Hermann Siegfried Schulze (* 2. April 1925 in Schmannewitz;Rolf Lieberwirth: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945. Fakten und Erinnerungen. 2. ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, ISBN 978-3-86977-014-7, S. 112 und Fußnote 268. † 10. April 2013 in LeipzigTranskript der Traueranzeige in Leipziger Volkszeitung vom 20. April 2013) war ein deutscher Rechtsanwalt und Hochschullehrer für Versicherungsrecht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Leben und Wirken Von der Geburt bis zum Kriegsende Schulze wurde als Sohn des Lebensmittelhändlers Hermann Schulze und dessen Frau Anna geboren.Lebenslauf vom 1. Juni 1970 als Anlage zur Dissertation von Siegfried Schulze: Internationalrechtliche Probleme der Personen-, Sach- und Haftpflichtversicherung in beiden deutschen Staaten Universität Halle, 1970,

Von 1931 bis 1938 besuchte er die Volksschule in Schmannewitz und anschließend die damalige Oberschule mit Realschulzug in Oschatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1943 zur Wehrmacht eingezogen und verließ deshalb die Oberschule mit dem Reifeattest.

Er geriet 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde 1948 entlassen, nachdem er zuletzt als Hauer im Steinkohlenbergbau eingesetzt wurde. Als Kriegsgefangener wurde er zudem als Maurer und Tiefbauarbeiter beschäftigt.

Wissenschaftliche Tätigkeit Von 1962 bis 1967 studierte Schulze an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ in Potsdam-Babelsberg und der Humboldt-Universität zu Berlin sowie an der Juristischen Fakultät der Universität Halle.

Mit Beendigung des Studiums wurde er 1967 Diplom-Jurist. In seiner DiplomarbeitTitel der Arbeit: Westdeutsche Angriffe auf Vermögensinteressen der DDR und Möglichkeiten ihrer Abwehr, behandelt am Beispiel des Rechtsträger-Abwicklungsgesetzes. Dipl. Arbeit, Halle 1967 behandelte er juristische Möglichkeiten aus damaliger DDR-Sicht, um „Eingriffe(n) auf die Vermögensinteressen der DDR“ durch die Bundesrepublik, insbesondere durch das Rechtsträger-Abwicklungsgesetz aus dem Jahre 1965, zu begegnen.

Anschließend wurde Schulze wissenschaftlicher Aspirant der Juristischen Fakultät der Universität Halle für die „Fachrichtung Internationales Finanz- und Wirtschaftsrecht“ und später zum Oberassistenten ernannt.Neue Zeit, 2. Oktober 1979, S. 2 Sp. 6 [„Würdigung verdienstvollen Wirkens“] Schulze lieferte 1970 seine Promotion A zum Thema Internationalrechtliche Probleme der Personen-, Sach- und Haftpflichtversicherung in beiden deutschen Staaten abUniversität Halle, Erstgutachter: Hans Spiller, Zweitgutachter: Harald Schmidt (* 1929). Tag der Promotion: 17. Dezember 1970, , . und 1977 die Promotion B zu Rechtsproblemen der Gestaltung des Versicherungsschutzes für Bau- und Montagerisiken beim Import von Industrieanlagen aus dem nichtsozialistischen Ausland.Universität Halle, 1977, Tag der Promotion (B): 28. Juni 1977, , .

Im Jahre 1978 wurde Schulze zum Dozenten für das Fachgebiet „Versicherungsrecht der DDR und internationales Versicherungsrecht“ an der Universität Halle berufen.Dirk Breithaupt: Rechtswissenschaftliche Biographie DDR, Kiel/Berlin, S. 483, In seinem juristischen Wissenschaftsbereich der Martin-Luther-Universität wurden „Probleme der juristischen Ausgestaltung“ der inner- und intersystemischen Wirtschafts-, Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen arbeitsteilig erforscht.Neue Zeit, 22. Juli 1980, S. 3 (Siegfried Schulze, Leipzig: "Langfristige Aufgaben zeitgemäß konkretisiert.") Schulze war damit der einzige Professor für Versicherungsrecht in der DDR.Barbara Eggenkämper/Gerd Modert/Stefan Pretzliik: Die staatliche Versicherung der DDR. Von der Gründung bis zur Integration in die Allianz. München 2010, ISBN 978-3-406-60375-4, S. 28 Zugleich war er Schiedsrichter an der am 14. November 1952 in Ost-Berlin gegründeten Kammer für Außenhandel (KfA). Nach der friedlichen Revolution in der DDR erläuterte Schulze 1990 das Versicherungsrecht und das Versicherungswesen der DDR auf zwei Tagungen in KölnW. S.: Entwicklung und Perspektiven des Versicherungswesens in der DDR (Bericht). In: Versicherungswirtschaft. Heft 13/190, S. 797–799, hier S. 798 und Hamburg;Rolf Bernheim: Grundzüge des Versicherungsrechts der DDR und die gegenwärtige Entwicklung. In: Versicherungswirtschaft. 45. Jahrgang, Heft 24 (15. Dezember 1990), S. 1498 f., außerdem organisierte er eine Tagung zum Versicherungsaufsichtsrecht in Leipzig.Tagesseminar am 4. September 1990, Anmeldung über: Prof. Dr. Siegfried Schulze, Sebastian-Bach-Str. 4, Leipzig, laut Annonce "Versicherungsforum" in Tageszeitung Neue Zeit, 23. August 1990, S. 6

Rechtsanwalt Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der Entlassung des Lehrkörpers der hallischen JuristenfakultätRolf Lieberwirth: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945. Fakten und Erinnerungen. 2. ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, ISBN 978-3-86977-014-7, S. 124 f. arbeitete er bis 1998 als Rechtsanwalt an seinem Wohnort in Leipzig. Parallel war er weiter als Referent auf versicherungsrechtlichen TagungenNeue Zeit, 29. November 1990, S. 14 Sp. 3/4 Annonce "Versicherungsforum" und als Autor tätig.Zum Beispiel: Siegfried Schulze: Haftpflichtversicherung – eine neue Form in den neuen Bundesländern. In: Wirtschaftsrecht (Kurztitel: WIRTB), 12/1991, S. 690 f.

Politik Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft hatte sich Schulze der Ost-CDU angeschlossen. In dieser Blockpartei wie auch im Staatsapparat übte er verschiedene Funktionen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. in der DDR aus. Beispielsweise war er einer der Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Kreises Borna.Neue Zeit, 1. Juni 1954, S. 3, Sp. 2 (Unionsfreunde gründeten LPG) Von seiner hauptamtlichen, politischen Funktion als Sekretär des Bezirksverbandes der CDU Leipzig unter dem Vorsitzenden des Bezirksvorstandes Fritz-Karl Bartnig wurde er im zweiten Halbjahr 1962 abberufen."Abberufung Siegfried Schulze als Sekretär Agitation Propaganda". 36. Sitzung des Sekretariats des Hauptvorstandes der CDU am 12. November 1962, unter Tagungsordnungspunkt 4. In: ARCHIV FÜR CHRISTLICH-DEMOKRATISCHE POLITIK DER KONRAD-ADENAUER-STIFTUNG E.V. 07 – 011 CDU IN DER SBZ/DDR BAND III. Sankt Augustin 2018, S. 147 Allerdings wirkte Schulze an seinem Wohnort weiter ehrenamtlich als Mitglied des Bezirksuntersuchungsausschusses des Leipziger Bezirksverbandes der CDU und blieb auch Schulungsreferent im Kreisverband Leipzig.Neue Zeit, 2. Oktober 1979, S. 2 Sp. 6 [„Würdigung verdienstvollen Wirkens“]

Schulze war seit 1987 (ehrenamtlicher) Vorsitzender des Zentralen Untersuchungsausschusses der Ost-CDU.Neue Zeit, 17. Oktober 1987, S. 3 Zugleich war er Mitglied des Bezirksvorstandes,Neue Zeit, 2. Mai 1985, S. 3 unter dem Vorsitzenden des BezirksvorstandesNeue Zeit, 9. März 1982, S. 1 des Hauptvorstandes sowie später auch des Partei-Präsidiums.Neue Zeit, 3. November 1989, S. 1 Ab November 1989 untersuchte Schulze als Vorsitzender des Zentralen Untersuchungsausschuss das Finanzgebaren des ehemaligen Parteivorsitzenden Gerald GöttingNeue Zeit, 18. Dezember 1989, S. 2 Sp. 1 und stellte „persönliche Bereicherung und Amtsanmaßung“ fest.Berliner Zeitung, 16. Dezember 1989, Sp. 5 f.Neue Zeit, 18. Dezember 1989, S. 4

Freizeittätigkeiten In seiner Freizeit widmete Schulze sich der Medaillenkunst„Dr. Otto Marzinek (1912-1986) in memoriam“. Hrsg. Deutsche Medaillengesellschaft e. V., Köln 1986 Gedächtnisheft/Nachruf für Dr. Otto Marzinek, Köln 1986 und der Modelleisenbahn.Siegfried Schulze: Eine kleine Bastelei für N-Freunde. In: Der Modelleisenbahner. Fachzeitschrift für den Modelleisenbahnbau und alle Freunde der Eisenbahn. 22. Jahrgang. 10/1973, S. 296 f.

Auszeichnungen in der DDR Ernst-Moritz-Arndt-Medaille der Nationalen Front, 1963Neue Zeit, 14. Juli 1963, S. 2 Sp. 1 Otto-Nuschke-Ehrenzeichen, 1971Neue Zeit, 26. Juni 1971, S. 2 Vaterländischer Verdienstorden in Silber, 1985; in Bronze 1979 als wissenschaftlicher OberassistentNeue Zeit, 2. Oktober 1979, S. 2Neue Zeit, 2. Mai 1985, S. 2 (Mitglied des Bezirksvorstandes der CDU Leipzig, Dozent an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle (Saale), Sektion Staats- und Rechtswissenschaft)

Veröffentlichungen (Auswahl) Internationalrechtliche Probleme der Personen-, Sach- und Haftpflichtversicherung in beiden deutschen Staaten. Universität Halle, 1970, Erstgutachter: Hans Spiller, Zweitgutachter: Harald Schmidt (* 1929). Tag der Promotion 17. Dezember 1970OCLC-Nummer:181427402 Rechtsprobleme der Gestaltung des Versicherungsschutzes für Bau- und Montagerisiken beim Import von Industrieanlagen aus dem nichtsozialistischen Ausland Universität Halle, 1977, Tag der Promotion (B) 28. Juni 1977OCLC-Nummer: 722057615 Versicherungsrecht. Textausgabe der Rechtsformen und Vertragsbedingungen für die Sach-, Haftpflicht- und Personenversicherungen in der DDR, 1970Hrsg. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Sektion Staats- u. Rechtswissenschaft, Wissenschaftsbereich Internationales Finanz- u. Wirtschaftsrecht. Mit einem Vorwort von Hans Spiller, Die rechtliche Regelung der Versicherung von Seeschiffen in der Deutschen Demokratischen Republik, der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien.Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg. Sektion Staats- u. Rechtswissenschaft, Bereich Internationales. Finanz- u. Wirtschaftsrecht, Halle 1973, ; OCLC-Nummer:72315445 Rechtsprobleme der Versicherung von Risiken der volkseigenen Wirtschaft.Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe. Jahrgang XXVII (1978) H. 6 S. 75–78, Die Versicherung von Warenexporten und Warenimporten nach dem Recht der DDR.In: Versicherungsrecht. (VersR) 35. Jahrgang (1984), S. 810, Die Versicherung von Bau- und Montagerisiken im internationalen Wirtschaftsrecht nach dem Versicherungsrecht der DDR.In: Versicherungsrecht. (VersR) 36. Jahrgang, Heft 39 vom 10. Oktober 1985, S. 1020–1024, Versicherungsrecht. Textausgabe der Rechtsnorm und Vertragsbedingungen für die Sach-, Haftpflicht- und Personenversicherungen in der Deutschen Demokratischen Republik mit Anmerkungen und Sachregister.Hrsg. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. (Zusammenstellung und Bearbeitung: Harald Schmidt und Siegfried Schulze), 3., überarbeitete u. ergänzte Auflage 1982, ; 4., überarb. u. erw. Aufl. 1987, ISBN 978-3-329-00053-1 Entwicklungslinien im Versicherungswesen der DDR.In: Versicherungswirtschaft. Bd. 45/1990, S. 379, 45 Jahre Versicherungswesen und Versicherungsrecht in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR.In: Versicherungsrundschau. Volkswirtschaftliche Verlags-Gesellschaft, Wien 1991, . Bd. 46, S. 81–88 Haftpflichtversicherung – eine neue Form in den neuen Bundesländern.In: Wirtschaftsrecht (Kurztitel: WIRTB), 12/1991, S. 690 f. Digitalisat der SUB Universität Hamburg: Die Entwicklung des Versicherungswesens und des Versicherungsrechts in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik. 1994, ISBN 978-3-96329-118-0.

Einzelnachweise

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