Herbert Thiele-Fredersdorf (* 24. April 1909 in Eisenach; † nach 1988) war ein deutscher Jurist, u. a. Verteidiger während der Nürnberger Prozesse und Lektor des Verlages C. H. Beck.
Leben Herbert Thiele-Fredersdorf studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg, München und Berlin und war seit 1928 Mitglied der Studentenverbindung Corps Isaria München.Hans Dieter Beck: Herbert Thiele-Fredersdorf, in: Juristen im Porträt. Verlag und Autoren in 4 Jahrzehnten, C.H. Beck, München 1988, S. 75 (80).Kösener Corpslisten 1960, 109, 1161 Er war kein Mitglied der NSDAP.Hans Dieter Beck: Herbert Thiele-Fredersdorf, in: Juristen im Porträt. Verlag und Autoren in 4 Jahrzehnten, C.H. Beck, München 1988, S. 75 (76). Als Jurist fand er eine Anstellung im Reichsluftfahrtministerium. Im Rahmen dieser Tätigkeit, zu der die Auswertung von Nachrichten aus englischsprachigen Ländern gehörte, erwarb er Sprachkenntnisse, die er später als Übersetzer nutzte.Hans Dieter Beck: Herbert Thiele-Fredersdorf, in: Juristen im Porträt. Verlag und Autoren in 4 Jahrzehnten, C.H. Beck, München 1988, S. 75 (76).
Im Juristenprozess (Fall 3 der Nachfolgeprozesse; USA gegen Josef Altstötter et al.), einem Nachfolgeprozess der Nürnberger Prozesse, welcher von Anfang März 1945 bis Mitte Dezember 1947 dauerte, war er Assistent von Carl Haensel bei der Verteidigung des ehemaligen Ministerialrats im RMJ Günther Joël. Joël wurde in drei Anklagepunkten für schuldig befunden und zu 10 Jahren Haft verurteilt.
Im Prozess Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (Fall 8 der Nachfolgeprozesse; USA gegen Ulrich Greifelt et al.), welcher von Ende Oktober 1947 bis Mitte März 1948 dauerte, war Thiele-Fredersdorf Verteidiger von Gregor Ebner. Ebner wurde in einem von drei Anklagepunkten für schuldig befunden und zu 2 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt. Mit der Urteilsverkündung galt die Freiheitsstrafe als verbüßt.
Ab 1948 war Thiele-Fredersdorf neben Carl Hoeller im juristischen Lektorat des Verlages C. H. Beck tätig. Später hauptsächlich für das Steuerrecht zuständig, war er zuvor auch auf den Gebieten des Straf-, Arbeits-, Straßenverkehrs- und Wiedergutmachungsrechts aktiv. Thiele-Fredersdorf war für den Verlag außerdem als Übersetzer sowohl juristischer als auch historischer Werke tätig.
Übersetzungen (Auswahl) Benjamin Cardozo: Lebendiges Recht. C.H. Beck, München, 1949. William Seagle: Weltgeschichte des Rechts. Eine Einführung in die Probleme und Erscheinungsformen des Rechts. C.H. Beck, München, 1951 und anschließend in mehreren Auflagen. Herbert Morrison: Regierung und Parlament in England. C.H. Beck, München, 1956 und anschließend in mehreren Auflagen. Harold Nicolson: Georg V. C.H. Beck, München, 1954. Harold Nicolson: Vom Mandarin zum Gentleman. Formen der Lebensart in drei Jahrtausenden. C.H. Beck, München, 1958. Arthur Nussbaum: Geschichte des Völkerrechts in gedrängter Darstellung. C.H. Beck, München, 1960. Geoffrey Barraclough: Tendenzen der Geschichte im 20. Jahrhundert. C.H. Beck, München, 1967. Florence Curtis Graybill, Victor Boesen: Ein Denkmal für die Indianer. Edward Sheriff Curtis und sein photographisches Werk über die Indianer Nordamerikas 1907–1930. C.H. Beck, München, 1979, ISBN 3-406-04123-X; Taschenbuchausgabe Rowohlt, Hamburg, 1983.
Literatur Hans Dieter Beck: Herbert Thiele-Fredersdorf, in: Juristen im Porträt. Verlag und Autoren in 4 Jahrzehnten, C.H. Beck, München 1988, S. 75–80.
Einzelnachweise
Kategorie:Strafverteidiger in den Nürnberger Prozessen Kategorie:Militärbeamter Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann