Daughters of the Dust ist ein US-amerikanischer Independent-Film aus dem Jahr 1991. Er handelt von den Peazants, einer Familie, die der kleinen afroamerikanischen Gemeinschaft der Gullah angehört. Viele Familienmitglieder wollen die Insel St. Helena, auf der sie leben, verlassen und stattdessen aufs Festland ziehen. Vor ihrem Weggang ist ein letztes großes Abendessen geplant, wobei es vorher zu mehreren Konflikten zwischen den Peazants kommt, auch weil nicht alle von St. Helena weggehen wollen.

Das Drehbuch stammt von der Filmemacherin Julie Dash, die auch die Regie führte. Sie berief sich bei ihrer Arbeit, mit der sie bereits als Filmstudentin begann, zum Teil auf Erfahrungen ihres Vaters, der selbst den Gullah angehörte. Die Dreharbeiten waren von Schwierigkeiten geprägt, da Dash zunächst lange brauchte, um Geldgeber zu finden, und später das wechselhafte Wetter an den Drehorten ihre Arbeit erschwerte.

Uraufgeführt wurde Daughters of the Dust 1991 auf dem Sundance Film Festival. Trotz positiver Kritiken und einem relativ guten Einspielergebnis blieb der Film in der US-amerikanischen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Das lag nach Einschätzung von Dash unter anderem an der damals für US-amerikanische Filme sehr ungewöhnlichen, nichtlinearen Erzählweise.

Seit der Neuveröffentlichung 2016 gilt Daughters of the Dust als wichtiger Film sowohl des modernen afroamerikanischen Kinos als auch des Independent-Genres. Er soll der Sängerin Beyoncé als Inspiration für das 2016 veröffentlichte Album Lemonade gedient haben, wodurch seine Bekanntheit in den Vereinigten Staaten stieg.

Handlung 1902 wartet Viola Peazant in Philadelphia auf ein Boot, das sie nach St. Helena bringen soll. Viola ist eine Angehörige der Gullah, einer afroamerikanischen Gemeinschaft, lebt allerdings schon länger nicht mehr auf der Insel, sondern zieht die Stadt vor. Weil die meisten ihrer Verwandten ebenfalls gehen wollen, ist vorher noch ein gemeinsames Festmahl geplant. Auf dem Boot trifft Viola auf ihre Cousine Yellow Mary, die auf Kuba lebt und zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Trula aus demselben Grund noch einmal nach St. Helena zurückkehrt. Violas Reisebegleiter ist der Fotograf Snead, der die Gullah für die Nachwelt dokumentieren will. Er ist schockiert, als Viola ihm von der Vergangenheit der Gemeinschaft erzählt. Vor vielen Jahren wurden die westafrikanischen Vorfahren der Peazants als Sklaven auf die Indigo-Plantagen der Insel verschleppt. Aus ihren verschiedenen Traditionen und Muttersprachen entwickelte sich eine eigene Kultur und Sprache.

Unterdessen erhält auf der Insel die junge Iona einen Brief vom schweigsamen Cherokee St. Julien Lastchild, in den sie verliebt ist. Er bittet sie darin, St. Helena nicht zu verlassen, sondern zu bleiben. Auf dem nahegelegenen Friedhof besucht die 88-jährige Nana, die die Insel unter keinen Umständen verlassen will, das Grab ihres Ehemanns. Ihr Enkel Eli stößt bald dazu. Seine schwangere Ehefrau Eula wurde bei einem Aufenthalt auf dem Festland von einem weißen Mann vergewaltigt. Eli hegt deswegen Zweifel, ob er der Kindsvater ist. Er ist von Nanas Versuchen, ihn zu beruhigen, wenig beeindruckt und sagt ihr, ihren spirituellen Glauben nicht mehr zu teilen. Das ungeborene Mädchen erscheint derweil von den anderen scheinbar unbemerkt immer wieder auf der Insel, kommentiert die Geschehnisse und verschwindet anschließend wieder.

Schließlich kommt das Boot auf der Insel an. Die Inselbewohner begrüßen Viola erfreut, während sie Yellow Mary aufgrund ihrer lesbischen Beziehung und Arbeit als Prostituierte verhöhnen. Einzig Eula ist freundlich zu Yellow Mary, die Nana einen Besuch abstattet und ihr die Gründe ihres Weggangs erklärt, worauf diese verständnisvoll reagiert. In der Zwischenzeit versucht Viola, die zum Christentum konvertiert ist, die Kinder der Insel mithilfe ihrer Bibel zu missionieren, während Snead die Männer fotografiert. In einem Gespräch erzählt Yellow Mary Eula, dass sie nach einer Vergewaltigung eine Totgeburt erlitten hat. Deswegen arbeitete sie als Kindermädchen für eine reiche Familie auf Edisto Island, der sie nach Kuba gefolgt ist. In der Nähe des Friedhofs unterhalten sich Eli und ein Cousin über ein geplantes Lynchverbot und die neuen Möglichkeiten auf dem Festland. Eli wird aufgrund der ungeklärten Vaterschaft erneut frustriert und geht in den Wald.

Im Wald sieht Eli das Mädchen, dem er hinterherläuft, während er sich an die schweren Zeiten seiner Vorfahren erinnert. Nachdem er vor einem Grabstein niederkniet, geht er am Waldufer spazieren. Eula geht derweil durch den Wald, als der Geist ihrer Tochter in ihren Bauch zurückkehrt. Eula geht zum selben Ufer wie Eli und erzählt dem ungeborenen Kind von einem Aufstand. Die Sklaven kaperten das Schiff, das sie nach St. Helena bringen sollte, sprangen ins Meer und schwammen zurück nach Afrika. Eli hört der Geschichte zu und versöhnt sich anschließend mit Eula. Die beiden gehen wieder an den Strand, wo das Festmahl, unter anderem ein Gumbo, angerichtet ist. Nana näht später für die Abreisenden einen Lederbeutel, in den sie ein Haar ihrer verstorbenen Mutter legt. Sie appelliert an die Weggehenden, ihre Traditionen nicht aussterben zu lassen, da ihre Geschichte nicht vergessen werden dürfe. Nachdem sie in Tränen ausbricht, wird sie von Eula und Yellow Mary getröstet.

Yellow Mary entscheidet sich spontan, auf der Insel bleiben zu wollen. Eula kritisiert die anderen daraufhin für ihren Umgang mit ihr. Mit Elis Unterstützung fragt sie sie, warum sie Yellow Marys Sexualität als Schande betrachten und ob sie sich für ihre Vergewaltigung auch schämen sollte. Danach bindet Nana einen Talisman als Zeichen der Verschmelzung von Tradition und Moderne an Violas Bibel und führt ein Ritual durch. Viola und Ionas Mutter Haagar kritisieren Nana für ihre Glaubensvorstellungen scharf. Letztere bezeichnet sie als rückständiges Hoodoo und geht, während Viola sich doch an der Zeremonie beteiligt. Am nächsten Morgen besteigen alle Bewohner bis auf Nana, Eli, Eula und Yellow Mary das Boot. Als Iona St. Julien Lastchild sieht, der sich von ihr verabschieden will, verlässt sie unmittelbar vor der Abfahrt das Boot und reitet mit ihm davon. Haagar will sie aufhalten, wird aber von einem Verwandten zurückgehalten. Das ungeborene Mädchen erzählt am Ende, dass sich Eli aktiv für die Einführung des Lynchverbots einsetzte, sie irgendwann vor Nanas Tod geboren wurde und die Zurückgebliebenen älter, weiser sowie stärker wurden.

Produktion

Entstehung Julie Dash fertigte während ihres Studiums an einer dem American Film Institute (kurz AFI) zugehörigen Schule 1975 einen ersten Entwurf für ein Filmprojekt an. Dieses sollte eine stumme Kurzproduktion mit Zwischentiteln werden. In der Handlung ging es um die Geschichte einiger Angehörigen der Gullah, einer kleinen afroamerikanischen Gemeinde, deren Vorfahren als Sklaven auf die Sea Islands verschleppt wurden. Dash entschied sich für diese Gemeinschaft, weil ihr Vater ihr angehörte, mit dem für die Gullah üblichen Akzent sprach und deren Traditionen etwas unkonventionell bewahrte. So brachte er eines Tages einen Eimer mit lebenden Krabben nach Hause, den er im Wohnzimmer ausleerte, da die Gullah für ihre Fischerei von Meeresfrüchten bekannt sind. Zudem erzählte Dashs Mutter ihr gelegentlich von Verwandten des Vaters. Der Titel Daughters of the Dust (deutsch Töchter des Staubs) bezieht sich auf eine Szene, in der die junge Nana die Fruchtbarkeit eines Bodens überprüft, indem sie die staubige Erde in die Hände nimmt. Dieser Staub steht sinnbildlich für die Vergangenheit, da Nana laut Dash eine der Töchter der Vergangenheit sei.

Die Produktion sollte übliche Hollywood-Tropen im Bezug auf Afroamerikaner umgehen. So seien nach Dashs Angaben zur damaligen Zeit Mainstream-Filme über das Leben der Schwarzen im Old South, also den südlichen Bundesstaaten der Dreizehn Kolonien, voll von Klischees gewesen, beispielsweise Mundharmonika spielende Bewohner. In einer Filmproduktion über diese Gegend bräuchte es keine Handlung, die einer „Reportage der National Geographic“ gleichkommt, sondern „intime, greifbare, persönliche Geschichten“ über die Erfahrungen der Diaspora. Weiterhin wollte Dash die Kultur der Nachfahren schwarzer Sklaven authentisch abbilden, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen. Laut ihr seien immer wiederkehrende Erklärungen für diejenigen, die das Gezeigte auch so verstehen, „überflüssig und unbefriedigend“. Die Filmemacherin nahm sich teilweise die Werke einiger afroamerikanischer Autoren wie Melville J. Herskovits, Toni Morrison und Alice Walker zum Vorbild, die von den Schicksalen der Sklaven handeln.

Daneben wollte Dash die filmische Darstellung afroamerikanischer Frauen grundlegend verändern. Das Publikum habe damals von schwarzen Filmemachern erwartet, Elemente des Blaxploitation-Genres in ihre Handlungen mit einzubauen. Besagte Filme seien nicht nur „fürchterlicher Müll“, sondern auch brutal gewesen, im Gegensatz zu Geschichten über Frauen anderer Ethnien. Diese seien „anmutig“ erzählt worden, weswegen Dash das Ziel hatte, den Alltag schwarzer Frauen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart respektvoll darzustellen. Als Inspiration dienten ihr dafür gegen Ende des 19. Jahrhunderts von James Van Der Zee aufgenommene Fotografien afroamerikanischer Frauen.

Vorproduktion Dash erhielt 1981 ein Guggenheim-Stipendium, das es ihr ermöglichte, näher über die Gullah zu recherchieren. Da das von ihr gesammelte Material für einen Kurzfilm zu ausführlich war, entschied sie sich, stattdessen einen Spielfilm zu drehen. Deswegen kombinierte sie ihre Rechercheergebnisse mit den Erzählungen ihrer Familie über die Vorfahren des Vaters sowie westafrikanischen religiösen Bräuchen zu einer längeren Geschichte um Angehörige der Gullah. Nachdem sie das Drehbuch im Jahr 1985 fertig geschrieben hatte, beantragte Dash ein Jahr lang bei mehreren Vereinigungen, unter anderem dem National Endowment for the Arts, für die Produktion Zuschüsse. Zwei große Organisationen, die Corporation for Public Broadcasting (CPB) und das National Endowment for the Humanities (NEH), lehnten die Finanzierung ab. Einer führenden Angestellten des CPB war das Drehbuch „zu mystisch“, weswegen sie Dash nahelegte, einen Film zu drehen, der „weiße Zuschauer aus dem mittleren Westen“ anspreche. Das NEH kritisierte zum einen die angeblich falsche Darstellung der Gullah, da die Symbolik „phantastisch“ sei, zum anderen sei die Handlung für das Publikum zu schwer verständlich. Weil daher lediglich ein Budget in Höhe von 55.000 Dollar zusammenkam, wollte Dash einige Szenen im Voraus drehen und potentiellen Geldgebern präsentieren. Dafür reiste sie im Sommer 1987 mit ihrer Crew, unter anderem dem Kameramann Arthur Jafa, für zwei Wochen nach St. Helena.