Borzym ( Borin) ist ein Dorf in der Landgemeinde (Gmina) Gryfino (Greifenhagen) im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis) der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

mini|Dorfkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Borin (Aufnahme 2012)

Geographie Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, unweit des Flüsschens Thue, am Westufer des sogenannten Langen Sees, etwa 30 Kilometer südlich von Stettin, zwölf Kilometer südöstlich der Stadt Gryfino und elf Kilometer nordnordwestlich von Banie (Bahn).

Geschichte mini|Borin, südsüdöstlich des Stettiner Haffs und der Stadt Stettin, rechts der Oder, südwestlich des Madüsees (Madui Lacus) und südöstlich der Stadt Greifenhagen (Griffenhagen) und nordnordwestlich von Bahn (Bahnen), auf der Lubinschen Karte von 1618 (Ausschnitt) mini|Kirchdorf Borin (Borrin), südöstlich von Greifenhagen und nordwestlich von Pyritz auf einer Landkarte des 18. Jahrhunderts

Nach Berghaus liegt dem Ortsnamen das slawische Wort Bor, für Nadelholzwald, zugrunde, was der hier von alters her verbreiteten Gemeinen Kiefer zu verdanken sei. Ob sich das Dorf Borin oder Borrin bereits 1226 im Besitz des Klosters Kolbatz befunden hat, wie Brüggemann und BerghausHeinrich Berghaus, 1868, ebenda, S. 49–50 (Google Books). annahmen, ist ungewiss, da eine aus dem Jahr stammende Bestätigungsurkunde des Herzogs Barnim I. als unecht erkannt wurde.Robert Klempin (Hrsg.): Pommersches Urkundenbuch, Band I. Erste Abtheilung: 786–1253. Regesten, Berichtigungen und Ergänzungen zum Codex Pomeraniae diplomaticus von Hasselbach und Kosegarten. Stettin 1868, S. 177–187, Nr. 236 (Google Books) Im Jahr 1282 bestätigten die Markgrafen Otto IV. von Brandenburg und Konrad I. von Brandenburg dem Kloster Kolbatz alle Rechte und Besitzungen, einschließlich Borins, gegen Aufgabe der Rechte desselben auf Arnswalde und Sammenthin.Pommersches Urkundenbuch, 1. Abteilung, 2. Band (Rodgero Prümers, Hrsg.): 1254–1278, Perthes, Stettin 1881, S. 471–452, Nr. 1232 (Google Books). Eine Aufzählung der Dörfer, darunter Borrin, die das Kloster 1345 in Besitz hatte und die einer Urkunde Kaiser Karls IV. entnommen ist, haben RestorffFriedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. Nicolai, Berlin/Stettin 1827, S. 198–199, Ziffer 1 (Google Books). und Berghaus angegeben.

Im 16. Jahrhundert wurden die pommerschen Klostergüter nach der Reformation säkularisiert und als herzogliche Domänenämter vereinigt und verwaltet. Einzelne Gutsbezirke konnten gepachtet werden, aber auch ganze Konglomerate von Gütern von einem Generalpächter. Der statistische Bestand des Rentamtsbezirks Kolbatz nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs ist in dem Urbarium von Kolbaz von 1700 festgehalten worden.Heinrich Berghaus, 1868, ebenda, S. 139–150 (Google Books). Das darin erwähnte Gut Bohrin, das 1653 von dem Amtsrat Moritz Neubauer auf ungefähr 25 wüsten Bauerhufen angelegt worden war,Heinrich Berghaus: 1648, ebenda, S. 145, Absatz 1. (Google Books). dürfte der späteren Ortschaft Borin entsprechen.

Durch eine Feuersbrunst am 9. Juli 1792 ist der größte Teil des Dorfs, einschließlich der Kirche, des Pfarrhauses und der Schule zerstört worden.

Im Jahr 1856 wurde ein Schulhaus im Fachwerkhaus-Baustil neu errichtet. Der Dorflehrer zur damaligen Zeit war gleichzeitig Küster und Organist der Kirche.

Im Jahr 1925 hatte Borin drei Wohnplätze: Borin Boriner Mühle Sandfeld

Im Jahr 1945 gehörte Borin zum Landkreis Greifenhagen im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Borin war Sitz des Amtsbezirks Borin.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region von der Roten Armee besetzt. Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde Borin mit ganz Hinterpommern, jedoch ohne die militärischen Sperrgebiete, seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Anschließend wanderten Polen zu. Borin wurde in „Borzym“ umbenannt. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Borin vertrieben.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – 42 Feuerstellen (Haushaltungen)Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 106, Ziffer (6) (Google Books). 1818 325 königl. Dorf und Wassermühle, mit MutterkircheAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F. Bei Karl August Kümmel, Halle 1821, S. 155, Ziffer 4036 (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. Nicolai, Berlin und Stettin 1827, S. 197, Ziffer 1 (Google Books). 1852 489 Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats, enthaltend die sämmtlichen Städte, Flecken, Dörfer … mit Angabe des Gerichts erster Instanz … Unter Benutzung der Akten des Königlichen Justiz-Ministeriums. Deckersche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1856, S. 63 (Google Books). 1864 634 am 3. Dezember, auf einer Gemarkungsfläche von 5638 Morgen in 71 WohngebäudenKönigl. Finanzministerium (Hrsg.): Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin, Berlin 1866. 4. Kreis Greifenhagen, S. 2–9, Ziffer 5 (Google Books).Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Bearbeitet von Heinrich Berghaus. Zweiten Teils dritter Band: Kreise Greifenhagen und Piritz. Anklam 1868, S. 359–360 (Google Books). 1867 666 am 3. DezemberKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil III: Provinz Pommern, Berlin 1874, S. 32–33, Ziffer 9 (Google Books). 1871 649 am 1. Dezember, in 80 Wohngebäuden; sämtlich Evangelische 1890 651 sämtlich EvangelischeTheologisches Hilfslexikon, Band 2, Perthes, Gotha 1893, S. 81, Ziffer 12) (Google Books). 1910 564 am 1. DezemberBorin, Dorf, unweit der Thue, Kreis Greifenhagen, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Borin (meyersgaz.org). 1925 546 darunter 538 Evangelische, vier Katholiken, ein Gemeindemitglied jüdischer Konfession und drei Einwohner unbekannten GlaubensbekenntnissesGunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Borin im ehemaligen Kreis Greifenhagen in Pommern (2011). 1933 519 1939 493

Kirchspiel Das evangelische Kirchspiel der Mutterkirche, zu dem als Filiale das Dorf Kronheide eingepfarrt war, gehörte früher zur Synode Kolbatz.

Das massive Kirchenschiff ist mit Feldsteinen erbaut, der mit Zinkblech verkleidete Turm, der im 19. Jahrhundert zwei Glocken beherbergte, auf seiner Spitze mit vergoldeter Kugel und Kreuz verziert. Die Kirche wurde 1858 mit einer Orgel versehen. 1862 wurde ein massives, vollständig unterkellertes Pfarrhaus neu errichtet.

Literatur Borin, Dorf, unweit der Thue, Kreis Greifenhagen, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Borin (meyersgaz.org). Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 106, Ziffer (6) (Google Books). Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Bearbeitet von Heinrich Berghaus. Zweiten Teils dritter Band: Kreise Greifenhagen und Piritz. Anklam 1868, S. 359–360 (Google Books).

Weblinks

Borin (Heimatkreis Greifenhagen – Pommern) Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Borin im ehemaligen Kreis Greifenhagen in Pommern (2011). Amtsbezirk Borin (Territorial.de)

Einzelnachweise

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