Neu Langerwisch, früher auch Neulangerwisch oder Neu-Langerwisch ist ein Wohnplatz im Ortsteil Langerwisch der Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg). Neu Langerwisch war bis 1938 eine selbstständige Gemeinde im damaligen Kreis Zauch-Belzig (Provinz Brandenburg) und wurde in diesem Jahr mit der benachbarten Gemeinde Alt Langerwisch zur Gemeinde Langerwisch vereinigt. Langerwisch wurde 2003 in die (Groß-)Gemeinde Michendorf eingemeindet und ist seither ein Ortsteil, Neu Langerwisch ein Wohnplatz in der Gemeinde Michendorf.
Lage Der Ortskern von Neu Langerwisch liegt ca. 2,5 km nordöstlich vom namengebenden Ortsteil Michendorf, dem Verwaltungssitz der (Groß-)Gemeinde Michendorf entfernt. Südlich des Ortskerns von Neu Langerwisch und nur durch den Torfgraben Saarmund getrennt und ca. 400 Meter entfernt, liegt der Wohnplatz Alt Langerwisch. Nur etwa 500 Meter nördlich beginnt die Bebauung des Ortsteils Wilhelmshorst. Neu Langerwisch liegt auf .
Geschichte Der Ort wird 1285 erstmals als novi Langerwisch erwähnt. 1287 heißt es einfach Langherwisch, 1303 Langerwisch novo und 1375 im Landbuch Langerwisch nova. Der Name leitet sich sicher vom Adjektiv lang und mnd. wisch/wische = Wiese ab. Der Name könnte von Longuewesse bei Merdorp, Bezirk Waremme, Belgien übertragen sein. Allerdings gibt es für Longuewesse keine mittelalterlichen Belege, so dass Reinhard Fischer eher an eine Neubildung des Namens durch niederländische Siedler denkt, die den Ort begründet haben. Der Ort liegt mit seiner Längserstreckung an einem schmalen, aber sich lang hinziehenden Wiesenstreifen. Nach seiner Struktur ist Neu Langerwisch ein Straßendorf.
Neu Langerwisch ist eine Gründung aus der Zeit der deutschen Ostsiedlung und dürfte noch in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts angelegt worden sein.
Das Dorf war bei seiner ersten urkundlichen Nennung 1285 im Besitz des Walter von Barby. In diesem Jahr kaufte es das Domkapitel Brandenburg von Barby für den Betrag von 8 Mark Silber. Dieser Kauf wird dem Domkapitel durch die Markgrafen Otto V. und Otto VI. bestätigt. Das Domkapitel erhielt damit auch die Lehnshoheit über das Dorf.
1287 vereinigte Bischof Heidenreich von Brandenburg die beiden Parochien Neu und Alt Langerwisch. Die Mutterkirche sollte in Neu Langerwisch sein. 1303 bestätigte Bischof Friedrich die Vereinigung der Parochien der beiden Dörfer Alt und Neu Langerwisch, die sein Vorgänger Heidenreich verfügt hatte. Markgraf Hermann von Brandenburg bestätigte 1303 die Vereinigung der beiden Parochien. Die Seelsorge der vereinigten Pfarreien wurde dem Kellner des Domstifts Johann von Milow übertragen, nachdem der bisherige Pfarrer Konrad in Alt Langerwisch sein Beneficium aufgelassen hatte. Er dürfte das Amt aber nicht selbst ausgeübt haben, sondern es gegen ein Entgelt an einen Vikar vergeben haben. Um das Amt selbst auszuüben, dürfte er auch keine Zeit gehabt haben, denn 1314 war dieser Johannes von Milow Abgesandter des Domkapitels Brandenburg in Rom. 1329 reservierte sich aber Bischof Ludwig von Brandenburg drei Frustra (eine mittelalterliche Rechnungseinheit) für die jährliche Visitation des Vikars in Neu Langerwisch, die er nach den kirchlichen Satzungen durchzuführen hatte.
1367 bestätigte Markgraf Otto dem Domkapitel den Besitz des Dorfes Neu Langerwisch.
Das Landbuch Karls IV. von 1375 beschreibt das Dorf wie folgt:
Demnach war zwar das Domkapitel in Brandenburg weiterhin Lehensherr über Neu Langerwisch, das Dorf war aber inzwischen weiter verlehnt an Busso/Busse von Schönow und an einen Hogenest, die alle Rechte im Dorf besaßen. Damals gab es auf der Feldmark 42 Hufen, davon hatte der Pfarrer zwei Freihufen. Der Schulze hatte vier (Frei-)Hufen, musste dafür aber (theoretisch) das Lehnpferd halten. Die Haltung eines Pferdes hatte er aber gegen eine jährliche Geldabgabe von ½ Schock Groschen abgelöst. Jede abgabenpflichtige Hufe musste 6 Scheffel Roggen und 6 Scheffel Hafer abliefern sowie 4 Groschen Zins bezahlen. Die Bede betrug 3 Groschen pro abgabenpflichtiger Hufe. Im Dorf wohnten 10 Kossäten, die zusammen 9 Groschen im Jahr bezahlen mussten.
Die Bewohner von Neu Langerwisch bewirtschaften außerdem das Feld Schönenberg, die Feldmark eines bereits damals wüst gefallenen Dorfes. Das Feld Schönenberg war 21 Hufen groß. Jede Hufe musste ein Scheffel Roggen abgeben. Nach der sehr niedrigen Abgabe zu urteilen, war dieser Acker nicht besonders ertragreich. Es gab einen Krug in Neu Langerwisch, der Krüger musste jährlich 28 Groschen bezahlen. Die Feldmark des wüsten Dorfes Schönenberg lag im Norden der Gemarkung und wurde 1925 zur Bildung der Landgemeinde Wilhelmshorst abgetrennt.
1450 gehörte Neu Langerwisch einem NN. Schonnow; er hatte das Dorf vom Propst von Brandenburg zu Lehen. Der Probst war der Vorsteher des Domkapitels in Brandenburg an der Havel. Auf der Feldmark waren 40 Hufen. Nach dem Schossregister von 1481 hatte Neu Langerwisch ebenfalls 40 Hufen. Zu dieser Zeit waren aber zwei Kossätenstellen wüst bzw. nicht bewirtschaftet. Der Ortsherr von Schönow hatte einen Hof mit sieben Hufen in seinem Besitz, der Kern des späteren Rittergutes bzw. Vorwerks.
Nach dem Historischen Ortslexikon soll der Ort von 1545 bis 1548 wieder in der Hand des Lehnsherrn, sprich des Domkapitels gewesen sein. Nach Fidicin fiel das Lehen 1548 mit dem Tod des Joachim von Schönow, der ohne Leibeserben gestorben war, wieder an das Domkapitel zurück.
Das Domkapitel verlehnte das Dorf daraufhin (1548) an Georg und Christoph von Pfuel zu Fredersdorf und Quilitz für die Summe von 500 Rheinische Gulden. Bereits ihr Vater hatte das Angefälle auf dieses Lehen erhalten. Ihr Bruder Valentin von Pfuel war Domherr in Brandenburg gewesen. Ein Nachfahre eines der beiden Pfuel, Friedrich von Pfuel hatte 1608 in Neu Langerwisch ein Rittergut mit 10 freien Hufen. 1603 hatte Kurfürst Joachim Friedrich, Markgraf von Brandenburg, den Ehevertrag zwischen Friedrich von Pfuel auf Neu Langerwisch, Garz und Biesdorf und Ursula von Schlabrendorf, Tochter Konrads (Curd/Curth) von Schlabrendorf auf Klein Beuthen nachträglich bestätigt. Dieser Friedrich von Pfuel war 1572 beim Landtag in Berlin anwesend. 1602 wurde ein Sohn des Friedrich von Pfuel, George von Pfuel Domherr in Brandenburg an der Havel. Am 6. Oktober 1613 übernahm Christoph von Pfuel nach dem Tod seines Vaters Friedrich das Lehen Neu Langerwisch. 1624 wohnten 10 Hüfner, 5 Halbkossäten, ein Pachtschäfer, ein Laufschmied, zwei Paar Hausleute, ein Hirte und der Hirtenknecht im Dorf. Auf der Feldmark waren 34 Hufen. 10 Hufen hatte die Herrschaft zu sich genommen und daraus das Rittergut gebildet. Schon 1625 übernahm Georg von Pfuel das Lehen. Der Dreißigjährige Krieg hat das Dorf schwer mitgenommen. Georg von Pfuel kam um, und seine Frau Margarethe von Pfuel geb. Brandtin von Lindau musste mit ihren unmündigen Kindern fliehen. 1632 schrieb sie an den Probst von Brandenburg, dass sie wieder in Neu Langerwisch sei und dass es ihr schlecht ginge. Aus einem Brief des Neu Langerwischer Pfarrers Andreas Mohr aus dem Jahr 1641 an das Domkapitel in Brandenburg geht hervor, dass das Dorf bis auf Margarethe von Pfuel und ihre Kinder unbevölkert war. Auch noch aus dem Jahr 1652 wird berichtet, dass das Dorf völlig eingegangen war.
1668 kaufte der Kammerjunker, Baumeister und Generalquartiermeister des Großen Kurfürsten, Philipp de Chieze, der bereits 1662 das Rittergut in Caputh von seinem Lehnsherr und Arbeitgeber erhalten hatte, das Dorf Neu Langerwisch (einschließlich des Gutes) von der Witwe des Vorbesitzers Georg von Pfuel. Margaretha von Pfuel geb. Brandtin. Das Domkapitel erteilte noch im selben Jahr seinen Konsens zum Verkauf. 1671 ging Philipp de Chieze auf einen Tausch mit Kurfürst Friedrich Wilhelm ein. Er erhielt für das Rittergut Caputh und das Dorf Neu Langerwisch mit Rittergut einen größeren Landstrich bei Tilsit in Ostpreußen. Das von Philipp de Chieze ausgebaute frühbarocke Gutshaus in Caputh, meist Schloss Caputh genannt schenkte der Große Kurfürst seiner zweiten Ehefrau, der Kurfürstin Dorothea Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Sie ließ das Schloss weiter ausbauen.
Neu Langerwisch unter dem Amt Potsdam Das Dorf Neu Langerwisch samt Rittergut überwies der Kurfürst dem Amt Potsdam zur Verwaltung. Von der Lehnsherrschaft des Domkapitels über das Dorf Neu Langerwisch oder einem Konsens des Domkapitels zu diesem Tausch ist nun nicht mehr die Rede. Das Historische Ortslexikon beschreibt den Vorgang als Usurpation des Lehens.
1682/83 werden lediglich 24 Sandhufen in Neu Langerwisch erwähnt, aber bereits wieder sieben Kossätenhöfe. Danach bestand das Vorwerk (das ehemalige Rittergut) aus 10 Hufen. Noch für das Jahr 1687 wird erwähnt, dass alle Bauernhufen wüst waren, das heißt die Bauernhöfe nicht besetzt waren. Lediglich die Kossätenhöfe waren wieder vergeben.
Aus dem Jahr 1697 liegt ein Hufenregister für Neu Langerwisch vor. Danach umfasste die gesamte Feldmark 74 Hufen, darunter waren nur 25 wieder urbar gemachte, oder noch brauchbare Hufen. 21 Hufen sollten noch urbar gemacht werden. Die anderen Hufen waren wieder verwachsen. An Wiesen waren 95¾ Morgen vorhanden. Der Rest war Heide (Wald) und Hütung. Von diesen gedachten 46 Hufen hatte das Vorwerk 10 Hufen, der Pfarrer hatte 2 Hufen, der Schulze hatte vier Hufen und 10 Bauern je 3 Hufen. Jede Hufe hatte 30 Morgen, der Morgen zu 400 Rheinländischen Quadratruten. Die 46 Hufen waren auf drei große Felder verteilt, in das Bergholzsche Feld, das Mittelfeld und das Michendorfsche Feld. Vermutlich war die Wiederbesiedlung des Dorfes mit Bauern erst wenige Jahre vorher angelaufen.
1732 werden dann elf in Neu Langerwisch wieder ansässige Bauern erwähnt, ein Vierhufenbauer (Schulze) und 10 Dreihufenbauern. Weiter wohnten im Dorf ein Kossät und vier Büdner, darunter ein Schneider und ein Schmied. Das Amtsvorwerk hatte eine Größe von 681 Morgen. 1745 wird dann erstmals eine Windmühle erwähnt.
1765 gab es weiterhin 11 Bauernhöfe in Neu Langerwisch, den Schulzen mit 4 Hufen und 10 Bauern, die jeweils drei Hufen besaßen. Vier dieser Bauern, später nur noch ein Bauer, hatten die 10 Ritterhufen (= das Vorwerk) in Nutzung. In acht Häusern wohnten Büdner, im Pfarrhaus der Prediger. Weiterhin wohnten im Dorf der Küster, ein Paar Einlieger und zwei einzelne Einlieger. 1770 hatte Neu Langerwisch 101 Einwohner. 1789 beklagten sich die Neu Langerwischer Bauern darüber, dass ihre zum Amt Saarmund zu leistenden Dienste so hoch seien, dass sie ihre eigenen Güter nicht bewirtschaften könnten. 1797 vernichtete ein Großbrand das Schulzengut, das Pfarrhaus, fünf Bauernhöfe und sechs Büdnerhäuser.
Friedrich Wilhelm Bratring beschreibt Neu Langerwisch als Dorf mit einem Amtsvorwerk, mit 11 Ganzbauern (Vollbauern), einem Ganzkossäten, neun Büdnern, 10 Einliegern und einer Schmiede. Auf der Feldmark gab es 24 Bauernhufen und zehn Lehnhufen. Außerdem standen auf der Feldmark 900 Morgen Holz, und 3 Morgen waren mit Weinreben bepflanzt. Der Weinberg lag nordwestlich des Dorfes. Bratring führt (irrtümlich) weiter aus, dass das Vorwerk seit 1764 vererbpachtet war. Im Dorf gab es 31 Feuerstellen (Wohngebäude), und 218 Seelen (Einwohner). Er erwähnt keine Windmühle (mehr), im Gegensatz etwa zu Alt Langerwisch. 1817 hatte Neu Langerwisch 217 Einwohner. Auch noch 1816 beschwerten sich die Neu Langerwischer Bauern beim Amt Potsdam, dass ihre Dienste zu hoch seien. 1818 wurde das alte Schulhaus an der Südseite des Kirchhofs erbaut. 1870 wurde es renoviert und 1902 nach Westen vergrößert. 1974 wurde der Unterricht im Gebäude aufgegeben und das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut.
Mit der Veräußerung des Vorwerks 1820 an Wilhelm von Thümen wurde das Vorwerk an das Gut Caputh angeschlossen (siehe weiter unten).