mini|Laurentiuskirche Niedernhall, Westansicht Die evangelische Laurentiuskirche in Niedernhall, einer Stadt im Hohenlohekreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis 2024 zum Kirchenbezirk Künzelsau und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Kochertal im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Laurentiuskirche wurde urkundlich erstmals im Jahr 1225 erwähnt. Die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit zwei weiten, rundbogigen Arkaden im Mittelschiff und fünf rundbogigen Fenstern im Obergaden hat, trotz Um- und Anbauten, im Wesentlichen ihren Charakter als romanische Basilika bis heute bewahrt.Ulrike Kalbaum: Romanische Türstürze und Tympana in Südwestdeutschland: Studien zu ihrer Form, Funktion und Ikonographie, Waxmann Verlag 2011, Seite 345
Geschichte mini|links|hochkant=0.7|Turm mini|Tympanon mini|Obergaden Das Bauwerk hat eine unklare Geschichte. 1225 findet ein Priester (»sacerdos«) erstmals in Niedernhall Erwähnung, 1291 dann ein Pfarrer (»plebanus«). 1336 wird eine Frühmesse, 1388 ein Altar gestiftet. Das Patronat besitzt zunächst Hohenlohe, 1307 wird es dem Stift Öhringen übertragen, von dem es mit der Reformation wieder an Hohenlohe zurückfällt.
Der Bau dieser ursprünglich dreischiffigen Basilika ist nicht denkbar ohne das Vorbild des Doms zu Chur, nur um ein Joch kürzer und ohne das hier nicht nötige Presbyterium, einen für den Klerus abgetrennten Chorbereich. Ganz augenfällig ist die Verwandtschaft der weitgespannten Arkaden. Da Chor und Schiff in Chur 1208 im Rohbau vollendet waren, kann mit einem Baubeginn in Niedernhall gegen 1210 gerechnet werden. Das Tympanon, heute über dem Westportal, wird um 1220 datiert. Eine Urkunde vom 27. Mai 1225 bezeugt die Fertigstellung. Wohl noch im 14. Jahrhundert wird mit der sich lange hinziehenden Gotisierung der Kirche begonnen. Nach Schaffung größerer Fensteröffnungen und einer geringfügige Erhöhung der Umfassungsmauern des Schiffs mit neuem Dach wird in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das südliche Seitenschiff durch Bogenöffnungen zum Schiff und Chor, Abstützung durch Strebepfeiler und einheitliches Dach nach Osten erweitert, zu Beginn des 16. Jahrhunderts analog im Norden das nach Norden erweiterte Seitenschiff und östlich anschließend die gleichzeitige Errichtung einer Sakristei. Das gesamte Schiff erhielt durch diese 1520 abgeschlossenen Baumaßnahmen einen quadratischen Grundriss. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Wandgemälde entfernt, eine Chorempore für die Orgel eingebaut, die anderen Emporen und teilweise Fensteröffnungen verändert und der Chorbogen erhöht. 1872, 1927 und 1955 wurde die Kirche renoviert.
Beschreibung Die Laurentiuskirche liegt im nordwestlichen Teil des alten Städtchens. Der viereckige Turm im Osten ist mit einem romanischen Gesims umfasst und bildet im unteren Stock den quadratischen Chor. Das südliche Seitenschiff wurde im 15. Jahrhundert auf den Grundmauern des alten romanischen Baus aufgeführt. Das nördliche bekam beim Umbau dieselbe Breite wie das Mittelschiff. Die Obergaden sind, bedingt durch die Änderung am Dachwerk, längst vermauert. Die Südseite der Kirche enthält außen ein riesiges Wandgemälde des Christophorus. Es entstand innerhalb der gotischen Bauepoche. Die Malerei auf dem dort noch original spätmittelalterlichen Verputz wurde allerdings im oberen Bereich bei früheren Instandsetzungen komplett ergänzt. Der dreischiffige Innenraum mit dem flachgedeckten und schmal-hohen Mittelschiff wird von den Arkadenbögen dominiert, ihre Spannweite beträgt erstaunliche 6,44 Meter. Hinter der Nordarkade und im Westen befindet sich je eine Empore. Die Ostwand des nördlichen Seitenschiffs enthält einen vermauerten runden Scheidbogen, das südliche Seitenschiff gegenüber einen hohen und offenen Spitzbogen.
Ausstattung Bauplastik Das Westportal der Kirche ist ein Rundbogenportal mit zwei Halbrundstäben. Die Kapitelle tragen links einen Fisch, eine Lilie, Masken und ein Pentagramm, rechts diamantiertes Blattwerk und eine Blattmaske. Das Tympanon zeigt die Marter des hl. Laurentius. Der mittlere nördliche Arkadenpfeiler ist in seltener Steinmetzarbeit über vier Werksteine hinweg mit einem erhaben aus Stein gehauenen Seil einschließlich Knoten umschlungen.
Kruzifix Das Altarkreuz trägt einen Kruzifixus von vermutlich Philipp Christoph Sommer aus dem Jahre 1776, ein Kruzifix im Gemeindesaal stammt aus der Zeit um 1500.
Taufstein Der Taufstein in Sechspassform stammt aus der Zeit der Fertigstellung des gotischen Kirchenumbaus um 1520. Einer der sechs gewölbten Außenflächen ist mit einem Fisch-Wappenschild und der ganze, nach unten abgeschrägte Beckenkorpus mit Astwerk verziert. Der ursprüngliche Fuß fehlt.
Sakramentshaus Ebenfalls von 1520, befand sich das Sakramentshaus früher in der Nordostecke des Chors, seit 1954 ist das hochrechteckige Gehäuse mit seinem hohen, schlanken Fuß und Schmiedeeisen-Gitter an den Chorbogen versetzt. Über einer mit durchkreuzten, krabbenbesetzten Spitzbögen reich verzierten Ausladung steht eine Fialenbekrönung mit sich überschneidenden, krabbenbesetzten Kielbögen. Die in der Mitte hochgeführte Fiale enthält auf Konsolen noch zwei (ursprünglich drei) Prophetenfiguren unter Baldachinen.
Orgel Der hohe Chorbogen gibt den Blick auf die heute zweimanualige, 1954/57 von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link renovierte Orgel von Johann Adam Ehrlich und den von 1775 zeitgleichen und dreiteiligen Orgelprospekt mit Zimbelstern frei: Einfache Rocaille-Schnitzerei mit Gitterwerk an den Seiten.
Glocken Im Chorturm hängt ein zum großen Teil historisches Glockengeläut mit vier Kirchenglocken aus Bronze. Glocke Name Gießer Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton 1 Betglocke Heinrich Kurtz, Stuttgart 1959 1070 mm 813 kg g′ 2 Zeichenglocke unbekannt 13. Jh. 880 mm 430 kg b′ 3 Vaterunser- und Kreuzglocke Christoph Glockengießer, Nürnberg 16. Jh. 785 mm 300 kg c″ 4 Tauf- und Beerdigungsglocke unbekannt 14. Jh. 440 mm 80 kg a″
Literatur Emil Bock: Das Zeitalter der romanischen Kunst: Mit besonderer Berücksichtigung der Württembergischen Denkmäler. Verlag Urachhaus, 1962. Seite 231 Georg Himmelheber (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Künzelsau. (Hrsg.) Staatliches Amt für Denkmalpflege; Stuttgart 1962 – Reprint als Sonderausgabe für den Hohenlohekreis; Frankfurt am Main 1983, S. 241–255 (mit zahlreichen Planskizzen). Helmut Schink (Red.): Evangelische Laurentiuskirche Niedernhall. Festschrift zur Fertigstellung der Außenrenovierung 1994. Künzelsau 1994.
Weblinks
Die Laurentiuskirche (Bildergalerie) auf der Website der Kirchengemeinde, kein Kirchenführer
Einzelnachweise
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