mini|Im Jahre 2000; Reklame-Sammelbilder (1897/98, Serie 31) der Schokoladen-Fabrik Gebr. Stollwerck
Science-Fiction, auch Sciencefiction geschrieben ([]; : Naturwissenschaft, : Fiktion), ist ein Genre in Literatur (Prosa, Comic), Film, Hörspiel, Videospiel und Kunst. Charakteristisch sind wissenschaftlich-technische Spekulationen, Raumfahrtthemen, ferne Zukunft, fremde Zivilisationen und meist zukünftige Entwicklungen.
Auch die englische Schreibweise Science Fiction ist gebräuchlich und in der Fan-Community weit verbreitet, laut Amtlichem Regelwerk der deutschen Rechtschreibung jedoch nicht korrekt. Übliche Abkürzungen sind Sci-Fi oder SciFi ([], auch []) sowie SF.Brian Aldiss: Der Millionen-Jahre-Traum. Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe, Bergisch Gladbach 1980, ISBN 3-404-24002-2, S. 27.
Synonyme und Abgrenzung Synonyme sind Zukunftsroman, -literatur, -film, Wissenschaftliche Fantastik (ehem. DDR-Lehnübersetzung von russisch Научная фантастика).
Verwandte Gebiete, die nicht zur SF gehören, sind die utopische Literatur sowie fantastische Literatur (nicht zu verwechseln mit Fantasy oder romantischer Fantastik). Die Autoren Heinlein, Haldeman und Robinson verwendeten für nicht wissenschaftlich-technische Literatur den Begriff Speculative Fiction.
Entwicklung Der Begriff wurde erstmals 1851 von dem britischen Dichter und Essayisten William Wilson (ca. 1826–1886) in der Überschrift von Kapitel 10 seines Buches A little earnest book upon a great old subject als „Science-Fiction“ eingeführt und, so der Schriftsteller Felix J. Palma in seinem Buch Die Landkarte der Zeit, von dem luxemburgisch-amerikanischen Erfinder, Schriftsteller und Verleger Hugo Gernsback im April 1926 in seiner Zeitschrift Amazing Stories als „scientifiction“ verwendet sowie ab 1929 in der endgültigen Form „science fiction“ als Genrebezeichnung etabliert.“By ‘scientifiction’ I mean the Jules Verne, H. G. Wells and Edgar Allan Poe type of story — a charming romance intermingled with scientific fact and prophetic vision … Not only do these amazing tales make tremendously interesting reading — they are always instructive. They supply knowledge […] in a very palatable form […] New adventures pictured for us in the scientifiction of today are not at all impossible of realization tomorrow … Many great science stories destined to be of historical interest are still to be written … Posterity will point to them as having blazed a new trail, not only in literature and fiction, but progress as well.” Amazing Stories, Ausgabe April 1926. Bereits im August 1923 hatte er eine Sondernummer seines Magazins „Science and Invention“ als Scientific Fiction Number herausgegeben. 1929 ist das Lehnwort Science-Fiction in Werbungen für das Magazin Air Wonder Stories belegt. Die Abkürzung sci-fi ist von 1955.
In der Naturwissenschaft und ihrer Anwendungsdimension, der Technik, wurde das Heil des Menschen gesehen. Parallel zum Wissenschaftsglauben entstand im 19. Jahrhundert die Wissenschafts- und Technikangst. Dieser Glaube und diese Angst verschmolzen zu dem epochal neuen und gespaltenen Lebensgefühl, neomythischer Titan zu sein, der sich vor seiner eigenen Macht fürchtet. Daher entstanden Dystopien wie beispielsweise bei Aldous Huxley und George Orwell. Diese Ambivalenz prägt die Science-Fiction, die sich der Beschreibung der Auswirkungen der Technik auf den Menschen und der utopisch-futurologischen Extrapolation ihrer Auswirkungen besonders verschrieben hat. Manche poststrukturalistisch orientierte Autoren wie Samuel R. Delany vertreten die Ansicht, dass die Undefinierbarkeit ein wesentliches Merkmal von Science-Fiction ist. In der theoretischen Diskussion ist ungeklärt, ob die Science-Fiction ein Genre oder eine Gattung ist, also ob sie sich durch einen relativ festen Bestand von formalen, inhaltlichen oder strukturellen Elementen definieren lässt oder ob Science-Fiction treffender als Modus beschrieben werden sollte, der auf einer grundlegenderen Ebene als der eines Genres die Beschaffenheit der jeweiligen fiktionalen Welt beschreibt. Delany sieht in der literarischen Science-Fiction sogar eine grundsätzlich eigene sprachliche Ausdrucksform, die wie die Lyrik anders gelesen werden muss als normale Erzählliteratur.
Science-Fiction wird nicht über den Handlungsort definiert. Das heißt, dass eine Geschichte nicht unbedingt in die Gattung Science-Fiction gehört, nur weil sie in der Zukunft oder im Weltall spielt.
Abgrenzung von Fantasy Science-Fiction grenzt sich meist von Fantasy ab. Um Fantasy handelt es sich immer dann, wenn die erzählten Phänomene keinen Bezug zu einer (natur-)wissenschaftlichen Überlegung haben und stattdessen Elemente der phantastischen Literatur verwenden. Wird beides gemischt, spricht man meist von „Science-Fiction/Fantasy“, „SciFi-Fantasy“ oder von „Science Fantasy“. Häufig bedient man sich klassischer Fantasy-Elemente und interpretiert sie um. So werden etwa die Magie der Fantasy in der Science-Fiction häufig gegen Psi-Kräfte, ihre Götter oder Geister gegen evolutionär fortgeschrittene Lebensformen ausgetauscht.
Weitgehend Einigkeit herrscht darüber, dass sich Science-Fiction durch eines oder mehrere Elemente auszeichnet, die in unserer normalen Alltagswelt (noch) nicht möglich sind. Für dieses Element hat sich die Bezeichnung Novum weitgehend durchgesetzt.Der Begriff wurde von Darko Suvin geprägt, vgl. Darko Suvin: Poetik der Science Fiction. Zur Theorie einer literarischen Gattung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, pass. – Original: Metamorphoses of Science Fiction. Yale 1979. Uneinigkeit herrscht darüber, inwiefern sich das Novum von typischen Elementen des Märchens oder der Fantasy unterscheidet. Befürworter der strengen Science-Fiction-Definition argumentieren, das Novum müsse wissenschaftlich erklärbar und rational nachvollziehbar sein. Diese Position ist jedoch umstritten, da in der Praxis die meisten Science-Fiction-Nova naturwissenschaftlich ungeklärt oder spekulativ sind oder es (wenn auch selten) vorkommt, dass heutige wissenschaftliche Grundlagen für Science-Fiction-Ideen hinfällig werden. Typische Nova wie die Zeitreise oder das Überschreiten der Lichtgeschwindigkeit entspringen oft reinem Wunschdenken und basieren nicht auf wissenschaftlichen Fakten. In ihrer Plausibilität unterscheiden sie sich kaum von Topoi des Märchens wie fliegenden Teppichen oder sprechenden Tieren.
Schwierig wird die Definition durch Erzählungen, die ein Thema im Titel nur nennen, zum Schwerpunkt aber ein anderes Thema wählen. Ein Beispiel hierfür ist etwa H. G. Wells’ Roman Die Zeitmaschine, in dem die Zeitmaschine eher eine Nebenidee darstellt, die noch die Gattung Science-Fiction signalisiert, während es in erster Linie aber um die Dystopie der Morlocks und Eloi geht, die der Horrorliteratur entnommen sind. Auch tritt das Problem auf, dass in einer Science-Fiction-Erzählung zwar nachvollziehbare gesellschaftliche Kritik erscheint, dies aber vor dem Hintergrund allzu undurchdachter technischer Ideen geschieht, die eher der phantastischen Literatur entnommen scheinen.
Der Physiker und Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke formulierte zu diesem Problem sein Drittes Clarkesches Gesetz: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Vielleicht kann man festhalten, dass in der Science-Fiction „versucht“ wird, wissenschaftliche Erklärungen zu liefern, während in der Fantasy die entsprechenden Elemente (große, sprechende Spinnen in Harry Potter) ohne Erklärungen nur einfach hingenommen werden müssen.
Veränderungen Seit die Science-Fiction ihre einstige Nische verlassen und den Massenmarkt erobert hat, scheint es weniger nötig, Wissenschaftliches als konstituierendes Element einzubauen.
Neuerdings fordert man deshalb meistens keine Wissenschaftlichkeit für die Science-Fiction mehr, sondern nur noch, dass sie Wissenschaftlichkeit für sich „beanspruche“. Science-Fiction sei weniger eine Frage der Plausibilität, sondern der Haltung, die ein Film oder Roman gegenüber der dargestellten Welt einnimmt. Science-Fiction wird von vielen Autoren als Märchenerzählung aufgefasst, bei der lediglich die Auswahl der fantastischen Elemente der Zeit angepasst ist – Menschen werden nicht an andere Orte gezaubert, sondern mit technischen Apparaten „gebeamt“ (beispielsweise in Star Trek), um die Geschichte plausibler zu machen. Das Novum wird „naturalisiert“, also an die jeweiligen Vorstellungen von Wissenschaft und Technik angepasst.Vgl. Simon Spiegel: Der Begriff der Verfremdung in der Science-Fiction-Theorie. Ein Klärungsversuch. In: Franz Rottensteiner et al.: Quarber Merkur. Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science-Fiction und Phantastik. Nr. 103/104, S. 13–40, Erster Deutscher Fantasy Club, Wien 2006, pass.
„Alterung“ der Science-Fiction und Fantasy
Science-Fiction ist einer ständigen Aktualisierung der Methoden ausgesetzt. Wie Jules Verne und H. G. Wells noch unvorstellbar riesige Kanonen oder absurd erscheinende dampfgetriebene mechanische Apparate zum Herz der Erzählung machten, erfinden heutige Autoren ähnlich gewagte Apparate für Zeitreisen oder Fortbewegung. Je mehr sich Science-Fiction in ihrer Darstellung, wie Technik und Wissenschaft auszusehen haben, also von einem wissenschaftskritischen Standpunkt entfernt, desto mehr nähert sie sich der Fantasy an. Dies ist einer der Gründe, warum Science-Fiction-Geschichten und insbesondere -Filme schon wenige Jahre nach der Entstehung mitunter naiv oder unfreiwillig komisch wirken. Entwicklungen vollziehen sich schneller, langsamer oder ganz anders als zum Entstehungszeitpunkt des Werkes angenommen. Der Kommunikator etwa in der ersten Star-Trek-Serie war in den 1960er Jahren mit seiner planetaren Reichweite nicht einmal als teures Spezialfunkgerät denkbar, wirkt aber im Zeitalter der Mobiltelefonie vorsintflutlich (sofern man bei diesem häufig angeführten Beispiel vernachlässigt, dass Mobiltelefone auf Netze und deren aufwändige Installationen angewiesen sind, während Kommunikatoren jenseits jeglicher Zivilisation und sogar durch solide Planetenkörper hindurch funktionieren). Andere Techniken, wie das Raumschiff oder Holodeck, sind der Entwicklung weit voraus. So bleibt Science-Fiction immer ein Balanceakt zwischen zu starker und zu schwacher Entwicklungsabschätzung. Es gibt allerdings das Genre des Steampunk, bei dem sich die Autoren ganz bewusst auf den Wissensstand einer früheren Epoche zurückversetzen – vorzugsweise des ausgehenden 19. Jahrhunderts – und von dort aus damals vorherrschende Technologien weiterentwickeln. In den letzten Jahren wurde analog hierzu der Begriff „Rocketpunk“ geprägt, um ein Untergenre zu beschreiben, das die klassische SF des Golden Age imitiert, indem es von einem Wissensstand von um 1950 ausgeht.Rick Robinson: Gepr. 2011-0225-1754 (edt. 2008-0907-1338), Abs. 1:
Science-Fiction und Fantastik Bevor Fantasy oder Science-Fiction als eigenes Genre Anerkennung fanden, wurde Fantastik oft (abgrenzend zur Utopie) als Synonym für Science-Fiction verwendet.