mini|Domplatz 5, Blick von Norden, 2015 mini|Westfassade zum Domplatz, 2014 Das Haus Domplatz 5, auch Domdechanei, heute Motel One, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Es wird als Hotel der Kette Motel One betrieben.
Lage Das Gebäude befindet sich an der nordöstlichen Ecke des Domplatzes in der Magdeburger Altstadt. Unmittelbar nördlich des Hauses mündet die Straße Gouvernementsberg auf den Domplatz ein. Südlich grenzt das gleichfalls denkmalgeschützte Knautsche Palais an. Nördlich, auf der gegenüberliegenden Seite des Gouvernementsbergs, befinden sich die in eine Grünanlage integrierten Reste des Dompredigerhauses. Östlich befand sich der Standort des Hieronymushauses.
Geschichte
Vorgängerbebauung Während des 14. Jahrhunderts befand sich in diesem Bereich die Kurie der erzbischöflichen Knappen Nikolaus von Bismarck, der es an den Erzbischof Peter verkaufte. Für das Jahr 1377 ist belegt, dass sich daneben der Stall des Erzbischofs befand. Der Erzbischof schenkte am 23. September 1377 das Haus dem Kollegium der damals neuen, in seinem Palast befindlichen Marienkapelle, die heutige Sankt-Gangolfi-Kapelle am Gangolfistift. Er gab Anweisungen zur Frage der Verwendung des verkauften Hofs. Seitens des Stifts wurde auf dem Grundstück ein großes Kapitelhaus errichtet. Es verfügte für das als Zins angelieferte Getreide über große Schüttböden.
Erzbischof Sigismund schenkte das zu diesem Zeitpunkt bereits wieder wüste Grundstück am 5. Oktober 1561 dem Domdechant Christoph von Möllendorf. Möllendorf nahm mit Einverständnis des Domkapitels eine Schenkung des Erzbischofs Sigismund auch benachbarter Grundstücke an, so eine wüste Hofstelle mit einer alten Badestube, die möglicherweise früher zum Sitz des Erzbischofs gehörte, den davor befindlichen Raum sowie den sogenannten Dombrunnen. Weiterhin gehörte dazu ein freier Platz im sogenannten Trillmännchen in einem Winkel zum erzbischöflichen Garten. Außerdem erwarb er im Zuge eines Grundstückstausches mit den Kaldaunenherren das baufällige Kapitelhaus samt Wirtschaftsgebäuden des GangolfistiftsErnst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 37 sowie eine Mauer, die als Abgrenzung zum benachbarten Grundstücks des Erzbischofs diente.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 71 1563 ließ Möllendorf ein zweigeschossiges steinernes Wohnhaus mit Westgiebel zum Domplatz errichten, in dem er den auf die Romanik zurückgehenden Kernbau nach Westen erweiterte und so in seinen Ausmaßen ungefähr verdoppelte. Das Gelände der Kurie erstreckte sich bergauf nach Westen bis in Richtung des heutigen Grundstücks Domplatz 4. Möllendorf verkaufte dann für 2500 Taler das Grundstück an das Domkapitel, das hier die neue Domdechanei einrichtete. Die alte Domdechanei war 1550 während des Schmalkaldischen Kriegs zerstört worden. Sie hatte sich auf dem Prälatenberg in der Sudenburg, jenseits der Düsteren Pforte, nahe aber außerhalb der Magdeburger Stadtbefestigung befunden.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 37 1565 gehörte das Gebäude der Dechanei des Magdeburger Doms und diente als Sitz des Vorstehers des Domkapitels.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 71 Andere Angaben nennen als Jahr des Beginns der Dechaneinutzung das Jahr 1575.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 56 1630/1631 entstand, vermutlich als einfaches Wirtschaftsgebäude im hinteren Bereich ein Anbau an der Dechanei. Bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 wurde die Dechanei nicht vom Feuer zerstört. In der Zeit bis 1687 erfolgte größere Ausbesserungsarbeiten.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 37 f. mini|Links die Gustedtsche Kurie, rechts die Domdechanei auf einer Zeichnung aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Vermutlich der Nachfolger von Möllendorf als Dechant, Levin von der Schulenburg, erlaubte dem Domherren Joachim Joh. von Gustedt am heutigen Gouvernementsberg eine Kurie zu errichten. Sie war mit ihrem Giebel ebenfalls nach Westen zum Domplatz hin ausgerichtet. Noch 1642 wird von Gustedt als Inhaber der Kurie genannt. 1677 gehörte sie dem Oberst Adam von Hake und wurde nach seinem Tod mit der Dechanei vereinigt. In der Zeit um 1700 gehörte dieses Gebäude dann ebenfalls zur Dechanei.
Barocker Bau ab 1728 Errichtet wurde das heutige Gebäude in der Zeit von 1728 bis 1731 als Dechanei des Magdeburger Doms nach Plänen des Zimmermeisters Burchard.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 170 Zum Teil wird der Baumeister als unbekannt bezeichnet.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 72Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 56 Weitere an der Ausführung Beteiligte waren der Zimmermeister Ostwald, Maurermeister P. Christoph Behse (auch BöseSabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 72), der Bildhauer Franz Meyer und der Steinmetz B. Kieffesau. Andere Angaben nannten unrichtiger Weise den Architekten Giovanni Simonetti,Carl Nielsen, Ein Gang durchs alte Magdeburg, Creutzsche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg 1890, Seite 6 der zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits verstorben war. Die Vorgängerbebauung wurde abgerissen bzw. umgebaut. Zugleich wurde die Gouvernementsstraße verbreitert.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 38 Das Hauptgesims wurde 1730 bezahlt, die letzte Rechnung wurde im April 1731 gelegt.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 93
Ein 1735 angefügter Anbau wurde unter der Leitung des Herren von Hardenberg errichtet. 1756 wurde eine zur Domdechanei gehörende Kapelle an den Herren der Kurie Domplatz 4, August von dem Bussche, verkauft und dann abgerissen.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 93
Im späten 18. Jahrhundert wurde das Haus dann als sogenannter Fürstenhof genutzt, in dem Mitglieder des preußischen Königshofs aber auch Gäste wie Fürsten oder hohe Staatsbeamte wohnten, soweit sie sich in Magdeburg aufhielten. Am 28. Januar 1762 fand hier die Konfirmation des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen in Anwesenheit der preußischen Königin Elisabeth Christine und des Hofstaates statt.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 321 ff.
Königin Luise von Preußen wohnte während ihrer Aufenthalte zwischen 1799 und 1806 im Haus. Im Jahr 1808 war hier zeitweise der König von Westphalen Jérôme Napoleon untergebracht. Am 12. Juli 1813 bezog Napoleon I. hier Quartier.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 38
1802 wurde die Rückfront des Hauses um etwa fünf Meter nach Osten verlegt und ein neues Treppenhaus geschaffen. Im Jahr 1812 gelangte das Haus neben anderen Liegenschaften als Entschädigung für Einquartierungskosten an die Stadt Magdeburg. 1814 wurde es an den Geheimen Justizrat von Roeder, 1816 an Generalmajor Karl Friedrich Ludwig von Lobenthal vermietet. Von Lobenthal richtete im Haus eine Brigade- später eine Divisionsschule ein. mini|Domplatz 5 als Sitz des Generalkommandos des IV. Preußischen Armeekorps, vor 1890, in der rechten Achse die damalige Durchfahrt 1827 oder 1828 erwarb es der preußische Staat zurück und führte eine umfangreiche Renovierung durch. Nach der Fertigstellung wurde es Sitz des Generalkommandos des IV. Preußischen Armeekorps.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 73 In diesem Zusammenhang arbeitete auch Helmuth von Moltke im Haus.Ernst von Niebelschütz, 1000 Jahre Domplatz im Magdeburger Heimat-Kalender 1932, Magdeburger General-Anzeiger, Faber-Verlag, 16. Jahrgang, Seite 50 Zum Teil findet sich, die wohl fehlerhafte Angabe, das Generalkommando hätte sich dort bereits seit 1815 befunden.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 170 Bezeichnet wurde das Gebäude als Königliches Palais.Carl Nielsen, Ein Gang durchs alte Magdeburg, Creutzsche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg 1890, Seite 6
Der jeweilige kommandierende General lebte im Erdgeschoss, Diensträume befanden sich im Mezzanin, während im Obergeschoss mehrere Räume für den König bereitgehalten wurden.
In dieser Zeit erfolgten 1866/1868 Umbauten. Dabei wurde insbesondere auch der Eingangsbereich verändert. Ursprünglich wurde das Eingangsportal von zwei dorischen Säulen flankiert, auf denen ein Balkon ruhte. Auf dessen Ecken befanden sich in der Vergangenheit Statuen der beiden Heiligen bzw. Patrone des Magdeburger Doms Katharina und Mauritius. Sie waren bauzeitlich wohl noch nicht vorhanden, sind zumindest auf Zeichnungen von 1728 nicht abgebildet. Vermutlich wurden sie aber bereits 1828 bei der Umnutzung der Dechanei zum Generalkommando wieder entfernt. Der Balkon wurde abgerissen und eine bis dahin vorhandene Durchfahrt geschlossen und in die äußerste rechte Gebäudeachse verlegt. Hierbei wurde vermutlich die Westwand des noch auf die Romanik zurückgehenden Gebäudeteils entfernt. Es entstand ein Altan, der auf beiden Seiten jeweils von drei Säulen getragen wurde. Auf der Balustrade befanden sich Ziervasen. Zum Eingang führten eine Zu- und eine Abfahrtsrampe. Auch die Westfassade wurde verändert, in dem neobarocke Elemente hinzugefügt und auch das Giebelfeld dementsprechend gestaltet wurde. Das Dachgeschoss wurde ausgebaut und auch im Übrigen der Innenbereich sowohl des Haupthauses als auch des Seitenflügels umgebaut. mini|Naturkundemuseum in den 1920er Jahren mini|Blick vom Eingangsportal nach Süden, Eingangsbereich in der 1866 geschaffenen Gestaltung 1893 zog das Generalkommando in sein neues Quartier im Palais am Fürstenwall, das Haus Domplatz 5 ging wieder an die Stadt Magdeburg. Die Stadt brachte dort das städtische Museum unter und begann noch 1893 mit den entsprechenden Umbauarbeiten. Die Fenster zur Gouvernementsstraße wurden erweitert und die Innenaufteilung verändert.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 93
Ab 1895 wurde das Haus dann von der Stadt Magdeburg als städtisches Museum. 1906 zogen die Abteilungen Stadtgeschichte, Kunst- und Kunstgewerbe in den neu errichteten Bau des heutigen Kulturhistorischen Museums Magdeburg. Das Gebäude Domplatz 5 wurde weiter als Museum für Natur- und Heimatkunde, später Museum für Natur- und Vorgeschichte genutzt.
Im Jahr 1910 wurden zwei neue Gebäudeflügel errichtet. Einer erstreckte sich zweigeschossig im Norden entlang der Gouvernementsstraße, heute Gouvernementsberg. Der andere befand sich auf der Ostseite, so dass in der Mitte der Gebäude ein fast quadratischer Innenhof entstand.
Im Museum war über fünf Jahrzehnte Willy Wolterstorff tätig. Im Jahr 1918 wurde auf seine Initiative in dem Gebäude die Vereinigung Salamander gegründet, aus der die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde hervorging. Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums wurde 2018 links des Eingangs eine Erinnerungstafel angebracht.
1927 gelangte das Anwesen wieder in das Eigentum des preußischen Staats.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 38