August Härter (* 10. Juni 1886 in Pirmasens; † 7. Oktober 1968 in Buchschlag (heute zu Dreieich)) war ein deutscher Architekt und kommunaler Baubeamter.

Leben mini|Stadtbad in Pirmasens, bedeutendster Bau Härters Geboren als Sohn des Handelsgärtners Heinrich Härter, besuchte August die Realschule Pirmasens und machte das Abitur als Externer an der Oberrealschule Mainz. In jungen Jahren erledigte Härter Maurerarbeiten für den Architekten Max Elle in Pirmasens, für den er auch Bauzeichnungen anfertigte. Weitere Praxiserfahrung sammelte er beim Baumeister J. Baisch in Mannheim. Von 1905 bis 1907 studierte an der Königlichen Baugewerkeschule in Stuttgart und anschließend bis 1912 an der Technischen Hochschule Darmstadt, unter anderem bei Georg Wickop, Friedrich Pützer und Paul Meissner. Für Meissner war Härter auch als Mitarbeiter tätig.Alexander Nicolay: Der Pirmasenser Oberbaurat August Härter: Ein Pionier der Architekturmoderne, Die Rheinpfalz, 20. Juni 2026. Abgerufen am 21. Juni 2026.

Im Ersten Weltkrieg war er Brückenbauingenieur in Nordfrankreich und Rumänien. Nach Kriegsende fing Härter 1919 mit einer eigenen Stelle als Regierungsbauführer (Referendar in der öffentlichen Bauverwaltung) beim Kreis Worms an. Von 1920 bis 1924 war er Baurat und Abteilungsleiter für Siedlungswesen unter Oberbaudirektor Markus Sternlieb in der Abteilung Hochbau und Baupolizei der Stadt Ludwigshafen. Nach dem Tod des Pirmasenser Baurats Adalbert Mayer im Jahr 1924 wurde Härter zu dessen Nachfolger berufen und kehrte als Oberbaurat und Leiter des Stadtbauamtes Pirmasens in seine Heimatstadt zurück. In dieser Funktion war er berufsmäßiges Mitglied des Stadtrats und der Stadtverwaltung.Gerhard und Evelyn Stumpf: Geliebtes Pirmasens. Band 12 (1930–1940), Komet-Verlag, Pirmasens 1994, ISBN 3-920558-18-9, S. 23–24.

In Pirmasens übernahm Härter das von seinem verstorbenen Vorgänger begonnene Projekt des Waldfriedhofs und errichtete mehrere Wohnsiedlungen. Sein Hauptwerk war das städtische Hallen- und Freibad an der Lemberger Straße im Stil des Neuen Bauens, das Merkmale der Schiffsarchitektur aufweist. Die originale Schwimmhalle mit schließbarem Glasdach wurde beim Umbau in den 1980er Jahren zum Pirmasenser Luft- und Badepark „Plub“ entfernt, die äußeren Formen blieben aber erhalten. Weitere öffentliche Gebäude aus seiner Hand waren unter anderem die Landwirtschaftsschule und die Husterhöhschule.

Nach der Machtübernahme der NSDAP, die 1933 den Stadtrat gleichschaltete und 1934 Oberbürgermeister Otto Strobel durch politische Kaltstellung zum Rücktritt drängte, waren Härter und die anderen berufsmäßigen Mitglieder von Stadtrat und -verwaltung, der Rechtsrat Helmut Stempel und der Schulrat Rudolf Keller, die einzigen verbliebenen Nicht-Parteimitglieder an der Stadtspitze.

Ende 1937 drängte Emil Gauer (NSDAP), seit Mai 1937 neuer Oberbürgermeister von Pirmasens, Härter zum Rücktritt. Härter weigerte sich und wurde im Folgejahr entlassen. Danach ging er als selbstständiger Architekt nach Frankfurt am Main. Er arbeitete zeitweise mit H. A. Messinger als Partner zusammen.

Auch seine beiden Söhne Wolfram (1926–2011) und Harald Härter arbeiteten als Architekten, anfangs als seine Partner.

Werk (Auswahl) Bauten 1923–1924: Blücherblock, Ludwigshafen 1924–1926: Horeb-Südbebauung, Pirmasens 1924–1927: Waldfriedhof, Pirmasens 1925–1928: „Wohnsiedlung für Kinderreiche“ am Wasserturm, Pirmasens 1926–1929, 1933–34: Stadtbad Pirmasens (unter Denkmalschutz)Yasmin Renges: Die Stadtbäder der Goldenen Zwanziger. Kommunale Prestigearchitektur zwischen Tradition und Moderne. Dissertation, Universität zu Köln, Köln 2015. Katalogteil, S. 69–71 / Abbildungsteil, S. 187–194. 1929–1930: Landwirtschaftsschule Pirmasens, Adam-Müller-Straße 69 (heute Ordnungsamt und Städtische Bauhilfe; unter Denkmalschutz) 1932–1935: Sommerwaldsiedlung, Pirmasens 1936–1937: Husterhöhschule, Pirmasens 1940–1941: Hochbunker Germaniastraße 89, Frankfurt am Main (heute Kunstbunker und Künstlerwerkstatt; unter Denkmalschutz) 1948: Wohnhaus Westendstraße 47, Frankfurt am Main (nicht erhalten) 1958: Verwaltungsgebäude Bockenheimer Landstraße 101, Frankfurt am Main (zusammen mit dem Architekturbüro von Paul Schaeffer-Heyrothsberge) 1958: Verwaltungsgebäude Kennedyallee 115/117, Frankfurt am Main (heute Türkisches Generalkonsulat; unter Denkmalschutz)

Außerdem schuf er Krankenhausbauten in Mainz und Köln, mehrere Gebäude für das Unternehmen Hartmann in Offenbach sowie vor und während des Zweiten Weltkriegs eine Reihe von Luftschutzbauten.

Schriften 1936: Das Hallen- und Freibad der Stadt Pirmasens. In: Baumeister, 34. Jahrgang 1936, Beilage zu Heft 6 (Juni 1936), S. 113–115. 1936: Das Hallen- und Freibad der Stadt Pirmasens, In: Das Bad. Zeitschrift für das Badewesen, 1, 1936, S. 5. 1936: Das Hallen- und Freibad der Stadt Pirmasens, mit W. Verch, In: Carl Samtleben: Deutsche Hallenschwimmbäder: Bau, Wärme-, Wasserversorgung und Betrieb, Berlin 1936, S. 207.

Literatur Thomas Zeller: Die Architekten und ihre Bautätigkeit in Frankfurt am Main in der Zeit von 1870 bis 1950. Henrich, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-921606-51-9, S. 132.

Alexander Nicolay: Der Pirmasenser Oberbaurat August Härter: Ein Pionier der Architekturmoderne, Die Rheinpfalz, 20. Juni 2026.

Einzelnachweise

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