mini|St.-Katharinen-Kirche in Frankfurt am Main, Ansicht von Nordosten aus der Großen Eschenheimer Straße, Oktober 2019 mini|Ansicht vom Main Tower
Die Katharinenkirche ist die evangelische Hauptkirche in Frankfurt am Main, mitten im heutigen Stadtzentrum an der Hauptwache. Der barocke Bau wurde 1678 bis 1681 errichtet und 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1950 bis 1954. Die Katharinenkirche ist eine der acht Dotationskirchen, die seit 1802 Eigentum der Stadt Frankfurt sind und zu deren fortwährendem Unterhalt die Stadt verpflichtet ist.
Geschichte Mittelalter mini|Die Heiligkreuz- und Katharinenkapelle auf dem Merian-Stich von 1628 mini|Valentin Wagner: Katharinentor in Frankfurt, die Zeil, 1631
1343 erhielt der Frankfurter Patrizier und Kantor des St.-Bartholomäus-Stiftes Wicker Frosch ein Grundstück zugewiesen, um darauf ein Spital für Sieche und arme Leute zu errichten. Das Grundstück lag vor dem Bockenheimer Tor an der Staufenmauer, die damals noch die Altstadt von der wenige Jahre zuvor (1333) angelegten Neustadt trennte.
1346 beurkundete Wicker Frosch eine Stiftung, die dem Spital umfangreichen Besitz und Einkünfte sicherte. Neben dem Spital entstand 1354 ein Kloster für adelige Jungfrauen zu Ehren der Heiligen Katharina. Kloster und Spital besaßen zwei kleine, nebeneinanderliegende Kapellen, von denen die Spitalskapelle dem Heiligen Kreuz und die Klosterkapelle den Heiligen Katharina und Barbara geweiht war.
Reformationszeit Am 9. März 1522 hielt der Luther-Schüler Hartmann Ibach auf Einladung des Ratsherrn Hamman von Holzhausen in der Klosterkirche St. Katharinen die erste evangelische Predigt in Frankfurt, 1523/1524 predigte Dietrich Sartorius. Die neue Lehre verbreitete sich rasch unter den Bürgern. 1526 verließen die letzten Nonnen das Kloster. Ab 1533, nachdem die Stadt lutherisch geworden war, nutzte die evangelische Gemeinde die Kirche. 1542 wandelte der Rat die Klöster St. Katharinen und Weißfrauen in weltliche Einrichtungen für versorgungsbedürftige Frauen lutherischen Bekenntnisses um. Noch heute existiert das 1877 daraus hervorgegangene St. Katharinen- und Weißfrauenstift.
1590 ließ der Rat die beiden kleinen Kapellen umbauen und zu einer Kirche zusammenlegen. Trotzdem wurden sie für die wachsende Gemeinde bald zu klein, zumal der regelmäßige Gottesdienstbesuch in dieser Zeit zu den bürgerlichen Pflichten gehörte. Außerdem zeigte sich zunehmend ihre Baufälligkeit. Nach einem letzten Gottesdienst am 21. Januar 1678 begann der Abbruch der alten Kirche. Innerhalb von nur drei Jahren errichtete der Stadtbaumeister Melchior Heßler einen repräsentativen Neubau. Die Baukosten betrugen etwa 31.500 Gulden (ungefähr das hundertfache Jahresgehalt eines höheren Beamten). Am 20. Februar 1681 wurde der Neubau durch Pfarrer Johann Konrad Sondershausen eingeweiht. Seit der Reformation war dies der erste Kirchenneubau in Frankfurt. Bald entwickelte er sich zur zweiten evangelischen Hauptkirche von Frankfurt, neben der Barfüßerkirche.
Neuzeit mini|Katharinenkirche von Norden, um 1900
1778 wurde das Innere der Katharinenkirche umfassend renoviert. Nach dem Abbruch der alten Katharinenpforte und der Staufenmauer Ende des 18. Jahrhunderts war nun erstmals auch die Westfassade frei zu sehen.
1869 begann eine weitere, großangelegte Renovierung, die vor allem das Äußere der Kirche veränderte. Die barocke Turmbalustrade und das darunterliegende weitauskragende Gesims wurden entfernt und durch einen historisierenden Bogenfries mit einer neogotischen Brüstung ersetzt. Diese Maßnahmen stießen auf teilweise heftige Kritik, insbesondere weil ihr auch die zuvor an den vier Turmecken befindlichen schmiedeeisernen Wasserspeier zum Opfer fielen. Während der Gründerzeit entstanden eine Reihe von Monumentalbauten in der Umgebung, zum Beispiel die Hauptpost auf der Zeil. Bis dahin war die Kirche das dominierende Gebäude der Neustadt gewesen, nun verlor sie diese Stellung allmählich.
Am 22. März 1944 brannte sie nach einem alliierten Bombenangriff vollständig aus. Die barocke Innenausstattung ging dabei verloren, bis auf den rechtzeitig ausgelagerten Bilderzyklus und einige eingemauerte Epitaphien, darunter das von Wicker Frosch. Um 21.43 Uhr blieben die Zeiger der Turmuhr stehen, dem Zeitpunkt des Bombenangriffes, der die mittelalterliche Altstadt Frankfurts zerstörte, zehn Jahre blieben sie in dieser Stellung.
Der Wiederaufbau erfolgte 1950 bis 1954 durch die Architekten Theo Kellner und Wilhelm Massing. Der Festgottesdienst zur Einweihung fand am 24. Oktober 1954 statt. Während des U-Bahn-Baus in den sechziger Jahren war die Kirche zeitweise kaum zugänglich. 1978 wurde sie von außen renoviert und verputzt. Die 2001 begonnene Innenrenovierung wurde 2005 abgeschlossen.
Architektur Außen mini|Grundriss, vor 1900 mini|Innenraum 1683. Bild von Johann Ulrich Kraus, Historisches Museum Frankfurt
Die Katharinenkirche ist eine einschiffige Hallenkirche aus verputztem Bruchstein. Verschiedene Architekturglieder sind in dem für Frankfurt typischen roten Mainsandstein ausgeführt. Aufgrund der Lage an der im 17. Jahrhundert immer noch existierenden mittelalterlichen Staufenmauer, östlich des Kornmarktes und der Katharinenpforte, konnte die Kirche keine repräsentative Westfassade erhalten, wie es üblich gewesen wäre. Heßler entschied sich deshalb, die nördliche Langseite zur Hauptfront zu machen.
Die Formen zeigen ein erstaunliches Nebeneinander zweier Stilepochen: Während die Portale und die welsche Haube des Turmes eindeutig barock sind, wirken im dreibahnigen Maßwerk der Fenster und in den stufenlosen Strebepfeilern die Traditionen der Gotik nach.
Das Kirchenschiff mit dem Polygonchor ist 49 Meter lang und bis zum Traufgesims 10 Meter hoch, der First des Doppelwalmdaches liegt in 20 Metern Höhe. Nördlich des Kirchenschiffes zur Hauptwache hin erhebt sich auf quadratischem Grundriss von 9 auf 9 Metern der 54 Meter hohe Turm. Bis zum Bau des Rathausturms Langer Franz Anfang des 20. Jahrhunderts war er das zweithöchste Bauwerk in der Frankfurter Innenstadt, nach dem Turm des Kaiserdoms St. Bartholomäus.
Innenraum bis zur Zerstörung 1944 Im Gegensatz zu der eher schlichten Außenwirkung stand die prächtige barocke Innenausstattung. Die West-, Nord- und Ostseite des Innenraumes umlief eine doppelgeschossige Empore, welche die Fenster weitgehend verdeckte. Deshalb wurde der Eindruck des Raumes weitgehend durch einen geschlossenen Zyklus von Bildern bestimmt, die in die Emporenbrüstungen eingelassen waren. Die 41 Bilder der unteren Empore zeigten Szenen aus der Bibel, je eine für jedes kanonische Buch des Alten und für einige des Neuen Testamentes. Die obere Empore erhielt 42 Bilder mit biblischen oder allegorischen Motiven, die zu den jeweiligen Darstellungen der unteren Empore passten.
Während der Altar wie üblich im Osten des Schiffes stand, mit der darüber gelegenen Orgelempore, fand die Kanzel ihren Platz an der Südwand der Kirche.
Die hölzerne Deckenkonstruktion erinnerte an ein spätgotisches Rippengewölbe. Anfangs trug sie ein Deckengemälde mit biblischen Szenen, das allerdings schon bei der Renovierung 1778 hinter weiß gekalkten Matten verschwand.
Wirkung Die Katharinenkirche war Vorbild für mindestens zwei Nachfolgerbauten: Die 1701 bis 1717 entstandene Dreifaltigkeitskirche in Speyer und die Dreifaltigkeitskirche in Worms (1709 bis 1725 errichtet). Während letztere im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, lässt sich die frühere Wirkung der Frankfurter Katharinenkirche heute noch in der – wesentlich kleineren – Dreifaltigkeitskirche in Speyer erfahren.
Wiederaufbau und heutiger Zustand mini|Die Predigt des Hosea, Emporenbild von 1681 (erhalten) mini|Innenraum Kanzelseite, um 1900
Der Wiederaufbau begann Pfingsten 1950 und war im Oktober 1954 abgeschlossen. Äußerlich erstand die Kirche nahezu wieder in ihrer alten Form. Lediglich das Bruchsteinmauerwerk blieb bis zur Renovierung von 1978 unverputzt.
Über die Konzeption des Innenraums wurde lange gestritten. Die hölzerne Deckenkonstruktion wurde wiederhergestellt (anders als zum Beispiel beim gleichzeitigen Wiederaufbau der Liebfrauenkirche, die auf ihr gotisches Gewölbe verzichten musste). Zur Wiederherstellung der barocken Emporen konnte man sich nicht entschließen. Stattdessen erhielt die Kirche eine schlichte, einstöckige Empore im Westen, auf die auch die Orgel verlegt wurde. Unter der Empore wurden ein Sitzungssaal und ein Trausaal eingerichtet. Das Westportal wurde zum Haupteingang der Kirche, das Nordportal ist heute nur noch ein Nebeneingang.
Die Wände wurden weiß verputzt und die übrige Ausstattung (Altar, Kirchenbänke, Beleuchtung) betont schlicht gehalten. Dies ist nicht nur eine Folge der geringen damals zur Verfügung stehenden Mittel. Die schlichte, fast karge Ästhetik des Innenraumes entspricht dem Lebensgefühl der 1950er Jahre. Sie manifestierte sich auch bei anderen Wiederaufbauprojekten in Frankfurt.
Der hauptsächliche Schmuck der Kirche sind nunmehr die 17 Glasfenster, die der Künstler Charles Crodel schuf. Ebenso von diesem sind die Wandmalerei hinter dem Altar unter der Orgelempore sowie die Bemalung des Prospektes der Chororgel.
Mehrfach wurde erwogen, die erhaltenen und inzwischen restaurierten Bilder des Emporenzyklusses wieder in der Kirche anzubringen. 1990 wurden acht Bilder in der Balustrade der Westempore aufgehängt, darunter die Darstellung der Predigt des Hosea. Im Jahr 2005 war der komplette Emporenzyklus erstmals seit Kriegsende in einer Ausstellung zu sehen, die aus Anlass von Speners 300. Todestag in den Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale stattfand.
Vom 10. Oktober bis zum 31. Dezember 2006 wurden 22 Emporenbilder in der Kirche ausgestellt, zusätzlich zu den acht Bildern, die dauerhaft hier aufgehängt sind. Da die heutige Architektur der Kirche keine angemessene Möglichkeit zur gleichzeitigen Präsentation aller 80 erhaltenen Bilder bietet, können die übrigen weiterhin nur im Rahmen von Sonderausstellungen gezeigt werden.
Von September bis November 2011 ließ die Stadt Frankfurt den Turm der Katharinenkirche sanieren. Die Turmhaube erhielt eine neue Schieferdeckung und einen Verputz, der sich farblich an historischen Vorbildern orientiert. Das 3,50 Meter hohe Turmkreuz wurde ebenfalls restauriert., Pressemeldung der Stadt Frankfurt vom 10. November 2011
Venezianer-Brunnen mini|Venezianer-Brunnen
Hinter der Katharinenkirche steht der Venezianer-Brunnen. Es handelt sich um einen Zierbrunnen im Stil der Neorenaissance aus der Zeit um 1870. Das Wasserbecken mit den vier Löwenköpfen hat einen Durchmesser von 0,80 Meter. Der 1,20 Meter hohe Brunnen aus Juramarmor stand ursprünglich in einem Garten in der Pfingstweidstraße. Nach der Sanierung durch Hugo und Rainer Uhl wurde er 1981 hinter der Katharinenkirche aufgestellt.Hans Lohne: Mit offenen Augen durch Frankfurt; Handbuch der Frankfurter Brunnen, Denkmäler und der Kunst am Bau. 2. Auflage. 1982, ISBN 3-7829-0014-6, S. 67–68.
Ausstattung Orgeln Hauptorgel mini|Der Prospekt der Stumm-Orgel von 1778 wurde auch von den späteren Orgeln bis zur Zerstörung 1944 genutzt mini|Prospekt der Walcker-Orgel von 1954 mini|Die Rieger-Orgel von 1990
1626 erbaute Lorenz Ettlin aus Eßlingen eine Orgel für die damalige St.-Katharinen-Kirche. Sie war das größte bis dahin in Frankfurt gebaute Instrument und wurde beim Abriss der alten Kirche in den Neubau überführt. 1778 wurde diese Orgel für 225 Gulden nach Sulzbach verkauft und mit geänderter Disposition in der dortigen evangelischen Kirche aufgebaut. Von den ursprünglichen Ettlinschen Registern ist heute keines mehr erhalten.