Düsedau ist Ortschaft und Ortsteil der kreisangehörigen Hansestadt Osterburg (Altmark) im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.
Geographie Lage Düsedau, ein zweiteiliges Straßendorf mit Kirche, liegt an der Uchte, kurz vor deren Mündung in die Biese, etwa drei Kilometer südöstlich der Stadt Osterburg (Altmark).
Ortschaftsgliederung Zur Ortschaft Düsedau gehören die Ortsteile Düsedau und Calberwisch.
Geschichte Mittelalter bis Neuzeit Der Ort tauchte 1238 erstmals in einer Urkunde als dimidium Dusdowe iuxta osterborgh auf, als Graf Siegfried von Osterburg Dörfer und Besitz in der Altmark, mit denen er vorher vom St. Ludgerikloster Helmstedt belehnt worden war, dem Abt Gerhard von Werden und Helmstedt überschrieb. Im Jahre 1292 bestätigten die Markgrafen Otto und Konrad die Schenkung von Ackern in villa Dusedowe an den Maternus-Altar der St.-Nikolaus-Kirche in Stendal. Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Dusdow aufgeführt. 1687 heißt es Düsedow und 1804 Düsedau und Düsedow. Es gab 5 Leineweber, eine Schmiede und eine Windmühle, die außerhalb des Dorfes im Südosten stand.
Zu den wechselnden Eigentümern Düsedaus gehörten unter anderem die von der Schulenburg sowie die Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.
Herkunft des Ortsnamens Der Ortsname deutet auf eine ehemals elbslawische Siedlung hin. Er lässt sich aus einer Eigenschaft der Wische rekonstruieren und bedeutet so viel wie ‚modrig/übel riechend‘. Dies traf auf die Landschaft im Nordosten der Altmark vor der Melioration durchaus zu. Ernst Haetge deutete 1938 den Ortsnamen so: Dusde bezeichnet entweder eine Person oder einen dort in der Landschaft häufigen Gegenstand.
Archäologie Archäologische Funde der Altmärkischen Tiefstichkeramik bei Düsedau, die derzeit auf 3500 bis 3300 v. Chr. datiert werden, bezeichnen eine Stufe der Trichterbecherkultur, parallel zu TrB-MES III und Baalberger Kultur.
Eingemeindungen Das Dorf gehörte bis 1807 zum Stendalschen Kreis, danach bis 1813 zum Landkanton Osterburg im Königreich Westphalen, ab 1816 kam die Gemeinde in den Kreis Osterburg, den späteren Landkreis Osterburg in der preußischen Provinz Sachsen.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Calberwisch nach Düsedau eingemeindet. Die Gemeinde Düsedau wurde am 25. Juli 1952 in den Kreis Osterburg umgegliedert.
Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinden Ballerstedt, Düsedau, Erxleben, Flessau, Gladigau, Königsmark, Krevese, Meseberg, Rossau, Walsleben und der Hansestadt Osterburg (Altmark) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Einheitsgemeinde mit dem Namen Hansestadt Osterburg (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Juli 2009 in Kraft.StBA: Gebietsänderungen vom 2. Januar bis 31. Dezember 2009
Nach Umsetzung des Gebietsänderungsvertrages der bisher selbständigen Gemeinde Düsedau wurden Düsedau und Calberwisch Ortsteile der Hansestadt Osterburg (Altmark). Für die eingegliederte Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die aufgenommene Gemeinde Düsedau (und der Ortsteil Calberwisch) wurden zu den Ortsteilen Düsedau und Calberwisch der neuen Hansestadt Osterburg (Altmark), wobei der Ortsbürgermeister Düsedaus weiterhin auch der Bürgermeister Calberwischs blieb. In der eingegliederten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Düsedau wurde ein Ortschaftsrat mit vier Mitgliedern einschließlich des Ortsbürgermeisters gebildet.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Düsedau Jahr Einwohner173414417721611790168179817918011901818235 Jahr Einwohner184027718642871871297188530118922931895300 Jahr Einwohner190029119052991910306192531519392961946519 Jahr Einwohner19646001971558198144519934372006353 Quelle wenn nicht angegeben:
Ortsteil Düsedau Jahr Einwohner201119620121882018185201918820201902021192 Jahr Einwohner202218520231842024179
Religion mini|hochkant=1|Dorfkirche Düsedau Die evangelische Kirchengemeinde Düsedau gehörte früher zur Pfarrei Düsedau bei Osterburg. Die Kirchengemeinde Düsedau wird heute betreut vom Pfarrbereich Königsmark im Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Düsedau stammen aus dem Jahre 1680.
Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.
Politik Ortsbürgermeister Der letzte Bürgermeister der Gemeinde war Roland Märker.
Von 2009 bis 2023 war Oliver Rüdrich Ortsbürgermeister der Ortschaft Düsedau. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ortschaftsrat übernahm diese Funktion Linda Suppelna.
Ortschaftsrat Die Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 ergab das folgende Ergebnis: Die Wählergemeinschaft „WG Düsedau“ errang 89,7 Prozent der Stimmen und damit alle Sitze. Die Kandidatin der CDU konnte mit 10,4 Prozent der Stimmen keinen Sitz erringen.
Gewählt wurden eine Ortschaftsrätin und drei Ortschaftsräte.
Die Wahlbeteiligung lag bei 56,4 Prozent.
Wappen Blasonierung: „In Grün ein schräglinker silberner Wellenbalken, oben ein sechsspeichiges silbernes Wagenrad, unten eine silberne Lilie.“
Die Gestaltung des Wappens für die Gemeinde Düsedau wurde von der Gemeinde im Jahr 2003 an den Heraldiker Jörg Mantzsch in Auftrag gegeben, um im Siegel, auf der Flagge der Gemeinde und im sonstigen Gebrauch ein den Regeln der Heraldik entsprechendes und von der Landesregierung genehmigtes Wappen als kommunales Hoheitszeichen des Ortes zu führen.
Düsedaus Ortsname hängt unmittelbar mit dem Namen der Grundherren von Düsedow zusammen. Sie führten in ihrem Familienwappen u. a. eine heraldische Lilie. Der Ortsteil Calberwisch war im Besitz der Familie von Jagow, deren Wappen ein Rad zierte.
Diese beiden Bezugspunkte in Verbindung mit dem Fluss Uchte sind Bestandteile des Ortswappens. Sie drücken sich durch das Rad (von Jagow), durch die Lilie (von Düsedow) und den schräglinken Wellenbalken (Uchte) aus. Auf der Gemeinderatssitzung am 3. Dezember 2003 wurde beschlossen, die o. g. Symbolik in das Ortswappen aufzunehmen. Der Schild soll dabei grün sein.
Die Gemeindefarben sind Silber (Weiß) – Grün.
Flagge Die Flagge ist Weiß – Grün (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die evangelische Dorfkirche Düsedau, ein dreiteiliger Findlingsbau, ist vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet worden. Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof. In Düsedau steht das Kriegerdenkmal Düsedau, ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, eine Granitstele auf stufenförmigem Sockel.
Wirtschaft und Infrastruktur Das größte Unternehmen in der Ortschaft ist die Agrargenossenschaft Krevese-Düsedau.
Verkehrsanbindung Düsedau liegt nahe der Bundesstraße 189 (Stendal−Wittenberge), welche in Erxleben zu erreichen ist. Eine Landstraße (L14) führt über Hindenburg nach Arneburg und in die Wische. Der nächste Bahnhof befindet sich nach Stilllegung des eigenen Bahnhofes im 3 km entfernten Osterburg (Bahnstrecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge).
Sport Düsedau gehört zu den Altmärkischen Wandernestern, die im Altmärkischen Wanderverein organisiert sind.
Persönlichkeiten Bernhard von Jagow (1840–1916), Gutsbesitzer und preußischer Politiker, Mitglied des Preußischen Herrenhauses Ernst von Jagow (1853–1930), Oberpräsident in Westpreußen Otto Nique (* 1920 in Calberwisch), Politiker (NDPD)
Weblinks
Literatur Heinzgeorg Oette, Ludwig Schumann: „Sachsen-Anhalt“, 1. Auflage 2016, Trescher Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89794-325-4, S. 331
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Osterburg (Altmark)) Kategorie:Ort im Landkreis Stendal Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Stendal) Kategorie:Ersterwähnung 1238 Kategorie:Gemeindeauflösung 2009