (im Uhrzeigersinn): Püttlingen, Saarbrücken, Großrosseln, Freyming-Merlebach (F), Saint-Avold (F), L’Hôpital (F), Carling (F), Creutzwald (F), Wadgassen und Bous.

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 679 mm und liegt damit im mittleren Drittel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. 36 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der April; am meisten regnet es im November. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,5 mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel.

Stadtteile Das Stadtgebiet von Völklingen gliedert sich in zehn Stadtteile. Nach dem Alphabet sind das Fenne, Fürstenhausen, Geislautern, Heidstock, Innenstadt, Lauterbach, Ludweiler, Luisenthal, Röchlinghöhe und Wehrden.

Gemäß den Bestimmungen des Kommunalselbstverwaltungsgesetzes wurden mit Völklingen, Ludweiler und Lauterbach in Völklingen 3 Gemeindebezirke gebildet. Für jeden dieser Gemeindebezirke ist ein Ortsrat zu wählen. Deren Anliegen gegenüber der Stadt werden durch einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher vertreten. +StadtteilFläche in km²Einwohner per 30. Juni 2024davon AusländerAusländeranteil in ProzentBeispielbildFenne93229035,8110x110pxFürstenhausen2.47155522,54110x110pxGeislautern3.18355617,5110x110pxHeidstock4.49162413,9Stadtmitte13.7214.90835,8110x110pxLauterbach18,83259431210,6110x110pxLudweiler20,25.8205739,9110x110pxLuisenthal1.90559531,2110x110pxRöchlinghöhe1.3171027,7110x110pxWehrden5.1981.51229,1110x110pxGesamt67,141.63210.02724,1

Geschichte Frühgeschichte und Antike

Völklingen gehört zu den ältesten Siedlungen im Saarland, schon 1940 wurde dort der etwa 120.000 Jahre alte Faustkeil von Ludweiler entdeckt.

In keltischer Zeit war die fruchtbare Talaue zwischen den Einmündungen der Rossel und des Köllerbaches in die Saar besiedelt, und in römischer Zeit war hier ein Knotenpunkt für die regionalen Verkehrs- und Wirtschaftsströme.

Mittelalter Fränkische Besiedelung

Im frühen Mittelalter zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert wurde der Marktflecken bei der ersten Besiedelungswelle der Franken zu einem Zentrum der umliegenden Bauerngehöfte. In Völklingen lag das neben Saarbrücken und Wadgassen bedeutendste Königsgut an der Saar. Hier trafen sich zwei Straßen: Die vom Köllertal zur Saar verlaufende Route mit der alten Römerstraße von Saarbrücken nach Trier. So erhielt Völklingen Bedeutung in der fränkischen Verwaltung, Gerichtsbarkeit und der Ausübung von Herrschaftsrechten.

Erste urkundliche Erwähnungen

Völklingen wurde am 27. Oktober 822 als „Fulcolingas“ (abgeleitet vom germanischen Rufnamen Fulko, neuhochdeutsch Volko) erstmals in einer Urkunde des Durandis, des Vizekanzlers Ludwigs des Frommen erwähnt. Der Bau der Völklinger Kirche St. Martin fällt noch in die Karolingerzeit und bezeugt die Funktion des Ortes als zentralem Kirchplatz. Ein zweites Dokument vom 14. April 999 überliefert, dass Kaiser Otto III. das Gut Fulquelinga zusammen mit der Burg Saarbrücken und dem Warndt dem Bischof Adalbero II. von Metz zu Lehen gab, der wiederum die Grafen des unteren Saargaues damit belehnte.

Bäuerliche Siedlung Völklingen blieb in den folgenden Jahrhunderten eine bäuerliche Siedlung, die der Hochgerichtsbarkeit der Grafen von Saarbrücken unterstand. Somit stand den Grafen von Saarbrücken in Völklingen das Recht der Eintreibung von Abgaben und die Erhebung von Frondienste der Bevölkerung zu. Zu den Hofgütern des Ortes gehörten Fürstenhausen, Geislautern und Wehrden, das im Jahr 1234 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Wehrden erlangte durch seine Saarfähre im Mittelalter an Bedeutung. Aus dem Jahr 1422 datiert das älteste Völklinger Weistum als erste schriftliche Festsetzung der örtlichen Rechtsverhältnisse.

Frühe Neuzeit Völklinger Bauernaufstand

Im Jahr 1566 kam es zu einem Bauernaufstand gegen den Saarbrücker Grafen. Zur Abwendung neuer, schwerer Frondienste beim Bau des Homburger Schlosses verweigerten die Völklinger den Dienst und stellten sich in den Schutz der Metzer Bischöfe François de Beaucaire de Péguillon und Louis (I.) Kardinal de Lorraine-Guise als ihrer obersten Lehensherren. Die Auseinandersetzung, in deren Verlauf es zur Einkerkerung von Völklinger Bauern kam, wurde erst im Jahr 1572 beigelegt. Im Jahr 1575 wurde in der Grafschaft Saarbrücken durch den Grafen Philipp IV. von Nassau-Weilburg zwangsweise die Reformation nach lutherischem Bekenntnis eingeführt.

Frühindustrialisierung

In der frühen Neuzeit gehörte die „hof und frie hofstadt folckelingen“ zu den wohlhabenderen Dörfern in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken. Durch Steuerlisten ist ein deutliches Bevölkerungswachstum dokumentiert. Im Jahr 1524 wurden 29 Familien und 17 Bauerngüter gezählt, im Jahr 1542 waren es bereits 42 Familien. Eisen- und Kohlefunde führten neben dem traditionellen Handwerk und der Saarfischerei zu einer frühen Industrialisierung. So entstand im heutigen Geislautern mit der Förderung der Grafen von Saarbrücken im Jahr 1572 die älteste größere Eisenschmelze des Saarlandes. Im Jahr 1621 begann mit gräflicher Erlaubnis die Steinkohlegewinnung im Tagebau in Geislautern.

Ansiedelung von calvinistischen Hugenotten

Zur Vermehrung der Bevölkerung und zur Ankurbelung der Wirtschaft wurden im Jahr 1604 im Warndt Hugenotten angesiedelt. Dafür wurde auf dem Land des Völklinger Hofes durch den Saarbrücker Grafen Ludwig II. von Nassau-Weilburg der Ort Ludwigsweiler (heute der Völklinger Ortsteil Ludweiler) angelegt. In einer Urkunde erlaubt der Graf zwölf Hugenotten, die wegen ihres calvinistischen Glaubens vor dem französischen König hatten flüchten müssen, an der „Rixfurth im Warneth“ ein Dorf zu gründen. Der Vorgang ist insofern bemerkenswert, als die Grafen von Nassau-Saarbrücken im Jahre 1575 die Reformation nach Lutherischem Bekenntnis eingeführt hatten und nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens (1555) die Calvinisten nicht geduldet waren. Dennoch erhielten die Hugenotten in Ludweiler das Recht, eine eigene Pfarrei zu errichten. Die hugenottischen Einwanderer brachten das Glasbläserhandwerk mit und führten im Jahr 1616 die Glasindustrie an der Saar ein. Der Warndt bot dazu mit dem Vorkommen von Quarzsand, Holzkohle und Farnen zur Pottaschegewinnung günstige Voraussetzungen. Nach einigen Jahrzehnten verkürzte sich der Name Ludwigsweiler in Ludweiler.

Dreißigjähriger Krieg

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde die Bevölkerung Völklingens durch Überfälle der spanischen, schwedischen, lothringischen und französischen Soldateska um fast 84 Prozent dezimiert. Hüttenwerke und Bauernhöfe verwaisten, die wenigen Überlebenden litten unter Hungersnöten.

Reunionspolitik der französischen Krone

Im Jahr 1672 kam es in Völklingen zu französischen Einquartierungen. Der französische König Ludwig XIV. hielt die Grafschaft Saarbrücken von 1678 bis 1697 besetzt (→ Reunionspolitik). Zu den positiven Folgen gehörte eine Bodenreform, die bisher landlosen Bewohnern Völklingens Grund und Boden übereignete. Im Jahr 1697 wurde der Graf von Saarbrücken, Ludwig Crato, durch den Frieden von Ryswick wieder in seine alten Rechte eingesetzt. Der inzwischen katholischen Bevölkerungsmehrheit wurde aber die freie Religionsausübung gestattet.

Merkantilistische Wirtschaftspolitik

Auch die Saarbrücker Grafen förderten nun verstärkt die Wirtschaft und das Wachstum der Bevölkerung. Im Jahr 1700 gab es 90 Häuser mit 480 Bewohnern. Nach der Bodenreform bewirtschafteten nun 96 Bewohner eigenes Land. Im Jahr 1701 wurde bei Wehrden eine hölzerne Brücke über die Saar errichtet. In Geislautern wurde die Glashütte wieder angefahren und in Lauterbach entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine zweite Glasmachersiedlung. Im Jahr 1730 nahm in Geislautern ein neues Eisenwerk mit zwei Hochöfen den Betrieb auf. Auch zwei Kohlegruben sorgten für Arbeitsplätze. Zur Verbesserung der Infrastruktur wurde ab dem Jahr 1734 die Straße von Völklingen nach Bous gebaut. Ab dem Jahr 1742 fuhr die Postkutsche zweimal pro Woche die 25 Kilometer lange Strecke von Saarbrücken über Völklingen nach Saarlouis. Die letzten beiden absolutistischen Landesherren, Wilhelm Heinrich († 1768) und Ludwig († 1794), stellten mit der Verstaatlichung des Bergbaues und einer forcierten Ansiedelung von Erzschmelzen, Hammerwerken und Walzwerken entscheidende Weichen für die weitere Entwicklung Völklingens.

Neueste Zeit Französische Revolution und Herrschaft Napoleons

Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution versuchte das Saarbrücker Grafenhaus durch zögerliche Reformmaßnahmen, den Brandherd der gesellschaftlichen Umwälzungen einzudämmen. So wurden den Völklinger Bauern im Jahr 1790 gegen Zahlung eines jährlichen Frongeldes die Fronfuhren zum Saarbrücker Schloss erlassen und im Jahr 1793, als bereits französische Revolutionstruppen in Völklingen einfielen, die Leibeigenschaft durch Fürst Ludwig aufgehoben. Mit der Flucht des gesundheitlich angeschlagenen Fürsten Ludwig vor der Französischen Revolution im selben Jahr ins Kurmainzer Exil nach Aschaffenburg und dessen Tod im Jahr 1794 wurden die alten feudalen Strukturen in Völklingen beseitigt.

Im Jahr 1801 fielen im Friede von Lunéville die gesamten linksrheinischen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die Frankreich bereits seit 1797 offiziell mit seinem Staatsgebiet vereinigt hatte, der französischen Republik zu. Napoleon gewährte den linksrheinischen Gebieten die vollen staatsbürgerlichen Rechte, Freiheit des Eigentums, Gewerbefreiheit, Bauernbefreiung und ein fortschrittliches Rechts- und Verwaltungssystem.

Völklingen war seit 1799 eine Mairie im Arrondissement Saarbrücken und profitierte von der im französischen Kaiserreich systematisch betriebenen Förderung von Technik und Forschung. In Geislautern entstand im Jahr 1807 aufgrund einer Anordnung Napoleons aus dem Jahre 1802 die École Pratique des Mines, eine von zwei Berg- und Hüttenschulen des im Jahr 1804 gegründeten französischen Kaiserreiches. Die Schule sollte zur Weiterentwicklung des Bergbau- und Hüttenwesens beitragen und technische Beamte ausbilden. Erster Direktor wurde Jean Baptist Duhamel (Nach ihm wurde der Duhamel-Schacht des Bergwerkes Ensdorf benannt). In Geislautern wurden in der Folgezeit richtungsweisende Verbesserungen des Schmelzverfahrens entwickelt und eine deutliche Qualitätssteigerung in der Herstellung von Stählen, Eisen und Blechen ermöglicht. Auch mit Verkokungsversuchen und neuen Verzinnungsverfahren wurde in Geislautern Technikgeschichte geschrieben. Ergebnis einer systematischen Bodenerkundung war der Duhamel-Saargruben-Atlas, der heute noch als kartographisches Standardwerk gilt. Ebenso wurden Versuche gemacht, den Kohletransport mit dem Einsatz von dampfbetriebenen Wagen zu erleichtern.

Niederlage Napoleons und Übergang Völklingens an das Königreich Preußen