Das Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein, vereinzelt auch Naturwaldreservat Wasserberg, ist ein Waldgebiet und Naturschutzgebiet „Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein“ an einem schattigen Nordhang im Tal der Wiesent, das reich an Rotbuchen und Eiben (Taxus baccata) ist. Der Eibenwald liegt nördlich von Gößweinstein im Landkreis Forchheim in der Fränkischen Schweiz in Oberfranken, Bayern, nahe der Burg Gößweinstein.

Die Besonderheit ist die mit 4100 Exemplaren große Zahl der immergrünen Nadelbaumart Euopäische Eibe, die in zahlreichen anderen Wäldern in Mitteleuropa teilweise systematisch vermindert oder ausgerottet worden ist. Die Eiben sind hier teils fünf bis zwölf Meter hoch. Auffällig für einen Nadelbaum sind die roten Beeren anstelle von Zapfen. Die Eibe war fast ausgerottet, da ihr Holz aufgrund der Biegsamkeit, insbesondere für Langbogen, sehr begehrt war, aber auch weil ihre Samen giftig für Pferde (wie auch andere Tiere) sind, die lange Zeit dem Menschen wichtige Transporthilfen waren. Eibenschösslinge werden vom Rehwild und von Hasen bevorzugt und haben daher bei einem größeren Wildbestand kaum Chancen aufzuwachsen. Eiben können bis zu 2000 Jahre alt werden.

Geschichte Der Eibenwald bei Gößweinstein ist eines der wenigen verbliebenen Fragmente der ehemaligen mitteleuropäischen Eibenvorkommen. Die Eibe ist schattenverträglich und kann auch unter lockeren Buchenbeständen gedeihen, nicht jedoch unter dichten Buchenbeständen oder unter den häufig forstlich gepflanzten Fichten.

Die Eibe war, wie Pollenanalysen zeigen, als Nebenbaumart der Rotbuche im westlichen und zentralen Mitteleuropa weit verbreitet.Jessica Preutenborbeck, Der Eibenwald im Pleßforst. In: Bernd Herrmann und Christine Dahlke (Hrsg.): Schauplätze der Umweltgeschichte. Werkstattbericht (PDF; 9,2 MB). Freie Onlineversion aus der Schriftenreihe des Graduiertenkollegs 1024: Interdisziplinäre Umweltgeschichte. Naturale Umwelt und gesellschaftliches Handeln in Mitteleuropa. Universitätsverlag Göttingen 2008. Abgerufen am 24. März 2023. Die Schattenbaumart wurde aber vor allem ab der frühen Neuzeit durch das Ende der Mittelwald- und Niederwaldwirtschaft und dem waldwirtschaftlichen Wechsel zu Aufforstungsmaßnahmen hin, insbesondere der Hochwaldwirtschaft, schrittweise auf ihre heutigen Reststandorte verdrängt. Dies ist, neben der zeitweise starken Nutzung des Holzes (Herstellung von Langbogen) und der teilweise gezielten Ausrottung der Eibe in als Waldweide genutzten Wäldern ein wesentlicher Faktor für die heute geringe Zahl größerer und dichter Eibenbestände. Der Rückgang der Eibenvorkommen wurde bereits im ausgehenden 18. und im 19. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben und als „Eibenfrage“ diskutiert.

Die Geschichte des Eibenwalds bei Gößweinstein lässt sich anhand historischer Dokumente nicht genauer zurückverfolgen.Künne, Horst, ohne Jahr

Geologie Nach Horst Künne sind die Hänge durchschnittlich etwa 30° steil. Sie sind nach Nordwest bis Nordost exponiert. Im unteren und mittleren Teil des Hanges besteht der Untergrund vor allem aus Schwammkalk des Malm (Obere Mergelkalke und Pseudomutabiliskalke). Der obere Teil besteht aus Frankendolomit.

Pflanzengesellschaften Nach einem FachgutachtenAmt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg: Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet DE6233-371 „Wiesenttal mit Seitentälern“ sowie das Europäische Vogelschutzgebiet DE6233-471 „Felsen- und Hangwälder in der Fränkischen Schweiz“ -Fachgrundlagen. Bamberg 2016 handelt es sich um eine Ausprägung des Waldmeister-Buchenwalds (Asperulo-Fagetum). Demnach sind im Wiesenttal und dessen näherer Umgebung folgende Baumarten charakteristisch: Hauptbaumart ist die Rotbuche (Fagus sylvatica). Nebenbaumarten sind Traubeneiche (Quercus petraea), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Esche (Fraxinus excelsior). Als Begleitbaumarten werden Winterlinde (Tilia cordata), Weiß-Tanne (Abies alba), Bergulme (Ulmus glabra) und schließlich die Europäische Eibe benannt.

Bedeutung Es handelt sich um das größte Eibenvorkommen Oberfrankens, wobei es auch andere Standorte gibt, „doch nirgends in so großer Zahl, so guter Ausbildung und in ähnlich naturnahen Beständen“ und damit „einmalig in der Fränkischen Alb“.Künne, Horst, ohne JahrInformationstafel mit Karte und Bildern auf den Webseiten des Landkreises Forchheim Es gibt Standorte mit tiefgründigem Kalkschutt. Dort sind Laubbäume wie Berg-Ahorn, Gemeine Esche, Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) und Spitz-Ahorn (Acer platanoides) zu hohem Anteil vertreten. Im Gebiet oder in der Nähe befinden sich eindrucksvolle, bis zu 30 m hohe Felsen, unter anderem mit den Namen Eibenwände, Fehensteine, Sieghardtfelsen sowie die Freibadwände und der Aussichtspunkt Martinswand.

Arten- und Gebietsschutz Das Naturschutzgebiet wurde erstmals 1978 eingerichtet.Verordnung über das Naturschutzgebiet „Naturwaldreserat Eibenwald bei Gößweinstein“ vom 20. Februar 1978 (GVBl Nr. 05/1978 vom 31. März 1978, S. 60), geändert durch die Verordnung vom 22. Oktober 2001,Regierung von Oberfranken, zuletzt abgerufen am 12. April 2026.Naturschutzkarte zur Landesverordnung vom 28. Februar 1978 – GVBl S. 60 – über das Naturschutzgebiet "Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein, Regierung von Oberfranken, Bestand: 3 Einzelkartenausschnitte. zuletzt abgerufen am 12. April 2026. Neben der Eibe sind auch Vorkommen von Feuersalamander (Salamandra salamandra), Uhu (Bubo bubo) und der Zerbrechliche Blasenfarn (Cystopteris fragilis) bemerkenswert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Naturwaldreservaten wird nicht auf forstwirtschaftliche Eingriffe verzichtet. Diese sollen jedoch den besonderen Charakter dieses Waldgebiets unterstützen, also insbesondere zu starke Verschattungen der Eiben vermeiden.

Erholungsnutzung Touristisch wird der Wald durch Wander- und Spazierwege erschlossen, außerdem durch den Felsensteig im Eibenwald.Felsensteig im Eibenwald, Beschreibung auf ferienzentrum-goessweinstein.de/ Seit 1992 gibt es ein Kletterkonzept für das Gebiet, um Belastungen zu vermindern.Faltblatt Klettern Frankenjura Benachbart ist das frühere Ausflugslokal Stempfermühle an der Wiesent, wo Karstquellen bestehen.Durch den zauberhaften Eibenwald bei Gößweinstein, auf outdooravtive.com, mit Bildern der FelsenWanderung um Gößweinstein, auf die-fraenkische-schweiz.de

Weitere Eibenwälder in Deutschland Im 58 Hektar großen Naturschutzgebiet Ibengarten bei Dermbach in Thüringen, Wartburgkreis, stehen 368 Eiben, von denen 50 bereits über 500 Jahre alt sein sollen. Bei Bovenden-Eddigehausen nahe Göttingen in Süd-Niedersachsen liegt auf einem Areal von 12,7 ha der Eibenwald am Hainberg im Plesseforst mit bis zu zweihundertjährigen Bäumen und etwa 800 Exemplare. Der Paterzeller Eibenwald liegt in Bayern (Oberbayern) in der Nähe des Klosters Wessobrunn. Innerhalb des ca. 88 Hektar großen Naturschutzgebiets „Eibenwald bei Paterzell“ im Landkreis Weilheim-Schongau stehen über 2000 ältere Eiben in einem artenreichen Bergmischwald. In Fürstenhagen in Thüringen, Landkreis Eichsfeld, stehen im 26 Hektar großen Naturschutzgebiet Lengenberg etwa 5700 Eiben in einem alten Buchenwald. Sie sind bis zu 120 Jahre alt.

Weitere eibenreiche Wälder kommen in Deutschland nur an wenigen anderen Standorten vor, so bei Veilsdorf in Thüringen sowie im Ibental, einem Seitental des Höllentals im Schwarzwald in Baden-Württemberg.

Daneben gibt es einige wenige gepflanzte Eibenhaine, so bei Kronberg im Taunus.

Trivia Der Kriminalroman Eibengift von Ottilie Arndt und Lydia Ostermeier spielt unter anderem im Paterzeller Eibenwald und im Eibenwald „in der Nähe von Gößweinstein“.

Literatur Künne, Horst (1972?): Gutachten über die Schutzwürdigkeit des Eiben-Buchenwaldes bei der Stempfermühle (Nördliche Frankenalb), für die Regierung von Oberfranken. (unveröffentlichtes Gutachten der Regierung von Oberfranken.) Künne, Horst (1980): Waldgesellschaften des Naturwaldreservates Wasserberg. In: Zeitschrift „Natur und Landschaft“, 55 Heft 4, S. 150–153. Kölbel, Markus (1996): Waldkundliche Aufnahmen im Naturwaldreservat Wasserberg. In: KÖLBEL, Markus; SCHMIDT, Olaf (Hrsg.) (1996): Beiträge zur Eibe. Berichte aus der LWF, Nr. 10; Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising.

Weblinks

Informationstafel NSG Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein Übersicht der Naturwaldreservate in Oberfranken, dort unter Wasserberg Darstellung im BayernAtlas. Von: Regierung von Oberfranken. Karteninhalt: Webkarte des Kartendienstes BayernAtlas mit Darstellung der Abgrenzung des Naturschutzgebietes „Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein“. Abruf am 7. April 2026. Naturschutzgebiete. Von: Landratsamt Frochheim. Vorstellung: Verordnung über das Naturschutzgebiet „Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein“ vom 28. Februar 1978. Abruf am 7. April 2026.

Einzelnachweise

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