mini|250px|Anteil der Walisisch sprechenden Einwohner in Wales gemäß dem Zensus von 2021
Walisisch (auch Kymrisch; Eigenbezeichnung Cymraeg, [], , oder – mit Artikel – y Gymraeg []) ist eine keltische Sprache und bildet zusammen mit dem Bretonischen und dem Kornischen die britannische Untergruppe der keltischen Sprachen; sie ist wie diese anderen eine sogenannte p-keltische Sprache. Walisisch wird in Wales von etwa 750.000 Menschen gesprochen. Damit hat es die meisten muttersprachlichen Sprecher unter den keltischen Sprachen. In Wales ist es, neben dem Englischen, Amtssprache und Schulsprache. Es gibt zwei Hauptdialekte, einen nördlichen und einen südlichen.
Zahlen Das Walisische ist im Unterschied zu anderen keltischen Sprachen noch sehr lebendig, da es nach wie vor von vielen Kindern in Wales als Muttersprache erlernt und in allen Gesellschaftsschichten des Landes gesprochen wird. In einigen Landesteilen, insbesondere im Norden, stellen Walisisch-Sprecher die Mehrheit der Bevölkerung mit einem Anteil von bis zu 70 % der Einwohner einzelner Kommunen. Die absolute Zahl der Sprecher steigt in jüngster Zeit wieder. Seit Wales über ein eigenes Regionalparlament, den Senedd Cymru, verfügt, sind die Maßnahmen zur Förderung des Walisischen verstärkt worden. Als identitätsstiftendes Element ihres Landes befürworten auch zahlreiche Waliser, die die Sprache selbst nicht beherrschen, ihre Förderung und Verbreitung.
Laut der Volkszählung von 2021 sprechen 17,8 % der Einwohner von Wales Walisisch.Welsh language in Wales (Census 2021), abgerufen am 5. August 2023. Im Jahr 2011 waren es 19 %, im Jahr 2001 20,5 %.2011 Census: Key Statistics for Wales, March 2011, Kapitel 10: Proficiency in Welsh, abgerufen am 5. August 2023. Über begrenzte Walisischkenntnisse (z. B. nur Lesekenntnisse) verfügten 2011 weitere 8 % der Bevölkerung. Die Aussichten für den Erhalt der Sprache sind recht gut, in ländlichen Gebieten wird oft noch überwiegend Walisisch gesprochen. Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Jugendorganisation Urdd Gobaith Cymru.
Außerhalb von Wales wird Walisisch im Chubut-Tal in der argentinischen Provinz Chubut in Patagonien gesprochen.
Am 7. Dezember 2010 nahm das walisische Parlament eine Gesetzesvorlage an, die das Walisische zur offiziellen Amtssprache in Wales neben dem Englischen erhob. Seit dem Jahr 2000 erhalten alle Schüler in Wales Walisischunterricht, entweder es dient als Erstsprache, d. h. es ist Unterrichtssprache, oder sie lernen es als Fremdsprache. An 20 % der Schulen in Wales ist Walisisch erste Unterrichtssprache.
Der Sprachcode nach ISO 639-1 ist cy, nach ISO 639-2(B) wel und nach ISO 639-2(T) cym.
Aussprache mini|300px|Die Position der Formanten bei einem Walisischsprecher aus Bangor mini|Sprecher des Walisischen nach dem Zensus von 2011 mini|Ein Schild mit Werbung für das Erlernen des Walisischen
Das walisische Alphabet enthält die folgenden Buchstaben:
a b c ch d dd e f ff g ng h i j l ll m n o p ph r rh s t th u w y
ch, dd, ff, ng, ll, ph, rh und th zählen als Einzelbuchstaben und werden auch so bei der Anordnung in Wörterbüchern behandelt.
k, q, v, x und z kommen in walisischen Wörtern nicht vor; j erscheint nur in englischen Lehnwörtern.
a: a (kurz oder lang). IPA , []. ae: etwa wie deutsches ei. IPA [] Manchmal wie deutsches äj. b: b. IPA Am Ende des Wortes oft p, wie im Deutschen. c: k. IPA ch: wie deutsches ch in ach (nie wie in ich). IPA d: d. IPA Am Ende des Wortes oft t, wie im Deutschen. dd: wie stimmhaftes th im Englischen, z. B. this, IPA . Am Ende des Wortes oft stimmlos wie th. e: e, ä (kurz oder lang). IPA [], f: wie w im Deutschen. IPA ff: wie f im Deutschen. IPA g: g. IPA Am Ende des Wortes oft k, wie im Deutschen. ng: fast immer wie ng in Ding , nur ausnahmsweise wie n + g []. ngh: ng mit hörbarem h. IPA [] h: h. IPA i: wie i (kurz oder lang) bzw. vor Vokalen (inkl. w!) wie deutsches j. IPA [], , j: wie englisch j. IPA l: l. IPA ll: stimmloses frikatives l. (Entsteht, wenn in der Mundstellung für l ein Zischlaut ausgesprochen wird, vergleiche etwa ein l mit starkem Luftstrom in Bettler; von Englischsprechern oft als thl oder khl gehört.) IPA m: m. IPA mh: m mit folgendem h. IPA [] n: n. IPA nh: n mit folgendem h. IPA [] o: o (kurz oder lang). IPA [], oe: etwa wie deutsches eu. IPA [] ow: wie ow im englischen „blow“. Kommt nur sehr selten vor. IPA [] p: p. IPA ph: wie f im Deutschen. IPA r: stark gerolltes stimmhaftes r wie im Spanischen. IPA rh: stark gerolltes stimmloses r mit deutlich hörbarem h. IPA [] s: stimmloses s. IPA si: sch. IPA t: t. IPA th: wie stimmloses th im Englischen, z. B. in thing, IPA u: In Südwales wie i; in Nordwales mehr oder weniger wie y in Pyramide (kurz oder lang; = IPA []). w: wie deutsches u (kurz oder lang) bzw. vor Vokalen wie englisches w. IPA [], , wy: entweder wie ui oder wie englisch wi in wit oder wie (britisch-)englisch wer in follower. IPA [] y: (1) In einsilbigen Wörtern und in der letzten Silbe von mehrsilbigen Wörtern wie walisisches u (siehe oben). (2) Sonst wie unbetontes deutsches e in bitte. – Cymry = ‚Waliser‘ (Plural) lautet etwa wie kömri, aber ohne Lippenrundung des ö ([]).
Vokale können kurz oder lang sein: kurz sind alle unbetonten Vokale sowie betonte Vokale vor Konsonantengruppen (ch, dd, ff, ll, th sind jedoch jeweils Einzelkonsonanten!) und vor p, t, c, m, ng und Vokale, die mit einem Gravis markiert sind (à, è usw.; das gibt es sehr selten in einigen Fremdwörtern). lang sind betonte Vokale vor b, ch, d, dd, f, ff, g, s, th, einfachem n, einfachem r und Vokale, die mit einem Zirkumflex markiert sind (â, ê, î, ô, ŵ, ŷ).
Die Betonung liegt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf der zweitletzten Silbe: brénin = ‚König‘, brenhínes = ‚Königin‘, breninésau = ‚Königinnen‘. Eine der Ausnahmen ist Cymráeg = ‚kymrisch‘, denn ae oder oe gilt als zwei Silben.
Grammatik Anlautveränderungen Eine Besonderheit des Walisischen (wie auch der anderen inselkeltischen Sprachen) sind die Anlautmutationen (engl. initial mutations, kymr. treigladau). Unter bestimmten Bedingungen wird der anlautende Konsonant eines Wortes durch einen anderen auf regelmäßige Art und Weise ersetzt.
Anlautveränderungen können durch das vorausgehende Wort (Artikel, Possessivpronomen, Präpositionen) ausgelöst werden oder durch die syntaktische Position oder Funktion des Wortes im Satz selbst (Subjekt, Objekt, adverbielle Verwendung).
Es gibt dabei mehrere Arten der Anlautveränderung: Lenierung (soft mutation, treiglad meddal), sogenannte Nasalierung (nasal mutation, treiglad trwynol) und Aspirierung (aspirate od. spirant mutation, treiglad llaes). Die deutschen Bezeichnungen sind phonetisch ungenau, haben sich aber eingebürgert: Mit Nasalierung als Nasalmutation ist etwas anderes gemeint als die Nasalierung eines Vokals; die Aspirierung ist eigentlich eine Spirantisierung, nicht Aspiration im üblichen Sinn der Phonetik.
So löst z. B. das Possessivpronomen der 2. Person Singular dy (‚dein‘) Lenierung aus; das der 1. Person Singular fy (‚mein‘) Nasalierung; und das der 3. Singular feminin ei (‚ihr‘) Aspirierung. Die folgende Tabelle veranschaulicht die Auswirkungen der verschiedenen Anlautveränderungen (k.V. = keine Veränderung, d. h., es wird die Grundform verwendet):
{| class="wikitable" |- class="hintergrundfarbe6" ! Grundform ! Lenierung ! Nasalierung ! Aspirierung |- | pen – ‚Kopf‘ | dy ben | fy mhen | ei phen |- | tad – ‚Vater‘ | dy dad | fy nhad | ei thad |- | ci – ‚Hund‘ | dy gi | fy nghi | ei chi |- | brawd – ‚Bruder‘ | dy frawd | fy mrawd | [k.V.] |- | dant – ‚Zahn‘ | dy ddant | fy nant | [k.V.] |- | gwallt – ‚Haar‘ | dy wallt | fy ngwallt | [k.V.] |- | mam – ‚Mutter‘ | dy fam | [k.V.] | [k.V.] |- | llaw – ‚Hand‘ | dy law | [k.V.] | [k.V.] |- | rhan – ‚Teil‘ | dy ran | [k.V.] | [k.V.] |- | arian – ‚Geld‘ | [k.V.] | [k.V.] | ei harian
g wird bei Lenierung völlig getilgt. Diese Regel gilt für alle Wörter mit einem vokalischen Anlaut.
Besonders „anfällig“ für die Lenierung sind außerdem feminine Substantive. So wird etwa bei Voranstellung des bestimmten Artikels oder des Zahlwortes un (‚eine‘) ein feminines Substantiv leniert: Am Beispiel cath (Femininum, dt.: ‚Katze‘) zeigt sich: cath wen – ‚(eine) weiße Katze‘ (irgendeine) y gath wen – ‚die weiße Katze‘ un gath wen – ‚eine weiße Katze‘ (nicht zwei)
Im Gegensatz dazu verändert sich ein Maskulinum nicht, z. B. ci ‚Hund‘: ci gwyn – ‚(ein) weißer Hund‘ y ci gwyn – ‚der weiße Hund‘ un ci gwyn – ‚ein weißer Hund‘
Substantive Das Walisische unterscheidet zwischen maskulinen und femininen Substantiven, ein Genusunterschied wird jedoch generell nur im Singular markiert. Ein Effekt des Genus ist, dass eine Lenierung eines femininen Substantivs (im Singular) erfolgt, wenn der Artikel davor steht (siehe oben unter „Anlautmutation“): cath – ‚(eine) Katze‘, aber y gath – ‚die Katze‘. Der Artikel selbst zeigt jedoch keine unterschiedlichen Formen des Genus. Steht das Substantiv im Plural, erfolgt die Lenierung nicht: cath – ‚(eine) Katze‘, cathod – ‚Katzen‘ (pl.) – y cathod ‚die Katzen‘.Borsley et al. (2007), S. 23
Der Plural kann auf verschiedene Weise gebildet werden: durch Anhängen eines Pluralsuffixes: afal ‚Apfel‘ – Pl. afalau; durch Umlaut: Cymro ‚Waliser‘ – Pl. Cymry; durch Suffix und Umlaut bzw. Vokaländerung: nant ‚Schlucht‘ – Pl. nentydd. Eine Reihe von Substantiven leitet den Singular mittels Suffix vom Plural ab (sogenannte Singulative): sêr ‚Sterne‘ – Sg. seren ‚Stern‘. adar ‚Vögel‘ – Sg. aderyn ‚Vogel‘.
Adjektive Eine kleine Anzahl Adjektive besitzt gesonderte feminine Formen: trwm ‚schwer‘ – fem. trom gwyn ‚weiß‘ – fem. gwen Generell jedoch wird dieselbe Form nach maskulinen und femininen Substantiven verwendet. Viele der gesonderten femininen Formen sind inzwischen darüber hinaus auch außer Gebrauch geraten.
Unabhängig davon zeigt ein Adjektiv Lenition, wenn es bei einem femininen Substantiv steht, zum Beispiel y gath fach – ‚die kleine Katze‘ (zu bach = ‚klein‘).
An Steigerungsformen besitzt das Walisische neben dem Komparativ und dem Superlativ noch einen Äquativ („so … wie“):
{| class="wikitable" |- class="hintergrundfarbe6" ! Positiv ! Äquativ ! Komparativ ! Superlativ |- | teg | (cyn) deced | tecach | tecaf |- | schön | so schön | schöner | schönst-
Präpositionen Eine Besonderheit des Walisischen (und anderer inselkeltischer Sprachen) sind die konjugierten Präpositionen. Die konjugierte Form erscheint nur, wenn als Ergänzung der Präposition ein Personalpronomen auftritt (also die Wörter i, ni, ti etc. in der folgenden Tabelle):
{| class="wikitable toptextcells" |+ ar – ‚auf‘ |- class="hintergrundfarbe6" | ! Sg. ! Pl. |- | 1 | arna i – ‚auf mir‘ | arnon ni – ‚auf uns‘ |- | 2 | arnat ti – ‚auf dir‘ | arnoch chi – ‚auf euch‘ |- | 3 | arno fe – ‚auf ihm‘arni hi – ‚auf ihr‘ | arnyn nhw – ‚auf ihnen‘
Wortstellung Satzbau Walisisch ist ein klassisches Beispiel einer VSO-Sprache, d. h. die normale, unmarkierte Wortstellung im Walisischen ist Verb – Subjekt – Objekt. Genauer gesagt ist damit gemeint, dass eine finite Verbform am Satzanfang steht, Infinitive jedoch meistens nicht, letztere finden sich dann im Satzinneren zwischen Subjekt und Objekt. Beispiele:
• Finites Vollverb am Satzanfang
| Rhoddodd | yr | athro | lyfr | i’r | bachgen. |- | Gab | der | Lehrer | [ein] Buch | dem | Jungen. |} ‚Der Lehrer gab dem Jungen ein Buch.‘
• Hilfsverb am Satzanfang: Beispielsweise ist das Perfekt im Walisischen eine Hilfsverbkonstruktion. Das Perfekt wird ausgedrückt, indem ein Hilfsverb mit der Bedeutung „sein“ am Satzanfang steht, gefolgt von einer Partikel wedi (wörtlich: „nach“) und der infiniten Form des Hauptverbs im Satzinneren:Beispiel aus Borsley et al. 2007, S. 29
| Mae | Dafydd | wedi | cymryd | modur | Rhiannon. |- | Ist | Dafydd | (Perfekt) | nehmen | Auto | Rhiannon. |} ‚Dafydd hat Rhiannons Auto genommen‘
Wortstellung in der Nominalphrase