Alt Langerwisch, früher gelegentlich auch Altlangerwisch oder Alt-Langerwisch ist ein Wohnplatz im Ortsteil Langerwisch der Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg). Alt Langerwisch war bis 1938 eine selbstständige Gemeinde im damaligen Kreis Zauch-Belzig (Provinz Brandenburg) und wurde in diesem Jahr mit der benachbarten Gemeinde Neu Langerwisch zur Gemeinde Langerwisch vereinigt. Langerwisch wurde 2003 in die (Groß-)Gemeinde Michendorf eingemeindet und ist seither ein Ortsteil, Neu Langerwisch ein Wohnplatz in der Gemeinde Michendorf.

Lage Der Ortskern von Alt Langerwisch liegt ca. 2,5 km ostnordöstlich vom namengebenden Ortsteil Michendorf, dem Verwaltungssitz der (Groß-)Gemeinde Michendorf entfernt. Die Bebauung zwischen Alt Langerwisch und Michendorf ist heute quasi durchgehend. Nördlich des Ortskerns von Alt Langerwisch, und nur durch den Torfgraben Saarmund oder Mittelgraben getrennt und ca. 400 Meter entfernt, liegt der Wohnplatz Neu Langerwisch. Die beiden Ortskerne sind seit Jahrhunderten durch eine Damm verbunden. Der Ortskern von Alt Langerwisch liegt auf .

Geschichte Der Ort wurde 1287 erstmals in einer Urkunde erwähnt (alterius Langherwisch, dicte similiter, ad terram Beliz pertinentis). 1303 heißt es in antiquo Langerwisch und 1343 in Oltenlangerwisch. Das Landbuch von 1375 erwähnt den Ort als Langherwisch antiqua. Der Name leitet sich sicher vom Adjektiv lang und mnd. wisch/wische = Wiese ab. Der Name könnte von Longuewesse bei Merdorp, Bezirk Waremme, Belgien übertragen sein. Jedoch gibt es für diesen Ort keine mittelalterliche Belege, sodass Reinhard Fischer eher an eine Neubildung durch niederländische/flämische/niederdeutsche Siedler denkt. Der Ort liegt mit seiner Längserstreckung an einem schmalen, aber sich lang hinziehenden Wiesenstreifen. Alt Langerwisch liegt auf einer Talsandfläche über einer verlandeten Schmelzwasserrinne, die heute die langgestreckte Wiesenfläche zwischen Alt und Neu Langerwisch bildet. Nach seiner Struktur ist Alt Langerwisch ein Straßenangerdorf.

Südöstlich des Ortskerns liegt die Flur Wendemark, die auf eine slawische Siedlung hindeuten könnte. Alt Langerwisch ist sicher in der Zeit der deutschen Ostsiedlung angelegt worden und dürfte noch in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet worden sein.

1287 vereinigte Bischof Heidenreich von Brandenburg die beiden Parochien Neu und Alt Langerwisch. Die Mutterkirche sollte in Neu Langerwisch sein, die Tochterkirche in Alt Langerwisch. Die Einkünfte der beiden Kirchen sollten nach dem Tod der gegenwärtigen Pfarrer den Domherren gehören. 1303 bestätigte Bischof Friedrich die Vereinigung der Parochien der beiden Dörfer Alt Langerwisch und Neu Langerwisch, die sein Vorgänger Heidenreich vorgenommen hatte. Markgraf Hermann von Brandenburg bestätigte 1303 die Vereinigung der beiden Parochien.

1299 hatte bereits Markgraf Hermann von Brandenburg eine jährliche Abgabe in unbestimmter Höhe aus Alt Langerwisch dem Hospital des Klosters Lehnin zur Verpflegung der Kranken überwiesen. 1303 bestätigte Hermann die Vereinigung der Kirchen von Alt Langerwisch und Neu Langerwisch.

1343 schenkte Markgraf Ludwig dem Altar St. Michaelis in der Nicolaikirche in Treuenbrietzen eine jährliche Abgabe von einem Wispel Roggen aus zwei Hufen in Alt Langerwisch.

Das Landbuch von 1375 gibt eine längere Beschreibung über die fälligen Abgaben der Bewohner von Alt Langerwisch und die Nutznießer dieser Abgaben.

Nach dieser Beschreibung gehörte das Dorf dem Markgrafen, dem auch die Wagendienste der Bauern zustanden und der das Obergericht ausübte. Insgesamt lagen auf der Feldmark des Dorfes 42 Hufen, von denen der Pfarrer zwei Freihufen hatte. Der Schulze hatte fünf Freihufen, musste aber dafür (theoretisch) ein Pferd für den Markgrafen für den Kriegsfall bereithalten, das sogenannte Lehnpferd. Die Pferdehaltung hatte er aber schon gegen eine Geldabgabe in Höhe einer halben Silbermark abgelöst. An Bede musste er 3 Scheffel Roggen, 3 Scheffel Gerste und 6 Scheffel Hafer entrichten.

Jede abgabenpflichtige Hufe musste 6 Scheffel Roggen und 6 Scheffel Hafer an Pacht, 3 Schillinge Pfennige an Zins und 10 Pfennige an Bede abgeben. Drei miteinander verbundene Hufen (wohl ein Hof) gaben zusätzlich 1 Scheffel Roggen, ein Scheffel Gerste und 2 Scheffel Hafer. Für jede Hufe mussten außerdem drei Finkenaugen (18 Finkenaugen entsprechen 1 Groschen) gegeben werden. Jeder Bauer gab neun Hühner. Im Dorf gab es sechs Kossätenstellen, von denen jede Stelle 10 Pfennige und ein Huhn geben musste. Der Krug hatte eine Abgabe von einem Talent.

Diese jährlichen Abgaben der Alt Langewischer Bauern, die ursprünglich einmal dem Markgrafen zustanden, waren nun verliehen (oder verkauft) an zahlreiche Personen und Institutionen in der Nachbarschaft. So durfte der Lehnschulze von Alt Langerwisch die Pacht und den Zins von drei Hufen einziehen. Fromken Witbritzen, Bürger in Beelitz, hatte zusammen mit seinen Brüdern vier Wispel Hafer vom Markgrafen zu Lehen. Cune und Jeneken Schulte, Bürger in Beelitz, hatten drei Wispel Roggen vom Markgrafen. Andreas Holft, Bürger in Spandau hatte 18 Scheffel Roggen und 30 Scheffel Hafer. Cûne Witbritzen, Bürger in Beelitz, hatte 6 Scheffel Roggen und ein Talent aus dem Krug. Busse von Schönow hatte ½ Wispel Roggen und einen Wispel Hafer. Ein Altar in Beelitz bezog ½ Wispel Roggen und ½ Wispel Hafer. Der Elendenaltar (altare exulum) bezog ½ Wispel Roggen. Einem Altar in Treuenbrietzen stand 1 Wispel Roggen zu. Otto Kappût hatte das Recht auf einen halben Wispel Roggen, und ein gewisser Helmir bekam einen halben Wispel Roggen, einen halben Wispel Hafer und 16 Groschen von den Einnahmen in Alt Langerwisch.

Die Bauern von Alt Langerwisch bewirtschafteten außerdem ein großes Feld, das nicht zur Feldmark von Alt Langerwisch gehörte, die sogenannte Wendemark, sehr wahrscheinlich die Feldmark eines wüst gefallenen slawischen Dorfes. Dieses Feld umfasste 16 Hufen, von denen jede Hufe jährlich 3 Scheffel Roggen und 3 Scheffel Hafer geben musste. Von diesen Abgaben hatte Hans Witbritzen, Bürger in Treuenbrietzen, einen halben Wispel Roggen und 15 Scheffel Hafer. Busse von Schönow hatte sechs Scheffel Roggen und 3 Scheffel Hafer. Die Kinder des Nycolai Sthenow hatten drei Scheffel Roggen und drei Scheffel Gerste. Otto von Belitz hatte 3 Scheffel Roggen.

Der Ort ist außerdem unter Zarmunt est castrum et opydulum aufgeführt, das heißt, dass es schon damals zur Vogtei der markgräflichen Burg in Saarmund gehörte. Hier sind dann nur die Abgaben gelistet, die zur markgräflichen Burg in Saarmund entrichtet werden mussten.

Von den insgesamt 42 Hufen mussten 29 Hufen je einen Breiten Groschen und zwei Vinkenaugen bezahlen, außerdem zusammen noch (extra) 36 Breite Groschen. Der Schulze musste 10 Breite Groschen bezahlen. Das gesamte Dorf musste 12½ Scheffel Roggen, 12½ Scheffel Gerste und 20 Scheffel Hafer sowie acht Hühner aufbringen und zur Burg liefern.

Der Krug wurde 1408 wieder erwähnt, allerdings ohne nähere Angaben. Nach dem Historischen Ortslexikon hatten die von Bardeleben bis 1416 die Abgaben von vier Hufen, die sie in diesem Jahr an einen Murring (= Möhring?) verkauften.

1450 gehörte Alt Langerwisch weiterhin zur Vogtei Saarmund. Auf der Feldmark waren 42 Hufen, davon hatte der Pfarrer zwei Freihufen. Im Schossregister von 1480 fehlt eine entsprechende Eintragung. Die von Schönow hatten von 1486 (?) bis 1545 einen Hof mit 2 Hufen mit allem Recht, der 1545 bis nach 1657 im Besitz der von Schlabrendorff war.

1545 waren nur der Schulze und fünf Bauern in Alt Langerwisch ansässig. Ein Bauer hatte seinen Hof mit zwei wüsten Hufen nicht erblich, sondern als Lehen vom Hauptmann des Amtes Saarmund. Die Bezeichnung wüste Hufen deutet darauf hin, dass sie in der Wendemark lagen.

1576 hatte der Lehnschulze acht Hufen, davon waren 7½ abgabenfreie Hufen und eine halbe Zinshufe. Drei Bauern bewirtschafteten je vier Hufen, ein Bauer hatte zwei Hufen und ein Kossät hatte eine Hufe. Ein Kossät hatte ein Gärtlein von einem halben Morgen und eine Wiese. Der Kirche gehörten zwei Hufen, die aber verpachtet waren, sowie zwei Stück Acker, eine Wiese und ein Gärtlein. Der Pfarrer hatte zwei Hufen, die verpachtet waren, und ein Gärtlein. Das hier erstmals erwähnte Vorwerk des Amtes bestand aus 17 Hufen, 20 Morgen Wiesen, einer Schäferei, einem Garten von einem Morgen und einem Garten von einem halben Morgen bei der Meierei, den der Hofmeier bewirtschaftete.

1616 wohnten der Schulze, vier Hüfner und zwei Kossäten im Ort. 1624 werden genannt: fünf Hufenbauern (inkl. dem Schulzen), zwei Kossäten, ein Pachtschäfer, ein Windmüller und ein Hirte. Die Bauern und Kossäten bewirtschafteten 23 Hufen und die zwei Pfarrhufen.

Aus dem Dreißigjährigen Krieg liegen keine Berichte vor. Das Dorf scheint aber nicht ganz so schlimm betroffen gewesen sein, denn 1652 wohnten schon wieder vier Hufenbauern, ein Schulze und zwei Kossäten im Ort. Allerdings deutet der folgende Eintrag darauf hin, dass auch in Alt Langerwisch während des Dreißigjährigen Krieges die Felder eine geraume Zeit nicht oder zumindest nur teilweise bestellt wurden. Noch im Jahr 1687 wird berichtet, dass der Schulze zwar acht Hufen besaß, eine Hufe jedoch komplett aus der Bewirtschaftung fiel, da sie völlig bewachsen war. Auch bei den drei Vierhufenbauern war jeweils eine Hufe bewachsen. Bei einem Zweihufenbauern war noch eine halbe Hufe bewachsen. Lediglich der Einhufenbauer bewirtschaftete die volle Fläche, ebenso ein Kossät. Eine Kossätenstelle war nicht besetzt. Im Dorf hatten sich aber wieder andere Personengruppen angesiedelt, so ein Leineweber, ein Braukrüger, ein Kuhhirte, ein Amtsschäfer, zwei Knechte und ein Windmüller. Die dörfliche Feldmark bestand aus 23 Hufen, von denen 15½ Hufen abgabenpflichtig waren. Auf jeder Hufe konnten 4½ Scheffel Sommer- und sechs Scheffel Wintersaat ausgebracht werden.

1732 wohnten sieben Bauern im Dorf, einschließlich des Lehnschulzen. Hier sind allerdings die zwei Kossäten unter die Bauern gerechnet worden. In einem Schriftstück von 1745 wird wieder zwischen Bauern und Kossäten unterschieden; so wohnten in Alt Langerwisch fünf Bauern und zwei Kossäten. Außerdem gab es eine Schäferei. 1757 waren nun (nachweislich) auch die 1687 noch bewachsenen Hufen wieder in Bewirtschaftung. So bewirtschaftete der Erbschulze acht Hufen, drei Bauern besaßen je vier Hufen und ein Bauer hatte zwei Hufen. Ein Kossät bewirtschaftete ein Hufe, und ein Kossät wird als Halbkossäte beschrieben. Im Dorf wohnten außerdem fünf Büdner, zwei Paar Hausleute und eine Witwe.

1772 werden genannt: ein Freischulze, drei Bauern, sieben Kossäten und ein (Wind-)Müller. Büsching beschreibt 1775 noch die Amtsschäferei.

Bratring beschrieb Alt Langerwisch 1801 als Dorf und Amtsvorwerk. Im Dorf gab es drei Ganzbauern, einen Halbbauern, zwei Kossäten, vier Büdner, neun Einlieger, eine Windmühle und einen Krug. Zum Gemeindebezirk gehörten 43 Morgen Holz. Auf der Feldmark waren insgesamt 23 Bauernhufen und 16 Lehnhufen. Im Dorf gab es 19 Feuerstellen (Wohngebäude).

1804 nahm der frühere Oberförster der Oberförsterei Kunersdorf Johann Ludwig Kühne das Amt Saarmund in Generalpacht. Zum Amt Saarmund gehörten damals das Amtsgehöft in Saarmund und die Vorwerke in Alt Langerwisch, Fahlhorst, Saarmund und Schenkendorf.

1816 beschwerte sich die Gemeinde Alt Langerwisch über den Amtsrat Kühne wegen Beeinträchtigung ihrer Hütung, Bedrückung durch Hofdienste und wegen nicht ordentlicher Verwaltung des Lehnschulzenamtes.

1837 standen im Dorf einschließlich des Rittergutes 24 Wohnhäuser.