Die G3-Klasse war eine geplante Klasse von vier Schlachtkreuzern der britischen Marine, die in Folge des Washingtoner Flottenvertrags von 1922 nicht gebaut wurden.

Planungsgeschichte Nach dem Ersten Weltkrieg wurden ab 1919 Vorarbeiten angestellt, eine neue Klasse von Schlachtkreuzern zu konstruieren. 1920 begann die Entwurfserstellung. Grund für den geplanten Bau war, dass während des Ersten Weltkriegs in Großbritannien, das durch die Produktion von Ausrüstung für den Landkrieg und kleineren Schiffen ausgelastet war, lediglich ein neues Großkampfschiff, die Hood, konstruiert und begonnen wurde, die hinsichtlich Kampfkraft eher auf dem Niveau von 1914, gegenüber den vorhergehenden Schlachtkreuzern der Renown-Klasse lediglich defensiv verstärkt und mit einem 38,1 cm-Geschützturm mehr ausgestattet, war, während die anderen großen Seemächte USA und Japan große Flottenbauprogramme begonnen hatten. So wurden während und kurz nach dem Krieg in den USA die mit 40,6-cm-Geschützen bewaffnete Colorado-, South-Dakota- und Lexington-Klasse, in Japan die mit dem gleichen Kaliber bewaffnete Nagato-, Tosa- und Amagi-Klasse begonnen und weitere geplant. Somit waren im Ausland insgesamt 26 Schlachtschiffe und -kreuzer im Bau oder in Planung, die jedem britischen Großkampfschiff überlegen waren, und weitere in Planung. Deshalb war davon auszugehen, dass Großbritannien auch nach dem Ende der deutschen Hochseeflotte weitere Großkampfschiffe bauen musste, um seine Seeherrschaft zu behalten.

Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs hatten gezeigt, dass beim Bau neuer Schlachtkreuzer das Augenmerk auf viel stärkeren Schutz als bisher gelegt werden musste. Dennoch sollte ebenfalls die Bewaffnung durch Erhöhung des Kalibers der Hauptbewaffnung verstärkt werden, was vor allem durch die Kalibererhöhung in den anderen Marinen nötig wurde. Die Geschwindigkeit sollte im Bereich der vorangegangenen Renown- und Hood-Klasse verbleiben.

Die geplante Verstärkung des Panzerschutzes und der Bewaffnung hatte Veränderungen im Design der Schiffe zur Folge, da die ohnehin nötige Erhöhung des Deplacements in eher geringen Grenzen gehalten werden sollte. Waren britische Großkampfschiffe bisher seit der 1912 auf Stapel gelegten Tiger in überfeuernder Endaufstellung mit Zwillingstürmen für die Hauptbewaffnung ausgelegt, waren für die G3-Klasse Drillingstürme in der bisher nie praktizierten Aufstellung aller Türme der Schweren Artillerie in der vorderen Schiffshälfte, zwei vor dem Brückenturm, wobei der hintere den vorderen überfeuern konnte, und einem hinter dem Brückenturm vor den Schornsteinen, vorgesehen. Dies hatte den Nachteil, dass der hintere Turm sowohl nach vorne als auch nach achtern einen toten Winkel hatte, was zu einem toten Winkel von etwa 40° nach achtern, in dem kein Geschütz der Schweren Artillerie feuern konnte, führte. Durch die Vorteile dieser Aufstellung, die in der höheren Feuerkraft bei gleichzeitig etwa 1000 ts niedrigerem Gewicht von drei Drillingstürmen gegenüber vier Zwillingstürmen und dem geringeren schwerst zu panzernden Bereich des Schiffes, in dem die Munitionskammern der Schweren Artillerie sind, liegen, wurde es dennoch gewählt. Der Grund für das Erfordernis, diesen Bereich möglichst schwer zu panzern, liegt darin, dass ein Treffer in die Munitionskammern zum sofortigen Untergang des Schiffes als Folge einer Munitionsexplosion führen kann. Auf diese Weise sind in der Skagerrakschlacht, in unterschiedlicher Form, drei britische Schlachtkreuzer gesunken. Da bei der üblichen überfeuernden Endaufstellung die Kessel- und Turbinenräume zwischen den Munitionskammern liegen und gemeinsam die lebensnotwendigen Einrichtungen, die sog. Zitadelle, bilden, ist bei dieser der möglichst schwer gepanzerte Bereich größer, was die maximalen Panzerstärken aus Gewichtsgründen verringert. Bei dem Aufstellungsschema der G3-Klasse war jedoch eine Trennung der Munitionskammern und der Kessel- und Turbinenräume vorgesehen, indem letztere hinter ersteren postiert sind, wodurch letztere etwas leichter geschützt werden konnten. Für die Schiffsenden war kein Seitenpanzer, lediglich das Panzerdeck vorgesehen. Zudem sollte erstmals der Brückenaufbau blockartig ausgestaltet werden, um mehr Feuerleiteinrichtungen Raum zu bieten. Zwei weitere bemerkenswerte Endungen ist die erstmalige Unterbringung der gesamten Mittelartillerie in Geschütztürmen und die Auslegung des Hecks als Spiegelheck, was bei hohen Geschwindigkeiten von über 25 kn einen geringeren Wasserwiderstand ermöglicht. Dies wurde typisch für spätere US-amerikanische Kreuzer.

Die Schiffe wurden mit dem Haushalt für 1921 bewilligt, der Bau wurde jedoch am 18. November 1921 gestoppt und im Februar 1922 annulliert.

Als Bauwerften wurden Swan, Hunter in Newcastle, Beardmore in Glasgow, Fairfield in Glasgow und J. Brown in Clydebank vorgesehen.

Vermutlich sollten die Schiffe Invincible, Inflexible, Indomitable und Indefatigable benannt werden.

Technische Beschreibung Rumpf Der Rumpf eines Schlachtkreuzers der G3-Klasse, unterteilt in wasserdichte Abteilungen, sollte über alles 261,08 Meter lang, 32,33 Meter breit und hätte bei einer geplanten Einsatzverdrängung von 54.774 Tonnen einen Tiefgang von 11,34 Metern gehabt. Erstmals in der britischen Marine war ein Spiegelheck zur Verringerung des Wasserwiderstands vorgesehen.

Antrieb Für die Antriebsanlage wurden verschiedene Auslegungen für eine Antriebsleistung von 160.000 WPS und 180.000 WPS geplant, mit denen Geschwindigkeiten von 31 bis 32 oder 33 kn erreichbar sein sollten. Aus Gewichtsgründen fiel die Entscheidung auf die schwächere Variante. Sie hätte dennoch die zweitstärkste Antriebsanlage der Welt, hinter der Lexington-Klasse, dargestellt.

Sie sollte aus 4 Turbinen, die ihren Dampf von ölgeheizten Kesseln beziehen sollten, bestehen, die auf 4 Wellen mit je einer Schiffsschraube wirken. Die Kessel sollten im Bereich hinter dem dritten Geschützturm aufgestellt werden, denen sich die Räume für die Turbinen achtern anschließen sollten. Der Brennstoffvorrat sollte sich auf maximal 5.000 ts belaufen.

Für den Rauchabzug waren zwei Schornsteine, die wegen des zwischen ihnen und dem Brückenturm aufgestellten Geschützturms einen relativ großen Abstand zur Brücke haben sollten, vorgesehen.

Zur Steuerung war ein Steuerruder geplant.

Bewaffnung Hauptbewaffnung Bei den Geschützen sollte es sich um 40,6-cm-SK L/45 handeln, die neu konstruiert wurden. Sie sollten 907 kg schwere Granaten bei einer maximalen Rohrerhöhung von 44° 41,6 km weit verschießen können. Die Kadenz sollte 2 Schuss pro Minute betragen. Ein Drillingsturm sollte 1568 t wiegen. Die Geschütze und Türme wurden später auf der Nelson-Klasse verwendet.

Mehrere Überlegungen führten zu diesem Kaliber und der genutzten Aufstellung.

Für das Kaliber der Hauptbewaffnung wurden erstens verschiedene Alternativen zwischen 38,1 cm und 45,7 cm erwogen. Hierbei fiel die Entscheidung zugunsten des Kalibers 40,6 cm, einerseits aus Gewichtsgründen, andererseits wohl, weil die USA und Japan es ebenfalls nutzten. Zum zweiten wurde eine Aufstellung der Schweren Artillerie in der bisher und im Ausland auch weiterhin genutzten überfeuernden Endaufstellung diskutiert, die jedoch zugunsten einer Aufstellung möglichst dicht beieinander mit zwei Geschütztürmen, von denen der hintere den vorderen überfeuern konnte, vor dem Brückenturm, und einem dritten hinter dem Brückenturm vor den Schornsteinen fallengelassen wurde, zu den Gründen siehe oben. Zum dritten sollten die Geschütze erstmals im britischen Schiffbau in Drillingstürmen postiert werden.

Mittelartillerie Die Mittelartillerie sollte aus 16 15,2-cm-SK L/50 bestehen. Sie sollten 45 kg schwere Granaten 22,5 km weit verschießen können, die maximale Rohrerhöhung 60° betragen. Die Kadenz sollte bei 6 Schuss pro Minute liegen.

Ebenfalls erstmals im Großkampfschiffbau war vorgesehen, die gesamte Mittelartillerie in Zwillingstürmen, nicht mehr in Kasematten oder, wie bei der Hood-Klasse, hinter Schutzschilden, aufzustellen. Die Türme sollten in zwei Zweiergruppen an Steuer- und Backbord, eine etwa auf Höhe des Brückenaufbaus auf dem Oberdeck, eine am Heck mit einem Turm auf dem Aufbau, einem auf dem Oberdeck, sodass der vordere den hinteren überfeuern konnte, postiert werden. Ein Turm sollte 96 t wiegen. Auch sie kamen später, jedoch nur sechs Türme pro Schiff, auf der Nelson-Klasse zum Einsatz.

Flugabwehrbewaffnung Die vorgesehene Bewaffnung zur Flugabwehr sollte aus sechs 12-cm-Geschützen und 32 4-cm-Maschinenkanonen bestehen. Die 12-cm-Geschütze sollten in Einzellafetten auf der hinteren Schiffshälfte aufgestellt werden. Dieses Flugabwehrgeschütz erreichte eine effektive Kadenz von 8 bis 12 Schuss pro Minute und die maximale Reichweite betrug etwa 13 Kilometer, die maximale Rohrerhöhung 85° . Die 4-cm-Maschinenkanonen in vier Achtfachlafetten sollten hinter dem Schornstein und am Heck aufgestellt werden.

Torpedobewaffnung Es waren 2 Torpedorohre für 60,9-cm-Torpedos, das gleiche Kaliber wie die der Nelson-Klasse, je eines unter Wasser auf jeder Breitseite, vorgesehen.

Feuerleitung, Entfernungsmesser etc. Zur Entfernungsmessung waren auf dem Brückenturm, achtern auf einem kleineren Turm und auf den Türmen der Schweren Artillerie Entfernungsmesser geplant. Für die Feuerleitung waren Räumlichkeiten im Brückenturm vorgesehen. Welche Feuerleiteinrichtungen vorgesehen waren, ist nicht bekannt.

Zudem waren zwei Wasserflugzeuge, jedoch keine Flugzeugkatapulte, vorgesehen.

Panzerung Die Panzerung war als Folge der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs auf einen stärkstmöglichen Schutz der lebensnotwendigen Einrichtungen, der Vitalia, ausgelegt. Hierbei war ein besonders starker Schutz der Munitionskammern der Schweren Artillerie und ein etwas schwächerer der Kessel- und Turbinenräume vorgesehen.

Die Panzerung sollte aus drei Komponenten bestehen.

Zum Ersten war in besagtem Bereich der Vitalia auf etwa 60 % der Schiffslänge ein Seitenpanzer, der gegenüber der Senkrechten um 18° nach außen geneigt sein sollte, geplant. Dieser sollte gegen flach einfallende, über kürzere Entfernung abgefeuerte, Geschosse wirken. Die Schrägstellung sollte einerseits die tatsächliche Stärke des Panzers, die ein Geschoss durchschlagen muss, erhöhen, andererseits durch den dann flachen Winkel, in dem ein Geschoss einschlägt, dieses zum Abprallen zwingen. Nach unten sollte der Seitenpanzer durch ein Torpedolängsschott gegen Unterwassertreffer, das in die Senkrechte übergeht, fortgesetzt werden.

Zum Zweiten war eine horizontale Panzerung in Form eines durchgängigen Panzerdecks und eines im Bereich der Vitalia darüber liegenden gepanzerten Oberdecks, eines Krepierdecks, vorgesehen. Der Horizontalpanzer sollte gegen steil einfallende, über große Entfernungen abgeschossene Geschosse – aufgrund der auch sehr hohen Reichweite der eigenen Geschütze musste mit sehr hohen Gefechtsentfernungen gerechnet werden – und Bomben schützen. Hierbei war das Panzerdeck an Bug und Heck tief im Schiff, unter der Wasserlinie, liegen und dort den einzigen Schutz des Schiffes übernehmen, während es im Bereich der Vitalia viel höher liegen sollte, um die über die Wasserlinie hinausragenden Einrichtungen zu schützen. Das Krepierdeck, das weit schwächer vorgesehen war, sollte leichte Geschosse und Bomben außerhalb des Schiffsrumpfes zur Explosion bringen.

Zum dritten war ein gesonderter Panzerschutz für den Kommandoturm im Brückenturm und die Türme der Schweren- und Mittelartillerie vorgesehen.