320px|mini|Der geschlossene moselfränkische Dialektraum wird durch die Bad Hönninger Linie in zwei Gebiete, in denen op bzw. of für „auf“ gilt, geteilt. Moselfränkische Dialekte sind ein westmitteldeutscher Dialektverband. Sie gehören zu den mittelfränkischen Dialekten innerhalb der hochdeutschen Dialekte.

Der Wortschatz des Moselfränkischen wird im Rheinischen Wörterbuch, die Sprachgeographie im Mittelrheinischen Sprachatlas beschrieben.

Beschreibung Moselfränkisch unterscheidet sich deutlich von den übrigen deutschen Mundarten. Constantin Schreiber bezeichnete in einem Beitrag für die Deutsche Welle aus dem Jahr 2009 den moselfränkischen Dialekt als „Exoten“ unter den deutschen Dialekten, die Sprache an der Mosel klinge bunt, wild und ganz anders. Im Gegensatz dazu beschreibt ein Buch aus dem Jahre 1837 das Moselfränkische in der Stadt Trier so: „Die Sprache hat in ihrer volltönenden Breite etwas ungemein treuherziges und gemüthliches.“Chr. v. Stramberg: Das Moselthal zwischen Zell und Konz, mit Städten, Ortschaften, Ritterburgen. Historisch, topographisch. Verlag von J. Hölscher, Koblenz 1837, S. 488f.; auch zitiert in: Fr. Menk: Des Moselthal’s Sagen, Legenden und Geschichten, gesammelt und herausgegeben. Nebst einem Handbuch für Reisende. Verlag von J. Hölscher, Coblenz 1840, S. 281, innerhalb von: Handbüchlein für Reisende an der Mosel von Coblenz bis Tier, S. 261ff.

In der Tat wird Moselfränkisch von anderen Deutschsprachigen nur schwer oder überhaupt nicht verstanden. Die Moselfranken selbst bezeichnen ihren Dialekt als „Platt“: „Mir schwaätzen Platt“ – wir sprechen Platt. Die Trierer und Koblenzer sprechen Trierer Platt bzw. Kowelenzer Platt. In der Hunsrückregion wird Hunsrücker Platt und in der Eifel Eifeler oder Eifler Platt gesprochen.

Aufteilung moselfränkischer Mundarten Die moselfränkische Dialektgruppe wird von der Bad Honnefer Linie in einen nördlichen (nordwestlichen) und einen südlichen (südöstlichen) Teil aufgeteilt. Dem standarddeutschen auf entspricht südlich das nicht diphthongierte of oder uf und nördlich das niederdeutsche op. Eine weitere Sprachgrenze verläuft mit der Bopparder Linie etwas südlicher und teilt den südlichen moselfränkischen Sprachraum in einen Süden mit der hochdeutschen Wortform Korb und einen Norden, wo das Lemma zu Korf wird.

Regionale Dialektvarietäten Das Linguasphere Register (Ausgabe 1999/2000, S. 430) führt unter dem Moselfränkischen (Code 52-ACB-dc) fünf Dialekte auf (Codes -dca bis -dce):

Trierisch (West-Moselfränkisch; Rheinland-Pfalz, Luxemburg, nordwestliches Saarland) Eifelisch (Rheinland-Pfalz, Ostbelgien, Luxemburg, südliches Nordrhein-Westfalen) Untermosellanisch (Rheinland-Pfalz) West-Westerwäldisch (nördliches Rheinland-Pfalz) Siegerländer Platt (südliches Westfalen, nördliches Rheinland-Pfalz)

Zum Moselfränkischen gehören auch die Sprachvarietäten Lothringisch (teilweise), LuxemburgischGeschichte des Grossherzogtums Luxemburg: „Im Alltag sprechen die Luxemburger ihren Dialekt, eine moselfränkische Mundart, die sie selbst noch bis Ende des 19. Jahrhunderts als „Lëtzebuerger Däitsch“ („Luxemburger Deutsch“) bezeichneten.“ sowie Siebenbürgisch-Sächsisch und Riograndenser Hunsrückisch.

Geografische Verbreitung Ursprungsgebiet Moselfränkisch wird im gesamten deutschsprachigen Moselraum sowie in der südlichen Eifel, im nördlichen Hunsrück, jenseits des Rheins bis ins Siegerland hinein, im nördlichen und westlichen Saarland, im südlichen Ostbelgien, entlang der deutschen Grenze auch im ostfranzösischen Lothringen und nicht zuletzt im Großherzogtum Luxemburg gesprochen. Das Luxemburgische, das 1984 per Gesetz zur Amtssprache des Großherzogtums Luxemburg erklärt wurde, heißt offiziell Lëtzebuergesch und verfügt mittlerweile über eine durch Sprachreformen festgelegte Rechtschreibung und Grammatik. miniatur|Verlauf der dat-das-Linie innerhalb des westmitteldeutschen Sprachgebiets Im Norden grenzt die moselfränkische Sprachregion an das ripuarische, im Osten an das hessische (nördliche rheinfränkische) und im Süden an das pfälzische (bzw. insgesamt südliche rheinfränkische) Sprachgebiet. Eine Linie, die aus Lothringen kommend quer durch das Saarland, dann über den Hunsrückkamm und bei Sankt Goar über den Rhein hinweg ins Hessische hinein verläuft, trennt den moselfränkischen vom rheinfränkischen Dialektraum. Sie wird nach einem charakteristischen Unterschied beider Dialektgruppen die dat-das-Linie genannt. Nördlich dieser Isoglosse (Mundartgrenze), im Moselfränkischen, werden die hochdeutschen Wörter „das“, „was“, „es“ usw. als „dat“, „wat“, „et“ usw. gesprochen, nördlich der Bopparder Linie „Korf“ statt „Korb“. Das Hunsrückische kennt weitere mosel-/rheinfränkische Differenzierungen.

Die nördlichen Dialektgrenzen sind ebenfalls nicht überall so eindeutig wie an einer Linie auszumachen, denn in den Übergangsregionen haben sich Mischformen ausgebildet. So sind auch südlich der Bad Honnefer Linie (Dorf-Dorp-Isoglosse) immer wieder die Einflüsse ripuarischer Dialekte erkennbar. An der Elz (Mosel) wird beispielsweise das „goot“ wieder zum „joot“ und der „Gesell“ zum „Jesell“. In den nordsiegerländischen Städten Kreuztal und Hilchenbach wird nicht nur die Vorsilbe „ge-“ (u. a. des Partizips II) zu „je-“, sondern zudem „anders“, „Kinder“ und „hinter“ als „angersch“, „Kinger“ und „hinger“ realisiert. Auch innerhalb des moselfränkischen Sprachraumes gibt es örtlich Abgrenzungen mit sprachlichen Unterschieden, die mitunter sogar zwischen unmittelbar benachbarten Orten bestehen. In Kalenborn bei Kaisersesch ist dies bei der Aussprache der Fragewörter „warum“ und „was“ zu erkennen, die zu „borömm“ und „batt“ werden.

Sprachinseln 320px|mini|Ursprüngliches Verbreitungsgebiet der siebenbürgisch-sächsischen Mundart Auch die Siebenbürger Sachsen sprechen einen dem Moselfränkischen eng verwandten Dialekt, Siebenbürgisch-Sächsisch. Ihre Vorfahren stammen überwiegend aus dem Rhein-Mosel-Gebiet und benachbarten Regionen, in denen das Moselfränkische in der Zeit ihrer Auswanderung um 1150 verbreitet war. Der Dialekt ist als Reliktmundart in Siebenbürgen über die Jahrhunderte erhalten geblieben und wird immer noch von ca. 200.000 Personen innerhalb und mittlerweile mehrheitlich außerhalb Siebenbürgens gesprochen. Auch die Oberzipser Dialekte in der heutigen Slowakei (Eigenbezeichnung auch: Potokisch), die wahrscheinlich älteste Gruppe deutscher Dialekte der Region Zips (spätere folgten lokal schlesische und bairische Dialekte), haben große Ähnlichkeit, sind aber etwas stärker ostmitteldeutsch beeinflusst, als das zeitgleich angesiedelte Siebenbürgisch-Sächsisch.

Das Riograndenser Hunsrückisch (brasilianisches Portugiesisch , oder ) ist eine in Südbrasilien weitverbreitete Minderheitensprache, angelehnt an das Hunsrückisch der deutschen Einwanderer aus dem Hunsrück. Von den Sprechern selbst wird es Hunsrückisch, Hunsrück, Hunsrickisch, Hunsrick, Hunsbucklisch, Deitsch oder Plattdeitsch genannt. Die Entwicklung des Riograndenser Hunsrückisch ist eng mit der deutschen Einwanderung in Brasilien verbunden. Seit Beginn dieser Zuwanderung vor fast 200 Jahren hat sich diese Sprachform vor allem in bestimmten südlichen Regionen des Kaiserreichs Brasilien herausgebildet. Insbesondere im Bundesstaat Rio Grande do Sul (in der Vergangenheit auch als Republik Piratini bezeichnet) hat sich diese Sprachform etabliert.

Sprachbeispiele Schriftlich Der Satz „Wenn man im Sommer morgens die Vögelchen pfeifen hört, geht es einem schon viel besser und man wird munter wie Nachbars Katze“ in verschiedenen moselfränkischen Varietäten:

Wann een am Summer moies d’Villercher päifen héiert, geet et engem scho vill besser an et gëtt ee monter wéi dem Noper seng Kaz. (Luxemburgisch)

Wemma am Sumer morje(n)s de Viejelcher päifen hiert, geht et eäm ald vill bessa on ma gett fit wie dem Noper seng Kaaz. (Bitburger Land)

Wemma am Summer morjens de Viejelcher päifen heert, gieht et eäm scho vill bessa on ma gëtt fit wie dem Noper sein Kaaz. (Trierisch)

Wemma im Summa moins de Vechjelchia peifen heeat, geddet ääm schunn vill bessa unn ma givt munta wie em Nòòba sei Katz. (Wadgassen, Saarland) Wemmer em Summer moins de Vielscher pfeifen hièrd, geehd et eähm scho‘ vill besser on meär gefft monter wéi‘m Nooper sei Katz. (Erbringen, Saarland)

Wemma om Summa morjens de Viejeltja päife hiert, jeht et eenem at vill bessa un ma jett munta wie em Nohpa säin Kaaz. (Nähe Daun/Vulkaneifel)

Wemma em Summa morjens de Vühl päiwe hürt, jaht et ahnem schunn vill bessa on ma wüard monder be em Norba säin Katz. (Mayen, östliche Eifel)

Bamma öm Summa morijens die Vijelscha päiwe hijat, daa gääret äänem at schunns vill bessa un ma gett monda bi däm Nohba säijn Katz. (Ediger/Mosel; Cochemer Krampen)

Wemma em Somma morjens de Vielscher päife hiert, giehtet änem schonn vill bessa un ma wierd monnda wie’m Noowa säin Katz. (Koblenz)

Wemməɹ em Somməɹ moɹjens de Vijelchəɹ piffe hiəɹt, giəɹət äinəm schu vill bessəɹ on məɹ wiɹd monner wie Nochbəɹsch Katz. (Wilnsdorf, Siegerland)

Wonn em äm Sommer des morjest de Vijeltcher fliiten hiirt, gieht et ennem schiun vill beesser end em wid monter wä des Noober senj Kåtz. (Siebenbürgisch-Sächsisch)

Bibelauszug in Hochdeutsch:

23 Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus. 2 Sie fingen aber an, ihn zu verklagen und sprachen: Wir haben gefunden, dass dieser das Volk verführt und es davon abhalten will, dem Kaiser die Steuern zu zahlen. Er behauptet, er sei Christus, der König. 3 Da fragte ihn Pilatus und sprach: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es! 4 Da sprach Pilatus zu den obersten Priestern und der Volksmenge: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen! 5 Sie aber bestanden darauf und sprachen: Er wiegelt das Volk auf, indem er in ganz Judäa lehrt, angefangen in Galiläa bis hierher!

Der gleiche Bibelauszug in Riograndenser Hunsrückisch nach Dr. Altenhofens Rechtschreibung Dr. Altenhofen'sAltenhofen, C. V.; Frey, J.; Käfer, M. L.; Klassmann, M. S.; Neumann, G. R.; Spinassé, K. P. 2007. Fundamentos para uma escrita do Hunsrückisch falado no Brasil. Revista Contingentia, 2: 73–87.

23 Do sinn die ganze Leit uffgestieh, honn Jesus bis Pilatos genomm unn honn ongefang onzegewwe unn soohte: 2 Mea honn do der Mann ongetroff unser Vollek om Uffhetze. Der is degeche’m Kaiser Steier bezoohle unn sooht weer der Messias unn Keenich. 3 Do hot der Pilatos gefroht: Bist du der Judde seine Keenich? Is wohr, hot Jesus geantwott. 4 Do hot Pilatos fer der hoche Priester unn zum Vollek gesooht: Ich kann kee Schuld on dem Mann finne! 5 Awer die honn ongehall unn honn gesooht: Der tut Unoddnung onrichte unninch’em Vollek mit sein Untricht iwerall in Judea. In Galilea hot er ongefang, un jetz is er do bei uns!

Der gleiche Bibelauszug in Luxemburgisch:

23 Du si si alleguer opgestanen an hunn hie virun de Pilatus bruecht. 2 Si hunn ugefaangen, hien unzekloen: Mir hu festgestallt, datt hien d’Vollek opgestëppelt huet: Hien huet hinne verbueden, fir dem Caesar Steieren ze bezuelen, a vu sech selwer seet hien, datt hien de Messias ass, e Kinnek. 3 Bass du de Kinnek vun de Judden? Huet de Pilatus hie gefrot. Du sees et, huet hien him geäntwert. 4 Doropshi sot de Pilatus zu deniewescht Priister an dem Vollek: Ech fanne keng Schold un dësem Mann. 5 Mee si hu sech drop behaapt: Hien hetzt d’Vollek mat senger Léier uechter ganz Judea op. Hien huet a Galilea ugefaangen an elo ass hien hei!

Audio

Lehnwörter