La tempesta ist eine italienischsprachige Grand opéra in einem Prolog und drei Akten von Fromental Halévy (Musik) mit einem Libretto von Eugène Scribe nach dem Schauspiel Der Sturm von William Shakespeare. Die Uraufführung fand am 8. Juni 1850 in Her Majesty’s Theatre in London statt.

Handlung

Kurzfassung

Vorgeschichte und Inhalt der Oper sind im gedruckten Libretto von 1850 folgendermaßen dargestellt:

Prolog

mini|Prolog

Ein Schiffsdeck

Alonzo (Alfonso), König von Neapel, und Antonio, Herzog von Mailand, schlafen an Deck, als unsichtbare Geister einen Sturm entfesseln (Chor der unsichtbaren Geister: „Al dolce e vivido splendor del giorno“). dann wieder. Alonzo und Antonio erwachen aus ihren vom schlechten Gewissen verursachten Albträumen. Die anderen Seeleute werfen ihnen vor, durch ihre Missetaten die Rache des Himmels hervorgerufen zu haben. Währenddessen erscheint der Luftgeist Ariele (Ariel), betrachtet die Szene eine Weile und verschwindet wieder. Die Seeleute stimmen ein Gebet an (Chor: „Nume, che irato i flutti sollevi“). Während das Schiff zerschellt, sieht man Ariele und Geister triumphierend umherfliegen.

Erster Akt

Prosperos Höhle

Szene 1. Sylphiden schlafen verteilt auf der Bühne. Geister besingen ihre Aufgabe, Prosperos Tochter Miranda zu beschützen (Chor: „Noi genii amici e vigili“). Die Sylphiden erwachen und beginnen zu tanzen. Sylphen begleiten sie auf verschiedenen Instrumenten. Ariele erscheint in einem Felsspalt. Er gibt den Sylphen und Sylphiden ein Zeichen, sich zurückzuziehen, da Miranda naht.

Szene 2. Miranda hat den Untergang des Schiffs beobachtet und sucht nun nach ihrem Vater, um den Schiffbrüchigen zu helfen. Außerdem erhofft sie sich von ihm Aufklärung über ihre eigenen ungewohnten Gefühle, die sie seit dem Anblick der Männer hat (Cavatine: „Parmi una voce il murmure“).

Szene 3. Prospero erklärt seiner Tochter den Grund für den Schiffbruch und seinen Hass auf seinen Bruder Antonio, der ihm einst die Krone raubte und ihn mit Miranda den Wellen aussetzte (Szene: „Ah! padre, tu lo puoi“). Miranda ist das Gefühl des Hasses noch völlig fremd, da sie noch nie anderen Menschen als ihrem Vater begegnet ist. Die Hexe Sicorace (Sycorax) und ihr Sohn Calibano (Caliban) haben nichts Menschliches an sich. Prospero ruft Calibano herbei

mini|Erster Akt, Szene 4

Szene 4. Prospero befiehlt Calibano, Feuerholz zu sammeln (Szene: „Eh, Calibano! Ora vengo, pazienza!“). Calibano ist unzufrieden mit seinem Status als Sklave, da er als Herrscher dieser Insel geboren wurde (Terzett: „In quest’isola rapita a mia madre un di da te“). Prospero erklärt ihm, dass er ihn aus seinem niederen Stand befreit und ihm seine eigene Sprache beigebracht habe. Er hält Calibano für undankbar. Der wiederum hofft, später Gelegenheit zur Rache zu bekommen. Prospero schickt ihn fort.

Szene 5. Um Miranda zu beruhigen, vergleicht Prospero sie mit einer unschuldigen Blume (Romanze: „Sorge un fior sovra inospita spiaggia“). Sie geht in die Höhle.

Szene 6. Ariele berichtet, dass das Schiff gestrandet sei und er Alonzos Sohn Fernando (Ferdinand) von den anderen Seeleuten getrennt habe (Rezitativ und Szene: „Ebben, del re la nave in qual seno“). Prospero hat mithilfe seiner magischen Kräfte erfahren, dass sein Exil ein Ende finden wird, wenn Fernando und Miranda ein Paar werden. Falls seine Tochter jedoch jemand anderen heirate, werde sein Leid ewig währen. Ariele soll sie daher unter allen Umständen von Calibano fernhalten.

Szene 7. Ariele ergreift eine Theorbe und ruft die Sylphiden herbei, die Fernando aus einem Versteck heraus einlullen (Cavatine mit Chor der Geister: „Cara, soave, aerea voce che a me discendi“).

Szene 8. Miranda und Fernando treffen zusammen und verlieben sich sofort ineinander (Szene und Duett: „Ah! che veggo?“ – „Qual mai diva“).

Szene 9. Ariele führt Prospero herbei, der zufrieden seine Wünsche in Erfüllung gehen sieht. Um den Erfolg nicht gefährden, gibt er Ariele durch Gesten zu verstehen, dass er vorerst noch als strenger Vater auftreten will. Er stellt sich zwischen das Paar und führt Miranda in die Höhle. Fernando sieht zuerst traurig zu, doch Ariele nähert sich ihm lächelnd und führt ihn ebenfalls in die Höhle. Die Luftgeister erscheinen auf den Felsen, schwingen als Zeichen der Freude ihre Flügel und verstreuen Blumen über Miranda und Fernando.

Zweiter Akt

Ein bewaldeter Teil der Insel, mit Felsen bedeckt und teilweise durch einen Vulkanausbruch verwüstet

Links im Vordergrund ein schwarzer Felsen mit einem Büschel roter Blumen; rechts der Ausgang von Prosperos Höhle; hinten eine große Kiefer, die offenbar von einem Blitz getroffen wurde: der Stamm ist in zwei Hälften zersplittert, aber dennoch hat der Baum einen großen Teil seines immergrünen Laubs behalten.

Szene 1. Während Calibano Feuerholz aufschichtet, beklagt er sein Schicksal (Arie: „Tutti i velen che il sole“). Die Stimme seiner Mutter Sicorace ruft ihm aus ihrem unsichtbaren Gefängnis heraus zu, dass er Prosperos Macht beenden könne, wenn er Miranda als Braut nehme (Szene und Arietta: „Calibano! Calibano! Qual voce è questa“). Sie weist ihn auf die drei zaubermächtigen Blumen auf dem Felsen hin und bittet ihn, sie mit deren Hilfe zu befreien. Als er Ariele und Prospero aus der Höhle kommen sieht, versteckt er sich hinter dem Felsen.

Szene 2. Prospero fordert Ariele auf, Miranda nicht aus den Augen zu lassen, während er nach seinem Bruder sucht. Ariele versteckt sich in dem Baum. Kurz darauf tritt Calibano hervor und schüttelt den Blumenstrauß, worauf sich die beiden Teile des Baumes verbinden und Ariele einschließen. Seine Arme verwandeln sich in Zweige. Die Stimme seiner Mutter mahnt Calibano zur Eile.

mini|Zweiter Akt, Szene 3

Szene 3. Miranda tritt aus der Höhle. Während sie noch über das für sie neue Gefühl der Liebe nachdenkt, tritt Calibano auf sie zu und bedroht sie (Duett und Szene: „Pure mi scuote ed agita“). In ihrer Not zieht Miranda einen Dolch, um sich selbst zu töten. Calibano jedoch schüttelt noch einmal den Blumenstrauß, und Miranda sinkt auf den Felsen nieder. Obwohl Sicorace ihn ermahnt, sie endlich zu befreien, verschleppt Calibano stattdessen die schlafende Miranda.

Ein anderer Teil der Insel, bedeckt mit Bäumen und Gras

Szene 4. Trincolo (Trinculo) und die anderen Seeleute nutzen die Zeit für ein Trinkgelage (Chor: „Ci oppresse abbastanza“).

Szene 5. Der Seemann Stefano (Stephano) stimmt eine Canzone an („Nostr’omo, il mozzo“). Niemand von ihnen weiß, was aus Antonio und dem König geworden ist. Als sie das Monster Calibano bemerken, verstecken sich alle zwischen den Bäumen (Szene: „Aspetta un pò! non vedi tu venire“).

mini|Zweiter Akt, Szene 6

Szene 6. Als Calibano die noch immer schlafende Miranda auf eine Grasfläche legt, umzingeln ihn die Seeleute. In seiner Not will Calibano seinen letzten Zauber nutzen. Er verspricht den Seeleuten die Rückkehr in die Heimat, wenn sie ihn und Miranda in Frieden lassen. Die Seeleute stimmen zum Schein zu und überreden Calibano, den Vertrag mit Wein zu besiegeln (Bacchanal: „Ma mi par… ma mi par che la terra“). Unterdessen ist Miranda erwacht. Sie unternimmt mehrere Fluchtversuche, die von den Seeleuten oder Calibano vereitelt werden. Schließlich gelingt es ihr, Calibano die Blumen zu entreißen und damit zu entkommen. Calibano und die Seeleute versuchen noch, sie einzuholen, doch sie schüttelt die Blumen, und ihre Verfolger bleiben wie angewurzelt stehen.

Dritter Akt

Szene wie zu Beginn des zweiten Akts

Szene 1. Antonio und Alonzo irren ziellos auf der Insel umher (Szene: „Non è riposo il mio, è stupor che l’inferno“). Beide leiden unter Stimmen, die sie ihrer Verbrechen anklagen.

Szene 2. Prospero konfrontiert seinen Bruder und dessen Komplizen, ohne sich selbst zu erkennen zu geben, mit ihren Taten und verheißt ihnen die Strafe des Allmächtigen.

mini|Dritter Akt, Szene 3

Szene 3. Prospero ruft nach Ariele, der noch immer in dem Baum gefangen ist und nur seine in Zweige verwandelten Arme bewegen kann, um auf seine Situation hinzuweisen. Prospero befreit ihn mit seinem Zauberstab. Ariele informiert ihn gestisch über Mirandas Gefangennahme durch Calibano. Alle machen sich auf die Suche nach ihr.

Szene 4. Kaum sind die anderen fort, erscheint Miranda. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Gedanken nicht von Fernando abwenden kann. Als sie den Himmel um Hilfe anfleht, antwortet ihr die Stimme der Hexe Sicorace, die sich als von ihrem Vater ausgesandter guter Geist ausgibt. Sicorace behauptet, dass Fernando eine Gefahr darstelle und ein böser Zauber sie beide verbinde. Um ihren Vater zu retten, müsse sie Fernando unverzüglich töten. Miranda glaubt ihr und betritt die Höhle.

mini|Dritter Akt, Szene 5

In Prosperos Höhle

Szene 5. Miranda findet Fernando auf einem Bett aus Blättern schlafend und betrachtet ihn fasziniert (Duett und Finale: „Questa fronte, questo viso pari agli angeli“). Da sie glaubt, noch immer unter dem Zauber zu stehen, zieht sie ihren Dolch, um ihn zu töten. In diesem Moment ruft Fernando im Schlaf ihren Namen. Er erwacht und erklärt ihr seine Liebe. Miranda fühlt sich nicht mehr in der Lage, den Mord auszuführen. Sie beschließt, Fernando stattdessen gegen Calibano und die sich nahenden Seeleute zu verteidigen.

Szene 6 („ultima“). Als Calibano und die Seeleute eintreffen, nimmt Fernando Miranda zum Schutz in seine Arme. Die Seeleute erkennen ihn als ihren Herrscher und lassen von der Verfolgung ab, zumal er ihnen Miranda als ihre Königin vorstellt. Ariele erscheint, unsichtbar für die anderen, auf einem Felsen und gibt ein Zeichen der Freude. Calibano ergreift die auf den Boden gefallenen Blumen, um seine Feinde mit dem letzten Zauber zu vernichten. Da Miranda diesen bereits verbraucht hat, bleibt das wirkungslos. Stattdessen verwandelt Ariele mit seinem Zauberstab die Szene in einen von tausend Feuern erleuchteten Luftpalast. An dessen Rückwand sitzt Prospero auf einem Thron zwischen Alonzo und Antonio, beide in prächtiger Kleidung. Sie steigen herab und vereinen die Hände Fernandos und Mirandas. Prospero gibt Calibano frei und überantwortet ihm die alleinige Herrschaft über die Insel. Er selbst wird mit den anderen in seine Heimat zurückreisen. Miranda fordert Ariele auf, noch einmal seinen Zauber walten zu lassen (Arie: „Vinto ha natura e amor“). Ariele schwenkt seinen Stab. Die Szene verändert sich erneut und zeigt nun das Meer mit einem prächtig geschmückten Schiff. Geister schwellen zwischen den Masten und der Takelage die Segel. Ariele führt Miranda und Fernando zum Schiff. Die anderen folgen ihnen.

Werkgeschichte

mini|hochkant|Titelblatt des illustrierten Librettos, London 1850 mini|hochkant|Henriette Sontag als Miranda mini|hochkant|Luigi Lablache als Caliban