Hendrik van Bommel, 1568 in einer Supplik seines Sohnes an die Universität Oxford.Joseph Foster (Hrsg.): Alumni Oxonienses. The Members of the University of Oxford, 1500-1714. Parker and Company, Oxford 1891, S. 146 (books.google.de). (* um 1496 in Bommel, Herzogtum Geldern [eher Zaltbommel als Maasbommel]; † 29. September 1570Johann Hildebrand Withof: Num. XVII. Des Duisburgischen bishero ungedruckten Chronici Neunzehntes Stück. In: Duisburgische Adresse- und Intelligenz-Zettel, 1741, S. 133–136, bes. S. 133.Johann Dietrich von Steinen: Kurtze und generale Beschreibung der Reformations-Historie des Hertzogthums Cleve. Adolph Henrich Meyer, Lippstadt 1727, S. 56 (books.google.de) ungenau: „starb … 9. September (1570)“. in Duisburg, Herzogtum Kleve) war ein reformierter Theologe, der in seiner niederländischen Heimat (1520er–1530er Jahre) und am Niederrhein in Kleve (bis 1536), in der Grafschaft Moers (1536–1542; 1560–1568), in Wesel (1542–1559) und in Duisburg (1568–1570) wirkte.

Leben Studium in Köln Am 26. Oktober 1520 unter dem Rektorat des Juristen Johannes Schudherinck (* um 1470/80; † 1531/32)Aus Neuss, 1496 Eintrag in das Bruderschaftsbuch von Santa Maria dell’Anima der Deutschen in Rom, 1500 in Köln immatrikuliert, 1510–1531 Professor an der juristischen Fakultät, 1520 Rektor, 1496–1532 Kanoniker von St. Aposteln, 1507–1531 Kanoniker von St. Cäcilien, 1523 Kanoniker von St. Andreas, hinterließ eine Studienstiftung; Carl Jänig (Hrsg.): Liber confraternitatis B. Marie de Anima Teutonicorum de urbe, quem rerum Germanicarum cultoribus offerunt sacerdotes aedis Teutonicae B. M. de Anima urbis in anni sacri exeuntis memoriam. Typographia Polyglotta, Rom 1875, S. 110 (books.google.de); Klaus Militzer: Die Protokolle des Kölner Domkapitels. Band I. Regesten 1454–1511 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 77). Droste, Düsseldorf 2009, S. 686. wurde „Hinr(icus) Gerardi de Bommell (= Sohn des Gerard aus Bommel); (ad) art(es) i(uravit) et s(olvit)“ an der Alten Universität Köln immatrikuliert. Er erwarb den akademischen Magistergrad.

Unterscheidung von zwei namensgleichen Personen Zwei Jahre später wurde am 12. Dezember 1522 unter dem Rektorat von Goswinus Fastradi aus Brakel ein Namensvetter „Henr(icus) Boemel“ aus der Diözese Utrecht (Trai(ectensis) d(ioecesi)) ebenfalls in Köln immatrikuliert, wegen Armut wurde er von der Einschreibegebühr befreit (propter paupertatem n(on) s(olvit)).Hermann Keussen (Bearb.): Die Matrikel der Universität Köln. Band II 1476–1559. P. Hanstein, Bonn 1919, S. 854 (ub.uni-duesseldorf.de). Er wurde am 17. November 1523 zum Baccalaureat zugelassen und erhielt am 15. März 1525 das Lizenziat. Er stammte ebenfalls aus dem Gelderland, war Klosterbruder und Lehrer an der Schule St. Hieronymus und Rektor des Klosters der Schwestern von der heiligen Maria Magdalena in Utrecht. Er starb 1542Valerius Andreas: Bibliotheca Belgica de Belgis vita scriptisque. Jacob Zegers, Löwen 1643, S. 343; vgl. S. 875 und 896 (books.google.de).Johannes Franciscus Foppens: Henricus Bommelius. In: Bibliotheca Belgica, sive Virorum in Belgio vita. Band I. Pieter Foppens, Brüssel 1739, S. 435 (books.google.de);Caspar Burman: Trajectum eruditum, virorum doctrina inlustrium. Jurian a Paddenburg, Utrecht 1750, S. 29 f. (), (books.google.de). und wurde in der Maria Magdalena Kerk (heute Utrechter Dom) begraben.Gijsbert Lap van Waveren (* um 1595; † nach 1648): Notiz „1542 … ad beatam Magdalenam sepultus“ (wahrscheinlich nach einem Epitaph) in der Handschrift 796 der Universiteitsbibliotheek Utrecht (Hs 6 E 32 fol. part 1; library.uu.nl);Barthold Jacob Lintelo de Geer van Jutphaas: Verslag omtrent een geschrift van Hendrik van Bommel. In: Kronijk van het Historisch Genootschap gevestigd te Utrecht 11, 1855, S. 32–34, bes. S. 33 (books.google.de).

Da die Namensvettern „van Bommel“ beide einen Bezug zu Utrecht hatten, sind sie in der Literatur oft miteinander verwechselt oder miteinander identifiziertFranciscus Sweertius: Henricus Bommelius. In: Athenae Belgica sive nomenclator Infer. Germaniae scriptorum. Gulielmus a Tongris (Willem van Tongeren), Antwerpen 1628, S. 323. worden. Schon die flämischen Geschichtsschreiber Valerius Andreas Deschel und Jean François Foppens (1689–1761) unterschieden jedoch in ihrer jeweiligen Bibliotheca belgica 1643 und 1739 zwei Personen. Vor den Schriften desjenigen, der in Wesel tätig gewesen war (Vesaliensis), müsse sich ein römischer Katholik (Romanus) hüten.

Priesterweihe und Verfasser reformatorischer Schriften Der später in Wesel lebende Henricus Bomelius hatte Schulen in Deventer und Utrecht besucht.Carl Krafft: Der Niederländer Heinrich Bomelius zu Moers und Wesel als Historiker. In: Monatsschrift für Rheinisch-Westfälische Geschichtsforschung und Alterthumskunde 2, 1876, S. 224–231, bes. S. 227 nach der Darstellung von Werner Teschenmacher bzw. Auszug des Anton von Dorth: Vitae et elogia virorum (Referat in: Verslag van de Historische Commissie der Maatschappij van Nederlandsche Letterkunde, 1884–1885. In: Handelingen en mededeelingen van de Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde te Leiden. 1884, S. 77–98, bes. S. 91). Er wurde 1522 zum Priester geweiht.Notiz in einem Schreiben des Weseler Rates an Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg von 1544. Das kanonische Mindestalter bei der Priesterweihe war 25 Jahre. Johannes Monheim, den Rektor des 1545 gegründeten Gymnasiums in Düsseldorf, der zuvor in Köln und Essen wirkte, bezeichnete Bomelius später als seinen Lehrer.Ad Theologastrorvm Coloniensivm Censvram Henrici Artopoei Responsio, Pro Defensione Catechismi Ioannis Monhemij Praeceptoris sui conscripta. Petrus Cephalius Duromontanus, Gratianopolis 1561.

Anfang der 1520er Jahre verfasste der spätere „Weseler“ Hendrik van Bommel im Geiste der Devotio modernaJohann Friedrich Gerhard Goeters: Die Entstehung des Rheinischen Protestantismus und seine Eigenart (1994). In Studien zur niederrheinischen Reformationsgeschichte (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte. 153). Rheinland-Verlag bei Habelt, Bonn 2002, S. 127–186, bes. S. 139. – vermutlich zunächst auf Latein – den Traktat Oeconomica christiana. Summa der godliker scriftvren, der binnen kurzer Zeit von ihm selbst ins Niederländische und – wohl in Antwerpen mit verschiedenen fingierten Druckorten – in das Französische, Italienische, Englische, später unter dem Titel Summe der deutschen Theologie auch in das Hochdeutsche übersetzt wurde. Der Traktat erlebte zahlreiche Nachdrucke und erreichte große Verbreitung in Mitteleuropa. Es war die erste niederländische Schrift, die (wegen der Verbreitung reformatorischer Gedanken) von der Inquisition schon 1524 unter den „Auctores primae classis. O“ auf den Index librorum prohibitorum gesetztFranz Heinrich Reusch (Hrsg.): Die Indices Librorum Prohibitorum des sechzehnten Jahrhunderts. (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart 176). Laupp, Tübingen 1886 (Nachdrucke 1961 und 1960 durch B. de Graaf, Nieuwkoop), S. 199, 275 und 423 (Google-Books); vgl. S. 159 („Henricus Bomius“) und S. 161 („Joannes Bomelius“) und verboten wurde.Petrus Franciscus Wolfs OP: Das Groninger „Religionsgespräch“ (1523) und seine Hintergründe. N.V. Dekker, Nimwegen 1959, S. 2;Paul Valkema Blouw: Het eerste in de Lage Landen verboden boek: ‚Summa der Godliker Scrifturen‘ (1523). In: E codicibus impressisque. Teil II Drukken van de zestiende tot de twintigste eeuw (= Miscellanea Neerlandica. 19). Peeters, Löwen 2004, S. 363–377, u. a. Der flämische Theologieprofessor Jacques Masson genannt Latomus an der Universität Löwen verfasste 1530 eine direkte Gegenschrift gegen das „Pestbuch“ (liber … pestilens).Jakob Latomus: Libellus de fide & operibvs, & de votis atq[ue] institutis monasticis. Michaël Hillen van Hoochstraten, Antwerpen 1530 (books.google.de). Auch eine Mitwirkung an der ersten Bibelübersetzung in die Niederländische Sprache (Dat Euangeliū(m) van Sinte Matheus den Apostel, 1523) wird Hendrik van Bommel zugeschrieben. Vielleicht war der spätere „Weseler“ Hendrik van Bommel tatsächlich der erwähnte Lehrer an der Utrechter Hieronymusschule. Als Bomelius 1554 oder eher 1557 als Prediger und Lehrer in Wesel über seinen Glauben befragt wurde,Auszug aus dem Ratsprotokoll abgedruckt bei Johannes Justus van Toorenenbergen: Het oudste Nederlandsche verboden boek 1523. Oeconomica christiana, in rem christianam Instituens, quidve creditum ingenue christianum oportet (etc.); Summa der godliker scrifturen (= Monumenta Reformationis Belgicae. 1). E. J. Brill, Leiden 1882, S.xxxix (lateinisch und niederländisch, books.google.de). erklärte er, er habe darüber „vóor ongeveer dertich jaren (= vor ungefähr dreißig Jahren)“ in seinem „bouxken, genant die Summa der Duitsscher Theologie“ geschrieben, das vor einigen Jahren (nämlich 1553) in Wesel nachgedruckt worden war.Otto J. de Jong: (Rezension von Johannes Trapman: Summa der godliker scrifturen Leiden: New Rhine Publishers, 1978 …). In: Bijdragen en Mededelingen betreffende de Geschiedenis der Nederlanden 96, 1981, 97-99, bes. S. 97. Die „Somma vander Theologie“ bzw. „Somma vanden godlycke scriftueren ofte Duytsche Theologien“ wurde tatsächlich bereits 1524 im Prozess gegen den Leidener Drucker Jan Zeversz. erwähnt,Paul Fredericq (Hrsg.): Corpus documentorum inquisitionis haereticae pravitatis Neerlandicae : Verzameling van stukken betreffende de pauselijke en bisschoppelijke inquisitie in de Nederlanden. Band IV. Martinus Nijhoff, s’Gravenhage 1900, Nr. 193, 195, 224 u. a.; S. 254 f., 282 f. u. ö. (ub.uni-duesseldorf.de).Karl Benrath: Die Summa der Heiligen Schrift. Eine literarhistorische Untersuchung. In: Jahrbücher für protestantische Theologie. 7,1, 1881, S. 127–159, bes. S. 159. der älteste erhaltene niederländische Druck stammt von 1526. Der Verfasser der „Somma“ wurde am 13. Juli 1524 durch den holländischen Hof ausgewiesen und seiner Güter für verlustig erklärt.Johannes Reitsma: Geschiedenis van de Hervorming en de Hervormde Kerk der Nederlanden. Wolters, Groningen 1833, S. 61 f. (books.google.de).

Bommel erlebte 1525 den „Utrechter Krieg“ zwischen Herzog Karl von Geldern und Bischofs-Elekt Heinrich II. von Utrecht mit. Die Geschichte dieses unglückseligen Krieges, „nos ipsi praesentes vel vidimus, vel à testibus fide dignis audivimus (= die wir entweder als selbst Anwesende gesehen oder von glaubwürdigen Zeugen gehört haben)“, hat Bommel nach eigenem Bekunden in seiner Moerser Zeit niedergeschrieben; er widmete sie seinen Gönner Gisbert Baxius (Gysbrecht van Baeck; † 1549),Vorwort datiert „Moers, am 1. August 1539“; Franciscus Sweertius: Henricus Bommelius. In: Athenae Belgica sive nomenclator Infer. Germaniae scriptorum. Gulielmus a Tongris (Willem van Tongeren), Antwerpen 1628, S. 323;Johann Hildebrand Withof: Num. XXIX. Nachricht von Heinrico Bomelio, dem Urheber des Buches „De bello Trajectino“. In: Duisburgische Adresse- und Intelligenz-Zettel. 1761, S. 199–210, bes. S. 209. Präfekt von Grave und Rat des Grafen Floris van Egmond, später für dessen Sohn Maximilian von Egmond Bailiff von IJsselstein.Gary K. Waite: Women Supporters of David Joris. In: C. Arnold Snyder, Linda H. Hecht (Hrsg.): Profiles of Anabaptist Women. Sixteenth-Century Reforming Pioneers. Wilfrid Laurier University Press, Waterloo 1996, S. 316–335, bes. S. 326 (books.google.de).